Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Jüdische Sehulzeitung Nummer 3 " Deutschlands den Boden für die ihnen entsprechende seelische Haltung zu bereiten, ist vorüber. Wir gedenken in Wehmut des schmerzenaber auch glückreichen Bemühens um eine Lebensform, die auch unsere Arbeit in der Schule zutiefst bestimmte, und die im Fortgang der Entwicklung einen Typus des jüdischen Menschen hervorbrachte, den wir in der Vielfalt unserer Volkstypen nicht missen möchten. Wir gedenken zugleich des jüngst heimgegangenen Mannes, den wir eben nannten, der in seiner tapfern, ningabefähigen, innerlich vornehmen Art stark auch in die jüdische Schule hinein gewirkt hat. Sein Geist und sein Herz empfingen Nahrung aus zwei Quellen, und so durfte Ludwig Holländer seine Brüder und seine Schwestern reich beschenken. Wir wollen, auch wenn das in immer neue.n Seinsweisen sich manifestierende Leben uns in andersgeartete seelische Bezirke hinführt, dieses Mannes immer dankbar gedenken. Auch dann, wenn unser Blick in weite Fernen geht, dorthin, wo einmal unsere Jugend sich ein Leben zimmern wird müssen: nach Erez Jisrael und nach Uebersee. Jugend-Alijah heißt das Zauberwort, das in ungezählten jüdischen Menschen Hoffnungen wachgerufen hat, die ihnen etwas von der Schwere des Daseins genommen haben. In einer Sitzung zu Berlin ist jüngst mitgeteilt worden, daß in diesem Monat das 1000. Kind aus Deutschland nach Palästina verschickt werden könne. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland habe beschlossen, zum Andenken an Ludwig Tietz in der Nähe von Haifa eine handwerkliche Ausbildungsstätte für Jugendliche zu schaffen. Zu gleicher Zeit hat eine englisch-jüdische Abordnung unter der Führung Sir Herbert Samuels mit Amerikanern Verhandlungen über die Aufbringung vieler Millionen Dollars gepflogen, die dazu dienen sollen, mehr als 100 000 Jugendliche aus Deutschland nach Uebersee zu bringen, um ihnen dort Existenzmöglichkeiten zu geben. Es ist angesichts dieser Tatsachen ganz selbstverständlich, daß wir jüdischen Lehrer die Schüler mit den Kenntnissen und Fertigkeiten ausstatten müssen, deren sie in der Zukunft draußen in der weiten Welt bedürfen. Daß wir namentlich weit mehr als es bisher geschehen ist, in der Schule das Hebräische, das Englische und Spanische betreiben müssen. Wir begrüßen aus diesem Grunde die Einrichtung von Hebräisch-Kursen seitens der Reichsvertretung; wir begrüßen ebenso die Konferenz der hebräischen Lehrer, über deren Verlauf an andrer Stelle unsres Blattet berichtet wird. Die Arbeit, die hier geleistet wird, kommt all jenen Hachscharahbestrebungen zugute, die der schulentlassenen Jugend gelten, sei es denen des Hechaluz, oder denen der Auswanderungsschule, die jüngst in Berlin ins Leben gerufen worden ist. Um die zuletztgenannte Institution ist es innerhalb der jüdischen Presse zu Auseinandersetzungen gekommen, die nach unserer Meinung hätten unterbleiben können, wenngleich auch wir gewünscht hätten, daß die offiziellen Mitteilungen über die erfolgte Neugründung glücklicher motiviert worden wären. Ueber den engeren Bereich der jüdischen Schulen in Deutschland geht unser Blick hin zu den Erziehungsstätten in Palästina, die in steigendem Maße von den Kindern besucht werden, die wir hier zu betreuen hatten. Die Erziehungsabteilung des Waad Leumi hat der Oeffentlichkeit einen ausführlichen Bericht über den Stand des jüdischen öffentlichen Schulwerks unterbreitet. In ihm werden aufschlußreiche Zahlen über die Lehrenden und über die Schüler gegeben. Trotz aller Anstrengungen, so wird gesagt, sei es nicht möglich gewesen, das Schulwerk in dem erforderlichen Maße zu erweitern. Und so müßten — besonders in Jerusalem — hunderte armer jüdischer Kinder ohne Erziehung bleiben. Im übrigen entwickelt sich das Schulwerk in Palästina außerordentlich, und namentlich in bezug auf die Methoden und die Gestaltung der Lehr- und Lernmittel wird Hervorragendes geleistet. Es wird demnächst Gelegenheit gegeben sein, hier bei uns einen Einblick zu tun in die Fülle des in Erez Jisrael Geschaffenen, und wir dürfen hoffen, manche Anregung zu erhalten auch für die praktische. Arbeit in unseren Schulen. . . In diesem Zusammenhang -sei zürn Beschluß der Umschau auf die Sonderfahrt hingewiesen, die in wenigen Tagen eine Anzahl Lehrender nach Palästina antreten werden. Weit _ über hundert Damen und Herren hatten sich, als vor Jahresfrist der Plan vom Schriftleiter dieses Blattes hinausgegeben wurde, zur Reise gemeldet. Zwei Dutzend Menschen sind übrig geblieben, denen nun das Glück der Fahrt winkt. Sie werden für ein paar Wochen, zu einer Gemeinschaft verbunden, das"; Land im Werden sehen; sie werden insbesondere Gelegenheit, haben, das aufblühende jüdische Schulwerkr kennenzulernen. '• Auch die Lehrerschaft Palästinas wird sich - freuen,. Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland bei sich zu "Gast zu wissen, so haben es die Leiter des jüdischen Lehrerverbandes in Palästina hierher berichtet. Möchten alle, die das Glück haben, mitreisen zu dürfen, mit reichen Eindrücken zurückkommen! Möchte es in absehbarer Zeit möglich sein, daß auch andre Kollegen und Kolleginnen einmal die Fahrt ins Heilige Land unternehmen können! So wird wahr gemacht werden, was Achadr Haam meinte, wenn er von der Wirkekraft eines Kulturzentrums in die Diaspora hinein sprach. Das Ausscheiden der Philologen aus dem Schuldienst von Dr. Hermann Weil-Frankfurt a. Main Auf Grund der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935, wonach jüdische Beamte mit Ablauf des .31. Dezember 1935 in den Ruhestand treten, scheiden auch die Lehrer und Lehreinnen aus dem öffentlichen höheren Schuldienst nunmehr aus. Im folgenden werden die jüdischen Lehrkräfte an den öffentlichen höheren jüdischen Schulen in Preußen (Philanthropin-und Samson Raphael Hirsch Schule, beide in Frankfurt a. M.) nicht mitberücksichtigt, da das Dienstverhältnis der Lehrer an diesen-Schulen bis zur Neuregelung des jüdischen Schulwesens unberührt; bleibt. Die statistischen Angaben beziehen sich vielmehr lediglich auf jüdische. Lehrer und Lehrerinnen im nicht-jüdischen öffentlichen höheren Schuldienst Preußens. Meine Berechnungen sind wie alljährlich wieder auf Grund der Dienstalterslisten des vor kurzem erschienenen „Jahrbuchs der Lehrer der höheren Schulen" (Kunzes Kalender) erfolgt. Nach meinen letzten statistischen Erhebungen (Jüdische Schulzeitung Nummer 6 vom 1. Juni 1935) gab es an nichtjüdischen höheren Schulen 34 jüdische unter 20414 Lehrern, insgesamt also 0,17%. Der entsprechende Anteil der' jüdischen Lehrerinnen lautete 0,12% (7 unter 5 8 9 6). Der gesamte jüdische Anteil an der Lehrerschaft im staatlichen und städtischen höheren Schuldienst betrug 1934-35 0,16% (41 unter 26 31 0). Die Beschäftigungsziffer jüdischer Philologen bewegte sich von rund 1% (bis Anfang 1933) über rund 0,4% (Auswirkungen des Berufsbeamtengesetzes im Schuljahr 1933-34) auf rund 0,17% (Schuljahr 1934-35). Gemäß des § 4, Abs. 2 der „Ersten Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen" ist dieser letzte Bruchteil von jüdischen Lehrern und Lehrerinnen (mit Ausnahme der in Oberschlesien tätigen) in den Ruhestand versetzt worden, wobei bemerkt werden muß, .daß Frontkämpfer nicht mit dem üblichen verminderten Ruhegehalt in den Ruhestand versetzt, sondern mit ihrem vollen Dienstgehalt pensioniert werden. Die näheren Ausführungsbestimmungen hierzu sind inzwischen durch den Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern unterm 20. Dezember 1935 erschienen. Im einzelnen erhalten wir auf Grund der Dienstalterslisten des oben erwähnten Jahrbuches für das laufende Schuljahr 1935-36 folgendes Bild: Zur Beachtung! Wichtige Zuschriften sind während des März nicht wie üblich nach Köln-Sülz zu richten, sondern an den Geschäftsführer des Verbandes, Heitn Rektqr Reschke, Berlin G 25, Kaiserstraße 29.;