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Jüdische Schulzeitung · 1935-09-01 · 9 (1.9.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
9 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 9 Jüdische Schulzeitung Seite 7 A) 1. Belebende Uebungen' (Laufen, Gehen, Hüpfen), 2. Aufbau-Uebungen (Zur Weckung des Gefühls für natürliche und gute Haltung). B) 1. Wirbelsäule, 2. Atmung, 3. Gleichgewicht, 4. Hang, 5. Kraft und Geschicklichkeit, 6. Lauf und Gang, 7. Sprung. C) Beruhigende Uebungen. Dieses Stundenbild ist von Lehrern ohne genügende Fachausbildung schwer durchzuführen. Wichtig ist nur, daß die Hauptanstrengung vor der Mitte der Turnstunde liegt. Aus reicher Erprobung heraus wird von Gaulhofer folgende einfache Stundentafel empfohlen: A) Uebungen zur Anregung, Belebung und Erwärmung. B) Hauptübungen. 1. Formende Uebungen (Früher Freiübungen, besonders Rumpfübungen), 2. Gleichgewichtsübungen, 3. Hangübungen, 4. Kraft- und Geschicklichkeitsübungen, 5. Lauf und Sprung. C) Beruhigende und abkühlende Uebungen. Diese Einteilung ist kein starres Gebilde, sondern ist nach den körperlichen Bedürfnissen und nach dem Uebungswert aufgebaut. Es steht nicht mehr das Gerät, sondern der Körper des Kindes im Vordergrund. Ein anderes Stundenbild gibt Slama in seinem Buch: „Neudeutsches Turnen". 1. Vorbereitende, austollende Warmlatif-Uebungen. 2. Hauptübungen. A) a) Gestalt verbessernde Haltungsübungen. 1. Einstellungsübungen für Sitz und Stehen. 2. Kräftigung für Bauch, Rückenmuskeln, Schulter-Rückzieher, Knie- und Fuß- Streckmuskeln. 3. Dehnungs-Uebungen, besonders für vordere Brustmuskeln, Becken-, Fuß- und Kniebeuger. 4. Geschmeidigkeits-Uebungen, besonders der Wirbelsäule (Streckung rückwjärts, Beugung vorwärts), b) Bewegungsverbessernde Uebungen. 1. Stilübungen im Laufen und Gehen. 2. Schwebeübungen. B) Leistungs-Uebungen. Dazu gehören Stoffwechsel-Uöbungen, Geschicklichkeiis- Uebungen, Sprung und Hang. 3. Schluß-Uebungen zur Beruhigung, Abkühlung, Sammlung. Es braucht nicht immer eine Uebung nur einem Punkte zu entsprechen, sondern aus Zeitersparnis ist sogar zu wünschen, daß eine Uebung mehreren Punkten entspricht. Der eigenartige Aufbau, sagt Slama, fußt auf der körperlich-seelischen Einstellung des Schulkindes, und der Eingliederung der Turnstunde innerhalb der übrigen Unterrichtsstunden. Darum beginnt die Stunde mit vorbereitenden, austollenden Warmlaufübungen, setzt dann mit anfangs wenig, später immer stärker anstrengenden Hauptübungen fort, die in den verschiedenartigen „Stoffwechsel-Läufen" ihren Höhepunkt erreichen. Sie fällt dann schnell ab zu den „beruhigenden, abkühlenden Schluß-Uebungen". Die Stärkung des Stoffwechsels ist eine der wichtigsten modernen Forderungen (siehe Diem). Sie ist ausgiebige Herz- und Lungenkräftigung. Im Freien z. B. auf dem Schulhof, aber auch in der Halle läuft die Klasse in ein oder mehreren Gliedern lockeren, langsamen Dauerlauf. An ein oder zwei Längsseiten befinden sich Hindernisse in Form von Kästen, Schwebekanten, Matten, Geräten usw., die überwunden werden müssen. Dadurch erreichen wir, daß der bisher öde Dauerlauf zu einer gern betriebenen Uebung wird, die allseitig ausbildet und eine gute Vorbereitung für die volkstümlichen Uebungen ist, verbunden mit der gewünschten Herz- und Lungenkräftigüng. Ein einfaches Stundenbild schlägt Harte vor (Der Turnunterricht im Lichte des Arbeitsschulgedankens): 1. Belebende und entfesselnde Lebensformen freiester Art (Jagen, kurzes Einkriegezeck usw. (5 Minuten), 2. Körper-formende Kraftübungen (8 Minuten), 3. Schnelligkeits-Uebungen. (Evtl .Hindernisse) 5 Minuten, 4. Gewandheits-Uebungen, 12 Minuten, 5. Partei-Spiele, Staffelläufe usw. 15 Minuten. Der Höhepunkt der Stunde sind hier die Schnelligkeits-Uebungen, evtl. Wettläufe und Dauerläufe über Hindernisse. Eine ganz neue Gliederung hat Dir. Neuendorf in den Aufbau der Turnstunde gebracht. Anders als die Schweden und Oesterreicher baut er die deutsche Turnstunde auf in: 1. Körperschule, 2. Leistungsschule. 3. Spiele. In seinem Buche „Die Turnstunde in der Knabenschule." gibt er folgendes Bild, wie eine Turnstunde aussehen kann. Dabei ist dem Turnlehrer genügend Raum zu eigener Gestaltung der Stunde gegeben, wenn er nur dem Sinn des Turnens gerecht wird. Die Stunde zerfällt in: 1. Körperschule (15—20 Minuten) Gehen oder Marschieren, Haltungsübungen als Freiübungen oder an Geräten, Laufschule. 2. Leistungsturnen (25—30 Minuten) Fertigkeits-Turnen an Reck, Barren oder Pferd, Werfen und Laufen nach Zeit oder um die Wette oder Bodenturnen. Den Abschluß der Stunde bilden Spiele. In der Körperschule sollen Uebungen zur Körperformung und zur Entwicklung von Herz und Lunge betrieben werden, so daß „die Lebenskraft des ganzen Körpers erhöht wird". Sie umfaßt also: 1. Gymnastik ohne Gerät (Freiübungen), 2. Uebungen mit Partner. 3. Gymnastik mit Gerät (Medizinball, Sprossenwand und natürliches Gerätturnen (nicht Kunstturnen, sondern Ueberwindung des Hindernisses). 4. Turnspiele. Leistungsturnen sind alle Uebungen, in denen Leistungen gefordert oder erzielt werden, während in der Körperschule keine Leistungen verlangt werden, sondern sie gilt nur als Vorbereitung für das Leistungsturnen. Die neuzeitliche Turnweise ermöglicht eine, gleichzeitige Beschäftigung möglichst vieler Schüler, so daß erreicht wird, daß jeder einzelne mehrere hundert Einzelübungen macht, während bei der alten Turnstunde jeder Schüler nur selten zum eigentlichen .Turnen" kam. Wer seine Turnstunde nach den modernen Gesichtspunkten aufbaut, wird der Forderung nach Natürlichkeit gerecht, macht die Stunde interessant, die Kinder üben mit Lust und Liebe, und dieses ist die Voraussetzung des Erfolgs. Albert Goss, Berlin. Aus dem Lehrerverband Der Landesverein Baden hielt am 21. Juli seine Mitgliederversammlung in Karlsruhe ab. Der Vorsitzende Kollege Kaufmann-Tauberbischofsheim erstattete einen sehr instruktiven Bericht über alle Fragen, die die Schule, den Lehrer, die Gemeinde und die Gesamtheit der deutschen Juden angehen, Kollege Käl'bermann-Mannheim hielt einen ausgezeichneten Vortrag über.das Schulwerk Palästinas. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Kollege Rosenfelder konnte am 29. Juni auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit in Ladenburg zurückblicken. Der Verein Baden würdigt die großen Verdienste dieses bekannten Schulmannes in einer Zuschrift an die Schriftleitung dieses Blattes. Den Glückwünschen für den Jubilar schließen sich Freunde fern und nah an.

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