Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitung Seite 5 „Schließlich brauchen sie uns nicht mehr, die Früheentrückten, man entwöhnt sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten milde der Mutter entwächst. Aber wir, die so große Geheimnisse .brauchen, denen aus Trauer so oft seliger Fortschritt entspringt —: könnten wir sein ohne sie?" ... (Rilke, Duineser Elegien.) 40 Jahre Lehrerverband von M. AbrahamsBerlin (Fortsetzung) Denkschrift von 1898. Auf die Kunde einer nahe bevorstehenden Revision des Gesetzes von 1847 wurde eine ohnehin geplante Denkschrift weiter ausgebaut, — auf Grund einer mit Unterstützung des DIGB. durchgeführten Erhebung — und am 14. 4. 98 durch eine Abordnung dem Herrn Kultusminister in einer Audienz überreicht. Aus dieser Denkschrift seien einige Angaben mitgeteilt, auch darum, weil wir aus einem Vergleiche mit den Verhältnissen, wie sie sich bis etwa 1930 immerhin entwickelt haben, erkennen können, daß die Arbeit des Verbandes nicht erfolglos war. Die Denkschrift stützte sich auf die Auskünfte von 493 preußischen Mitgliedern,-von denen 86 in Hessen und zwar 74 an öffentlichen Schulen angestellt waren und von denen in den nachfolgenden Bemerkungen abgesehen ist. Von 406 Lehrpersonen hatten 93 keine öffentliche Prüfung abgelegt. Die weitaus größere Mehrzahl war auf Kündigung und zumeist kurzfristige angestellt, richtiger beschäftigt. 36 hatten überhaupt keinen Kontrakt. Es hatten ein Jahresgehalt von 400 M. und weniger 5 Lehrer 400—600 M. 20 Lehrer 600—750 M. 27 Lehrer 750—1000 M. 104 Lehrer 1000—1500 M. 141 Lehrer 1500—2000 M. 66 Lehrer über 2000 M. 43 Lehrer Bei 406 Lehrer betrug also das Gesamteinkommen von 52 d. h 12,8% höchstens 750 M. von 300 d. i. 75 % höchstens 1500 M. Petitionen. Der Verband versäumte es nicht, Petitionen an das Abgeordnetenhaus und an den Reichstag zu senden und sonstige geeignete Schritte zu tun, um in vorliegenden Gesetzentwürfen Härten gegen die jüdischen Lehrer und Schulen zu beseitigen oder doch zu mildern, und für die jüdischen Lehrer dieselben Vergünstigungen zu erwirken, welche den christlichen Berufsgenossen gewährt wurden, beispielsweise die Berechtigung zum einjährigen-freiwilligen Dienst oder die Anrechnung der Tätigkeit an privaten Schulen beim Uebergange in den öffentlichen Schuldienst. „Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Lehfrersiehaft im Deutschen Reichle" war das Thema, das 1907 von Andorn-Crefeld an der Hand eines zwar nicht ganz vollständigen und lückenlosen, aber doch reichen Materials — es hatte immerhin 1073 Lehrpersonen erfaßt — behandelt wurde. Von dem Verbandstag wurde diese Lage „für einen großen Teil der jüdischen Lehrerschaft" als völlig unzureichend, der deutschen Judenheit unwürdig und der kulturellen Entwicklung widersprechend" erklärt. Der Verband machte es sich zur ernstesten Aufgabe, die Gleichbehandlung der jüdischen Lehrer mit den Ortslehrern in Hinsicht der Besoldung, Sicherung der Anstellung, der Alters- und Hinterbttebenenversorgung überall zu erreichen, und er widmete sich ihr ohne Unterlaß mit Wachsamkeit und Eifer. 1908 erschien die gediegene „Denkschrift über die soziale Lage der israelitischen Lehrer, insbesondere der Religionslehrer Bayerns und Vorschläge zu deren Besserung". Sie war eine im Namen der „Freien bayerischen Rabbiner-Konferenz" und des „Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern" von einer „Kommission für die soziale Besserstellung der Religionslehrer" herausgegebene Arbeit. Es ist nicht möglich und wohl auch nicht nötig, alle Einzelfälle und Phasen dieses Ringens hier nachzuzeichnen. Erwähnt sei nur, daß sich speziell um die Besserstellung der kleinen Kultusbeamten besonders bemüht haben: Bähr-Waldenburg, Mannheim-Graudenz und-.Osterode, Hion Wolf-Tempelburg und nicht zuletzt Steinhardt. Das Ringen war schwer, der Erfolg oft genug mäßig und schwankend; immerhin: man kam langsam vorwärts und aufwärts. Mit Dank und Verehrung sei schließlich noch des hervorragenden Führers des Centrai- Vereins Dr. Eugen Fuchs gedacht, der, so oft seiner bedurft wurde, seinen ausgezeichneten juristischen Rat uneigennützig dem Verbände hat zuteil werden lassen. Abwehr-Maßnahmen. Alles mühsam Errungene schien in den Wirren der plötzlichen und stürmischen Kriegsbeendigung verloren gehen zu sollen. Kopflosigkeit, vermeintliche Wahrung der Gemeinde- Interessen und Willkür der Gemeindegewaltigen schufen in der Lehrerschaft Sorge, Aufregung und Erbitterung. Da wurde, was vorher für eine Unmöglichkeit gehalten werden mußte, nun Wirklichkeit. Die in drei Teile gespaltene Lehrerschaft: unser Verband, der Israelitische Lehrerverband für Bayern und der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer" fand sich zusammen —zwar noch nicht zu einem Verbände, so doch zu einer Arbeitsgemeinschaft, „um durch geschlossenes Vorgehen der Forderung auf auskömmliche Besoldung und gerechte Würdigung der Wirksamkeit der Lehrer stärkeren Nachdruck zu verschaffen". In den erregenden und aufgeregten Jahren. der rasend fortschreitenden Inflation glaubten die jüdischen Lehrer und Kultusbeamten, in einer zeitgemäßen Umgestaltung ihrer Vereine zu dem erstrebten Ziele zu kommen. Von mancher Seite wurden die schärfsten Mittel empfohlen, von der weitaus überwiegenden Mehrheit jedoch wurde sie aus idealistischen Gründen abgelehnt. Auf dem Verbandstage in Berlin 1922 trat Dr. Höxter wärmstens für die Begründung eines Rechtsschutz-Verbandes der Rabbiner-, Lehrer- und Kantorenverbände ein. Seine hauptsächliche Tätigkeit sollte sich darauf konzentrieren, friedliche Verhandlungen mit den Gemeinden und Gemeindeverbänden zu führen, die Stellenausschreibungen zu prüfen, gegen leistungsfähige aber — unwillige Gemeinden, Ausfüllen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert In den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten Hndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende zum Preise von RM. —.45 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u. Zuname: Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort: Stock.. 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