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Jüdische Schulzeitung · 1936-04-03 · 4 (3.4.1936) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
4 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Eine Beschreibung des Arbeitsvorgangs in der Klasse gibt schließlich Manfred A.: „Herr Dr. Friedlaender sucht ein oder zwei Tage früher Kinder zur Führung aus. Aber er muß gute und gerechte Schüler aussuchen. Denn, wenn er schlechte Schüler aus- . sucht, können sie keinen Unterricht führen. Herr Dr. Friedländer läßt die Kinder nur in Deutsch, Erdkunde und Geschichte führen. Wenn die Schüler den Unterricht führen, können sie auch Zensuren geben. Sie machen es so, sie nehmen ein Blatt und einen Bleistift und achten meistens auf gute Schrift. Z. B. wenn wir Sprachlehre üben, läßt der Klassenführer einen Jungen vorkommen, und er schreibt an die Tafel an/ und die Jungen nehmen ihre Hefte vor und schreiben mit. Oft läßt der Klassenführer Korrektoren einsetzen und die gehen durch die Klasse durch und achten auf gute Schrift." Was voranstellend in kindlicher Unbeholfenheit dargetan wird, entspricht wenigstens im Prinzip der Forderung, die Hugo Gaud.ig, der Klassiker der Arbeitsschulpädagogik, gestellt hat: „Durch planmäßige Einschulung ist dahin zu wirken, daß der Schüler die Arbeitstechnik gewinnt. So paradox das klingen mag: der Schüler muß Methode haben. Dem Lehrer aber muß die Methode, seinen Zögling zur Methode zu führen, eigen sein. Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um das Eindrillen einer Arbeitsmanier, die, einmal eingedrillt, mechanisch angewandt wird. Schon die Einschulung in eine Arbeitstechnik muß im Geiste der Selbsttätigkeit erfolgen: die einzelnen Momente des Arbeitsverfahrens werden nicht etwa kommandiert und exerziert. Die. Schüler — vor allem die führenden Geister' — versuchen sich an der Arbeit." Man möge an Ort und Stelle — in Gaudigs Hauptwerk „Die Schule im Dienste der werdenden Persönlichkeit" — die weiteren kostbaren Anweisungen des Meisters nachlesen. Wir müssen uns immer wieder in seine Lehre begeben. Nicht lag es uns an dieser Stelle ob, noch kam es zu uns, die Arbeitsschulproblematik in ihrer ganzen Breite und Kompliziertheit (oder gar in ihrer heutigen Krisensituation) aufzurollen. Aber man möge es hinnehmen, wenn wir unsere Anschauung des Arbeitsunterrichts in vier Punkten zusammenfassen: 1. Der Arbeitsunterricht ist kein „Vorführ-Unterricht". Er duldet keine Schaustellung, er kann nicht jederzeit mit ,.greifbaren Resultaten", die den Inspizienten imponieren, aufwarten. Denn er ist wechselvoll wie das Leben selbst: ein Spannungsfeld von Hochs und Tiefs. Er beruht auf einer elastischen Arbeitstechnik, die ihrerseits auf einer konstanten Arbeitsethik basiert. 2. Der Arbeitsunterricht kostet sehr viel Zeit. Deshalb ist er dort unmöglich, wo mit Stoffplänen, Lehrberichten etc. der Zwang, innerhalb festgesetzter Zeit ein bestimmtes Pensum zu „erledigen", regiert. Sowohl der Enzyklopädismus (die Massenspeisung mit Bildungsstoffen) als auch der leere Schematismus der sogenannten „allgemeinen Bildung" sind sein Verderb. Er kann nur dort gedeihen, wo man Kades herrlichen Ausspruch wohlverstanden hat: „Wozu brauchen Sie in der Volksschule Zeit?" 3. Der Arbeitsunterricht ist an bestimmtes. Schulmilieu in äußerlicher Hinsicht gebunden. In „Biidungs-Mietskasernen" muß er verkümmern. Ferner bedarf er einer einheitlichen seelischen Atmosphäre zwischen Lehrer, Schüler, Eltern. (Wenn Wyneken einmal gesagt hat, daß es in der allgemeinen Linie Wickersdorf liege, „d:e aktiv-passive Erziehung abzulösen durch Selbsterziehung", — so war eben von Wickersdorf die Rede.) 4. Der Arbeitsunterricht nötigt den Lehrer zu ständiger Selbstkritik; er darf sich niemals als ein „Fertiger" vorkommen. Denn die Methode, des Arbeitsunterrichts ist nicht Dogma, sondern Charisma, und zwar symptomatisches Charisma, d. h. Charisma von Fall zu Fall. Nicht Gesetz, sondern Gnade. 40 Jahre Lehrerverband von M. AbrahamsBerlin (Fortsetzung und Schluß) Lehrerbildung. Bekanntlich marschierte an der Wende unseres Jahrhunderts Hamburg an der Spitze neuzeitlicher und neuartiger Bildungs-, Unterrichts- und Schulideen. Da nimmt es nicht wunder, wenn auf dem 1. Verbandstag 1898 der Vertreter des Vereins Hamburg, unser jetziger Ehrenvorsitzender Feiner, eine bessere Vorbildung der Lehrer forderte. Er wollte die Lehrerseminare aufgehoben und die künftigen Lehrer auf den allgemeinen Lehranstalten vorgebildet wissen. Für 1899 wurde das folgende Verbandsthema gestellt und 1901 von Dr. Spanier-Magdeburg behandelt: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" 1903 wurde die Denkschrift „Zur Frage der Lehrerbildung" herausgegeben. Sie enthielt außer einer Einleitung des Verbandsvorstandes das Referat Spaniers, die aus der Beratung hervorgegangenen Thesen, eine als „Expose" sehr bekannt gewordene Darlegung Dr. Gutmanns über „Die Fortbildung des jüdischen Lehrers auf dem Gebiete der Religionswissenschaften" und ein Referat von Feiner, welches die Einrichtung von Ferienkursen forderte. Die Thesen verlangten — dem Sinne nach — zunächst eine erweiterte und vertiefte Ausbildung in den Profan- und religionswissenschaftlichen Fächern, sodann sei anzustreben, daß von den bestehenden fünf jüdischen Lehrerbildungsanstalten zwei in staatliche umgewandelt würden und nur wirklich tüchtige und bewährte Kräfte mit dem Unterricht an den Präparandenanstalten und Seminaren betraut würden. Fortbildungskurse. Auf dem Verbandstage in Kassel 1904 verbreitete sich Feiner noch eingehender über die Fortbildungsfrage. Sein Vortrag erschien 1905 als Sonderdruck. Feiners Anregung fiel alsbald auf fruchtbaren Boden. 1905 wurden solche Kurse zum ersten Male in Breslau und Berlin abgehalten und fanden zahlreiche interessierte Teilnehmer. Die Breslauer Kurse erfaßten vor allem und waren zugeschnitten auf die schlesischen Kollegen; sie haben sich bis in die jüngste Zeit forgesetzt. Die Berliner Kurse, nicht so zahlreich und regelmäßig, erfreuten sich des Besuches aus dem ganzen Reiche. Auch in West- und Süddeutschland vereinigten seitdem Kurse viele Kollegen einige Tage zu gemeinsamer Arbeit. Eine neue Form von Fortbildungskursen stellt die „Pädagogisehe Woche" dar, welche das Philanthropin zu Frankfurt a. M. vom 25. bis 30. November 1934 veranstaltete. Höxter-Stiftung. Im Dienste der Weiterbildung steht auch die eben genannte Stiftung, die begeisterte Freunde 1923 dem unablässig für die Lehrerschaft sinnenden Vorsitzenden der Frankfurter Vereinigung, Dr. Höxter,. zur Verfügung gestellt haben. Sie ist dazu bestimmt, „die jüdischen Lehrer Deutschlands zu fruchtbaren relig'onswissenschaftlichen und jüdisch-pädagogischen Arbeiten anzuregen und sie darin zu unterstützen". „Mindestens die Hälfte der Zinsen soll zur Auszeichnung von wissenschaftlichen und methodischen Arbeiten, von Lehrbüchern und Lehrmitteln, die andere Hälfte zur besonderen Vergütung von wertvollen Aufsätzen verwendet werden." Es werden zwar bei Preisausschreiben bestimmte Themata zur Bearbeitung vorgeschlagen, doch steht es den Bewerbern frei, auch ein Thema nach freier Wahl zu behandeln. Das 1. Preisausschreiben erfolgte im August 1932. Der Preis wurde Hugo Rosenthal, damals Berlin, jetzt Herrlingen, für seine Bearbeitung des aufgestellten Themas „Jungs Tiefenpsychologie und deren Verwertung im jüdischen Religionsunterricht" zuerkannt. Dr. Löwenberg-Berlin wurde für seine Arbeit „Jüdischer Unterricht und bildende Kunst" Veröffentlichung in der „Jüdischen Schulzeitung" und höhere Honorierung zugesprochen.

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