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Jüdische Schulzeitung · 1936-04-03 · 4 (3.4.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
4 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 4 Jüdische Schulzei t u n g Seite 5 „P/ensions-, Witwen- und Waisenkasse des Verbandes" (VPK.) eröffnet. Sie bezweckte, a) ihren Mitgliedern eine Pension zu gewähren, sobald sie infolge Alters oder eines körperlichen oder geistigen Gebrechens ihr Amt nicht mehr versehen können, b) den Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder eine Jahresrente zu sichern. Jedes Mitglied der Kasse hatte einen jährlichen Beitrag zu entrichten, der je nach dem Eintrittsalter in Prozenten des nachgewiesenen Gesamteinkommens berechnet wurde. Die Kasse übernahm die Verpflichtung, jedem Mitglied bei dauernder Dienstunfähigkeit oder mit dem vollendeten 65. Lebensjahr eine Pension von 600 M. jährlich, den Witwen eine Rente von 300 M., den Vollwaisen bis zum vollendeten 16. Lebensjahr eine Rente von insgesamt 300 M. jährlich zu zahlen. Die Kasse stellte die für ihre Leistungen notwendigen Mittel durch den Abschluß von Einzelversicherungen sicher. Ueber die Aufnahme beschloß das Kuratorium. Die 1903 errichtete „A p o 1 a n t - S t i f t u n g" sollte durch Zuschüsse Unbemittelten den Eintritt in die Kasse erleichtern. Für diejenigen Lehrer und Lehrerinnen, deren Aufnahme in die „Rechtskasse" von dem Kuratorium abgelehnt wurde, war eine . „H i 1 f s k a s se" abgezweigt worden. Die Höhe der Pensionen und Renten aus dieser Kasse war abhängig von den vorhandenen Mitteln. Das Verhältnis zwischen Pension und Witwen- und Waisenrente sollte dem der Rechtskasse entsprechen. Die beiden Kassen haben trotz ihrer immerhin beschränkten Mittel im Laufe der Jahre viel Gutes gestiftet. Das Amt des Vorsitzenden des Kuratoriums führte viele Jahre hindurch Hanff-Berlin mit großer Hingabe, das des Schriftführers mit immer gleicher Treue Prof. Fiegel-Berlin. Hilfsausschuß. . In der Vorstandssitzung 1909 beantragte Peritz, eine ständige Hilfskommission für alle außerordentlichen Notfälle unter der jüdischen Lehrerschaft und ihren Familienangehörigen einzusetzen. Es gelte dabei, zunächst eine moralische Pflicht gegen unsere notleidenden Kollegen und deren Familien zu erfüllen, dann aber auch, die öffentliche Behandlung solcher Angelegenheiten durch Aufrufe und dergl., die das Gefühl des Hilfesuchenden tief verletzen muß und das Ansehen unseres Standes sehr herabdrückt, möglichst zu vermeiden. Solche Hilfskommissionen sollten in allen Vereinen eingesetzt werden. Der Vorstand stimmte zu. Adler-Fonds. Bei der Frankfurter Tagung 1910 überreichte Dr. Höxter in warmherziger Ansprache nebst einer Adresse dem allverehrten Ehrenvorsitzenden des Verbandes Dr. Adler aus Anlaß seiner 25jährigen Lehrtätigkeit einen Fonds von 30G00 Mark, der in Frankfurt aufgebracht worden war. Adler um-, riß die Verwendung dieses Fonds dahin: es darf nicht mehr vorkommen, daß wertvolle, zum Druck bestimmte Schriften ,nicht veröffentlicht werden können, Vorstands- und Kommissionssitzungen ausfallen müssen. Der weitaus größte Teil soll dem Hilfsausschuß überwiesen werden zur Einrichtung eines Darlehensfonds, aus dem bei Fällen augenblicklicher Notlage in möglichst diskreter Form zinsfrei Darlehen in beliebiger Höhe an Mitglieder gegeben werden sollen. Wenigstens aus einem der regelmäßigen Berichte des unermüdlichen Vorsitzenden Peritz sei in bezug auf den Adler-Fonds etwas mitgeteilt. Für das Berichtsjahr 1913-14 wird gesagt: Am 311 März 1914 belief sich das Vermögen des Adler- Fonds einschließlich der Außenstände von 8 615 M. auf 26 872 M: Seit seiner Begründung sind 10 900 M. Darlehen an 29 Personen in Höhe von 150—1 0Ö0 M. gewährt worden. Im Berichtsjahr sind 10 Darlehen im Gesamtbetrage von 4 300 M. gegeben worden. Ein Darlehensempfänger hat nach Rückzahlung seines Darlehens seinen Dank durch eine Spende von 40 M. zum Ausdruck gebracht." Verbands-Unter.stützungskasse (VUK). 1912-erlangte Peritz die Zustimmung zur Begründung eines Hilfsfonds. Manchem in akute: Not geratenen Verbandsmitglied Park* Cafe * Konditorei Kveuzlingen im das gediegene &amiiien~'€afe konnte aus dem Adler-Fonds nicht geholfen werden, weil von ihm keine Sicherheit für Rückzahlung geboten werden konnte. Der neue Fonds sollte Unterstützung gewähren, die Mittel in erster Reihe von den Verbandsmitgliedern aufgebracht werden. Vorsitzender des Hilfsausschusses wurde und blieb Peritz, Kassierer Waldbott-Speyer. Die VUK. hatte während des Krieges und hernach leider überreiche Gelegenheit, eine rührige und segensvolle Tätigkeit zu entfalten. Zentralhilfskasse. In seinem Drange, großzügig zu helfen und das Kassen- und Hilfswesen möglichst einheitlich und praktisch zu gestalten, machte Peritz immer aufs neue den Versuch, die Leitungen der verschiedenen provinziellen und anderen Lehrerkassen zu bewegen, eine große allgemeine Zentral-Hilfskasse zu bilden. Dieses Werk ist aber, vielleicht aus triftigen Gründen, nicht zustande gekommen. Hilfskasse des Preußenverbandes. Von den Mitteln der VPK. und des Adler-Fonds ist recht, recht wen^g herübergerettet worden. Die Not hörte aber nicht auf, und darum drang unser Vorsitzender darauf, daß, da es nicht anders angängig war, wenigstens für Preußen die Hilfskasse neu geschaffen und durch feste und regelmäßige Beitragszahlung aller preußischen Verbandsmitglieder unterstützungskräftig gehalten werde. Die Rechenschaftsberichte zeigen, daß die Kasse zwar nicht leicht, aber doch immerhin zufriedenstellend den Anforderungen an sie gerecht wird. Als letztes sei noch rühmend erwähnt, obwohl es eigentlich nicht dem Verbände gutgeschrieben werden kann, das Erholungsheim für Lehrer und Kantoren in Ems. Es ist der Energie des Kollegen I. B. Levy hauptsächlich zu danken. Der Verband konnte nicht die' finanzielle Verantwortung für dieses schöne Werk übernehmen. Jedes Verbandsmitglied aber müßte es als eine ehrende Verpflichtung für sich betrachten, durch seine Mitgliedschaft dazu beizutragen,, daß die Segnungen des Heims recht vielen zugute kommen können. Schlußbemerkung. Es ist hier versucht worden, in Längsdurchschnitten und an Tatsachenreihen ein, wenn auch nur ungefähres, so doch ungeschminktes Bild vom Wollen, Streben und Erreichen unseres Verbandes zu geben. Ich bin mir wohl bewußt, daß die Darstellung unvollkommen ist, schon deswegen, weil sie in Wahrheit nicht bis zum heutigen Tage führt, sondern im wesentlichen nur bis an die Schwelle der neueren Periode, etwa bis zur Entstehung des Preußischen Landesverbandes. Die Frage, wo und wie stehen wir heute, ist nicht beantwortet. Ich spreche die Hoffnung aus, daß die Ergänzung bald von anderer Seite folgen möge, wenn irgend möglich aus der berufensten Feder, der unseres Verbandsvorsitzenden. Mit Genugtuung konnte nach dem offiziellen Anschluß Bayerns an den Verband der Ausspruch getan werden: Nun gibt es auch formell keine trennende Mainliniee mehr für die jüdische Lehrerschaft Deutschlands. In'Wirklichkeit war s*e nämlich schon längst geschwunden. Schon seit 1901 gehörten Baden und die Rhe'npfalz und seit 1904 auch Württemberg zu seinen treuen, tätigen und sehr geschätzten Mitgliedern. — Niemals hat der Verband danach gefragt, zu welcher religiösen oder religiös-politischen Richtung oder Partei der Einzelne sich, bekannte. Mit um so größerer Befriedigung kann er es heute verzeichnen, daß Angriffe, wie er sie leider in den ersten Jahren seines Bestandes von einer bestimmten Seite der eigenen Glaubensgenossen in Verkennung seiner Bestrebungen erfahren hat und mit entsprechender Schärfe abwehren mußte, aufgehört haben.

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