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Jüdische Schulzeitung · 1936-02-01 · 2 (1.2.1936) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulz ei t ung Nummer-^ Religion, die ihr gebührende rechtliche Anerkennung im Staate zu verschaffen und die Lage der Lehrer wesentlich zu verbessern. Es sollte auch hingearbeitet werden auf einen Zusammenschluß mehrerer kleiner Gemeinden, damit sie so in. den Stand gesetzt würden, das zu gewähren, was gefordert werden mußte: die definitive Anstellung nach einer gewissen Reihe von Dienstjahren. ^Fortsetzung folgt.) Der Emek als Thema palästinakundlicher Behandlung in der Schule (Eine Studie) (Schluß) B. Siedelungsformen. Die verschiedenen Typen von Siedelungen sind aus weltanschaulichen, aber auch aus ökonomischen Motiven hervorgewachsen. Die den kapitalistisch wirtschaftenden Ländern Europas entronnenen Cbaluzim versuchten, im ersten Ansturm die Idealform einer weitgehenden Lebensgemeinschaft zu gewinnen, ■ in der es weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer im Sinne heimatlicher Begriffe gäbe. Der Mangel an Geldmitteln kam ihrem Bemühen entgegen; sie konnten nichts einkaufen, weil sie arm waren; sie konnten nichts verkaufen, weil ihre Preise zu hoch waren (Pinner). So ergab sich notwendig das Streben nach dem Leben im Kollektiv. Auf der anderen Seite machte allmählich die menschliche Natur ihre Rechte geltend; der Trieb zu einem wenn auch noch so bescheidenen eigenen Lebensbereich begehrte auf; wirtschaftliche Ueberlegungen kamen zur Hilfe, und so ward das Prinzip der Daseinsformung in totaler Gemeinschaft durchbrochen und da und dort beiseitegeschoben. Die psychologischen und ökonomischen Zusammenhänge können wegen der schwer überschaubaren Hintergründe in der Volksschule nicht aufgewiesen werden. Es muß sein Bewenden dabei haben, den Schülern einen klaren Eindruck zu vermitteln vom Leben einer „Dorfgemeinschaft", wie sie ihnen daheim nicht ins Gesichtsfeld kommt. So versuchen wir denn, durch Fragen und Antworten, durch Erwägen und Aufzeigen des Problematischen Klarheit zu gewinnen über die wesentlichen Siedelungsformen im Emek. Die Kewuzah; Beispiel: Ejn Charod. Es wohnen 500 meist aus Rußland stammende Juden beisammen und bewirtschaften gemeinsam eine Fläche von 10000 Dunam Boden. (Die Maßeinheit 1000 qm wird an nahegelegenen Flächen veranschaulicht — Schulhof, Garten u. dgl.) Privateigentum gibt es nicht; höchstens Wäsche und Kleider, aber auch dieses wird an Ort und Stelle hergestellt. „Der Schneider näht für alle; der Landarbeiter pflügt für alle. Es gibt neben den üblichen Kulturen eine Molkerei, Hühnerzucht, Anbau von Bananen, Orangen, Tafeltrauben, eine Baumschule, eine Sägemühle, eine Gerberei, Schusterwerkstatt, Tischlerei usf." (Vandervelde). In großen Gemeinschafts- Bücherzettel An den Verlag der „Jüdischen Schulzeitung" Ludwigshafen a.Rh. Schulstraße 14 räumen wohnt'man zusammen; nur Verheiratete haben eigene Schlafstuben. Die Kinder sind der elterlichen Betreuung Tag und Nacht entzogen. Ihr Leben spielt sich im Kindergarten, im Kindergemeinschaftshaus unter Leitung der Kindergärtnerinnen und Lehrer ab. — Alle Einnahmen der Kewuzah fließen in eine Kasse, alle Ausgaben werden aus ihr bestritten. Das Ganze ist eine Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaft unter Ausschluß jeglichen Eigeninteresses; Ein Bild des; Lebens läßt sich am besten gewinnen, wenn der Lehrer die Klasse anregt, sich einmal den Verlauf, eines Tages in der Kewuzah in der Phantasie auszumalen. Dabei ist auf jede Einzelheit zu achten und durch stetes Fragen Lückenhaftes zu berichtigen. Der terminus Kibbuz spielt in der Untere haltung der Schüler eine bemerkenswerte Rolle. Indes ist weder den Jugendlichen noch vielen Erwachsenen sein Inhalt klar, und nicht selten findet eine Verwechselung der Begriffe Kewuzah und Kibbuz statt. Selbst in manchen Palästinabüchern finden sich unrichtige Definitionen. Deshalb stelle der Lehrer die Sachverhalte klar. Die Kewuzoth sind Kollektive, deren jedes organisatorisch für sich besteht. Der Kibbuz umfaßt dagegen eine Reihe von — meist kleineren — Kewuzoth, deren Mitglieder einzeln oder in Gruppen gegenseitig nach Bedarf ausgetauscht werden können, weil sie wirtschaftspolitisch und auch weltanschaulich eine gleichgerichtete "Gemeinschaft bilden. Diese Gleichrichtung wird bereits „auf Hachscharah" zu erzielen versucht. Als Beispiel diene der Kibbuz Rotges im Nordosten von Petach Pikwah, der Menschen gesetzestreuer Richtung umfaßt. Man lasse die Schüler diese Lebensformen, werten, es wird sich dann leicht der Uebergang zur Behandlung des andern Siedlungstyps ergeben. Der Moschaw Owedim — Beispiel: Nahalal. Einwohnerzahl 650, Bodenfläche 8500 Dunam. Die Siedelung ist in Kreisform gebaut (Bilder in vielen Palästinabüchern, z.B. Vandervelde, Landauer). Jeder Siedler hat sein eigenes Haus, dahinter seine Wirtschaftsgebäude, seinen Gemüse- und Fruchtbaumgarten, seinen Weinberg und sein Ackerfeld (Press). In der Mitte des Kreisringes liegen die Verwaltungsgebäude des Gemeinwesens. Man betrachte die ausgezeichnete Flugzeugaufnahme der Siedelung! Der Boden gehört dem Keren Kajemeth Lejisrael. Jeder Siedler ist verpflichtet, mit seinen Familienangehörigen den ihm zugewiesenen Boden selber zu bewirtschaften; Lohnarbeiter dürfen nicht beschäftigt werden. Im Gegensatz zur Kewuzah ist hier keine bestimmte Arbeitszeit festgelegt, auch nicht die Abfolge des Arbeitsprozesses. Dem individuellen Ermessen ist hinreichend Spielraum belassen. Der Charakter der Lebensgemeinschaft ist so stark verwischt; er tritt indes deutlich zu Tage, wenn die Siedler zu gegenseitiger Hilfeleistung einspringen, wenn teure Maschinen und Werkzeuge von Haus zu Haus wandern, beim genossenschaftlichen Ein- und Verkauf. Auch hier wird das phantasiemäßige Durcherleben eines Tageslaufs das Eigenartige der Siedelungsform deutlich hervortreten lassen. Eine Beurteilung durch die Schüler wird werthaltig sein, wenn Vergleiche zwischen Kewuzah und Moschaw gezogen werden *) C. Finanzierung der Siedelungen : Die Schüler wissen von der Armut und der Not der Chaluzim. So tritt die Frage, woher die Mittel zur Seßhaftmachung kommen mögen, ganz von selbst vor sie hin. Es ist nicht die Aufgabe in unser Unterrichtsthema eingeschlossen, den Keren Kajemeth Lejisrael und den Keren Hajessod eingehend zu behandeln. Wir begnügen uns deshalb, in diesem Zusammenhang das Wichtigste an die Kinder heranzubringen. Vom K. K. L. wissen fast alle Näheres. Insbesondere kennen sie dieSammeibüchsen,dieSammeItasch en, wissen sie von den verschiedenen „Aktionen", so daß der Lehrer sich auf die Hinweise beschränken darf, die er unter IIA gegeben hat. Dagegen ist die Institution des Keren Hajessod den Kindern weniger vertraut/Dieser „Palästina Grundfonds" wurde 1920 in London von der Zionistischen Jahres- *) Natürlich bedarf es hier der Erwähnung rein kapitalistischer Siedelungen in Palästina, etwa der vom Baron Rothschild begründeten Kolonie Rischon le Zoin („Moschawoth").

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