Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nummer 3 J ü dis che Schulzeitung Seite 7 Schule 1927 wieder ein großer Teil des Verbandstages gewidmet. Hier in München legten in eindringlichen Ausführungen Dr. Driesen-Frankfurt a. M. und Dr. Bamberger-Nürnberg „die jüdische Schule in ihrer Bedeutung für das jüdische Leben in Deutschland" dar. Hätte man diese Bedeutung an den maßgebenden Stellen früher erkannt und sich auswirken lassen, darin wäre vielleicht die spätere furchtbare Erschütterung um ein weniges leichter ertragen worden. Der Verband und der Deutsch -1 sraelitische Gemeindebund. Der Verband war mit einsichtiger und tatkräftiger Unterstützung des DIGB. ins Leben getreten. Das Zusammenwirken beider Verbände blieb 15 Jahre hindurch ein vertrauensvolles und ungetrübtes. Der Vertreter des DIGB., Professor Dr. Blaschke, arbeitete im Vorstand und geschäftsführenden Ausschuß eifrig mit. Starkes Befremden erregte es jedoch, als Prof. Dr. Türk, der Nachfolger Blaschkes, auf dem Verbandstage in Frankfurt a. M. 1910 gelegentlich einer Interpellation die Ansicht des Ausschusses des DIGB. (Blaschke einbegriffen) in der Frage der jüdischen Volksschule, die dem Verband so sehr am Herzen lag, dahin umriß: Bestehende Volksschulen sollen erhalten werden; bei Neugründung jüdischer Volksschulen sollen die lokalen Verhältnisse geprüft werden; die Gründung jüdischer öffentlicher Volksschulen in Großstädten, besonders in Berlin, muß verhütet werden. Die Mitglieder des Ausschusses des DIGB. sind gegen jüdische konfessionelle Schulen, denn wer gegen die konfessionellen Schulen überhaupt ist, kann auch nicht für jüdische konfessionelle Schulen sei;-;. — Durch weitere Vorgänge drängte sich der Lehrerschaft die Ueberzeugung auf, daß zitr Sicherung der inneren und äußeren Freiheit des Verbands eine Aenderung seines Verhältnisses zum DIGB notwendig sei, und sie faßte auf dem Verbandstag 1913 in Breslau — nicht leichten Herzens, aber in vollster Einmütigkeit — eine Entschließung, wonach sie auf die bisherige Subventionierung des Verbandes durch den Gemeindebund verzichtete. Der Lehrerverband erklärte sich bereit, zur Förderung der gemeinsamen Interessen mit dem DIGB. in Arbeitsgemeinschaft zu bleiben. So kam eine Lösung zustande, die es jedem der beiden Verbände ermöglichte, ungehinderter auf dem Wege zu schreiten, den er für den richtigen hielt. (Fortsetzung folgt). Berichtigung In dem Aufsatz „40 Jahre Lehrerverband" müssen folgende Angaben richtiggestellt werden: In der Januarausgabe Seite 2, Spalte 2, Reihe 20 von unten: der Verband zählte nicht 1600, sondern 1000 Mitglieder. In der Febrnarnummer, Seite 3, Spalte 2, Zeile 21: es handelt sich nicht um das Jahr 1907, sondern um 1897. Jüdische Schulen und jüdische Lehrer in Preußen Im „Amtsblatt des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Unterrichtsverwaltungen der anderen Länder" ist soeben (Heft 2, 20. 1. 1936) eine statistische Mitteilung über die Volksschulen und die mittleren Schulen in Preußen nach dem Stande am 24. Oktober 1934 und am 15. Mai 1935 erschienen, d-e recht interessante Tabellen und Berechnungen über den Stand des Volksschul- und Mittelschulwesens enthält. Da in dieser Statistik auch Angaben über jüdische Schulen und jüdische Schüler gemacht werden, verlohnt es sich, einmal diese Statistik nach diesen Gesichtspunkten hin durchzuarbeiten. Dabei ergibt sich folgendes:; 1.^0 ef fentliche Volksschuie.n gibt es in Preußen-im Laufe dieses Schuljahres 1935-36. (Stichtag der Erhebung 15. Mai .1935) 32 742 in denen insgesamt 4 9 08.852 ^Schulkinder unterrichtet werden. Von diesen öffentlichen4 ,'olksschulen sind 4 3 jüdisch, d. h. 0,1 vom Hundert. Üriter den vollbeschäftigten 7 7 22 0 Lehrern sind 9 4 Juden, 0,1 vom Hundert, unter 2 6 3 2 5 weiblichen vollbeschäftigten Lehrerinnen sind 24 Jüdinnen 0,1 vom Hundert. Insgesamt sind im öffentlichen Volksschuldienst 118 jüdische Lehrpersonen tätig. Diejenigen Lehrkräfte, die nicht an jüdischen Schulen tätig waren, sondern auf Grund der Ausnahmebestimmungen des Berufsbeamtengesetzes nach 1933 im Amte verblieben sind, sind nunmehr, gemäß den Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen ausgeschieden. Der Anteil der jüdischen Schulkinder beträgt 14 5 3 7 unter 4 9 08 852, also 0,3 v. H. Die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen ist vom 24. Oktober 1934 bis zum 15. Mai 1935 von 1 6 3 3 1 auf 1 4 5 3 7 also um 1794 zurückgegangen. (Auswanderung, Uebergang in private jüdische Volksschulen, die von der Reichsvertretung in den letzten Jahren gegründet worden sind.) 2. Private Volksschulen. Zu Beginn des Schuljahres 1935-36 sind 28 jüdische private Volksschulen unter 29 0 privaten Volksschulen insgesamt gezählt worden (im Vorjahr 25 Anstalten). Die Schülerzahl der jüdischen privaten Volksschulen betrug 7 27 6 und hat seit dem 24. Oktober 1934 (4 8 6 5) um 2 4 11 zugenommen. Insgesamt werden in Preußen in 7 1 jüdischen Volksschulen 21813 jüdische Schulkinder unterrichtet. 3. Oeffentliche und private Mittelschulen. In öffentlichen Mittelschulen waren unter 1 65 06 9 Schulkindern 2 17 2 jüdische (2 10 4 in Mittelschulen und 6 8 in Rektoratsschulen), das "sind 1,3 v. H. In privaten mittleren Schulen waren unter 30 4 97 Schulkindern 1 03 0 jüdische (17 2 in Mittelschulen, 3 7 6 in Rektoratsschulen und 4 8 2 in sonstigen mittelschulähnlichen Anstalten), das sind 3,4 v. H. Insgesamt waren in öffentlichen und privaten Mittelschulen 3 2 02 jüdische Schulkinder. Zusammenfassend können wir feststellen, daß zu Beginn des jetzt ablaufenden Schuljahres 25 015 jüdische Kinder in Volksschulen und Mittelschulen unterrichtet wurden. Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. Konferenz der hebräischen Lehrer der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Für den 19. und 20. v. M. hatte die Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde ihre Lehrer des Hebräischen zu einer Fachkonferenz zusammengerufen. Diese Konferenz ist als die erste einer Reihe ähnlicher Konferenzen gedacht, bei denen die aktuellen pädagogischen und methodischen Fragen des hebräischen Unterrichts fortlaufend besprochen und die Absichten der Schiilverwaltung mitgeteilt werden sollen. Nach einer Begrüßung durch Herrn Dr. Klee (für den Gemeindevorstand) und Herrn Dr. Alexander (für das Schulreferat) hielt Dr. Bamberger ein aligemeines einleitendes Referat über das Hebräische im Plan der Volksschule. Darin wurden die Ziele aufgezeigt, die die Schul Verwaltung dem hebräischen Unterricht setzen will: er soll zur Fähigkeit führen, die gesprochene Sprache richtig aufzufassen, leichtere Schriftwerke selbständig zu lesen, Gewandtheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck innerhalb dieses Rahmens zu erreichen und Sicherheit in begrenzten grammatischen Kenntnissen zu geben. Es wurden die nötigen Methoden erörtert, die Stoffe, die in Frage kommen, aufgezeigt und dargetan, daß nur ein täglicher hebräischer Unterricht zu diesem Ziel führen könne, einem Ziel, dessen Verwirklichung allerdings von einer entsprechenden Umgestaltung der Lehrpläne und deren Genehmigung durch die Schulaufsichtsbehörde abhänge. Anschließend sprach Herr Neier über die besonders brennende Frage des hebräischen Anfangsunterrichts in der Volksschule. Er verlangte gegenüber dem Uebersetzungsunterricht die lebendig wachsende Sprache, die allem Leseunterricht vorherzugehen habe. Erst danach soll die Fibel einsetzen, die bereits eine gewisse Geläufigkeit einfachen Singens und Sprechens voraussetzt: im Zusammenhang damit erörterte er die