Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 12 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 12 J ü d i s c h e S c h u 1 z e i t u n g Seite 5 trag Leschnitzers mußte wegen Erkrankung des Referenten abgesetzt werden. — Einige der Referate liegen uns vor; sie werden, sobald es der Raum erlaubt, veröffentlicht werden. Würzburg (21.—24. Juli) Ueber 120 Lehrende aus .Bayern, aber auch aus Baden, Württemberg und Sachsen, aus Berlin und Hamburg nahmen an der Tagung teil. Sie fand in der prächtigen Turnhalle, des Seminars statt: Besonders anerkennenswert war die selbstlose Mitarbeit des Seminarlehrerkollegiums; vier seiner Mitglieder hatten ^Referate übernommen. Das großzügige Entgegenkommen der Seminarleitung ermöglichte es, daß viele Tagungsteilnehmer kostenlose Unterkunft und Verpflegung in der Lehrerbildungsanstalt erhielten. So darf allen, die sich in den Dienst der Sache gestellt haben, auch an dieser Stelle herzlich gedankt werden, insbesondre auch dem Leiter der Tagung, dem Vorsitzenden des Jüdischen Lehr er Vereins für Bayern, Kollegen Rosenfeld - München. Die Enge des zur Verfügung stehenden Raumes verbietet es, über alle Vorträge eingehend zu berichten. Das gilt namentlich von dem tiefgründigen halachischen Vortrag des Seminarrabbiners Weiß, der über die Methodik der Behandlung der Mischna sprach. Direktor Adler- Stuttgart hat gesungen und nicht gesprochen. Ueber die einzigartige Methode, eine vom Zufall zusammengefügte Menschengruppe zum Mitsingen zu bewegen, sie durch die suggestive Kraft künstlerischen Schöpfertums geradezu zu bezwingen, sei hier ebenfalls nicht berichtet, weil es schon des öfteren geschehen ist. Auch über den Inhalt des gediegenen Vortrags von Professor Kantorow i es- Frankfurt a. M. haben die Leser ds. Bl. früher gehört. Dr. Feuchtwanger -München hat sich in der großen jüdischen Presse über Denkmalpflege verbreitet; es darf vorausgesetzt werden, daß die Kollegenschaft mit den Gedankengängen dieses Mannes, der sich um die Inventarisierung und Konservierung .jüdischer Altertümer in Bayern besonders verdient gemacht hat, vertraut sind. Kollege Dr. Baraberger- Nürnberg berichtete in übersprudelnder Begeisterung über seine Eindrücke auf den verschiedenen Reisen, die er nach Palästina unternommen hat. Bezirksrabbiner Dr. Manover-.Würzburg sprach über „Prophetenlektüre mit der reiferen Jugend". Er beschränkte sich auf die Darstellung der Propheten Hosea und Arnos. Männer wie Nathan und Elia seien Tatmenschen gewesen; Arnos und Hosea vorzugsweise Lehrer der Sittlichkeit und Künder der göttlichen Gnade. Es sei schwierig, vor Jugendlichen unserer Zeit, in der die Anerkennung ethischer Grundsätze als selbstverständliche Verpflichtung der Menschheit empfunden werde, in der es vielfach an der Vertrautheit mit den geographischen und soziologischen Zusammenhängen der biblischen Epoche fehle, das Wesenhafte des prophetischen Wirkens klarzustellen. Nur ein vertieftes Lesen der prophetischen Bücher führe zum Erfolg. Dem ausgezeichnet fundierten Vortrag Dr. Hanovers folgten die Referate, der Herren Studiendirektor S t o 11, Studienrat Hirnbeimer und Üh 1 f e 1 der , die wir demnächst zu veröffentlichen gedenken, weil sie in ihrer besonderen Aktualität und in ihrer Gediegenheit starkem Interesse begegnen werden. -■ Im Anschluß an die eigentliche Arbeitstagung fand die 52. Mitgliederversammlung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern statt. Dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden folgte die Besprechung wichtiger Schul- und Lehrerfragen. Entschließungen bezüglich der Einrichtung hebräischer Sprachkurse, der Umschichtung und Auswanderung von Junglehrern, ihrer jüdischen und sonstigen wissenschaftlichen Schulung, Reform der Lehrpläne wurden angenommen. Die Verwaltung des I Schweiz i P avh&afc*$loriUtovn ^teuglmgen t)a£ gediegene ^amiUm^afe Vereins wurde wiedergewählt. Den Ausklang der Versammlung gab ein instruktiver Vortrag des Rechtsrates Dr. Wei- 1 er über Jüdische Wohlfahrtspflege, und Wirtschaftshilfe. M. Adler-München. * Leipzig (10.—17. Oktober 1935) Prof. B o n d y - Frankfurt a. M. gab im Auftrag der Reichsvertretung den Auftakt. In seinem Vortrag untersuchte er die Frage: Was hat in der Schule zu geschehen, um die Schüler zu graden und lebenstüchtigen Menschen zu erziehen? Erforderlich sei in erster Linie eine jüdisch bestimmte Arbeit, sodann aber auch die Bemühung, über die Erarbeitung der elementaren Kenntnisse hinaus eine gründliche Kenntnis fremder Sprachen zu vermitteln und die jungen Menschen zu lehren, das Leben praktisch anzupacken. Anzustreben1 sei deshalb ein die Schulentlassenen festhaltendes „Landjahr". Weiterhin müsse der Schüler zu einer säubern Haltung, zu Ordnung, Pünktlichkeit, straffer Disziplin, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit erzogen werden. Ein eminent wichtiges Mittel zur Erreichung dieses Zieles sei der Sport, das Turnen und die übrigen Leibesübungen. Ins Politische hinein dürfe die Erziehung sich nicht vorwagen. Es sei abwegig, die Kinder einseitig nach dem Orient hin auszurichten, weil es nicht übersehbar sei, ob alle nach Palästina auswanderten. Nun nahm zuerst als Vertreter der Jugendlichen Kurt Gold mann das Wort. Er beklagte den Mangel an Führern in den Bünden und erklärte, ohne Mitwirkung der Schule ' könnten diese ihre Aufgaben nicht lösen. Als Einzelforderungen stellte er auf: Vertiefung in jüdische Vergangenheit, Verjüngung des Lehrinhalts und der Methoden, Ablehnung der Prügelstrafe, Mitarbeit an den sozialen Gemeindeaufgaben. Im Gegensatz zu Prof. Bondy wünschte Goldmann die Grundlegung zu einer politischen Schulung. Das in die Themenformulierung aufgenommene Elternhaus kam leider nicht zu Wort, so daß die Erörterungen n'cht zu voller Ergiebigkeit kommen konnten. In der Aussprache vertrat ein Junglehrer, der vor nicht allzulanger Zeit ein bündischer Jugendlicher war, interessanterweise den Standpunkt, es müsse in der Schule Autorität gegenüber dem Lehrer gewahrt werden. Ein Vertreter der Orthodoxie wies auf die Konfliktmöglichkeiten zwischen Schule und Elternhaus im Bereich des Religiösen hin. Ein zionistischer Sprecher setzte sich energisch für eine eindeutig nach Palästina hin gerichtete Erziehung ein. Rektor R esch ke-Berlin berichtete über die in Berlin eingeführte Berufsvorlehre und über das gleichfalls eingerichtete 9. Schuljahr, die beide die Bondyschen Forderungen weitgehend erfüllten. Weiterhin empfahl Reschke, auch in der jüdischen Schule eine Art „Schulbeirat" zu bilden, der in seiner Zusammensetzung so zu gestalten sei, daß das gegenseitige Verstehen zwischen Schule und Elternhaus gefördert werde. Die Aussprache wurde abends fortgesetzt und am andern Morgen durch ein fein ausgewogenes Schlußwort Prof. Bondys auf ihr Ergebnis hin zusammengefaßt. Rektor Reschke sprach ihm den Dank .derer aus, die er aus den Mühen des Alltags einmal in eine lichtere geistige Welt versetzt habe. Ueber den Deutschunterricht in der jüdischen Schule sprach Dr. Hans Epstein- Frankfurt a. M. Im Anschluß an die Richtlinien für Höhere Schulen bezeichnete er als Ziel des Deutschunterrichts die Erziehung zur Sprachmächtigkeit und Ausdrucksfähigkeit. Wer gutes Deutsch gelernt habe, werde auch den Anforderungen der Fremdsprachen gerecht werden Wie der Unterricht zu erteilen sei, das legte Epstein in Anlehnung an Fritz Rahns „Die Schule des Schreibens" (Diesterweg-Frankfurt a. M.) dar. Eine besondere Aufgabe erwachse dem jüdischen Lehrer dadurch, daß es gelte, 'Querverbindungen zwischen Stoffen, die deutsche und solchen, die jüdische Themen behandeln, herzustellen. Reiche Literaturangaben, die Dr. Epstein allen Lehrenden zu übermitteln sich bereit erklärte, verdeutlichten seine Darlegungen. Es war von den Teilnehmern der Tagung eine Lehrprobe gewünscht worden. Dr. Epstein wollte sie geben, und die Schüler waren bereits bestellt. Als es aber bekannt wurde, daß Kinder aus orthodo-