Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J. richtet Herr Kurt Herz ui I>uSseiaou, Leiter der dortigen jüdischen Volksschule, einen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit und wohl vornehmlich an die jüdischen Lehrer, der in fünf Forderungen gipfelt. Herr Dr. Herz ist mit den allgemeinen Zuständen im jüdischen Schulwesen absolut unzufrieden, vor allen Dingen mit}der Unbestimmtheit ihres Bildungszieles. Es dürfte kaum jemanden unter uns geben, der diese Anschauung des Herrn Kollegen Herz nicht teilte, wenn auch jeder Fachmann weiß, welche tiefer liegende Ursachen für den gegenwärtigen Stand unseres Schulwesens verantwortlich sind. Der Fachmann, der nicht erst seit April 1933 die jüdische Schule kennt, und ganz besonders die Volksschule, wird sich darum hüten, aus unbestreitbaren Tatsachen Forderungen abzuleiten, die im Kern nichts anderes sind als Vorwürfe gegen die Lehrerschaft, die in ihrer Masse als indolent, unfähig, kurz gesagt: den Ansprüchen der neuen Zeit nicht gewachsen erscheinen muß. Wir sind solchen Verlautbarungen gerade von Seiten einzelner Lehrer in letzter Zeit häufiger begegnet. In den Ausführungen des Herrn Dr. Herz kommt nur die tiefer liegende Tendenz so deutlich zum Ausdruck, daß man auch eine deutliche Antwort darauf geben kann. Um Herrn Dr. Herz durchaus gerecht zu werden, betonen wir noch einmal nachdrücklich, daß wir mit seinerGrundauffassung, von der er ausgeht, durchaus einverstanden sind. Auch mit seiner Ansicht, daß die Richtlinien der Reichsvertretung zum Teil nichtssagend, zum Teil längst überholt sind; aber die Forderungen, die er erhebt, rennen zum Teil offene Türen ein, zum Teil verraten sie völlige Unkenntnis der Wirklichkeit. Da heißt es z. B. unter 1-3 : : Erzieher, denen es um die Zukunft unserer Jugend geht, haben sich unverzüglich zu einer Besprechung zu vereinen, einen pädagogischen Ausschuß zu bestimmen, der Richtlinien ausarbeitet und neues Arbeitsmaterial und neue Schulbücher für die jüdischen Schulen schafft. Dazu wäre zu sagen: Von Erziehern, denen es nicht um die Zukunft der Jugend geht, sollte ein Erzieher nur sprechen, wenn er solche entarteten Zeitgenossen namhaft machen könnte; wenn nicht, ist schon die Unterstellung, daß es solche Leute geberj könnte, eine Beleidigung für die Zunft. Daß wir seit Jahr und Tag in Stadt und Land an der Lösung dieser Aufgabe beschäftigt sind, weiß jeder, der sich um Lehrerarbeit, kümmert; er muß es vor allem wissen aus den Aufsätzen in unserer Schulzeitung und aus den Berichten über Fortbildungsarbeit und Vereinsarbeit. Und er muß endlich GERMANIA JUDAICA wissen, daß eine Fibel vorliegt und daß andere Lehrmittel in Vorbereitung sind. Wenn nun Herr Dr. Herz auch den Drang zu diesen Arbeiten hat, dann könnte er ihn nirgends besser befriedigen als im Lehrer verein seiner Provinz, der von jeher in der pädagogischen Arbeit erfreulich tätig gewesen ist. Ganz sicher wären ihm dann auch die ungeheuren sachlichen Schwierigkeiten aller Art klar geworden, welche die Lösung der Aufgaben bis jetzt verhindert haben und vielleicht noch für absehbare Zeit verhindern werden. Ferner hat sich der Ausschuß mit der „durchaus unzureichenden jüdischen Lehrerausbildung" zu befassen und Vorschläge für den neuen Aufbau zu machen. Es ist uns unbekannt, woher Herr Dr. Herz die Kenntnis von der Unzulänglichkeit der Arbeit in den bestehenden Lehrerbildungsanstalten in Würzburg und Berlin hat. Soweit wir unterrichtet sind, wird an diesen Anstalten mit dem Ernst gearbeitet, den unsere Situation erfordert und auch nach der Richtung hin, die im Interesse der Entwicklung des jüdischen Schulwesens liegt, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Bindungen, denen das jüdische Schulwesen in Deutschland, also wahrscheinlich auch in Düsseldorf, heute noch unterworfen ist. Die letzte Forderung endlich verlangt eine Zeitschrift, die als „Mitteilungsblatt, aber auch als pädagogisches Fachblatt der neuen Schulbewegung Antrieb und Festigung gibt." Auch in der kurzen Zeit, die Herr Dr. Herz unseres Wissens in der jüdischen Schulbewegung steht, dürfte ihm bekannt geworden sein, daß nicht weit von seinem Domizil der Schriftleiter unserer Schulzeitung wohnt, die das versucht, was Herr Dr. Herz wünscht. Man mag an ihrer gegenwärtigen Gestalt manches auszusetzen haben; aber das ist doch nicht zu leugnen, daß sie da ist und daß jeder, der den Drang in sich verspürt, eine pädagogische Errungenschaft der Welt mitzuteilen, dort mit offenen Armen aufgenommen wird. Unser Schriftleiter hat schon unzählige Male den Appell an die Kollegenschaft hinausgehen lassen, ihn in seiner Arbeit um die Neubildung der jüdischen Schule nach Kräften zu unterstützen. Unter den Hunderten, die diesen Appell unbeachtet gelassen haben, befindet sich auch Herr Dr. Herz. Und ebenso haben wir schon seit Jahr und Tag die Aufforderung an die Kollegen ergehen lassen, uns in der Schaffung von Leseheften zu unterstützen. Unter den Hunderten, die auch diesen Appell unbeachtet gelassen haben, befindet sich wiederum Herr Dr. Herz. Die Moral von der Geschieht': Wer wirklich am Neubau der jüdischen Schule mitarbeiten will und wer die dazu notwendige Erfahrung besitzt, hat längst Gelegenheit dazu, sein Wissen und Können in den Dienst der Sache zu stellen. Wer es nicht getan hat, ist mitschuldig an den Zuständen, die er selbst an den Pranger stellt. Niemand bedauert mehr als wir selbst, daß es in unseren eigenen Reihen zu solchen Auseinandersetzungen kommen muß, aber die peinliche Erfahrung der letzten Zeit^ daß selbst in Kollegenkreisen es nicht an Persönlichkeiten »r# ■•Sssä'S- , ^^V"«.>S£ -. „,VKö!ner. Bibliothek lif^pWtVS^\iÄ^Sag^4y/^»1^jf'ä-''"- 3fe ~ l<3e§SM^ ^^SsS^S^j , (,> - ,/U ,./ \~V 'tm >V X" " Wsfe^fA« «1?<:L ML*»