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Jüdische Schulzeitung · 1935-12-01 · 12 (1.12.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
12 (1.12.1935)
Date
1935-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 J ü d i s che Sch u 1 z e i t u n g Nummer 12 xen Kreisen erscheinen würden, lehnte Dr. Epstein es ab, die Lehrprobe zu halten. Er wolle nicht Konflikte, in den Schülern - hervorrufen, wenn er Märchen mit biblischen Motiven behandle. Das Referat Dr. Epsteins ist aus dessen Tätigkeit an einer Höhern Schule hervorgewachsen. Seine Gedanken konir-* ten deshalb nicht immer das treffen, was der Volksschule frommt. Dennoch darf ihm die Zuhörerschaft, soweit sie aus dem Bereich der Volksschule herkam, danken für die wertvollen Anregungen namentlich bezüglich der Herstellung von Querverbindungen. — Einen weiten Raum in der Tagung nahmdie Arbeit des Direktors Adler- Stuttgart ein. Er behandelte Fragen der Methodik des Musikunterrichts in zwangloser. Betrachtung der Gebiete: Rhythmik, Takt, Tonalität, Metrum, Atemtechnik, Ausdrucksgestaltung. Instrumentation und Erfassung des musikalischen Kunstwerks durch die Jugend. In meisterhafter Art führte Adler Lehrende und Jugendliche an die Urgründe der Musik. Er zeigte das Ziel künstlerischen Wollens: die Auflockerung der Seele bei strenger Konzentration auf das Werk. Für den Synagogengesang veriangie Adler die Wiederbelebung des zweistimmigen Chors. Wie immer, so gelang es auch in Leipzig, dem genialen Pädagogen, die gesamte Zuhörerschaft zur singenden Gemeinschaft zusammenzufassen. In dem Referat des Rektors R e s c h k e und des Lehrers As s, Berlin: „Lichtbild und Film im Dienste der jüdischen Schul e", wurde an ausführlichen Vorführungen gezeigt, wie. das Lichtbild "und der Film im Unterricht zu verwenden sei. Ausgangspunkt war die Fragestellung: „Wozu brauchen wir Lehrmittel, da doch die Wirklichkeit der beste Lehrmeister ist?" Räumliche und zeitliche Entfernung, sowie, die Beschränktheit unserer Organe machen das Erkennen der Wirklichkeit nicht immer möglich. Wollen wir zu klaren Erkenntnissen kommen, so geschieht dieses nur durch Kenntnisse, die auf Grund klarer Anschauung gewonnen werden. Lichtbild und Film haben hier ihre besondere "Aufgabe. Die Frage ist, ob Stehbild oder laufendes Bild. Die Beantwortung ist erst möglich, wenn man sich Rechenschaft gibt über das Wesen beider Lehrmittel. Das stehende Lichtbild hat immer die Aufgabe, das „Zuständliche." das Statische darzustellen und so vor Augen zu führen, daß der Schüler in Ruhe und in einem dem Bildinhalt völlig angemessenen Zeitaufwand die Einzelheiten betrachten und erarbeiten kann. Das Auge, das sich lernend mit einem stehenden Bilde beschäftigt, sieht sich einem ruhigen Ganzen gegenüber. Es kann nach eigenem Rhythmus sehen und deuten. Das stehende Lichtbild wird Inhaltsübermittler. Der Film dagegen bringt das Dynamische, im Raum bewegte. Im Film kann der Wirklichkeitsrhythmus pä-* dagogisch umgeformt werden, indem langsame Bewegungen zu schnellen zusammengerafft werden (Zeitraffung). Rasche Bewegungen können wir unter die. Lupe nehmen und verlangsamen (Zeitlupe). Stehbild und Film sind gleichberechtigt im Unterricht. An praktischen Beispielen wird die Verwendungsmöglichkeit im .Unterricht gezeigt und auf die methodische. Durcharbeitung hingewiesen. Im Anschluß hieran referiert Resch ke über den Reichsfilm-Schulerlaß vom 26. Juni 1934, in dem alles Wissenswerte über die Einführung des Films im planmäßigen Unterricht gesagt wird* Die Bedeutung des Schmalfilms als .Kulturübermittler im Jugendheim, bei der Erwachsenenbildung, im Dienste der Berufsberatung, im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrt und nicht zuletzt in der jüdischen Dokumentensammlung wird eingehend dargelegt. (So wurde z. B. der Sportfilm vom Schulsportfest aller jüdischen Schulen Berlins mit großer Befriedigung aufgenommen.) In der Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, daß man von dem Wert des "Schmalfilms überzeugt sei, daß aber finanzielle Schwierigkeiten noch im Wege ständen. Der Referent wies aus seiner Erfahrung heraus darauf hin, daß durch Selbsthilfe, wie es in Berlin geschehen sei, auch Neuerungen in Notzeiten zu schaffen seien. Zu einem gemütlichen Beisammensein mit Imbiß hatte die Leipziger Gemeindeverwaltung am 2. Abend eingeladen. Im Verlauf des Abends kam trotz des Vorherrschens der Frohlaune doch auch ernste Kritik zu ihrem Recht. Ein Kollege rügte es, daß die Ausarbeitung des Tagungsplanes ohne Hinzuziehung von Vertretern der Lehrerschaft erfolgt sei, und daß dem Praktiker der Schularbeit mehr Raum hätte gegeben werden müssen. Dies .stimmt allerdings nur soweit, daß es an Lehrproben mangelte. Im übrigen wäre nachschauend zu sagen, daß die Behandlung methodischer Einzelfragen infolge der Anwesenheit Jugendlicher nicht in die Tiefe der Problematik'führte. Die. im Programm festgesetzten Zeiten sind nicht innegehalten worden, das wirkte störend auf den Ablauf der Tagung ein. Es war je am Schluß der arbeitsreichen Tage eine starke Ermüdung der Teilnehmer bemerkbar, und so kamen manche Gedanken der Referenten nicht zu rechter Wirkung. Eine straffe Oberleitung wäre erforderlich gewesen. Die, Besprechung wichtiger Standesfragen kam infolge Zeitmangels leider nicht zu ihrem Recht. Max Reschke. Dr. Joseph Gutmann ein Siebziger (Zum 15. Dezember 1935) Von Dr. Mcicr Spanier Studiendirektor Dr. Gutmann hat am 1. November sein Amt als Schuldezfrnent der Berliner Gemeinde einer jüngeien Kraft übergeben. Der Lebensgang dieses bedeutenden Schulmannes ist typisch ffär eine Reihe seiner in der gleichen Zeitspanne herangereiften Berufsgenossen. Es spiegelt s ch in ihm aber auch das Bild der Zeit selber wieder, jener Jahrzehnte,, in denen im F« rtgang der Emanzipation ^das Leben der Juden in Deutschland dem Zustand der Ungebrochenheit am nah« sten kam. So darf die Nai hzeichnung des Lebensbildes in ihren Einze.lzügen reicher sein als sonst. Die Schrittleitung. In den Jahren—ein zweifelhafter Vorzug! - bin ich Gutmann voraus. Hingegen war er in einigen wichtigen Aerntern mein Vorgänger: in der Leitung des Münsterschen Seminars, im Rektorat der Mädchenmittelschule in Berlin und in der Betreuung der Kurse zur Ausbildung von Religionslehrerinnen. So hatte ich Gelegenheit, au den Früchten der Arbeit diese selbst zu erkennen. Man verspürte, daß ein aufs Sachliche gerichteter ernster Wille, daß Tüchtigkeit, Fleiß und Gewissenhaftigkeit sich ausgewirkt hatten. Ein Pädagoge von unentwegter Pflichttreue mußte hier gewaltet haben. F.s ist bezeichnend, daß Gutmann in seinem vortrefflichen Religionsbuch*), das aus seinen Vorbereitungen für die Unterrichtsstunden in Religionslehre an den Kursen entstanden ist, das Göttliche im Sollen, im unbedingten Pflichtbewußtsein findet. Als ich einmal bedauerte, daß er dem Numinoseh, wie man mit dem Modeausdruck nach Otto damals sagte, nicht mehr Raum gegeben und etwas zu viel der Rauwenhoffschen Religionsphilosophie gehuldigt habe, meinte er — sicherlich mit Recht: „Das ist nun einmal meine eigene Anschauung." Diese entschiedene Ehrlichkeit der Ueberzeugung, die er unaufdringlich, aber stets mit der ruhigen Festigkeit eines unabhängigen Charakters vertritt, gehört, zu seinem Wesen. Dieser Mann ist gerade gewachsen und ist gerade — auch im äußerlichsten Sinne — bis auf den heutigen Tag geblieben. Gutmann hatte das große Glück, in einem Elternhause heranzuwachsen, das zwar nicht Armut bedrückte, aber in dem nur die äußerste Ordnung und Sparsamkeit die Unabhängigkeit eines bescheidenen Lebensunterhaltes gewährte. In dem anr mutigen westfälischen Städtchen Vlotho wirkte sein Vater als Lehrer. In diesen Blättern ist vor einigen Jahren anonym die schlichte Bildungsgeschichte dieses Mannes erschienen, der vom Handwerker * (er war Schneider) durch zielbewußte Arbeit sich zum Lehrer heranbildete. Die liebevolle Strenge des Elternhauses, in dem die fromme, keineswegs engherzige religiöse Gesinnung von Vater und Mutter die Erziehung zweier Söhne und einer Tochter in harmonischer Fürsorge gestaltete, hat auch dem Wesen Gutmänns ihr Gepräge gegeben. In der Schule des Vaters, dann durch Privatunterricht" vorbereitet. '*) Israelitische Religion. Ein Buch für Schule und Haus. 1929, Poppelauer, Berlin. ' "

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