Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung Nummer 3 deren es eine große Zahl gab, auch mit Mitteln der Gewalt (Mahnung, Drohung, Stellensperre, im äußersten Notfall zeitliche Einstellung der Amtstätigkeit) vorzugehen. Hölters Gedanken wurden gebilligt. Am 2. Juli 1922 fand eine Aussprache der bereits in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Verbände mit Vertretern des Allgemeinen Rabbinerverbandes" und des „Allgemeinen Kantorenverbandes" in Frankfurt a. M. statt, die zur Begründung des Jüdischen Beamtenbundes führte. Er bestand einige Zeit und wirkte nicht ohne Erfolg hie und da in der vorgezeichneten Richtung. Eine kurze Zeit war unser Verband auch Mitglied des Deutschen Beamtenbundes; er mußte aber zum großen Bedauern des Vorstandes wieder austreten, weil er die finanziellen Anforderungen nicht bestreiten konnte. Enttäuschte Hoffnungen. Die auf Gewerkschaft und Bünde gesetzten Hoffnungen erfüllten sich nur zu geringem Teile. Woran lag das? An mehreren Gründen, aber auch an dem, was der Verbandsvorsitzende in seinem Artikel „Zur Lage" (Blätter für Erz. vom 26. 4. 23), der auch jetzt noch nicht nur lesenssondern auch beherzigenswert ist, am Schlüsse sagt: „Was der .Verbandsvorstand tun konnte, hat er getan. Es hätte aber noch mehr geschehen können, wenn die Verbandsmitglieder mit mehr Energie und Selbstvertrauen ihre eigene Sache unterstützt hätten. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott! Es gibt heute zahlreiche Kollegen — oder vielmehr es gab solche vor dreiviertel Jahren —, die versprachen sich alles Glück von der Gewerkschaft. Sie dachten sich einfach, man nennt den Verband „Gewerkschaft" — oder auch den neuen „Jüdischen Beamtenbund" — und macht neue Satzungen. So einfach ist das nun nicht. Eine Gewerkschaft charakterisiert sich durch die Geschlossenheit, Disziplin und Opferbereitschaft ihrer Mitglieder. Sie ist also nicht eigentlich eine Sache der Organisation, sondern der Erziehung. Daran fehlt es nun leider. Wenn aber die schwere Zeit, die die jüdische Lehrerschaft jetzt durchmacht, ihre Erziehung zur Reife fördern sollte, dann würde sich wieder einmal die alte Erfahrung bestätigen, daß in jedem Unglück auch ein Segen steckt. Wie gern möchten wir gam su I'tauwoh sagen!" Bei aller Wichtigkeit der materiellen Dinge wurden die ideellen Standesinteressen keineswegs vernachlässigt. Sie spielten vielmehr in allen Bemühungen und Verhandlungen eine große Rolle, vielleicht die entscheidende. Die jüdische Volksschule. Wenn wir bei diesem Punkte etwas länger verweilen, so bedarf es wohl keiner näheren Begründung oder einer Rechtfertigung. BeStellSChein I Unfrankiert j in den Postj kasien werfen! Än das Postamt (Zeitungsstelle) Hier Die jüdische Volksschule war für' die jüdische Lehrerschaft ein Gegenstand der Liebe, aber auch steter Sorgen und Schmerzen wegen des Unverständnisses und der Gleichgültigkeit, mit der diese Grundbedingung jüdischen Seins in weiten Kreisen der Verantwortlichen behandelt wurde. Auf dem 1. Verbandstag in Berlin 1898 schilderte Amram-Borken den starken Niedergang der jüdischen Volksschulen. 1886 hatten noch 318 solcher Schulen. bestanden, 1898 nur noch 246. 24 mehrklassige Schulen waren in diesem Zeitraum in einklassige umgebildet worden. Die Zahl der an jüdischen Schulen beschäftigten Lehrer hatte sich um 99 vermindert. Bei der Tendenz des damals vorliegenden Schulunterhaltungs-Gesetz entwurfes waren die Schulen mit geringer Schülerzahl von der völligen Auflösung und zahlreiche Lehrer mit Arbeitslosigkeit bedroht 1903 veröffentlichte Steinhardt eine eindringliche und viel beachtete Broschüre: „Der Unterricht unserer Jugend. Ein Mahnwort an die deutsche Judenheit." Auf dem Verbandstag 1904 in Kassel wurde im Anschluß an einen Vortrag von Dr. Adler über „Das preußische Schulunterhaltungs-Gesetz und die jüdische Volksschule" eine Resolution gefaßt, die im großen und ganzen bleibende Richtschnur für den Verband geblieben ist. Auf dem Frankfurter Verbandstag 1910 trat neben Becker-Wollstein insbesondere Auerbach-Berlin, der Vorkämpfer in dieser Frage, gegenüber den Ansichten des Dele-; gierten des DIGB., Prof. Türk, und seiner politischen und religiös-politischen Gesinnungsgenossen für die_ jüdische Volksschule gerade in den Großstädten, speziell Berlin, ein. Er stellte den Tatsachen gemäß fest: Wir haben zur Zeit in Preußen gar keine Simultanschulen; wir haben nur in einzelnen Schulen paritätische Verhältnisse für die beiden christlichen Konfessionen. Er schloß, indem er damit der gesamten Lehrerschaft aus dem Herzen sprach: „Wir wollen hier einmütig bekunden, daß solange die allgemeinen Volksschulen einen christlichkonfessionellen Charakter tragen, wir auch besondere jüdische Volksschulen für notwendig halten — im Interesse unserer Kinder, im Interesse unserer Gemeinden und im Interesse unseres Judentums." An dieser Auffassung der Lehrerschaft änderte sich nichts, solange uns überhaupt eine Stellungnahme möglich war. Der Gegensatz der Ueberzeugungen führte 1913 zu einem bedeutungsvollen Beschluß des Verbandes betreffend den DIGB., worüber in einem besonderen Abschnitt berichtet werden soll. In demselben Jahr 1913 wurde von dem Verbände eine eindrucksvolle Broschüre herausgegeben. Der 1. Teil, betitelt „Für und wider die jüdische Volksschule in Preußen" war von Adler, der 2. Teil „Die jüdische Volksschule in Süddeutschland" von Dingfelder. Adler erwägt alle in Betracht kommenden Momente vom religiösen, pädagogischen, politischen und utilitaristischen Gesichtspunkt aus und kommt zu dem Schluß: „Alle diese Schulen (die nichtjüdischen) können nie und nimmermehr unseren Kindern die Erziehungswerte ersetzen, die ihnen die öffentliche jüdische Volksschule bieten kann. Ihre Erhaltung und Förderung muß deshalb nachdrücklichst Sorge aller derjenigen sein, denen das Wohl unserer Glaubensgemeinschaft, die Stärkung des Judentums in unserem Vaterlande am Herzen liegt." Dingfelder legt unter Verwendung statistischer Angaben die Schulverhältnisse in den süddeutschen Staaten dar. Er führt die 1909 von dem Verein Württemberg gefaßte Resolution an, welche lautet: „Wir halten die Simultanschule, aber diejenige, in der die jüdischen Schüler und Lehrer vollständig gleich wie die christlichen Schüler und Lehrer behandelt werden, für das Ideal der Schuleinrichtung. Bei der gegenwärtigen Schulgesetzgebung' aber (nicht nur in Württemberg, sondern in allen größeren Staaten Deutschlands), deren Bestreben dahingeht, die konfessionelle Scheidung im Volksschulwesen immer mehr zur Durchführung zu bringen, halten wir vom Prinzip der Gleichberechtigung aus und aus religiösen, sozialen und praktischen Gründen die Errichtung von jüdischen Volksschulen für ein dringendes Bedürfnis." . Nach einer längeren Pause, bedingt durch den Weltkrieg und seine Nachwirkung, wurde dem Thema; der jüdischen