Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitung Seite 3 iarf Safe=$ont>ttoret ^reugltngen . 2>a^ gelegene Sramt(ten<*£afe 1145 I. Es waren noch im Schuldienst (Schuljahr 1935-36) folgende männliche Lehrkräfte tätig: Direktoren 0 unter 9 3 7 0 v. H. Oberstudienräte 1 unter 42 5 0,24 v. H. Studienräte 30 unter 108 4 2 0,28 v. fi. Oberschullehrer 0 unter 1 5 9 2 0 v. H. Stud.-Assessor. 2 unter 3 9 3 4 0,05 v. H. insgesamt 33 unter 17 730 0,19 v. H. Berücksichtigt man ferner, daß keine jüdischen Studienreferendare zugelassen waren, so ergibt sich bei einer Hinzunahme von 215 5 Studienreferendaren eine Zahl von 3 3 J u - den unter 19885, das sind 1,7 vom Tausend. Von diesen 3 3 Philologen sind 3 in Oberschiesien tätig und.verbleiben weiter im Amt. Die übrigen 30 nunmehr ausscheidenden Philologen verteilten sich auf folgende Provinzen: 1. Ostpreußen: 0 2. Grenzmark: Posen-Westpreußen: 0 3. Brandenburg (ohne Berlin): 0 4. Berlin: 23 5. Pommern: 1 6. Nieder Schlesien: 2 7. Sachsen: 1 8. Schleswig-Holstein: 0 9. Hannover: 0 10. Westfalen: 0 11. Hessen-Nassau: 3 _12. Rheinprovinz:__0 Summe 3 0 Von den 30 nunmehr pensionierten Philologen sind 20 Neusprachler und Germanisten und 10 Mathematiker und Naturwissenschaftler. Altersmäßig gehören sie folgenden Gruppen an: über 60 Jahre: 1; 50—60 Jahre: 12; 40—50 Jahre: 15; 30—40 Jahre: 2. II. Für die weiblichen Lehrkräfte ergibt sich folgendes Zahlenbild: Es waren noch im Schuldienst tätig (auf Grund der Ausnahmebestimmungen des Berufsbeamtengesetzes als Altbeamtinnen bzw. als Kriegerwitwe): ■ Direktorinnen 0 unter 3 2 0. v. H. Oberstudienrätinnen 0 unter 62 0 v. H. Studienrätinnen 4 unter 15 33 0,26 v. H. Oberschullehrerinnen 1 unter 15 5 1 0,07 v. H. Studienassessorinnen 0 unter 16 7 0 0 v. H. insgesamt 5 unter 4 64 8 0,11 v. H. Von diesen 5 Lehrerinnen scheiden jetzt 3 aus, die beiden übrigen sind in Oberschlesien tätig (1 Studienrätin und 1 Oberschullehrerin). Zählt man zur Gesamtzahl der Lehrerinnen noch die 945 Studienreferendarinnen hinzu (darunter 0 Jüdinnen), so ergibt sich ein Gesamtbild von 5 jüdischen Lehrerinnen an höheren Schulen unter 5593, das sind „9 vom Zehntausend". Zusammenfassend läßt sich folgendes sagen: Unter 19885 männlichen Lehrkräften waren im Schuljahr 1935-36 bis zum Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen 3 3 Juden tätig. (Solche Kollegen, die selbst während des Schuljahres 1935-36 um Urlaub nachgesucht hatten, wurden noch mitgezählt), unter 5 5 93 Lehrerinnen entsprechend 5 Jüdinnen. Es scheiden somit jetzt amtlich aus: 30 männliche und 3 weibliche Lehrkräfte. Der Prozentsatz der Juden im öffentlichen höheren Schuldienst betrug mithin bis jetzt 38 unter 25478 0,11 v. H. oder 1.1 vom Tausend. Es verbleiben somit nunmehr 5 jüdische Lehrkräfte (in Oberschlesien) unter 25 4 7 8 Lehrkräften überhaupt im Amt. Franz Rosenzweigs Briefe Von Studienrätin Dr. Esther Frank-Köln (Fortsetzung und Schluß) Die Empfänger der Briefe, die Gesprächspartner, sind Eltern, Verwandte und ein kleiner Freundeskreis. Die Auseinandersetzung zwischen Judentum und Christentum, die bei Rosenzweig einer immer klareren Erfassung des eigenen Standpunktes führt, geschieht im eigenen Familienkreis. Sie ruft bei dem Lesenden eine unangenehm-schmerzliche Empfindung wach, denn die an dieser Auseinandersetzung beteiligten Empfänger entscheiden sich, als sie eine religiöse Wirklichkeit, suchen, für die christliche, eine beschämende Anklage gegen die inhalt- und formlose Wirklichkeit ihrer jüdischen Umgebung. Nur Rosenzweig selbst entschied sich innerhalb seines Freundeskreises für die jüdisch zu lebende Wirklichkeit. Man fühlt sich von dem peinlichen Eindruck erst gelöst, wenn man liest, wie Rosenzweig mit leidenschaftlicher Entschlossenheit seine Entscheidung verteidigt "und klarstellt1 und mit herrischer Entschiedenheit eine Einmischung seiner Freunde in diesen innersten, ihnen unzugänglichen Bezirk ablehnt. Liest man die Briefe, um das Wollen, das Tun Rosenzweigs kennenzulernen, so fällt sofort auf, daß er der geborene Lehrer und Pädagoge, der Seelenführer ist. Schon von früh an gilt sein ungeteiltes Interesse dem Unterricht der Kinder, vor allem in den jüdischen Fächern. Mit bemerkenswertem organisatorischem Geschick gibt er Anweisungen für eine fruchttragende Ausgestaltung des so stiefmütterlich behandelten Religionsunterrichts. Im Felde verfaßt er eine Denkschrift über „Reichsschule und Volksschule" und eine Denkschrift über den jüdischen Religionsunterricht. Schließlich sieht er die Krönung seines Lehrwillens in der Errichtung eines Lehrhauses; die Wiederbelebung des alten Beth Hamidrasch schwebt ihm vor. Dem Lehrhaus in Frankfurt am Main, dessen Leiter er nur kurze Zeit sein durfte und dessen Betreuung er noch vom Krankenlager aus mahnend und zurechtweisend auf sich nahm, dieser Stätte des Lehrens jüdischer Werte war er in eifervoller Hingabe bis zum Hinscheiden zugetan. Ohne Ueber treib uns kann man von ihm sagen, daß er den Begriff „Lehrer" wieder geadelt hat, ihm wieder jene frühere überragende. Bedeutung gegeben hat, die ihm als dem Träger und Siegelbewahrer der höchsten Werte zukommt. Denn für den feinhörigen Juden hatte und hat heute wieder das Wort „Lehrer" einen besonderen Klang; denn er wußte und weiß vielleicht jetzt wieder: Lehrer ist jemand, der die Lehre kündet. Wer ohne Lehre, ohne gegründete Weltanschauung lehrt, ist nur Vermittler von formalen Fertigkeiten oder von ertötendem Wissen, das den Schüler erdrückt, statt ihn zu beleben. Wer aber im Auftrage der Lehre lehrt, macht den unlebendigen Wissensstoff lebendig und übersehbar, durchsichtig und beherrschbar, lehrt die formalen Fertigkeiten eines Zieles wegen und nicht als Selbstzweck. Der Lehrer muß ein ausgewogenes Verhältnis haben zwischen Geben und Nehmen, Mitteilen und Empfangen. Wer immer zu geben hat, muß auch empfangen können. Was hätte er sonst auch zu geben? Der Lehrer muß lernen können, um lehren zu können. In diesem Sinn betrachtet war Rosenzweig der vollendete Typ des Lehrers. Er empfand sich immer ais Lernenden und Suchenden, und nur weil er den Zwang zur Mitteilung spürte, lehrte er. Dabei sah er aber die Schwierigkeiten, die eine Verwirklichung seiner Absichten und Pläne hemmten, in ihrer ganzen Schwere, und man kann ihm nicht vorwerfen, daß er in einem luftleeren Raum sich verfing. „Aller Religionsunterricht hilft nichts ohne vor Augen gesehene, mit dem Munde geschmeckte, mit Ohren gehörte und am Leibe sichtbar ausgeübte Religion." Seine seelenführende Persönlichkeit erweist sich darin, daß er Menschen formen will, nicht nur solche heranbilden will, die Wissen aufnehmen, ohne daß das Wissen charakterbildend sich auswirkt: „Ich kann mich nicht anheischig machen, aus ihm (dem Zögling) in bestimmter Zeit einen