Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2825247-2825368-2825369--1046-2826705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer :lt Der Emek als Thema palästinakundlicher Behandlung in der Schule (Eine Studie) Zur Vorbereitung: Hugo Herrmann, Palästinakunde (Fiba Verlag,, Wien); Jesaias Press, Neues Palästinahandbuch (ebendasj; v. Schönaich, Palästina (H. Meyer, Halberstadt); Vandervelde, Schaffendes Palästina (Reißner, Dresden); Pinner, Das neue Palästina (Mosse Verlag, Berlin); Jüdisches Lexikon (Jüd. Verlag, Berlin); Broschüren, Karten, Bilder, Uebersichten aller Art. Ziel der Stoffbehandlung: 1. Verständnis der geographischen Sachverhalte; 2. Einblick in die Gesamtstruktur des jüdischen Siedlungswerkes im Emek. Die Arbeit: 1. Technisches: Die Schüler werden veranlaßt, zu Hause als Pause eine Art Blankokarte von Palästina herzustellen. Sie soll also lediglich die allen vertraute Küstenlinie und die von drei Ausweitungen unterbrochene Jordanlinie enthalten. Eine zweite Pause, die ebenfalls daheim anzufertigen ist, zeigt den Umriß Deutschlands und daneben den Palästinas in gleichem Maßstab. Den Bleistift, noch zweckmäßiger gutgespitzte Buntstifte zur Hand, auf dem Tisch die Skizzen, so folgen die Schüler den Darlegungen des Lehrers. Von der Verwendung optischer Instrumentarien wird hier nichtgesprochen, weil ganz einfache Schuleinrichtungen vorausgesetzt werden, und weil sich der Gebrauch moderner Hilfsmittel, dort wo sie vorhanden sind, von selbst versteht. 2. Der Unterrichtsgang: I. Geographisches. A. Erklärung des Namens: Emek Jesreel Tal oder Ebene Jesreel nach der Winterresidenz Jesreel der israelitischen Könige benannt. Siehe etwa Richter, Kap. 6, Vers 33. B. Lage und Größe des Emek: Der Emek bildet in Gestalt eines Dreiecks die einzige Bodensenke, die das Land von der Westküste bis zum Jordan durchquert. Wir bestimmen die Eckpunkte des Dreiecks Haifa.— Dschenin — Berg Tabor durch entsprechende Zeichen und verbinden sie durch drei Gerade. Die Wand- oder Atlaskarte zeigt uns längs der Linie Haifa — Dschenin den Karmel und das Gebirge Ephraim, östlich der Linie Dschenin — Berg Tabor den den Emek abschließenden Jordan, und vom Norden her an die dritte Linie heranreichend die Ausläufer des Libanon. Der Emek liegt im Westen 25 m, auf der Linie Dschenin — Tabor etwa 100 m über dem Spiegel des Mittelmeeres, dagegen in Beisan fast 100 m unter ihm. (Die zu zeichnende Skizze: Eine gestrichelte Wagerechte als Meeresspiegel; dazu rechts und links abschließend Senkrechte mit entsprechender Meterskala und die das Profil der Ebene anzeigende Linie). So erklärt sich leicht der Lauf der beiden den Emek entwässernden Bäche: des Kischon (Debora und Jabin von Chäzor) ins Meer und des Nabr-Dschalud (Goliathbachs) in den Jordan. Viele Stellen des Emek haben keine Wasserabflußmöglichkeiten, daher die reiche Sumpfbildung. Der Hinweis auf diese Tatsache ist wichtig, weil er zu den Schwierigkeiten hinführt, denen sich die ersten Chaluzim gegenübergestellt sahen. — Wir versuchen uns eine Vorstellung von der Größe des Emek durch einen Vergleich mit ähnlich großen Gebieten unserer Heimat zu verschaffen. Die Linie Haifa — Dschenin hat eine Länge von rund 50 km Köln—Barmen; die Linie Dschenin —Tabor von 28 km=Köln—Bonn; die Liniejabor — Haifa von 45 km Köln—Honnef! In etwa 2 Stunden durchfährt man mit einem Personenzug die Strecke Haifa—Beisan, in etwa vier Stunden durchwandert ein Fußgänger den Emek an seiner breitesten Nord—Süd-Stelle.. Bei dieser Gelegenheit dürfte' es gut sein, in den Schülern die Erinnerung an das Größenverhältnis des ganzen Landes zu Deutschland oder zu einem bestimmten Teil Deutschlands zurückzurufen. Die vor uns liegende Skizze zeigt uns das etwa zwanzig mal so große Deutschland mit seinen 540000 qkm gegenüber den 26000 qkm Palästinas. "* - C. Verkehrswege: Eine Schmalspurbahn führt über Afüle bis Beisan durch den Emek. Wir zeichnen, sie mit dem Rotstift ein, ebenso die genannten Stationen. Wir verfolgen die Linie über Beisan hinaus. Sie wendet sich, dem Jordan- -tal folgend, nördlich-bis zur Station Ssemach am Tiberiassee, verläuft nach einem Bogen südlich durch Trahsjordanien und endet in die Hedschasbahn. (Neben Beirut wichtigste Verbindung des Mittelmeeres nach Arabien!) Bei Afule zweigt eine Normalspurbahn nach dem Süden Palästinas ab und endigt in Nablus, dem früheren Sichern. (Hinweis auf die Araberunruhen 1929). Fahrzeuge und Fußgänger benutzen die Straßen des Emek. Die in Haifa beginnende Häuptstraße gabelt sich unweit Dschalame. Ueber Mischmar Haemek- Megiddo geht es nach Dschenin; über Dscheda —Nahalal- Nazareth—Afule—Sirin ebenfalls nach Dschenin, und von Afule aus über Merchavia, Ejn Charod—Tel Josef nach Beisan, über Kefar Jeladim zum Tabor. (Straßen und Orte einzeichnen.) II. Der Emek als Siedelungsraum. A. Geschichtliches. Man lese mit den Schülern die Kapitel der Bibel, in denen der Emek den lokalen Hintergrund abgibt für geschichtliche Ereignisse. Jesreel Residenz der israelitischen Könige. I.Könige, Kap. 21,Vers 1; II. Könige, Kap. 8, Vers 29; Ejn Charod (Gidion wählt hier 300 Mann zum Kampf gegen die Feinde aus, Richter, Kap. 7); Sauls letzter Kampf am Gilboa, I. Samuel, Kap. 29 ff.; Acbabs Sieg über die Syrer, 1. Kön., Kap. 20; Niederlage Josias gegen Pharao Necho bei Megiddo, II. Kön., 23, Vers 29 ff. In späterer Zeit kämpften im Emek die Römer unter Vespasian gegen die Juden, die Araber gegen die Kreuzfahrer; Napoleons Soldaten schlugen unter dem General Kleber die Türken am Berge Tabor, und im Weltkriege war die Ebene Jesreel Schauplatz eines heftigen Rückzuggefechtes zwischen den Deutschen und Türken einerseits und den Engländern unter Allenby andererseits. Es erhebt sich die Frage, wie es gekommen sein mag, daß gerade der Emek eine derart wichtige Rolle in der Weltgeschichte hat spielen müssen. Ein Blick auf die Karte gibt Aufschluß. Innerhalb der „Brücke" Palästina, die drei Erdteile miteinander verbindet, bildet der Emek den bequemen Durchgangspunkt von einem zum anderen Ende. Wir wissen aus biblischen Berichten von der einstigen Fruchtbarkeit des Emek. Nach dem Untergang des Reiches Israel und nach dem Ablauf mannigfacher Kämpfe in dem Tal. mit seinem schweren, fruchtbaren Boden verfiel der Emek und ward zum Sumpfland. Die Waldungen an den Bergabhängen wurden von räuberischen Beduinen zerstört, die Kornfelder der Bewohner geplündert, der Boden vernachlässigt. So lag das Land fast 2000 Jahre verwildert da. Reiche Araber ergriffen schließlich Besitz vom Emek und verpachteten den Boden an arabische Siedler. Sie hatten nicht die Kraft, ihn zu verjüngen. Im Jahre 1911 erwarb eine jüdische Bodenkaufgesellschaft die ersten Ländereien im Emek, und es wurde. die Siedelung Merchavia nahe bei Afule gegründet. Die eigentliche planmäßige Eroberung des Bodens. begann erst nach dem Weltkrieg. 1920 kaufte der Keren Kajemeth Lejisrael von der Effendifamilie Ssurssuk, die in Syrien lebt, zwei größere Bodenkomplexe im Emek, den einen im Westen, den andern im Osten. (Hier muß kürz auf den Sinn und die Bedeutung des K.K.L. eingegangen werden. Dabei ist insbe-' sondere darauf hinzuweisen, daß der K.K.L. den Boden für ewige Zeiten als Eigentum des jüdischen Volkes erwirbt, daß er also niemals wieder verkauft, sondern lediglich in Erbpacht gegeben werden kann.) Es gab damals turbulente* Szenen innerhalb der maßgebenden jüdischen Instanzen. Die