Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 J üdische Schul zeit ung Seite & der zionistischen Bewegung verantwortlichen Männer zögerten, das. in unsagbarer Verwilderung daliegende Sumpfrand — dazu noch zu einem allzuhohen Preise — zu kaufen. Indes drängten die aus Bessarabien, der Ukraine und anderen Pogromgebieten fortgezogenen Chaluzim. „Wir wollen lieber", so sagten sie, „unser Leben für den Versuch wagen, freie Menschen zu werden, als daß wir dorthin zurückkehren, um in Pogromen niedergemetzelt zu werden." (Vandervelde). Ein Jahr später begann der zähe, opferreiche Kampf der jungen jüdischen „Pioniere" um die Wiedergewinnung eines fruchttragenden Bodens. Dem sumpf- und seuchenreichen Gebiet wurden die Kolonien Nahaial, Ejn Charod, Tel Josef, Beth Alfa, Ginegar, Gevath u. a. abgerungen, und schließlich bildete der Emek ein geschlossenes Siedlerland, das durch jüdischer Hände Fleiß ein blühendes Gefilde wurde. Hier ist der Ort, an dem durch die bildformende Macht des Vortrags der Lehrer eine lebendige Anschauung vom Leben in .einer Siedlung vermitteln muß. In den Vortrag sind geeignete Berichte, wie sie etwa in den Schriften des Hechaluz in besonders . eindrucksvoller Weise gegeben wurden, aber auch Briefe von Freunden und Verwandten der Schüler 2U verweben: die Klasse muß gepackt sein von dem .Eindruck des Gehörten. (Schluß folgt.) Die Gestaltung des heimatgeschichtlichen Unterrichts in der Religionsschule Von Josef Rosenzweig, Brandenburg (Havel). (Schluß) Es wäre in diesem Zusammenhange auf die Wichtigkeit hinzuweisen, bei Ausflügen oder Fahrten der Schulen oder Jugendbünde die nachbarlichen Synagogen und andere jüdischgeschichtlich interessante Stätten anzusehen. Bei solchen' Besichtigungen dürfte immer der Nachbarkollege oder eine andere Persönlichkeit für eine knappe Darstellung der Synagogen-Geschichte der Nachbargemeinde zu haben sein. Vor allem lege man den Schülern der oberen Klassen Quellen vor und lasse die Ereignisse selbst zu den jungen Menschen sprechen. Das Werk von Dr. Julius Höxter „Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur" sollte in jeder Gemeinde, möglichst in mehreren Exemplaren, vorhanden sein, damit es . von Fall zu Fall für. den Unterricht herangezogen werden kann. Ich glaube, gerade durch das Höxtersche Quellenlesebuch ist ein lang gehegter Wunsch der jüdischen Lehrerschaft verwirklicht worden, und man kann dem Verfasser voll und ganz beipflichten in der Forderung, daß in der Geschichte die Schüler sich ein Bild des Geschichtsverlaufes oder der geschichtlichen Persönlichkeit auf Grund der Quellennachrichten, erwerben müssen, daß es ferner unabweisbare Pflicht des Lehrers sei, den ausgiebigsten Gebrauch von diesem Quelienbuch zu machen. Es ist anzustreben, daß der Schüler möglichst ein Quellenbuch in Händen habe. Er soll sich den in. dem Quellenlesebuch enthaltenen Geschichtsstoff unter Anleitung des Lehrers selbst erarbeiten. Damit wird seine Selbsttätigkeit bei weitem mehr in Anspruch genommen, als durch das Anhören eines Vortrages, bei dem die Schüler so oft recht passiv sind. Da, wo es nicht möglich oder angängig ist, daß alle Schüler sich ein solches Quellenlesebuch sich verschaffen, muß unter allen Umständen ein Exemplar für den Lehrer vorhanden sein. In diesem Falle liest der Lehrer das Stück vor, die Schüler stellen Fragen, damit ihnen kurz erläutert werde, was sie nicht verstanden haben. Die Schüler schälen auf leitende Fragen des Lehrers das historisch bemerkenswerte Material aus dem gelesenen Stoff heraus. Ein Schüler erzählt, andere berichtigen und ergänzen, wenn nötig, unter Hilfe des Lehrers. Fraglos wird die eingehende . Behandlung solcher Quellenstücke aus Mangel an Zeit nicht immer in Frage kommen. Viele eignen sich aber gut zur Einflechtung in1 den Vortrag des Lehrers, wie auch das Höxtersche Werk, in dem sich die geschichtlichen Gestalten und Ereignisse in zuverlässigen zeitgenössischen Quellen spiegeln. Leider fehlt uns noch ein abschließendes Werk über die allgemeine Geschichte, der deutschen Juden, an dem jetzt El bogen*) arbeitet. Man wird auf die alten bekannten Werke" von Grätz und Dubnow zurückzugreifen haben. Ich weise auf die Germania Judaica hin, die in alphabetischer Reihenfolge sämtliche Orte erwähnt, in denen Juden sich aufgehalten : haben. Der erste Teil ist 1917 erschienen, der zweite Teil jetzt als Veröffentlichung der Gesellschaft für die Wissenschaft des Judentums. Als beachtenswerte Quellenstücke wären daneben zu nennen: Akten aus dem Gemeindearchiv, Berichte aus Chroniken, Zeitungslektüre oder Zeitschriften;. Die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland bringt in Nr. 1 Jahrgang 5 einen Aufsatz von Hans Lichtenstein, in dem die Wiederaufnahme in den Brandenburgischen Städten nach dem schwarzen Tode ihre staatsrechtliche und soziale Stellungen innerhalb der Städte eine eingehende Darstellung erhält. Nun eine kurze methodologische Bemerkung: Wie die allgemeine jüdische Geschichte, so darf auch die Heimatgeschichte nicht immer losgelöst von der übrigen behandelt werden, z. B. die Juden der Mark Brandenburg sind um 1571 vertrieben worden, bekanntlich auf das Gerücht, Joachim II sei in Köpenick von seinem jüdischen Münzmeister Lippold vergiftet worden. Die ursprünglich auf „ewige Zeiten" angeordnete Landesverweisung währte ungefähr 100 Jahre. Wollte man nun die Wiederansiedlung der Juden durch den Großen Kurfürsten ohne weiteren Kommentar daran anschließen, so würden die beiden Tatsachen nebeneinandergestellt ganz sinnlos wirken. Es muß hier im Zusammenhang mit der allgemeinen Geschichte kurz herausgearbeitet werden, warum das so gewesen ist, also: die Vertreibung liegt vor dem 30jährigen Kriege, die Zurückrufung der Juden nach ihm. Im Jahre 1671, das für die Geschichte der Juden der Mark von einschneidender Bedeutung geworden ist, nahm der Große Kurfürst in dem Bestreben, die infolge des langen Krieges entvölkerte und verarmte Mark durch vermögende Zuzügler zu stärken, jene 50 Judenfamilien aus Wien auf, wie er damals von überall Elemente ansiedelte, von denen er sich eine Verbesserung und Hebung des Landes versprach. Der Bedeutung der Aufnahme dieser aus Wien Vertriebenen als Beginn einer neuen Epoche für die Juden unserer engeren Heimat muß im heimatge- ' schichtlichen Unterricht schon deshalb Rechnung getragen werden, weil eine Anzahl märkischer jüdischer Gemeinden *) Ist erschienen. Hier abtrennen! Ich bestelle hiermit: S.Müller: Der Weg in die jüdische Neuzeit broschiert .... 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