Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung Seite 7 Turn- und Sportlehrer-Ausbildung. Die Reichs Vertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Im Anschluß an das Gymnastikinstitut von Frau Alice Bloch, Stuttgart, Zeppelinstraße 32, wird, gefördert von der Schulabteilung der Reichsvertretung und dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, ein einjähriger Lehrgang zur Ausbildung von jüdischen Turn- und Sportlehrkräften eröffnet. Schulgeld monatlich 35 RM. Billige Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden. Gesuche um .Zulassung sind umgehend an das obengenannte Institut zu richten. Persönliches * Der Vorsitzende des Emser Heims, Kollege I. B. Levy bittet uns, mitzuteilen, daß er seine Wohnung in Frankfurt a. M. nach Mittelweg 16 verlegt habe. * Nun ist auch Kollege Da vid Mannheim in den Ruhestand getreten. Mannheim wurde 1871 in Burhaslach geboren, besuchte das Würzburger Seminar und kam 1892 nach Graudenz, wo er bis 1920 amtierte. Dort nahm Mannheim dank seines hervorragenden Wissens auf allen Gebieten und seines nicht minder anzuerkennenden idealen Strebens eine bevorzugte Stellung ein und wurde u.a. zum Stadtverordneten gewählt. Nachdem Graudenz polnisch wurde, übernahm er die Stelle als Lehrer, Kantor und Prediger in Osterode in Ostpr., woselbst er noch etwa 15 Jahre amtierte. Ein volles Menschenalter war Mannheim in der Lehrerschaft führend tätig. Er war Gründer des westpr. Lehrervereins, Vorsitzender der Kultusbeamten-Kommission, bearbeitete mit Koll. Peritz zusammen die Angelegenheit der Ersatz-Kassen, wurde nach Peritz Amtsniederlegung Vorsitzender des ostpr. Vereins, gründete 1920 eine Vereinigung der Lehrer in den an Polen abgetretenen Gebieten, nahm wohl an den meisten Verbandstagungen teil, war wiederholt Referent für wichtige Standesfragen, treuer Mitarbeiter der beiden Verbandsorgane, besonders in der Bearbeitung rechtlicher Fragen, wurde auch in Ostpreußen durch 14 Jahre mit der Inspektion des Religionsunterrichts betraut. Infolge eines Herzleidens hat sich M. jetzt vom Beruf zurückgezogen; wir wünschen dem allezeit bewährten treuen Kameraden einen ungetrübten Lebensabend und hoffen, daß er im Ruhestand recht bald sich wieder einer gekräftigten Gesundheit erfreuen möge, um so auch weiterhin unserem Stande und der Gesamtjudenheit noch recht lange sich widmen zu können. M. Steinhardt. * Prediger i. R. Eduard Hamburger, langjähriges Mitglied des Vereins jüdischer Lehrer der Prov. Brandenburg, begeht am 12. Januar 1936 in Eberswalde, Weinbergstraße 13, seinen 90. Geburtstag. Zu Grabow (Posen) geboren, erlangte er seine berufliche Ausbildung in Breslau und Posen und war dann in verschiedenen Gemeinden der Ostprovinzen als Religionslehrer, Vorbeter und Prediger tätig. In seiner letzten Stelle (Eberswalde) wirkte er vom 1. Januar 1900 bis zu seiner Pensionierung, 31. Januar 1925. Hamburger, der sich einer seltenen körperlichen und geistigen Frische erfreut, ist sich seinen Pflichten gegenüber Verein und Verband stets bewußt gewesen. Möge Gottes Beistand ihn noch lange den Seinigen erhalten. S. Guttmann, Potsdam. •'•■-'*«"-*• . Am 12. Januar vollendet Waisenhausdirektor Raphael Plau t, Hamburg sein 60. Lebensjahr. Wir wünschen diesem, tüchtigen Schulmanne und Erzieher, der als Vorsitzender des Hamburger Lehrervereins unserm Verbände wertvollste Arbeit leistet, und der innerhalb der Hamburger Gemeinde segensreich wirkt, nöch viele Jahre ungebrochener Arbeitsfreude. Waisenhausdirektor i. R. Adolf Peritz, dessen Persönlichkeit und Wirken anläßlich seiner Uebersiedelung nach Palästina in unserm Blatt gewürdigt wurde, ist jüngst 70 Jahre alt geworden. Wir wünschen dem in Ramath Naschawim wohnenden-Freunde von Herzen, daß er noch viele Jahre hindurch Zeuge sei eines glückhaften Neuaufbaus in Erez Israel. * Der in Aachen im Ruhestand lebende Kollege Wilhelm Selig, früher in Emden, feierte am 15. Dezember in seltener Frische seinen 80. Geburtstag. Es ist eine Freude, dem geistig regen Manne zu lauschen, wenn er aus der Vergangenheit erzählt oder wenn er sich mit der Gegenwart kritisch auseinandersetzt. Ad mea weessrim schana! * In Güstrow starb vor wenigen Tagen nach einer weit über vier Jahrzehnte hinausreichenden segensreichen Tätigkeit Kollege Blumenfeld. Mit der Lebensgefährtin trauern viele Freunde und Berufsgenossen um den Heimgang dieses bescheidenen pllichtgetreuen Mannes. Sein Andenken sei zum Segen! Literarisches S. Müller, Der Weg in die jüdische Neuzeit. Jüdische Geschichte von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart, in Charakterbildern dargestellt. Verlag der „Jüdischen Schulzeitung", Ludwigshafen am Rhein, 1936. 315 S. Das vorliegende vom Verlag vorzüglich ausgestattete Buch ist, wie schon der Titel verrät, der dritte Teil von Müllers geschätztem Geschichtswerk, aber völlig verselbständigt und außerordentlich erweitert und vertieft. Eine Fülle von Tatsachen wird in guter Gliederung und Ordnung vor uns ausgebreitet und in eine Darstellung eingebettet, die die Zusammenhänge schlicht und lebendig aufweist, zum Verständnis des gegenwärtigen Geschehens anleitet und zur Stärkung des Gemüts in Stolz, Selbstbesinnung und Zuversicht beitragen will. Aus allem spricht die tief religiöse, vornehme, mild zum Rechten weisende Art dieses bewährten Pädagogen, der für das notwendige Neue wirbt und das gute Alte nicht aus dem Auge läßt. Ich kenne kein Buch, das unserer Juger.d so sachlich und vielseitig aufschlußreich den Weg in die jüdische Neuzeit deutet. Dr. Meier Spanier. * Julius Höxter, Jüdische Geschichte und Literatur in vergleichenden Zeittafeln, 1935, J. Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main. Mit dem vorliegenden Werk erhält die jüdische Schule endlich ein Arbeitsbuch für den Geschichtsunterricht, das nicht nur in wissenschaftlicher Beziehung den zu stellenden Anforderungen nach jeder Richtung voll entspricht, das vor allem als pädagogisches Hilfsmittel einem Mangel abhilft, den jeder schmerzlichst seit Jahren empfinden mußte, der im Geschichtsunterricht an der jüdischen Schule versuchte, das unvermittelte Nebeneinander der jüdischen und der allgemeinen Geschichte zu einem sinnvollen geschichtlichen Gesamtunterricht zu gestalten. Die „Zeittafeln" sind nicht nur eine Ergänzung zum. bekannten Quellenwerk des Verl assers, sie sind ein selbständiges Hilfsmittel für die Vermittlung einer gediegenen Kenntnis der wichtigsten Tatsachen und Ereignisse unserer Geschichte. Im Gegensatz zu wohl allen jüdischen Geschichtsbüchern bemüht sich Höxter, ein wirkliches Arbeitsbuch zu schaffen, indem er von Werturteilen so gut wie ganz absieht, wenn man nicht in der Auswahl der mitgeteilten Daten selbst schon ein solches Werturteil erblickt. In knappester Form werden die Vorgänge der inneren und der äußeren Geschichte in geopolitischer Aufteilung_synchronistisch nebeneinander dargestellt^ Besonders wertvoll ist . die versuchte Beziehungssetzung zu, den wichtigsten Daten der Weltgeschichte, eine Spalte, die bei einer Neuauflage des Werkes noch einmal