Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 11 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nummer. 11 J ü d i Sic h e: i5 cJi:'u l z e i t u n'g Seite 5 st.ex dem Bruder, gegenüber: insbesondere im Auffassungsvermögen, Sprachgefühl und ""Gedächtnis weit überlegen.- Nach;«iiDgehender Prüfung, und Untersuchung hätte, der Knabe erst im. fl, .Lebensjahre zur Schule, geschickt werden dürfen, denn auch:bei weitestgehender individueller Behandlung, größter Rücksichtnahme .und Mühewaltung "seitens des Oberklassen- •lehrers erreicht .dieser Schüler immer nur mit knapper Not :das Klassenziel. : . Will der Lehrer feststellen, wo es sich im einzelnen gegebenen Falle. um . eine echte oder nur scheinbare. Frühreife handelt,; so muß er sieh um die Aneignung der rechten Untersuchungsmethoden bemühen. Erscheint der Einschulungstermin für ein Kind ungünstig und eine Verlegung desselben notwendig, so soll eine Besprechung und Beratung mit den Eltern einsetzen -- ich denke hier an Elternabende und auch an persönliche Fühlungnahme mit den einzelnen Eltern. Wenn sie sich der Aufklärung nicht zugänglich zeigen, so muß. sich der Lehrer. mit ruhigem Gewissen aus vollem Verantwortungsgefühl heraus der gesetzlichen Handhabe bedienen und das Kind wegen des festgesetzten Mangels physischer oder psychischer Voraussetzungen zurückweisen, nachdem auch — falls möglich — eine Untersuchung durch den Schularzt stattgefunden hat Nur keine Nachgiebigkeit am falschen Platze zeigen! Sie würde sich ja doch nur früher oder später bitter rächen, wie ich es ja am obigen Beispiele deutlich aufgezeigt habe. Wer mit der Psychologie des Kindes, insbesondere der Entwicklungspsychologie nicht eng vertraut ist, mag wohl den Kopf schütteln und sich fragen: Wie können oder 3/4 Jahr eine so große Rolle spielen? Ja, selbst einer solch verhältnismäßig kürzen Zeit müssen wir im Leben des Kindes Beachtung schenken, denn ein Kind ist ja kein Erwachsener im verkleinerten Maßstab, es besitzt seine Eigengesetzlichkeit. Diese Tatsache sollte Uns erst recht beim jüdischen Kinde zu denken geben! So glaube ich auch mit diesem kleinen Beitrage ein wenig zur Lösung jüdischer Erziehungsfragen beizusteuern. Ich würde mich freuen, wenn mancher Kollege zu Denken und Tun auf diesem Gebiete Anregung fände! Die Gestaltung des heimatgeschichtlichen Unterrichts in der Religionsschule Was ist Heimat? Die Antwort auf diese Frage scheint einfach zu sein, und ist doch sehr verschieden erteilt worden. Die einen verstehen unter Heimat den Wohnort, das durch den täglichen Horizont eingeschlossene Gebiet, andere verstehen darunter die heimatliche Landschaft mit ihren Städten, Dörfern, Flüssen und Wäldern. In der allgemeinen Schule wird vielfach der politische Kreis als Heimat im engeren Sinne, die Provinz als Heimat im weiteren Sinne aufgefaßt. Für die jüdische Schule scheint der Begriff Heimat meines Erachtens durch, die Richtlinien der Reichsvertretung eine Klärung erfahren zu haben; während nämlich die Richtlinien für den Geschichtsunterricht die ausführliche Darstellung der Geschichte der Juden in Deutschland verlangen, wollen sie in dem heimatkundlichen Unterricht neben dem deutschen auch das jüdische. Heimaterlebnis in den heimatlichen Gesamtanschauungsunterricht einbezogen naben, um das Kind durch Vertrautwerden mit allem Jüdischen der näheren und weiteren Umgebung für eine bewußte Erkenntnis des Judentums vorzubereiten und — so könnten wir hinzufügen — durch die Vermittlung einer genauen Kenntnis von der Geschichte der jüdischen Heimat, insbesondere der Heimatgemeinde, unsere Jugend für sie zu begeistern; Auch Heimatgeschichte kann in ihrer vielfachen Verflechtung mit andern Wissensgebieten der. jüdischen Schule Wesentliches zum Neubau des jüdischen Menschen leisten. .In der jüdischen Volks sch u l e wird es in vielen Fällen leicht sein, bei Kenntnis des einschlägigen Materials dem heimatgeschichtlichen Gedanken eine starke, lebendige jüdische Note: zu geben. Besonders geeignet dafür ist.einmal die erdkundliche, öeimatgeschfchte. Ich. könnte innerhalb dieses Faches auf interessante Oertlichkeiten der näheren und weiteren Heimat eingehen; ich behandle Berlin als Sitz zahlreicher jüdischer Organisationen, und welche Rolle Berlin gespielt hat Während der Juden-Unruhen und Vertreibungen im Mittelalter. t3ei der Durchnahme der Mark wäre in Anlehnung an einzelne Städte wie Tangermünde, Kyritz, Stendal, Gardelegen, kurz auf dem Hostienschändungsprozeß und die ihm folgende Landesverweisung von 1510 einzugehen. Der kürzlich in unserer Schulzeitung erschienene Aufsatz von Martin Reich über die „Gestaltung des erdkundfichen Unterrichts in der jüdischen Volksschule" enthält eine ganze Anzahl von wertvollen Anregungen, wie jüdisch-heimatlich geschichtliche Stoffe, in den Unterricht der Erdkunde eingefügt werden können. 'imallgemein-geschichtlichen Unterricht ergibt sich von. selbst die Behandlung folgender Probleme. Wann kamen die ersten Juden in unsern Ort? in unsere Heimatprovinz? Wie gestaltete sich ihr Leben? Judengesetzgebung Ghetto, Entstehung von Synagogen und Schulen. Wo und wann haben sie Zeiten der Blüte und des Wohlstandes erlebt? wo.und wann Verfolgungen? Wann und wie. haben sie die Emanzipation erhalten? Wie haben sie an vaterländischen Aufgaben in Friedenszeilen und im Kriege teilgenommen? (1813—1815, -IS64, 1870/71, 1914—1918), Wachstum und Niedergang-der. jüdischen. Gemeinden, heutige Zeit, Abwanderung nach Palästina oder nach andern Ländern, um neue Existenzen zu suchen"). in der-Volksschule gibt es also viel Gelegenheiten innerhalb des vielverzwcigten Unterrichts, jüdisch-heimatliche Stoffe einzugliedern, wie ich es in kurzen Umrissen für den Erdkunde-, deutschen und jüdischen Geschichtunterricht darzutun versucht habe. Anders steht es mit der Frage, wann und wo soll der Religionslehrer außerhalb der nachbiblischen Geschichte Zeit und Gelegenheit finden für die. Behandlung der Heimatgeschichte? Wenn ich vom Standpunkt des Religionslehrers und für die Praxis des Religionslehrers sprechen soll, dann möchte ich doch das Thema mehr unter dem Gesichtspunkt eines heimatgeschichtlich gefärbten Religionsunterrichts behandeln. Scheint es nicht so, als ob für die Religionsschule die jüdische Ge- Der jüdische Geschichtsunterricht wird daneben diese Stoffe nochmals verwerten und selbstverständlich lebendiger und interessanter zu gestalten suchen. Mitteilung! Bitte geben Sie dieses Blatt, wenn Sie es gelesen haben, an diejenigen Interessenten weiter, die ebenfalls für den Bezug der Jüdischen Schulzeitung in Frage kommen. Die Bestellung kann durch Einschicken des untenstehenden Bestellscheines bewirkt werden. Mit bestem Dank! Der Verlag. h.n den Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich Imal erscheinende (Datum) Jüdische Schulleitung Verlagsort: Mannheim 2 Das Bezugsgeld von vierteljährlich 45 Pfg zuzüglich 6 Pfg. PostzusielJ gebühren bitte ich du^ch den Postboten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders . Voru. Zuname:_____........................................................_..................................................... Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich. Ort:_________________________^________________________................................................................ Straße:.......................................................................................................................................