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Jüdische Schulzeitung · 1936-02-01 · 2 (1.2.1936) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische S c h u I z e i t u n g. :' -Nummer'£2$, fangen hat. In diesem Sinne gesehen sind Rosenzweigs Briefe lebendige Zwiesprache, eingefangenes Leben. Man ist versucht, in Variation eines Rosenzweig-Wortes zu sagen, sie sind ein „mündliches Buch" und wollen aus der Schriftlichkeit in die Mündlichkeit „übersetzt" werden. Liest man sonst Briefe aus literarischem oder psychologischem Interesse heraus, aus „Sehnsucht nach dem selber ungelebten Leben, aus Sehnsucht nach dem Ausflug in die fremde Seele und ihre Schicksale, aus dem Bedürfnis nach Icherweiterung"2), so wäre hier eine Wertung aus psychologischem oder literarästhetischem Interesse heraus gänzlich unangebracht. Die einzige Wertung, die den Briefen gerecht wird, ist eine Wertung aus der religiösen Sphäre heraus: die Briefe sind ein religiöses Dokument großen Ausmaßes. : Unwillkürlich wirft man die Frage auf, welcher jüdischen Richtung, welchem jüdischen Lager gehörte Rosenzweig an? Die Antwort darauf ist ebenso einfach wie schwierig zu geben. Jede jüdische Richtung versucht, ihn für sich zu reklamieren und ihn als berühmtes Aushängeschild zu benutzen. Verfolgt man seinen Entwicklungsgang unvoreingenommen und vorurteilsfrei, so kann man wohl mit völliger Sicherheit feststellen, wäre es ihm vergönnt gewesen, länger zu leben oder „wäre er hinaufgelangt" (wie er selbst in einem seiner ergreifendsten Briefe anläßlich der Verleihung des Morenu schreibt) so wäre er wohl mehr und mehr der orthodoxen Art zugewachsen. „Ich hoffe (oder hoffte) im Stillen, daß ich eines Tages einmal in Jahrzehnten, die Grundsätze, die Gesetze, das „G e s e t z" weiß und dann noch einmal den Mund auf tun und lehren kann." — „Es ist mir wirklich nur noch wohl, wenn ich ein paar Blatt Gemoro gelernt habe." — „Wir „orthodoxieren" uns zusehends, weil das strenge „das und das ist verboten" einfach notwendig ist als ein Gartenzaun . . ." Im übrigen ist es ein müßiger Streit, ihn für irgendeine Richtung oder Partei zu beschlagnahmen. „Mir persönlich sind ja die Richtungen höchst gleichgültig." — Er war ein religiöses Genie, und alle Richtungen haben von ihm zu lernen und sollten dankbar sein, von ihm lernen zu können. Seine geistige Gesundheit ist so stark, daß er instinktmäßig nur aufnimmt, was ihn stärkt und ablehnt oder übersieht, was ihn schädigen könnte. Umwege des Denkens gibt es nicht bei ihm, eine begnadete Ungebrochenheit führt ihn auf sein Ziel hin. Dabei erreicht er eine ganz seltene Höhe der Bildung, die das Organischwerden des reichhaltigen Materials, das er aufnimmt, ermöglicht. Er hat bisweilen die königliche Gebärde des Beauftragten, die herrische Art des Wissenden, der um das Letzte, Nichtsagbare weiß. — Schon in den Briefen des jungen Menschen zeigt sich die Sicherheit des Urteils und die moderne Kraft der Abstoßung oder Aufnahme fremden Geistesgutes. Erstaunlich bleibt die frühe Reife — nicht Frühreife —, noch erstaunlicher das Bewußtsein um das noch nicht Ausgereiftseins, das aber nicht wie sonst schon in eitler Selbstbespieglung sich äußert oder in einer das Weitergehen hindernden Ueberprüfung des Jetztstandes das kommende Wachstum "verhindert, so wie man bei einer Knospe durch Betasten das Sichentfalten unmöglich macht, sondern er ließ „e s" gewähren, und „e s" gewährte ihm; er empfand im Tiefsten, schon als er kaum der Schule entwachsen war, „das Vorwaltende des oberen Leitenden". (Goethe) auf seinem Lebensweg; er war ein „ergriffener Mensch"; aber sein Verdienst war, daß er sich ergreifen ließ." Die Sprache ist der Ausbruch der innersten Natur eines Menschen. Die leidenschaftliche Helligkeit und Klarheit seines Geistes wird abgeblendet durch eine durchsichtige Wendigkeit des Stils, der noch vibrierend die gesteigerte Atmosphäre anzeigt, aus der er kommt. Dieser von den Quellen durchpulste Stil ist wirkendes Wort im Dienste des schöpferischen Gedankens. Er preßt den Gedanken so fest an sich, daß er mit ihm verwächst. Man kann beinahe nicht denselben Gedanken nachdenken, ohne sich der Worte zu bedienen, die dieser Gedanke selbst gewählt zu haben scheint, um sich AusdruckÄil verschaffen. Die Schönheit dieses Stils „ ist das nach/ außen; sich verbreitende Aufleuchten einer inneren Schönheit, die er,Ä andeutet. Dieser Stil wechselt den Ausdruck wie ein menschliches Gesicht, und er ist-ja auch eins. Er ist durchdringend, verbergend und verhüllend wie der Blick des Auges. Er' trägt; die Schamhaftigkeit der großen Gedanken und der tiefen Gemütsbewegungen an sich, die um so verhaltener sich .zeigen, je glühender sie sind, und die noch in ihrem Glanz Zurückhaltung bewahren. Die ungewöhnlich gesunde instinktsichere Haltung zeigt; , sich auch bei der Bewältigung der Frage: deutsche oder jüdische Kultur, deutsche und jüdische. Kultur. Es war für ihn. kein Problem. Die Kulturströme der deutschen upd jüdischen Kultur fließen ineinander, wirken belebend beim Aufbau der Persönlichkeit, die zu einer letzten Reife menschlicher Möglichkeit wächst. (Fortsetzung folgt.) . 2) Ernst Simon: Chajjim Nachman Bialik (Schocken Verlag 1935). 40 Jahre Lehrerverband von M. AbrahanuBerlin (Fortsetzung) Jugendliteratur. Auf dem Verbandstage in Hamburg 1901 gab Flanter-.. Berlin, wohl jetzt noch in guter Erinnerung durch seinen„Jü^,. dischen-Jugendfreund", mit seinem Referat über „Juger3ite-h* ratur" —das Korreferat hielt Meyer-Lünen—den Anstoß zurj Bildung einer „Jugendschriften-Kommission", welche die Ju~^ gendschriften prüfen und das Resultat der Prüfung im Ver-^Y bandsorgan veröffentlichen sollte. 1903 erschien das erste A Verzeichnis. Dadurch wurde das Interesse der Großloge des < deutschen Distrikts für diesen Gegenstand geweckt und dauernd wach gehalten. Sie schuf aus ihrer Mitte einen Jugend-. Schriften-Ausschuß, gab von 1905 bis 1914 unter der Redaktion von Dr. Spanier-Magdeburg die Monatsschrift „Wegweiser für die Jugendliteratur" heraus, erzielte durch ein Preisausschreiben die viel und gern gelesene „Sammlung, preisgekrönter jüdischer Märchen und Sagen" von Reuß und veröffentlichte mehrere Jugendschriften für das reifere Alter. Die Jugendschriften-Kommission des Verbandes . setzte ihre Tätigkeit fort. 1910, gelegentlich des Verbandstages in Frankfurt a. M., wurden die Teilnehmer durch das Buch „Für runsere Jugend" von Gut-Frankfurt a. M. freudig überrascht. Es war, wie der damalige Vorsitzende der Kommission Dr. Gut- : mann es aussprach, „die erste produktive Arbeit", die. aus ihr , hervorgegangen war. 1913 und 1914 erfolgte in den „Blättern für Erz. u. Unterr." eine kurze Besprechung von 248 Jugendschriften und 1916 ein neues Verzeichnis von 380 für ge--; eignet "befundenen Jugendschriften. Inzwischen hatte Rothschild-Eßlingen, ein Mitglied der Kommission, den V. Band seiner „Bausteine" erscheinen lassen, dem später ein zweiter, folgte. Da die Liste von 1916 natürlich unvollständig und unzeitgemäß geworden war, veröffentlichte der 1927 neubegrün-1 dete Jugendschriften-Ausschuß des Verbandes 1929 in der „Jü-f.: dischen Schulzeitung" ein neues Verzeichnis unter Berück-? sichtigung auch des nachschulpflichtigen Alters, ein Verzeich-' nis, das jetzt wohl sehr» einer Ergänzung bedarf. 1 - L e h r m i t.t e I. . Schon für den ersten Verbandstag 1898 hatte der Verein Mitteldeutschland durch seinen Vorsitzenden Steinhardt deri- Antrag auf „Bearbeitung von Hilfsbüchern für sämtliche Diszi- -; plinen des jüdischen Religionsunterrichts" eingebracht, aber^1 erst in der Vorstandssitzung 1902 wurde die Einsetzung einer."- Lehrmittel-Kommission ""-_;<"'' beschlossen, welche die Literatur für den gesamten jüdischen : Religions-Unterricht einer Prüfung unterziehen sollte. > Die~r, Kommission, deren Leitung Herbst-Lissa übernahm, gliederte^' sich in drei Kommissionen'und zwar: ' - yJ.

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