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Jüdische Schulzeitung · 1936-02-01 · 2 (1.2.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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«ÄBSPF8^^ - 12?iähTgang Yerlagsort: Mannheim 2 Nummer* 2S Jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, KaiserstraBe 19) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. Februar 1936 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.Siegfried Braun Köln-Sülz, Unketerstraße 17 Franz Rosenzweigs Briefe - Von Studienrätin Dr. Esth«r Frank-Köln Franz Rosenzweig: 1. . . . Weiß ich, daß mein eigentliches Buch erst als opus posthumum erscheinen wird..... Ich werde erst posthum meinen Mund auf tun. 1^ 2. Ich möchte natürlich nicht etwa gelesen werden, son- ^ern einzi2 und allein wirken. 'S*. Alles Handeln in der Welt ist in einem Maße, das einen immer wieder überrascht, ein Trotzdemhandeln. •t Jede Tat müßte so getan werden, als ob das Schicksal der Ewigkeit daran hinge. Denn man kann nie wissen, ob es nicht daran hängt. 4. Soviel einem genommen wird, soviel wird einem gegeben. Das ist kein Gesetz, man kann nicht vorher damit rechnen; es löst das Herz nicht aus Angst und Hoffnung; aber hat man es erfahren, hinterher, ist es ein unendlicher Trost und ein unerschöpflicher Grund zum Danken. Sören Kierkegaard: 1. Geist ist: welche Macht die Erkenntnis eines Menschen über sein Leben hat. 2. Im Gewissen hat das Auge G'ttes mich erblickt, und nun ist es mir unmöglich, zu vergessen, daß dies Auge mich sieht. Dies, daß G'tt auf mich sah, bewirkte, daß ich auf G'tt sehen mußte und immer sehen muß. 3. Die vollkommene Liebe ist, den zu lieben, durch den man unglücklich wurde. So geliebt zu werden, hat kein Mensch das Recht zu verlangen. G'tt kann es fordern; das ist das unendlich Majestätische. Und der im strengsten Sinn Religiöse, von ihm gilt es wohl, .daß er, indem er G'tt liebte, den liebte, durch den er, menschlich gesprochen, für dieses Leben unglücklich wurde — wenn auch selig. Ricarda Huch: t 1. Phantasie ist die Kraft, das Seiende, das, was un- % sichtbar, aber gerade darum allgegenwärtig ist, aufzunehmen. 2. Was ist Wahrheit? Das Leben, das die Wahrheit verwirklicht. , 3. Im Schaffen wird das Leiden überwunden, und wenn das Leiden das Siegel der Berufung ist, so siegelt der '2 Ueberwinder mit Werk, Tat und Wort. * Vor wenigen Monaten erschien die von den Verehrern sehnlichst erwartete Sammlung von Briefen des Religionsphilosophen und Uebersetzers Franz Rosenzweig1). Selbst diejenigen, die mit -vorgefaßter Begeisterung sich in den auch äußerlich schon imponierenden Band hineinlasen, waren überrascht und aufs tiefste getroffen. Nicht nur daß sie eine er- *) Im Schocken Verlag, Berlin. Preis 12.50 RM. staunüche Fülle von wertvollstem Geistesgut verschwenderisch ausgeschüttet fanden, sie waren im Innersten angerührt von der überlebensgroßen Gestalt des Menschen Franz Rosenzweig. Die bisher dem großen Denker und Deuter auf seinem oft schwer zu ersteigenden Geistesweg nachgegangen waren, sind überwältigt und bezwungen von dem beispielhaften heroischen Leben, das ihnen in den Briefen schlicht und einfach ohne jede äußere heroische Haltung entgegentritt. Wenn es überhaupt möglich ist, daß ein Buch verwandelt, das Leben beeinflußt, bessert und hilft, so kann man es von diesem Buch mit tatsächlicher Berechtigung aussagen. Es ist schwer sich vorzustellen, ein denkender und fühlender Mensch könnte unverwandelt durch dieses Buch hindurchkommen, so zwingend ist das Fluidum, das es ausströmt. Dem Aufnahmebereiten aber, dem willigen Leser — schließlich fordert jedes anspruchsvolle und ansprechende Buch solche und nur solche Leser — schenkt es eine Welt von ungeahnter menschlicher Tiefe und Größe und geistiger und seelischer Dichtigkeit. Die geistige Welt, die jüdische Welt ist reicher, lichtvoller und tröstlicher geworden, seit diese Sammlung von Briefen zugänglich gemacht worden ist. Würde man in einem Satz den Inhalt umreißen, so könnle man sagen: Die Briefe schildern den Entwicklungsgang des jungen jüdischen Menschen der Vorkriegs- und Kriegsgeneration, einen Entwicklungsgang, der bei Rosenzweig nicht typisch verlief: Aufgewachsen in einem Elternhaus, in dem dem Jüdischen allenfalls an der Peripherie des Lebens noch eine iäußerliche Funktion eingeräumt wird, wächst der junge Mensch mehr und mehr dem jüdischen Denken und Leben entgegen, um schließlich ganz heimisch zu werden im Zentrum jüdischer Lehre. Wollte man aber die Sammlung dieser Briefe nur entwicklungsgeschichtlich, also historisch ansehen, so würde man unweigerlich am Wesentlichen vorbeisehen. Sie sind aufzufassen als Ganzes, als Sendung eines Menschen, an dessen Verkündung und Schicksal wir. im Tiefsten Anteil nehmen. "Es kommt nicht darauf an, ob die eine oder andere Aeußerung ein Fehlurteil oder ein richtiges Urteil gibt, oder ob wir aus unserer subjektiven Mentalität heraus die eine oder die andere Aeußerung richtig finden. Die Richtigkeit der abgegebenen Urteile erweist und beweist sich ausschließlich durch die umfassende Bezogenheit und drängende Zielgerichtetheit des Blickpunktes überhaupt; und der erscheint richtig! Ob die einzelnen Etappen auf dem Wege vielleicht nicht richtig sind, ist vom Ganzen her gesehen unwichtig. Wir sind die Empfänger der Briefe; bei keiner anderen Briefsammlung spürt man so deutlich das Objektiywerden des subjektiven und das Subjektivwerden des objektiven Gehaltes. Was ist ein Brief? Eine Verständigung zwischen einem Ich und einem Du, zwischen einem individuell grprägten Ich und einem individuell geprägten Du; er möchte Ersatz sein für eine mündliche Zwiesprache, für ein mündliches Miteinander und Auge in Auge, für eine personhafte Nähe. Wann erscheint uns ein Brief als gelungen? Wenn er das Mit- und Gegeneinander des Gesprächs und die persönliche Atmosphäre einge-

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