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Jüdische Schulzeitung · 1936-05-02 · 5 (2.5.1936) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
5 (2.5.1936)
Date
1936-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer ,5 j ü;d i sc h e Seh u 1 z e i t u ng Seite 5 die-sich aus der lebendigen Anschauung her in unsere Sinne eingesenkt haben. * Keiner -unter uns ist aus Palästina heimgekehrt, der sich nicht bewußt gewesen wäre, daß ihm ein tieferer Blick in die. Seele des Landes und in die Natur der Volkneuwerdung versagt hätte bleiben müssen. Wir fühlten das am stärksten, wenn wir, fern der Stadt, die Siedelungen betraten. Dutzende der Moschawoth, der Moschwe owdim und der Kwuzoth haben wir „besichtigt", von Kfar Gileadi im Norden des Galil, bis hinab nach Beth hakerem in der Nähe Jerusalems. Obgleich man uns überall bereitwillig von der Arbeit, von den Freuden und den Sorgen der Siedelüngen erzählte, obgleich wir die Wohnungen, die Wirtschaftsgebäude und die Pflanzungen betreten durften, blieben uns die Untergründe dieser uns unbekannten WelWerborgen. Das Letzte, haben uns diese . auf eine seltsame Art schweigsamen, ihrem Tun hingegebenen Menschen nicht enthüllen mögen trotz der Aufgeschlossenheit, mit der man uns empfing. Dennoch spürten wir eines aufs eindringlichste; inmitten eines Landes, das in zweitausend Jahren zu einer Sumpf- und Steinwüste ohnegleichen geworden war, umgeben auch heute noch von mancherlei Gefahren, hat jüd. Jugend und haben innerhalb ihrer hunderte junger Menschen, die uns einmal räumlich und seelisch nahe standen, den Gang in eine mühe- und entsagungsreiche, aber doch glückhafte Zukunft gewagt. Mag uns, deren Leben in einer anderen Zeit eine andre Durchformung erfuhrt nicht alles zusagen, was hier sich begibt, so wird doch das Gefühl des Mißbehagens überströmt von dem stärkeren der Freude über den Wandel, der sich hier vollzogen hat. Hier vertut keiner seine Kraft in zermürbendem u. dennoch hoffnungslosem Kampf um die Geltung menschlicher Würde und menschlichen Wertes; hier steht jeder jüd. Mensch fest und sicher auf der Erde, der in zähem Fleiß die Erträge abgerungen werden, und verflogen sind alle Minderwerf gkeitszeichen. Diese. wohlumhegten Kinder namentlich, zu deren Gedeihen das Letzte aufgeboten wird, wachsen dem Baume gleich ganz natürlich in die Landschaft hinein. Sie sind die große Hoffnung nicht der Eltern bloß, sondern in einem bedeutenderen Sinne des Volkes, das — für eine geraume. Zeit wenigstens — den Stab Ahasvers zur Seite legen will. * Nur eine kleine Zahl Lehrender sind es gewesen, denen dieses Mal das Glück zuteil wurde, das Land zu sehen. Die Schwierigkeiten, denen sich die zuständigen Stellen gegenübersähen, ließen es nicht zu, daß alle mitreisen konnten, die sich uns anzuschließen wünschten. Vielleicht ist es diesem ersten Versuch, eine engere Verknüpfung zwischen dem Geschehen in Erez und der Schule in der Ferne herzustellen, zugute gekommen, wenn der Kreis der Teilnehmer klein blieb. Wir haben wohl so besser den Reiseplan auf die Zweckmäßigkeit seines Aufbaus hin prüfen können. Wir haben nach dieser Richtung hin manche Erfahrung gesammelt. Wir gäben dem Plan heute gewiß ein ander Gesicht, so daß er noch besser auf die Anliegen zugeschnitten wäre, mit denen jüdische Lehrer das Land betreten. Mag immer aber auch das eine oder das andre falsch gemacht worden sein, so hat uns dennoch die Palästinareise beglückt. Wir sind um vieles reicher geworden in den vier Wochen, die wir fern der Stätte unseres Wirkens weilten. Erez Jisrael ist uns nicht mehr ein Begriff, ein Landkartenbild, eine Sammlung von Photos und Lichtbildstreifen, Erez Jisrael ist uns zur Wirklichkeit geworden. Die Eindrücke, die wir dort empfangen haben, wirken mächtig in uns nach. Sie spornen uns zum Einsatz für das Werk des Aufbaus an; sie geben dem belehrenden Wort das wir-zu den Jungen und zu den Alten hinsprechen, Kraft und Nachdruck. Es ist unser Wunsch, daß weiterhin viele Kollegen und Kolleginnen da* Land besuchen werden. Was wir an Erfahrungen gesammelt haben, lassen wir ihnen gern zugutekommen. Der heutigen Nummer liefitf ein Prospekt des Werkes: ..Der Weg in die jüdische Neuzeit" von S. Müller, Heidelberg, bei und wir hoHen. daß unsere Leser uns recht zahlreiche Bestellungen übermitteln-werden. - Der Verlag der Jüd. Schulzeitung, Ludwigshafen a. Rh. Arbeitstagung in Bonn In den ersten Tagen der Osterferien fand die von Reichsvertretung und Landesverband in Bonn veranstaltete Lehrerfortbildungstagung für den westlichen Bezirk statt, in deren Rahmen auch die Generalversammlung des Vereins jüdischer Lehrer Rheinlands und Westfalens verlegt wurde. Die Lehrer der Bonner Schule, der Leiter Hammerstein und Herr Valier- Großmann zeigten uns in instruktiver Weise Entstehungsgeschichte, Schulplan und Arbeit einer aus der Zeit herausgeborenen zweiklassigen Volksschule, die die Aufgabe hat, als eine Art Dorfschule großstädtisch-pädagogische Probleme zu Iö'sen, die ihre eigene Prägung hat durch ihren gelockerten Stundenplan, der Englisch, Handfertigkeit, Sport umfaßt, der durch Schulfeier, enge Verbindung mit Gemeinde und Synagoge die jüdische Note in starkem Maße betont. Einfache, selbst hergestellte Lehrmittel, die kleine Schulbühne — man zeigte uns ein im jüdischen Geschichtsunterricht gewonnenes Stück — zeugen von fruchtbringender Arbeit. — Die Nachmittagsdiskussion des ersten Tages leitete ein Referat des Kollegen Reinhardt-Köln über den Aufbau des hebräischen Unterrichts an völlig ausgebauten Systemen ein. Da eine Allgemeinlösung wohl kaum gegeben werden kann — zu verschiedenartig sind Schulaufbau, Stufen- und Klassenzahl — erübrigt sich hier eine genaue Wiedergabe. Man beschäftigte sich aber sehr intensiv mit den Iwrith-Kursen, dem neusprachlichen Aufbau des gesamten Unterrichts, mit Aussprache, modernen Lehrmitteln und Büchern und vor allem der Notwendigkeit der Fortbildung des jüdischen Lehrers: ein Chug iwri überall! Ein sehr sachliches und klar gegliedertes Referat über das vielleicht schwierigste Problem an der jüdischen Schule hielt Rektor Dr. Stern-Berlin, der Verbandsvorsitzende, „Geschichtsunterricht". Er beantwortete die Frage, ob die Allgemeingeschichte uns noch in so hohem Maße interessieren könne, die Geschichte Deutschlands, mit ja. Das Land, der Staat gaben uns die. Prägung des „deutschen Juden". Die deutsche Geschichte ist uns daher die faßbarste und lehrbarste, sie behält ihren Wert, daneben soll ausländische Geschichte — Frankreich, England, Amerika, Rußland, Islamisch-jüdische Geschichte, arabisches Problem — Platz finden. Ueberaü Beziehungen zum Jüdischen herzustellen, Parallelen zu suchen, lehnt der. Redner als Verzerrung ab. Ob eine Parallel- Erteilung des jüdischen Geschichtsunterrichts gewählt werden soll, ob man die jüdische Geschichte ihrer Einheitlichkeit wegen ganz in d'.e Hand des Religionslehrers geben soll — das sind Fragen, die Dr. Stern noch offen ließ. Quellenstudium, Planbeispiele, moderne Problemstellung im jüdisch-politischen Bezirk wurden gleichfalls gestreift. Am letzten Tage der Veranstaltung gab Herr Hammerstein auf vielfach geäußerten Wunsch den Plan einer Bonner Arbeitswoche, dessen genaue Veröffentlichung wünschenswert erscheint, da sie gewiß vielen Neugründungen Fingerzeige geben könnte. — Das Hauptreferat dieses Tages hielt Dr. Herz, der Leiter des Düsseldorfer Systems: „Der Hachscharahgedanke in der Schule." Seine Ausführungen drehten sich im Wesentlichen um die Stellung, die die Schule heute einnimmt zu der späteren Lebensmögiichkeit des Kindes, um den Einblick in die soziale Struktur, um Gruppenarbeit (Gemeinschaftsgedanke!)," gemeinsames Vorgehen mit den Bünden, den Eltern, um das 9. Schuljahr, die Schulfeier. — Im Anschluß daran gab Dr. Bamberger-Berlin einen Ueberblick über die Typen des 9. Schuljahrs und der Vorlehre: 1. Handwerkerlehrlinge oder Mädchen, die noch keine Stellung fanden — Papp-, Holz-, Metallarbeiten einerseits — jüdische Geschichte, Deutsch, Gesundheitslehre, Allgemeinfragen, Hauswirtschaft andrerseits. 2. Das 9. Schuijahr als Aufbau der Volksschule mit Deutsch, Natur- und Erdkunde, jüdischen Fächern, Englisch, Hebräisch, prakt. Rechnen, Hauswirtschaft, Werkunterricht, besonders Freizeitgestaltung etc. 3. Der Typ der Mittlerenschule der Jugendalijah mit besonders starkem Maß an Hebräisch, Hygieneunterricht, Vorerziehung für Erez. Allen Typen gemeinsam sind Fachunterricht durch Handwerker, Betriebsbesuche, sportliche Einstellung.

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