Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 2 (1.2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer Z Jüdische Schulzeitung Seite 5 konferenz ins Leben gerufen. Durch Zeichnungen von Geldbeträgen erwerben die Zeichner Anteilscheine, die ihnen das Recht geben, an der Wahl der Verwaltungsorgane des K. H. teilzunehmen, die formaliter Wertpapieren gleichstehen. Die Beisteuer zum K. H. soll im Sinne des „Maasser" eine Art Eigenvermögensbesteuerung sein. Die Gelder werden nicht 2um Bodenerwerb verwendet, sondern zur Finanzierung all der Aufgaben, die an die Siedler herankommen, sobald sie den ihnen überwiesenen Boden zur „Eroberung" betreten. Zuerst also tritt der K. K. L. in Vorlage, dann erst der K. H. Es genügt, wenn der Lehrer an einem Beispiel die Dinge verdeutlicht. Etwa so: Es wird ein Stück Land von einem Araber erworben. Den Kaufpreis zahlt der K. K. L. Eine Gruppe junger jüdischer Menschen aus Deutschland übernimmt den Boden vom K. K. L. zur Pacht (auf 49 Jahre — Jobeljahr). Jetzt heißt es, Baracken errichten, den Boden trocken legen, Werkzeuge und Maschinen anschaffen u. s. f. Das hierzu erforderliche Geld leiht der K. H. den Siedlern gegen Amortisation und Verzinsung (wohl auch a fonds perdu). III. Abschließendes: Wir versuchen, dem Gesamt des Erarbeiteten den Charakter des Aktuellen zu geben. In jeder Nummer der jüdischen Zeitungen gibt es eine Übersicht über wichtige Vorgänge in Palästina. Die Kinder bringen die Zeitung von ihren Eltern mit zur Schule. Mitteilungen, die aus dem Emek herrühren, werden aufgesucht und gelesen. Auch der Anzeigenteil enthält Aufschlußreiches über ihn. Es werden Ansichtskarten und Bilder aus Zeitschriften und Zeitungen gesammelt. Die Vorstellungen von dem, was im Film vom „Land der Verheißung" zu sehen war, werden aufgefrischt; die Klasse singt — ganz von selbst kommt der Augenblick — das Lied vom Emek — „von Nahalal bis Beth Alfa" —, ein Song übrigens, der mit einer merkwürdigen Hartnäckigkeit zum Gesungen werden hindrängt. Schlußbemerkung: Diese Studie will weiter nichts als Anregung dazu geben, Ernst zu machen mit der Forderung Palästinakunde zu treiben. Es führt" kaum weiter, wenn sie in Aufsätzen über „das Bildungsziel der Schule" oder über „die Aufgaben der Schule in dieser Zeit" erhoben wird. Das Beispiel muß den Impuls dazu geben, sich selber einmal gründlich in die Materie zu vertiefen und das Erarbeitete den Kindern in zweckentsprechender Form weiterzugeben. Wie das zu geschehen habe, darüber entscheide der einzelne Lehrer selber. Jeder hat — fast möchte ich sagen — bestimmte Liebhabereien, durch die er den Unterricht belebt. Der eine huldigt weitgehend dem Grundsatz der Eigentätigkeit des Schülers, indem er ihn „die redende Hand" gebrauchen lehrt (Sandkasten, Plastilin u. dgl.). Der andere streut gern sprachliche Erörterungen ein (Konstruktion und Sinn der hebräischen Ausdrücke Kewuzah, Kibbuz, Moschaw, Ejn Charod u. s. f.). Sehe jeder, wie ers treibe! Wesentlich ist es, zu erreichen, daß die jüdischen Kinder heute einen vertieften Einblick in die Beschaffenheit von Erez Jsrael und in das grandiose Werk bekommen, das aus seinem Boden herauswachsen will. Siegfried Braun Pädagogische Veranstaltungen in Berlin In einer Zeit, in der unser Leben in seinen Grundfesten erschüttert ist, wird mit Recht von allen Seiten der Ruf laut: Wie steht es mit unserer jüdischen Schule? Hat die Erschütterung unseres Lebens auch unsere Schulen getroffen? Hat auch hier der Umbruch einer neuen Zeit sich bereits bemerkbar gemacht? Finden unsere jüdischen Kinder hier die Stätte, die ihnen das Rüstzeug für den neuen jüdischen Menschen mitgibt? Wenn solche Fragen aus dem Laienmunde kommen, ist es verständlich und zu begrüßen. Gänzlich unverständlich aber erscheint es uns, wenn Lehrer in Tageszeitungen ähnliche Rufe erklingen lassen, die sie für notwendig halten, um die jüdische Lehrerschaft aus ihrem „Dornröschenschlaf" herauszuholen. Wer die jüdischen Schulen kennt, weiß, daß sich unsere Lehrerschaft.stets der Verantwortung für ihren Beruf voll bewußt war. Ein Lehrer aber sollte wissen, daß die Schule ihren eigenen Rhythmus hat, und daß die Schularbeit von einer besonderen Dynamik getragen wird. Wir wollen damit sagen,, daß das Problem „Neue jüdische Schule" ganz besonders schwer gelagert ist — ganz abgesehen davon, daß die staatlichen Behörden hier ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben — ein Problem, das nicht in dem Tempo zu lösen ist, in dem andere Institutionen ohne schweren Schaden umzustellen möglich sind. Wir Lehrer wissen um die Situation und ringen um eine Lösung. Da erscheint es uns besonders bemerkenswert, wenn unser Verbandsvorsitzender, Herr Mittelschulrektor Dr. Stern, im Rahmen des Jüdischen Lehrerverbandes, Ortsgruppe Berlin, zu dieser Situation Stellung nahm in einem Vortrag „Das Bildungsproblem in der jüdischen Schule". Wenn der Vortrag nicht die „Patentlösung" gab, die manche für die jüdische Schule erstreben und erwarten, so möchte ich das als einen. Vorzug des Vortrages bezeichnen, weil er uns unmittelbar vor die brennenden Gegenwartsaufgaben stellte, die eine Notlösung erheischen. Was aus der Fülle der Gedanken besonders gefangen nimmt, sind zwei Dinge: die absolute Ehrlichkeit und unerbittliche Strenge, mit denen Dr. Stern die Tragik unseres jüdischen Daseins darstellt. Es gibt kein Vertuschen, kein Uebersehen unserer schwierigen Situation; er zeichnet mit einer haarscharfen Logik und einer prägnanten Formulierung diese unsere Situation. Das zweite — und das ist der Tenor, der durch diesen Vortrag hindurchgeht — ist die Liebe zu der Bildungsarbeit schlechthin und die tiefe Verantwortung für die Bildungs¬ und Erziehungsarbeit unserer jüdischen Jugend. Aus der Fülle der Gedanken seien nur einige herausgegriffen, die grundsätzlichen Charakter tragen. Unsere überkommene Bildungsgrundlage im allgemeinen ist ins Wanken geraten und es fehlt an einem einheitlichen gesicherten neuen Bildungsziel. Können wir für diese Uebergangszeit eine Notlösung schaffen? Eine solche Notlösung lehnt Stern aus inneren Gesetzen der Schule und ihrer Eigenart ab. Dann wäre die Schule nur „ Ausrüstungsstätte" für die unmittelbaren praktischen Aufgaben des Lebens. Wir jüdischen Menschen wollen aber neben diesem praktischen Ziel ein anderes, das, von unserem jüdischen Sein getragen, mit gleicher Energie und vielleicht mit noch stärkerem Enthusiasmus angestrebt werden soll. Es ist die „Bildung" schlechthin. Diese Bildung trägt ihren Eigenwert in sich — sie bedeutet eine Quelle, persönlichen Glückes und eine Bereicherung des Lebens. Die Bildungsschwierigkeiten treten naturgemäß da ein» wo gesinnungsmäßiger Unterricht erteilt wird; das ist im Deutsch- und Geschichtsunterricht der Fall. Daß dem Deutschunterricht auch heute noch eine wichtige Stellung zukommt, erhellt schon daraus, daß die deutsche Sprache Mutter- und Unterrichtssprache ist. Neben dem deutschen soll zur Bildung des jüdischen Menschen auch jüdisches Kulturgut in den Deutschunterricht hineinbezogen werden, zumal das gegenwärtige deutsche Geistesgut für uns ausscheidet. Besonders schwierig liegen die Probleme im Geschichtsunterricht. Der jüdische Geschichtsunterricht hat neue Aufgaben zu erfüllen, die der allgemeine Geschichtsunterricht heute nicht mehr erfüllen kann. Der allgemeine Geschichtsunterricht soll das Verständnis für die Vergangenheit und Gegenwart unserer Umwelt anbahnen, er soll die großen kulturellen, wirtschaftlich-sozialen Strömungen — durch die auch wir geformt worden sind — zum Verständnis bringen. Der hebräische Unterricht als Sprachunterricht ist heute eine Selbstverständlichkeit und nur noch eine methodische Frage. — Entscheidend ist aber der jüdische Geist, der die Einheit und Geschlossenheit der Bildung und Erziehung gewährleisten muß. Wenn die Schule auch kein Gefilde der Seligen sein kann, so doch die Stätte des Schutzes, der Ruhe