Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 11 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 11 Jüdische SchuIzeitung Seite 3 wbrte ^ordnen" und seinen verschiedenen Zusammensetzungentrecht gezwungen und kaum eine Verbesserung. Das wenig bildhafte und wenig gefühlsbetonte „ordnen" versägt dann besonders, wenn man eine Betonung, der göttlichen Fürsorge, wie, sie 4n -dem von B. jetzt so streng, zurückgewiesenen „bedenken" -zum Ausdruck kommt, erwarten sollte.— Die Uebersetzung von arel birgt Schwierigkeiten. Es ist unleugbar, daß die Vorstellung „beschnitten" oder „unbeschnitten" im älteren Orient volkstümlich war, immerhin war die Verbildlichung des Ausdrucks gehemmt, widerstrebend, verstockt, verschlossen, ungeweiht, verhärtet etc. auch schon im Schwange. Am bekanntesten ist wohl die Stelle II M. 6, 12, 30 aral sfataj!m. Wenn nun schon ganz wörtlich übersetzt sein soll, so scheint die verbreitetste Uebersetzung (Luther, Zunz): „unbeschnitten an Lippen", da durch die Negation das Mangelnde zum Ausdruck kommt, vorzuziehen. (Wohlgemuth- Bleichrode: „da meine Lippen doch wie verschlossen sind", Menge: „im Reden ungewandt". In der Torczyner-Bibel: „ungelöster Lippen" — wohl weil man von ungelöster Zunge spricht — doch III M. 26, 41 „ihr unbeschnitten Herz"; 4. M. 10, 16 J,so beschneidet denn den Wildwuchs eures Herzens". Wohlgemuth-Bleichrode hier noch freier: „so reißet die Verstocktheit aus eurem Herzen".) In all diesen Stellen mit Uebertragung auf Lippen, Ohr (Jeremia 6, 10), Herz und die Früchte der ersten drei Jahre übersetzen BR (auch Bb) nach Art der zuerst angeführten Stelle: „v o r h a u t i g an Lippen". Es ist vielleicht auch eine Frage des Geschmacks, inwieweit man bei einer Uebersetzung auf die Anschauungen, die in dem Kulturkreise herrschen, für den man übersetzt, Rücksicht nehmen soll. Ich muß bekennen, daß mir in all diesen Fällen, wo die bildliche Bedeutung die ursprüngliche schon in der Ursprache fast ganz überdeckt hat, die freiere Uebersetzung angebrachter erscheint, und ich glaube nicht; daß dadurch ein Mangel an ästhetischer Würdigung, an sittlicher und religiöser Auswirkung begründet wird. — Buber will scharf zwischen zedek und mischpat unterscheiden. „Zedek ist der sachlich zutreffende Urteilsspruch, der „Wahrspruch", die Uebereinstimmung einer Aeußerung oder Handlung mit der gemeinten Wirklichkeit, die Wahrheit und Wahrhaftigkeit". Dementsprechend läßt B. in der Uebersetzung nun immer das „wahr" anklingen. Jes. 58, 2 ascher z'dakah assah wird nun mit „der Bewährung machte zur Tat" allzu umständlich übersetzt (Zunz: „der das Rechte getan"), mischp'te zedek im selben Satze sind „Gerichte der Wahrheit" und Jes. 58, 8 w'halach l'fanecha zidkecha „deine Wahrheit geht vor dir einher". (Volz zur Stelle: „zedek ist zweifellos Heil, nicht Gerechtigkeit" und Feldmann: „Gerechtigkeit, die Israel durch Uebung von Barmherzigkeit und Liebe erwirbt; die Gerechtigkeit ist das dir von Gott geschenkte Heil".) Selbst III M. 19, 36 (Zunz: „richtige Waage, richtige Gewichtsteine" usw.) gibt Buber (Bb) mit „wahrhafte Waage, wahrhafte Steine" wieder, was allerdings gegenüber BR „Waage in Ordnung, Steine in Ordnung" eine Art Verbesserung ist. Nicht immer wird so wurzelgetreu übersetzt. In demselben Kap. V. 5 wird halachof — also eine Kaiform von kaf äf —: mit „daß er seinen Kopf binsengleich hangen läßt" wiedergegeben, und im ersten Satz des Jes. entspricht „Schauempfang, den er empfing" auch nicht dem Wesentlichen der. beiden Worte. Gewiß mag aruchah ursprünglich nach Ausweis der Wörterbücher die neue Fleischschicht, die sich über einer heilenden Wunde bildet, bedeuten, aber Jes. 58, 8 wird nach dem Bilde vom „morgenrotgleich anbrechenden Licht" auch dieses Wort schon bildlich (Heilung!) gemeint und wiederzugeben sein und nicht mit: „eilends wächst deine Wundhaut z u"0). B. selbst stellt fest, daß beim Worte Chag Fest der ursprüngliche Sinnlichkeitsgehalt allmählich verblaßt (aber II M. 5, 1 übersetzten BR noch: „daß sie mir rundreih e n in der Wüste"). „welchemEntsinnlichungsprozeß der Uebersetzer zu folgen hat". Allerdings sagt Buber an einer andern Stelle seines Beiwortes, wo er die Notwendigkeit der Ungeläufigkeit, die jedoch nicht zur Befremdlichkeit ausarten dürfe, erklärt, daß der Begriff in der Verdeutschung „seine sinnliche Grundbedeutung nachdrücklicher vorträgt als im Original, wo im begrifflichen Gelbrauch das Sinnliche, Bildhafte nur eben mit anklang." Daraus würde sich für den ernsten Leser die Aufgabe einer Einarbeitung, Einlebung ergeben, die fruchtbar werden müsse. Das ist also ein pädagogisches Motiv für diese Art von etymologischem Uebersetzen, das, z. B. im Falle von zedekgegenüber dem? möglichen Wandel und Wechsel des Bedeutungsinhalts und seiner Bezeichnung im Wort der Uebersetzung geradezu den Eindruck des Pedantischen macht. Lehrreich ist eine Vergleichung von BR und Bb, die ich natürlich hier nur in Stichproben durchführe. Man wirft einen Blick in Bubers Werkstatt. I M. 2, 2 BR: „die getane Arbeit... von all seiner Arbeit. Gottes schaffender Tat". Bb „seine Arbeit, die er gemacht hatte ... von all seiner Arbeit, die machend Gott hatte geschaffen". Genauer, allerdings nicht schöner. Buber legt Wert darauf assah mit machen zu übersetzen. I M. 17, 2 BR: „und will dich mächtig mehren" (bimod m'od). Bb „und mehre dich reich, überreich." Genauer, absehend von der Allitteration und dem oft vulgären „mächtig". I M. 37, 8 BR: „König wärst wohl gern, bei uns du König? oder Walter du, über uns Walter?" Bb: „König sein möchtest gar, König über uns oder walten gern, walten du bei uns." Walter mußte schwinden und auch die gezwungene Wortfolge. I M. 44, 15 BR: „daß ein Mann wie ich Schau zu erschauen versteht". Bb: ... „Ahnung erahnen kann." Warum bei beiden eine sekundäre Bedeutung? Grundbedeutung ist doch wohl zaubern. Z. und T.: wahrsagen. U M. 14, 4 BR: „dann erherrliche ich mich an Pharao und an all seinem Heer." Bb: „dann erscheinige ich mich an..." Buber erklärt, daß kabod, wo von Gott die Rede ist, die Wucht bedeute, „die Substanz und Mächtigkeit seines Wesens als sich manifestierend, als ausstrahlend, als Erscheinung gedacht. Der Leser soll das Sichtbarwerden der unsichtbaren maiestas, ihr Scheinendwerden, — die Glorie, aber die Glorie eben als Ausstrahlung der Wucht sinnlich fassen." B. möchte diese Unmittelbarkeit der Sprach-Wahrnehmung beim Leser „voraussetzen oder doch aufrufen". Das ist viel verlangt bei einem Kunstworte, dessen Inhalt eben nichts von der „Wucht" verrät. II M. 18, 11: T. (ähnlich wie Z.): „Nun weiß ich, daß der Ewige größer ist als alle Götter; denn worin sie gefrevelt hatten, das kam über sie." BR: „...groß ist ER vor allen Göttern, denn was sie ausgekocht hatten, über sie kams, Jitro, Mosches Schwiegervater ..." Bb: „...ja, an eben der Sache, deren sie sich wider sie vermessen hatten. Jitro, Mosches Schwäher..." alehem wird nun auf Jissrael, nicht auf die Aegypter, bezogen. Das etwas gewagte „auskochen" (wegen der Wurzel sid, ursprünglich sieden, kochen) wird gemieden und das Wort in der bildlichen Anwendung, die es auch schon im Hebräischen hatte, gegeben. Für das gewohnte und gewöhnliche Wort Schwiegervater wird das jetzt fast ausgestorbene „Schwäher" eingesetzt. II. M. 21, 26 BR: „Geschieht das Aergste aber, dann wende an: Leben statt Leben — Auge statt Auge, Zahn statt Zahn..." Bb: ... „dann gib Lebenersatz für Leben — Augersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn" ... Diese erklärende Uebersetzung ist kaum eine Verbesserung. Uebrigens ist asson nicht nach den strengen Prinzipien der Uebersetzer übertragen. V. M. 5, 6 BR: „aus dem Dienstfrönerhaus." Bb: „aus dem Haus der Dienstbarkeit." Das ist schlichter.