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Jüdische Schulzeitung · 1935-12-01 · 12 (1.12.1935) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
12 (1.12.1935)
Date
1935-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 J ü d i s che Sc hu I zeit u n g Nummer 12 ter des Hauses errechnen und knüpfe daran die Geschichte der Synagoge an, etwa folgendermaßen: eine Synagoge oder Schule der Juden scheint schon in den frühesten Jahren, in allen märkischen Städten bestanden zu haben, in denen eine jüdische Gemeinde ansässig war. In dem „Neumärkischen Juden-Privileg" findet sich die allgemeine Bestimmung, daß Juden ihre Eide vor ihrer „Schule" schwören sollen, was voraussetzt, daß überall, wo Juden wohnten, auch eine solche Schule bestand. Unter Schule und Synagoge verstand man wohl dasselbe Haus. Hinweis auf den heute noch gebräuchlichen Ausdruck, „In Schul gehen". Man wird sich diese Synagoge und Schule nicht anders vorzustellen haben, als andere gewöhnliche Häuser, sie wurden von den Städten, wie alle Häuser der Juden, gekauft oder gemietet. Später hören wir nur einmal in Berlin in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, daß den Juden der Bau einer richtigen Synagoge gestattet wird. Wie für alle Judenhäuser mußte auch für die Synagoge ein Zins an die Stadt gezahlt werden. Nach „Ackermann" besaßen die Brandenburger Juden schon 1322 eine solche Schule oder Synagoge. Nachdem durch das schon zitierte Judenedikt von 1812 das für die Juden geltende Verbot des Hausbesitzes aufgehoben war, konnte auch in Brandenburg an den Bau einer Synagoge gedacht werden, der sich aber infolge recht langwieriger Verhandlungen bis zum Jahre 1824 hinzog. Das unter so vielen Schwierigkeiten erbaute erste Gotteshaus erfuhr innerhalb einer Zeit von 20 Jahren mehrere bauliche Veränderungen, bis es im Jahre 1859 durch einen erneuten Umbau eine wesentliche Vergrößerung erhielt, um, wie Ackermann sagt, „dem dringenden Bedürfnis der im Wachsen begriffenen Gemeinde abzuhelfen". Zu Beginn des Jahres 1882 fühlte man sich gezwungen, den Bau auf seine Beschaffenheit von Sachverständigen untersuchen zu lassen. Das Gutachten lautete wörtlich: „Der Bau sei ruinenhaft zu bezeichnen und seine fernere Benutzung nicht gefahrlos." Nach längeren Verhandlungen, die sich besonders um den Erwerb eines anderen Grundstücks drehten, wurde beschlossen, den Neubau der Synagoge auf der Stelle der alten auszuführen. Es folgt die Schilderung des Abschieds-Gottesdienstes und wie man sich mit dem Schulzimmer und später mit einem Saale behelfen mußte. Der Bau nahm ein Jahr in Anspruch, und 1883 fand die feierliche Einweihung der neuen Synagoge unter Beteiligung der städtischen Behörden statt. Der Behandlung der Syniagogen-Gschichte gebe ich einen großen Umfang, vor allem deshalb, weil in den christlichen Schulen sehr oft jüdische Kinder beim heimatkundlichen Unterricht, etwa bei der Kirchengeschichte, nach dem Alter und der Entstehung unserer Synagogen gefragt werden. Ich habe wiederholt auf Wunsch vieler Studienräte des Gymnasiums, des Oberlyzeums, auf Wunsch mancher Lehrer der Mittel- und der Volksschule ihren Klassen die Synagoge gezeigt und in kurzen Vorträgen Erläuterungen über Einrichtung und Geschichte gegeben. Sollte es da nicht BeStellSCheill i Unfrankiert! i in den Post- ■ : kästen werfen! i ftn das t...........................I Postamt (Zeitungsstelle) Hier unsere Pflicht sein, uns nicht mit der Lektion über die bloße Einrichtung zu begnügen — die sich sicherlich praktisch in den unteren Klassen an den Bau-der Stiftshütte anknüpfen ließe —, sondern mehrere Stunden auf eine äußerst gründliche Behandlung der Synagogen-Geschichte von den ersten Anfängen an zu verwenden. (Schluß folgt!). Von zwei Arbeitstagungen der Lehrerschaft Die Lehrerschaft durchlebt einen Umformungsprozeß der Schularbeit, der sie klar erkennen läßt, wie unzulänglich manche Auffassung über den Unterricht und über die Erzie-i hung, wie ergänzungsbedürftig aber auch das Wissen um die Dinge, um die es heute geht, ist. Sie hat sich deshalb in einer Weise, die der Situation angemessen ist, von der seit langem üblichen Art, „Konferenzen" abzuhalten, abgewandt und sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammengetan, die das Schema „Vortrag-Diskussion" nicht mehr kennen, sondern die im Gespräch der Gruppe unter Führung eines Leiters um Erkenntnisse ringen. Er ist in diesem Blatt des öfteren über derartige Lerngemeinschaften berichtet worden, eingehend zweimal: in Nr. 8 des vorigen Jahrgangs über He.rrlingen-Kreuznach-Lehnitz, und dann in der Sonderausgabe zur Pädagogischen Woche des Philanthropins zu Frankfurt a. M. vom 19. November 1934; Die Auffassungen über die Erfordernisse der neuen jüdischen Schule, aber auch über Umfang und Inhalt der vom Lehrenden und vom Lernenden zu bewältigenden Wissensgebiete haben an Gegensätzlichkeit vieles verloren; es herrscht weithin Übereinstimmung über das, was not tut, und das Signum der Lerntagungen ist der Wunsch nach Befestigung, Vertiefung und Erweiterung des Gedankenschatzes, den man sich allgemach zu eigen gemacht hat. So darf sich die Jüdische Schulzeitung — unter Berufung auf die Enge des Raumes und auf ihr Schicksal, den Ereignissen in zeitlicher Ferne nachhinken zu müssen — auf gedrängte Uebersichten beschränken, und sie darf auf die Beiträge hinweisen, die sie als Zusammenfassung wesentlicher Gedankengänge von Vorträgen veröffentlicht hat, die auf Arbeitstagungen gehalten wurden. Es liegen umfangreiche Berichte über zwei wichtige Lehrerförtbildungstagungen vor, die wir auszugsweise weiter unten bringen. Die Würzburger hatte zur Trägerin den J ü d i s c h e n L e h r e r v e r e i n f ü r B a y e. r n, die andre in Leipzig die Reichsvertretung in Gemeinschaft mit der Synagogengemeinde Leipzig und der Mittelstelle für Erwachsenenbildung. Reichsvertretung und Mittelstelle im Verein mit dem Verband bayrischer Gemeinden haben auch die süddeutsche Tagung in Würzburg gefördert. Wie sehr beide Fortbildungskurse ihre Arbeit an den Erfordernissen der Gegenwart ausgerichtet hatten, das bekunden die Programme, die hier in gebotener Kürze wiedergegeben seien. In Würzburg sprachen Direktor Adler- Stuttgart über den Gesangunterricht in der jüdischen Schule; Bezirksrabbiner Dr. fl a - nover-Würzburg über die Prophetenlektüre; Studienrat .Hirnheimer -Würzburg über- Vererbungslehre und Rassenkunde des jüdischen Volkes:. Studiendirektor S t o 11 - Würzburg über Palästinakunde in der jüdischen Schule; Haiiptlehrer U h 1 f e 1 d e r - Nürnberg über die Oberstufe der Volksschule; Seminarrabbiner Weiß- Würzburg über Methodik der Behandlung einer talmudischen Suggiah und der Mischna; Dr. Heinrich Feuchtwanger - München über die Behandlung jüdischer Kultgegenstände und Denkmäler; Hauptlehrer Dr. B a m b e r g e r - Nürnberg über Palästina von heute; Prof. Dr. K a n t o r o w i c s - Frankfurt über den jüdischen Lehr ex und die Erwachsenenbildung. In Leipzig wies das Programm folgende Themen auf: Adler wie oben; Prof. Bondy-Frankfurt a. M.: Schule, Elternhaus und Bünde; Dr. Hans Epstein-Frankfurt: Deutschunterricht; Dr. Leschnitze r - Berlin: Erziehungsziel; Dr. Franz M e y e r - Berlin: Palästinakunde; Rektor R e s c h k e zusammen mit A s s - Berlin : Film und Schule; Dr. Wo.sk in-Nah'art a b i - Leipzig: Charakter des Hebräischen mit besonderer Berücksichtigung des Verbums — Stilistische Uebung über Richter 11. Der Vor-

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