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Jüdische Schulzeitung · 1935-12-01 · 12 (1.12.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
12 (1.12.1935)
Date
1935-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 12 J ü d i-s c h e S c b u 1 z ei t u n g Seite 3 Bei aller Begeisterung für sämtliche Feinheitender hebräischen Grammatik sollten wir dankbar alle Winke und Wege begrüßen, welche geeignet sjnd, unsern Schülern die Er- -lernung der hebräischen Sprache.leichter und angenehmer zu machen,, ohne ihre Korrektheit zu verletzen. Es genügt aber nicht, daß der eine oder andere Lehrer diese. anerkennt und sich "zu eigen macht, da damit das Hauptziel nicht erreicht wird. Die gesamte Lehrerschaft muß in ihren amtlichen Vertretungen und Zusammenkünften die einschlägigen Fragen prüfen und wann positive Erkenntnisse gewonnen sind, sich für sie einsetzen, damit sie in den Lehrbüchern und im Unterricht zum Ausdruck kommen. Scheinbar sind es Kleinigkeiten, um die es sich hier handelt, aber nur scheinbar. Die wahrscheinlich oft umfangreiche und lebhafte Diskussion, die ihre Erörterung in Kollegien und Versammlungen hervorrufen dürfte, wird zeigen, daß sie nicht belanglos sind. Die Gestaltung des heimatgeschichtlichen Unterrichts in der Religionsschule Von Josef Rosenzweig, Brandenburg (Havel). (Fortsetzung.) Es bedarf "keiner Frage, daß auch die Besichtigung der Friedhofshailei oft interessanten heimatgeschichtlichen Stoff bietet. In der Halle des Brandenburger Friedhofes fällt die Tafel auf, auf der die neun Freiheitskämpfer von 1813—1815 verzeichnet sind, die alle hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Ich habe so einen willkommenen Anlaß zu einer lebendigen und interessanten Darstellung der schweren kriegerischen Ereignisse, die auch an den Juden Brandenburgs nicht spurlos vorübergegangen sind.Ich erzähle, wie schon im Jahre 1809 die schwache Gemeinde zur Zahlung einer Kriegskontribution herangezogen wurde, die sie in Höhe von 200 Talern als Anleihe aufnehmen mußte. Zum aktiven Kriegsdienst waren die Juden in diesem Jahre noch nicht zugelassen. Als die gewaltige patriotische Erhebung der Jahre 1813 und 1814 die gesamte streitbare Jugend Preußens zum Kampfe gegen das Joch Napoleons aufrief, da konnten die durch das Edikt von 1812 mit Staatsbürgerrechten ausgestatteten Juden nicht nur durch öeld, sondern diesmal auch durch die kostbarere Blutsteuer dem Vaterlande dienen. Aus den 15 jüdischen Familien, die damals die Gemeinde zählte, eilten nicht weniger als 9 Kämpfer zu den preußischen Fahnen. Ihre Namen und Daten sind zum ewigen Gedächtnis an der Friedhofshalle verzeichnet. Um das Interesse der Kinder wach zu halten, dürfte auch ein Hinweis auf die besonderen Kriegsauszeichnungen und Verwundungen dieser Tapferen zu empfehlen sein. Zum Beispiel einer der Kämpfer hatte im Kriege ein Bein verloren! und ging auf einem Stelzfuß. Ein anderer stand bei den Schwarzen Husaren, einer anerkannt schneidigen Truppe. Mehrere erhielten Kriegsdenkmünzen für ihr tapferes Verhalten, wieder andere wurden als Anerkennung ihres Mutes während des Feldzuges zum Unteroffizier befördert. Einer, der Großvater des jetzigen Vorstandsmitgliedes Nathanson, war Tambourmajor und machte an der Spitze seines Regimentes den Einzug in Paris mit. (1815.) So sind wir an dem viel berufenen Kapitel „Juden als Soldaten oder 'Kriegsteilnehmer" angelangt, und kommen auf die späteren Kriege und die Beteiligung der Brandenburger Juden in diesen zu sprechen. 1870/71 hat eine ganze Anzahl mit Auszeichnung mitgemacht (wenn möglich Namen der betr. Familien nennen). Ueber-die Teilnahme am Weitkriege .wäre zu sprechen, über die Frontkämpfer, deren Zahl sich, in unserer Gemeinde über 30 beläuft und die. fast jede Gemeinde aufzuweisen hat. Ferner die Gedenktafeln in den Synagogen zum Andenken an die 1914—1918 jüdischen Gefallenen bieten gute Anknüpfungspunkte, in einer oder zwei Stunden über dieses Thema und über die 12 000 jüdischen Gefallenen zu sprechen. Anschließend die Heldenfriedhöfe in den großen Gemeinden wie Berlin-Weißensee, Köln, Leipzig usw. Es ist auch praktisch, sich hierbei schon mit dem Zweck und den Aufgaben des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten zu beschäftigen. Die Tatsache, daß Brandenburg keine jüdischen Gefallenen des letzten Krieges aufweist, fällt selbstverständlich den Kindern auf, darf aber keinesfalls die Jugend berechtigen, etwa Schlüsse zu ziehen auf eine Bewertung öder Bewährung in negativem Sinne in bezug auf die Kriegsteilnahme in der Gemeinde. Die Ursache für diese Erscheinung ist aus sachlichen und bevölkerungswissenschaftlichen Gründen den Kindern nicht vorzuenthalten, etwa in folgender Weise: bis 1914 war Brandenburg eine relativ kleine Gemeinde, das nahe Berlin hatte im Laufe der Zeit viele Familien angezogen und ihnen ein Domizil gegeben. Die jüdische Bevölkerung in den folgenden Jahren setzt sich zum größten Teil zusammen: aus den deutschen Optanten der ehemaligen Provinz Posen und aus Östjuden. So erhalten die Kinder einen Begriff von der heutigen Zusammensetzung der Gemeinde, wie sie, wenn ich richtig orientiert bin, in andern Gemeinden der Mark gleich oder ähnlich ist. Für die Fülle dieses ausgiebigen heimatgeschichtlichen Stoffes stehen weitere gelegentliche Ausgangsmomente zur Verfügung. Ich denke an die Behandlung der Erzählung vom Kauf der Höhle Machpela, sowohl in der biblischen Geschichte als auch im Pentateuch-Unterricftt, wobei ich es stets so zu handhaben pflegte, in den unteren Klassen in Anlehnung an diese Geschichte, allerdings nur kurz, von unserfn Friedhof, dessen Alter und Entstehung zu sprechen, in den oberen Klassen anschließend an den Uebersetzungsstoff, diesmal recht ausführlich, wie vorstehend geschildert, das gleiche Pensum der früheren Jahre zu erweitern. Es dürfte wohl keinen Kollegen geben, der nicht seine Kinder in die Synagoge zur Besichtigung führt. Der Besuch des Gottesdienstes in der Synagoge, jenem mitunter einzigsten religiösen Zentrum vieler Kinder, der durch eigene Andachtsübungen und durch die Anschauung der gottesdienstlichen Darbietungen eine garnicht hoch genug zu bewertende Ergänzung des gesamten Religionsunterrichtes sein sollte, dieser Besuch allein, wo nur das Auge schaut aber nicht der Geist, er kann niemals ausreichen zur Vermittlung derjenigen notwendigen Kenntnisse, die eine eingehende Besichtigung des heimatlichen Gotteshauses erarbeiten und herausholen kann. Man lasse die Kinder sämtliche Aufschriften außerhalb und innerhalb der Synagoge lesen und evtl. d. h. sofern Jahreszahlen Schlüsse auf das Erbauungsjahr zulassen, das AI- Mitte Hung! Bitte geben Sie dieses Blatt, wenn Sie es gelesen haben, an diejenigen Interessenten weiter, die ebenfalls für den Bezug der Jüdischen Schulzeitung in Frage kommen. Die Bestellung kann durch Einschicken des untenstehenden Bestellscheines bewirkt werden. Mit bestem Dank! Der Verlag. Ausfüllen und Ihrem Brielträger mitgeben oder unfrankiert in den Briefkas'en werfen Postbestellschein Hndas postamt (Zeitungsstelle)" Hier* Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich lmal erscheinende (Datum) Jüdische Schulzeifuiig Verlagsort: Mannheim 2 Das Bezuf sgeld von vierteljährlich 45 Pig zuzüglich 6 PIg- Postzustell gebühren bitte ich durch den Postboten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u. Zuname: ............................................................................................................... Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort:................................'........................................................................................................... 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