Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 4 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2825247-2825368-2825372--1073-2826735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Jüdische Schulzeitung Nummer 4 In .unsexem Berichte-ist eine Anzahl Männer namentlich -erwähnt, welche durch Leistungen hervorgetreten sind. Dank "gebührt aber nicht nur ihnen, sondern auch den vielen, vielen •änderenv^?;^ier:mcht genannt werden konnten, aber, an welcher Stelle immer, mit gleicher Liebe der Erhaltung, der Festigung und dem Ausbau unseres Verbandes wie der Förderung der . Lehrerschaft und ihrer Ziele Zeit und Kraft gewidmet haben. Möge es unserer, engeren Gemeinschaft auch in der Zukunft nicht an solchen Persönlichkeiten fehlen! Neue Psalmenkommentare von Dr. M. Spanier, Berlin „Das Ganze ist ein wunderbar reiches Gefüge einer aus der. Tiefe der Seele gesungenen Poesie; ein Spiegel wechselnder, nicht selten einander widersprechender Empfindungen, überall durch ihre Unmittelbarkeit und Wahrhaftigkeit ergreifend. Ein Grund für die ewige Wirkung dieser Gesänge scheint mir hierin zu liegen: Wiewohl der Kultus der letzte Ursprung ihrer Entstehung ist und also die Empfindungen einer Vielheit, oder im gegebenen Augenblick gleichartig fühlender und handelnder Einzelner in diesen Gedichten und Gebeten klingen, lassen sie doch fast immer erkennen, daß sie aus dem persönlichen Erlebnis eines einzelnen Menschen, daß sie aus den Tiefen des Herzens gedichtet sind. Dieses Buch ist der Quell des Gemeindegesanges ungezählter Gemeinschaften und Generationen geworden, zugleich aber ist es eine ewige Brunnenstube der frommen Erbauung in der Stille." Mit diesen Worten schließt Hans Schmidt die Einleitung zu seinem Kommentar, der als erstes Werk in dem neuen Handbuch zum Alten Testament, herausgegeben von Otto Eißfeldt (Verlag I. C. B. Mohr, -Tübingen 1934, 258 S.), erschienen ist. Wie sich bei diesem bedeutenden Vertreter der alttestamentiichen Forschung von selbst versteht, entspricht seine Ausgabe dem neuesten Stande der Wissenschaft, die er auf mannigfachen Teilgebieten gefördert hat. In diesem Buche hat er die wissenschaftliche Begründung seiner Textgestaltung und damit seiner Erklärungen auf den knappsten Räum gebracht. Von jeder unnützen Polemik hält sich der Autor fern. Die Erläuterungen zu jedem Psalm haften nTcht am einzelnen Wort, sondern charakterisieren das Gedieht im ganzen und in der Entwicklung seiner Gedanken- und Gefühlsbewegung. Sein künstlerisches Empfinden* und seine aus eigener Anschauung gewonnene Kenntnis des heiligen Landes, dazu die Frische und Lebendigkeit der Darstellung .machen die Lektüre des Buches wertvoll und genußreich. Gewisse Lieblingsideen des Autors drängen sich wohl etwas vor, z. B. seine Meinung, daß in mehreren Psalmen die Klagen -des unschuldig ins Gefängnis Gebannten auf eine gerichtliche Prozedur hindeuteten, besonders aber jene durch Mowinckel geförderte Anschauung vom Fest der Thronbesteigung Ihwhs zur Zeit des Neujahrs. Mag man in Babylon ein solches Prozessionsfest, .bei dem Gott Marduk wieder in seine Wohnung einzog, gefeiert haben, es ist keine Tradition vorhanden, daß eine solche Huldigungsfeier, die völlig dem bildlosen Kultus des Judentums widerspricht, jemals in ähnlicher Form begangen wurde. All diese. Psalmenstellen — sie sind bei Schmidt noch sehr zahlreich -—.lassen eine näher liegende Erklärung zu. Es ist hier nicht der Ort auf Einzelheiten einzugehen. Daher nur ganz, wenige Bemerkungen. Ich habe bei der Besprechung des 45. Psalms in diesen Blättern schon darauf hingewiesen, daß es verfehlt ist, in „ahabtha" eine Anspielung auf den Namen des Königs Ahab, der Aehab hieß, finden zu wollen. Das gleiche Wort, das erste, im .116. Psalm, übersetzt Schmidt: Lieb hab ich gewonnen „das Haus Ihwhs" — er ergänzt dieses Objekt mit Hinweis auf Psalm 26 8 in der Annahme, daß „Beth I." durch Haplographie ausgefallen sei. Schmidts Textverbesserungsvorschläge halten sich im Vergleich zu andern Forschern zumeist in mäßigen Grenzen. Störend und überflüssig erscheinen s.ie etwa in Psalm 42, 7, wo aus der charakterisierenden, so überaus bedeutungsvollen Ortsbezeichnung nun die Wendung wird: „Aus der Tiefe, da ich hinabgestiegen, hilf mir empor! Aus dem bösen Kerker!" (Also eine Konjektur aus Liebe zur Gefangenenidee!). Nach der phantasievollen Aenderung von 73, 10 lautet die Uebersetzung dieser Stelle: „Darum kehren sie die Leute von Gott, und die finden keinen Makel an ihnen." Im 23. Psalm übersetzt Schmidt: „An Wasser zum Ausruhn leitet er mich, um mich zu erquicken." In einer Anmerkung zu der letzten Wendung meint er: „Die Uebersetzung: Er erquickt meine Seele, trägt zu früh eine geistige Deutung ein. Eher wäre zu übersetzen: Er erquickt meinen Gaumen, meine 'Kehle. Das ist die Urbedeutung von nefesch." Urbedeutung ist doch wohl Hauch, Atem. Abgesehen davon, daß im Gedankenspiel des Gleichnisses doch auch das Eigentliche anklingt, warum ist „Seele" beim Herdentier unanwendbar? Jodea zaddik nefesch b'hemtho, Sprüche 12, 10. - Auch in dem neuen löbäridigen Bibelkommentar (die Heilige Schrift für das Leben erklärt: Herausgeber Edmund Kalt für das Alte Testament, Willibald Lauck für das Neue Testament, Herder & C, Freiburg i. Br„ 1935, 524 S.) sind die Psalmen zuerst erschienen. Das Buch ist für katholische Priester, die täglich im Brevier die Psalmen lesen, aber auch für katholische Laien bestimmt, „die für die Liturgie aufgeschlossen sind". Es will, gestützt auf die Ergebnisse der wissenschaftlichen Exegese, — einige katholische Forscher werden genannt — den eigentlichen und nächstliegenden Sinn jedes Psalms anschaulich darlegen, ihn also in den Zusammenhang von Volk und Heimat, Sitten und Gebräuche, Denk- und Sprechweise der Juden stellen, dann aber auch — und dies hauptsächlich — den überzeitlichen Sinn der Psalmen, ihren religiösen Gehalt, für die Gegenwart fruchtbar machen zur „Erweckung eines lebendigen Glaubens an die göttliche Vorsehung in allen Lebenslagen und eines felsenfesten Vertrauens auf die Gute Gottes." Nach katholischer Auffassung sind die Psalmen inspiriert, also unier besonderer Mitwirkung des göttlichen Geistes entstanden. „Die äußere Form der Psalmen ist heimat- und zeitbedingt, der vom Heiligen Geist inspirierte Inhalt aber ist überzeitlich und an keine nationalen Schranken gebunden. Die religiösen Lieder Israels haben auch dem Christen noch viel zu sagen. Ihre Schönheit liegt jedoch nicht auf der Oberfläche, und ihr innerer Reichtum kann nur durch ernstes Studium und durch emsige Betrachtung gehoben werden. Menschliche Form und göttlicher Inhalt stehen nicht unabhängig nebeneinander, so daß man den Inhalt ohne Rücksicht auf die Form ausschöpfen könnte. Wer das Göttliche richtig verstehen will, muß zuvor das Menschliche an den Psalmen verstanden haben." (S. 9.) Der Verfasser spricht von der wichtigen Stellung, die dem Psalter im kirchlichen Stundengebet, in dem Brevier, zugewiesen worden ist, so daß es keine Stunde des Jahres gibt, in dem nicht Psalmengebet und Psalmengesang zum Himmel steigt" (S. 5.) Die Uebersetzung ist in einem schönen, schlichten Deutsch gegeben; sie weicht nur selten vom Text der Vulgata ab. Als Beispiel zitiere ich die oben angeführten Stellen. 42, 7: Tief gebeugt ist meine Seele, darum muß ich dein gedenken vom Land des Jordan, von des Hermons Höhen, vom Berge Misar her. 73, 10: (nach Septuaginta und Vulgata): Deshalb wendet sich das Volk dorthin, denn volle Tage findet man bei ihnen. D'e an den Text sich unmittelbar anschließende Erläuterung ist recht verständig und oft ausgezeichnet durch lebhafte Anschaulichkeit. Die religiöse Ausdeutung entspricht natürlich dem katholischen Dogma. Manche Psalmen gelten als Prophezeiungen, und es versteht sich von selbst, daß die allegorische und christologische Ausdeutung überwiegt. Das verraten schon die Ueberschriften. Psalm 22: Eine Kärfreitagsvision. Psalm 45: Der Messiaskönig und seine Braut. Psalm 110: Christus, der Priesterkönig. . In beiden Werken wird gelegentlich der höhere Rang der christlichen gegenüber der jüdischen Religion (doch .wohl