Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdisch© Schulzeitung Nummer' 1 fehlt, die, vielleicht ganz unbeabsichtigt und unbewußt, in ihrem öffentlichen Hervortreten den Eindruck erwecken, als öb sie sich auf Kosten der Allgemeinheit als Retter aus der Not, als die Besitzer des pädagogischen Steins der Weisen anpreisen wollten, und die damit die gesamte Lehrerschaft vor der Oeffentlichkeit blosstellen, zwang uns zu dieser Abwehr. H. Stern, Berlin. 40 Jahre Lehrerverband von M. AbrahamsBerlin Unser Verband hat noch kein Jubiläum gefeiert und tut es auch heute nicht. Das Datum seines 25jährigen Bestandes war zu stark von der Unruhe und Sorge der unmittelbaren Nachkriegszeit beschattet. Und jetzt?... Dennoch wollen wir die 40. Wiederkehr seines Begründungstages nicht ganz unbeachtet dahingehen lassen. Jedoch ist kein „Festartikel" mit schwungvollen Worten geplant, vielmehr soll nur in schlichter Form auf die wichtigsten Tatsachen seines Werdens und Wirkens hingewiesen werden, — in der Hoffnung, daß daraus auch denjenigen unserer Mitglieder, welche erst die jüngste Zeit in größerer Zahl unserem Verbände zugeführt hat, ein annäherndes Bild von seinen Zielen, Bestrebungen und Arbeiten erwachse. Uns anderen mögen die Tage der Vergangenheit mit ihren Mühen und Kämpfen, mit ihren schwer errungenen, zwar bescheidenen, aber doch nicht bedeutungslosen Erfolgen wieder in die Erinnerung gerufen werden. Begründung. Im Februar 1895 erließ der Deutsch-Israelitische Gemeindebund (D.I.G.B.), der. 1872 gegründet, sich die Sorge um die Erhaltung und Ausgestaltung des Kultus in den, kleinen, leistungsschwachen Gemeinden und um die Förderung der religiösen Erziehung ihrer Jugend durch qualifizierte Lehrer zu einer seiner Hauptaufgaben gemacht hatte, einen „Aufruf zur Bildung eines Verbandes der israelitischen Lehrervereine in Deutschland" und gab ihm „Leitsätze" bei, die als Grundlage eines künftigen Statuts dienen sollten. In dem Aufruf hieß es: „Schon seit geraumer Zeit haben sich die israelitischen Lehrer Deutschlands in verschiedenen örtlich abgegrenzten Vereinen zusammengefunden, um ihre Standesinteressen gemeinschaftlich wahrzunehmen. Auch existieren verschiedene Kassen und Stiftungen, die entweder ausschließlich oder doch vorzugsweise der Versorgung der Kranken, Invaliden und Hinterbliebenen unter den jüdisichen Lehrern Deutschlands gewidmet sind. Die meisten dieser Vereine halten Jahresversammlungen ab, und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat zu den Kosten dieser Versammlungen Beiträge geleistet. In den letzten Jahren ist nun von mehreren Seiten die Schaffung eines Vereinigungspunktes für alle in den Einzelvereinen gepflegten Zwecke angeregt worden, von dem aus diese Zwecke nach einheitlichen Grundsätzen im gesamten Deutschen Reiche zielbewußter und wirkungsvoller verfolgt werden können." Der Aufruf fand zumeist freudige Zustimmung, löste aber auch an manchen Stellen starke Erregung aus, weil man außer anderem befürchtete, daß durch die Zentralisierung eine Untergrabung des Vereinslebens in den Bezirksvereinen herbeigeführt und daß die Eigentümlichkeiten der einzelnen Provinzen nicht genügend berücksichtigt werden würden. In den Weihnachtstagen desselben Jahres kam zu Berlin ein Delegiertentag zustande. Nach mehrstündiger lebhafter Vorverhandlung am 23. Dezember fanden die HauptveThandlungen unter Leitung von Syndikus Dr. M i n d e n vom D.I.G.B. an den beiden folgenden Tagen statt. Anwesend waren Vertreter von 14 Vereinen, ferner Vertreter des D.I.G.B., insbesondere seiner Lehrabteilung. Nach schließlicher Einigung über die Leitsätze wurde am 25. Dezember 18 95 der Verband konstituiert — mit dem Titel „Verband der jüdischen Lehr er vereine im Deutschen Reiche". Der Vorstand sollte aus sieben Mitgliedern bestehen, zu denen noch ein Vertreter des D.I.G.B. mit beratender und beschließender Stimme hinzukommen sollte und zwar so lange, wie der D.LG.B. den vereinbarten Beitrag leisten würde. In den Vorstand wurden gewählt : Dr. Adier-Berlin, 1. Vor-* sitzender; Blumenfeld-Adelebsen, 2. Vorsitzender; Bernhard- Tarnowitz, Goldschmidt-Köln, Gutkind-Kassel, Herbst-Lissa und Levi-Neuß. Der D.I.G.B. bestimmte zu seinem Vertreter Dr. Blaschke-Berlin. Hervorgehoben sei die schon vor Beginn der Tagung eingelaufene Erklärung des bayerischen Lehrervereins, daß er. durch das bayerische Vereinsgesetz am Anschluß verhindert, doch die Interessen des neu zu begründenden Verbandes so weit als möglich fördern helfen wolle und zu den seinigen zu machen gedenke — ein Versprechen, das er treu gehalten hat. Aeußere En t-w i c k 1 u n g. Von den 19 Vereinen mit ca. 1 100 Mitgliedern, die z. Zt. bestanden, traten im Laufe des Jahres 1896 16 Vereine mit 800 Mitgliedern dem Verbände bei, d. h. zwei Drittel sämtlicher jüdischer Lehrer Deutschlands und sieben Achtel Preußens, soweit sie in Vereinigungen zusammengeschlossen waren. 1899 waren es 831 Mitglieder. Die Höchstzahl wurde 1907 mit 19 Vereinen und 1 181 Mitgliedern erreicht. Einige Vereine mit überwiegend konservativen Mitgliedern schwankten in ihrer. Zugehörigkeit. Um ihnen ihre freilich unbegründeten Besorg-. nisse zu nehmen, wurde in die Satzungen folgende Bestimmung aufgenommen: „In religiösen und religiös-politischen Angelegenheiten bewahrt der Verband Neutralität." 1927 wurde nach den religiösen Minderheiten für die; nächsten zwei Verbandsperioden das Recht zugesichert, einen besonderen Vertreter in den Ausschuß zu entsenden, wovon sie auch Gebrauch machten. Der Krieg riß manche schmerzhafte Lücke in unsere Reihen. Der im Oktober 1925 gefaßte, lebhaft begrüßte Beschluß des Landesverbandes Bayern, dem Verbände beizutreten, bedingte die Umgestaltung unseres Verbandes dahin, daß er fortan nur aus Landesverbänden bestehen sollte. Auch ohne dies hatte sich die Notwendigkeit ergeben, daß sich die preußischen Vereine zu einem Landesverband zusammenschließen mußten. Dies erfolgte am 1. April 1926, und der Verband erhielt den Namen „Jüdischer Lehrerverband in Preußen". Bei der endgültigen Konstituierung 192 7 zählte er 11 Vereine mit 639 Mitgliedern, gegenwärtig ca. 600 Mitgliedern. Die Gesamtheit der Landesverbände, 1927 umfassend: Baden, Bayern, Emden-Oldenburg, Mitteldeutschland (außer Provinz Sachsen), Preußen und Württemberg gab sich den Namen „Reichs verbfan!d der jüdischen Lehrervereine". Gegenwärtig, uach Hinzutritt von Hamburg und Hessen, gehören ihm 8 Landesverbände mit ca. 1600 Mitgliedern an. Die Entwicklung der Verhältnisse für die Juden in den letzten 2^ Jahren hat dem Verband aus den Reihen der Lehrkräfte für höhere Schulen nicht alle, aber doch eine erhebliche Anzahl zugeführt. Mögen sie in jeglicher Beziehung ein Gewinn für ihn sein! L e i t u ng und Verwaltung. 1898 wurde die Zahl der Vorstandsmitglieder von sieben auf neun erhöht. 1904 wurde festgesetzt, daß jeder angeschlossene Verein nach eigener Wahl ein Mitglied in den Vorstand entsenden, dieser aber aus seiner Mitte einen ftinfgliedrigen „Geschäftsführenden Ausschuß" (G.A.) wählen sollte. Später nahm der Verbandstag selbst die Wahl des G.A. vor.. Schon 1910 hatte Becker-Wollstein angeregt, einen besoldeten Geschäftsführer-zu ernennen, aber erst 1922 wurde dieses Amt geschaffen. Seitdem bilden die von den Vereinen bestimmten Vertreter den „Ausschuß" des Verbandes," während der gesamte Vorstand vom Verbandstage gewählt, der engere Vorstand, d. i. .der.. 1. und 2. Vorsitzende und der Geschäftsführer namentlich als solche vom Verbandstag bestimmt werden: