Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (2.5.1936)
- Date
- 1936-05-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2825247-2825368-2825373--1084-2826748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer- 5 Park* Cafe Konditorei Kreuzlingen das gediegene &amilien~%€afe 1145 ein. So spricht der Verfasser — um nur einiges herauszugreifen — über Grundsätzliches über Entwicklungsgesetze, über die Entwicklung der Leistungsfähigkeit, über Pubertät, Generationskonflikt, weltanschaulichen "Konflikt etc., Probleme, die dem Lehrer und Erzieher viel des Interessanten und Wissenswerten bieten. Im letzten Kapitel behandelt der Verfasser die besondere Lage der jüdischen Jugend Deutschlands und sagt u. a., daß die geistigen und seelischen Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuderi nicht so sehr anlagemäßig, denn als Folgen der sozialen Umstände bedingt sind. Zuverlässige Angaben über den. Grad der Unterschiede können nicht gemacht werden, weil die statistische Verarbeitung sich auf zu geringes Material stützt. Die Vorwürfe, die den Charakter des jüdischen Kindes treffen sollen, sind nach Ansicht des Verfassers wenig einheitlich. Er gibt eine interessante Gegenüberstellung sich widersprechender charakterlicher Züge, die man uns Juden vorwirft und kommt zu dem Ergebnis, daß ein Urteil über die Eigentümlichkeiten der Juden in der Diaspora nur dann wissenschaftlich möglich ist, wenn viele von ihnen unter streng vergleichbaren Bedingungen untersucht werden. Die Gespanntheit der Situation, unter der der jugendliche Jude lebt, zu leben gezwungen ist, läßt ihn die mit der Pubertät einsetzenden Konflikte mit vielfacher Wucht treffen, als es sonst unter normalen Verhältnissen der Fall ist. Der Verfasser zieht leider nicht die pädagogischen Konsequenzen aus seinen Darlegungen, bemerkt aber doch zum Schluß, daß es nicht Sache des Erziehers ist dem jungen Menschen die Kämpfe zu ersparen, um ihn nicht zu verweichlichen und dem harten Leben ungerüstet gegenübertreten zu lassen, sondern er muß ihn für den Kampf körperlich und seelisch ausrüsten, damit er sich in ihm würdig bewährt und aus ihm mit Ehren hervorgeht. Ein ausführliches Literaturverzeichnis bildet eine willkommene Zugabe für den, der sich mit diesen Problemen eingehender befassen will. Bchh. * Die Flut der hebräischen Lehrbücher scheint langsam abzuebben, doch noch immer werden neue angeboten. Das Buch von Dr. E. Hirschfeld: Neuhebräisch — altbekannt (Joachim Goldstein Verlag, Berlin, 1935) versuchtem das heutige Hebräisch einzuführen, indem es die allgemein bekannten hebräischen und jiddischen Wörter unserer Umgangssprache benützt, um durch die Anknüpfung die Erlernung neuer Vokabeln zu erleichtern. Dies Unterrichtsmittel, an sich gewiß nicht neu, wurde wohl hier erstmalig zu dem methodischen Prinzip erhoben: ein durchaus dankenswerter Versuch, der jedoch darunter leidet, daß das Prinzip um jeden Preis durchgeführt werden soll, „denn wo es nicht anders geht, wird versucht, mit mnemotechnischen Mitteln zu helfen". Diese Mittel sind nun meist ungemein gesucht; wenn beispielsweise zur Gedächtnishilfe für "röi9 das „O Mädchen, mein Mädchen" von Goethe bemüht wird, so scheint mir eine solche völlig unmorivierte „Hilfe" nicht nur das Gedächtnis unnötig zu belasten und so die Erlernung zu erschweren, sondern sie auch noch hoffnungslos zu banalisieren, wozu wir gerade beim Hebräischen besonders wenig Veranlassung haben. — Der Grundfehler aber dieses Lehrbuchs scheint mir darin zu liegen, daß hier in den Mittelpunkt des Systems die Vokabel gestellt wird, während die Texte „nur zu ihrer Erläuterung und Einprägung" dienen. „Die Vokabel", das ist eine Abstraktion, die der moderne Sprachunterricht längst überwunden hat, wenn er als natürliche Spracheinheit den Satz betrachtet. Notwendige Folge jedoch jener zweitrangigen Aufgabe, die dem Text als einer bloßen „Erläuterung" zugewiesen wird, ist seine Banalität und sein Mosaikcharakter. Zusammenhängende Lesestücke kommen in dem bis jetzt erschienenen 1. Teil des Buche überhaupt nicht vor, und über die geistige Höhe solcher Sätze wie „Wir hören, daß unsere Tauten aus dem Zimmer eurer Tante zu uns gehen" (S. 42) oder „Der Dank meines Herzens gilt den Lehrern meiner Söhne" (S. 57) kommen die meisten nicht hinaus. Ob dergleichen den Lerneifer des jungen oder erwachsenen Schülers fördert, mag bezweifelt werden; bestimmt aber regen isolierte Sätze solchen Inhalts zum natürlichen Sprechen nicht an. Solches Sprechen aber ist unseres Erachtens ein Hauptziel jeder zeitgemäßen Methode, und gerade dies Ziel — das sich Dr~ Hirschfeld selber setzt, wenn er sagt, er wolle „in die moderne hebräische Sprache, wie sie in Erez Israel lebt und gesprochen wird, einführen" — verfehlt der Verfasser auf diese Weise gründlich. Kurt Bergel. Der Joachim Goldstein Verlag, Berlin hat mit der Herausgabe einer Bücherreihe unter dem Titel „B ücherder Erneuerung" begonnen. Als erstes Werk sind die P r e d i gten an das Judentum von heute erschienen. Preis 1.80 RM. Predigten sind „Gelegenheitsdichtungen" mit all ihren Vorzügen und Nachteilen. Ihr Wesentliches liegt in der Wirkungbeschlossen, die sie im Augenblick des Gesprochenwerdens auf lauschende Menschen ausüben. Das ihnen anhaftende besondre Pathos, der Raum und die Stimmung, in denen sie gehalten werden, schaffen die Schwierigkeiten, die einer Fortwirkung im gedruckten Wort entgegenstehen. Die vorliegenden Predigten sind aus der Not unserer Zeit herausgewachsen; sie wollen sich mit ihr auseinandersetzen und so den angesprochenen jüdischen Menschen Halt geben. Dieser Aufgabe sind indes Grenzen gezogen, die in der Natur der Sache liegen; und so bleibt sie vielfach nur halb gelöst. Immerhin: der Zug zur Aktualität, zuweilen auch der Mut, ihm zu folgen, machen die Sammlung zu einem anschaulichen Zeugnis für die Art, wie in den Gotteshäusern auf die Ereignisse der Zeit reagiert wurde. Sie bietet aber auch denen, die zur Gemeinde sprechen müssen, wertvolle Anhaltspunkte zum Aufbau und zur inhaltlichen Gestaltung der Ansprachen. Dr. Mark Wischnitzer: Die Juden in der Weit. Gegenwart und Geschichte des Judentums in den Ländern. Berlin, Brich Reiß Verlag. 432 S. 5,50-6,80 RM. Ein Buch, zur rechten Zeit erschienen. Der Verfasser widmet der Lage der Juden in allen Ländern der Weli einen mehr oder minder ausführlichen Artikel, indem er zunächst ihre Gesclrchte, sodann die allgemeine wirtschaftliche Lage in dem betreffenden Lande, die. Einstellung der Bewohnerschaft gegenüber der Judenheit, die gegenwärtige Zahl der jüdischen Einwohner, ihre soziale und wirtschaftliche Lage und die Möglichkeit weiterer Niederlassung jüdischer Auswanderer erörtert. Der Verfasser entwickelt dabei ein staunenswertes Wissen und nicht minder eine außergewöhnliche Gründlichkeit; seine geschichtlichen Notizen über die Juden in den einzelnen Ländern vermögen auch dem guten Kenner jüdischer Geschichte noch recht viel zu bieten. In dieser für die Lage der Juden in mehreren Ländern so überaus kritischen Zeit, in der viele Hunderttausende genötigt sind, sich eine neue Heimat zu suchen und dort eine Existenz zu begründen, ein gar n:cht hoch genug zu schätzendes Buch. Wahrlich, ein Buch zur rechten Zeit! M. Steinhardt In- und Ausland. Ehe-Arrangements Frau Else Hess, Karlsruhe b Kaiserstr. 183 1 Sprechst. v. 10-12 u. 15-17 Uhr. Drucksachen^^ Buchdruckerei Gebr. Neubauer, Ludwigshafen-Rb., Schulstraße 14. Telefon 62318-19. Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Hauptschriftleiter, Köln-Sülz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. l.Vj. 831 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafer« a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936. . v