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Jüdische Schulzeitung · 1935-09-01 · 9 (1.9.1935) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
9 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nummer" 9 Jüdische Schulzeitung Seite 3 keinerlei Freude am Spiel mit seinen Kameraden im Schulhofe und auf der Straße besitzt, ja gerne allein am Gartenzaun und in der Ecke stehen bleibt, wenn andere sich am Spiel ergötzen. So bemitleidet er sich selbst und versucht in seiner Umwelt Mitleid zu wecken. Da ist es denn kein Wunder, wenn er den Mitschülern leicht eine Zielscheibe des Spottes und des Hohnes bietet. Dem Lehrer stellt er das Problem des schwer erziehbaren Kindes. Anwendimg von Zuchtmitteln würde den letzten Rest von Ehrgefühl und Lernlust ertöten und erst recht die Schule' zur wahren Folterkammer für ihn gestalten. Wo Phantasie und produktives Denken fehlen, weil die Spontaneität, die in jedem Kinde mehr oder weniger schlummert, unter den dargelegten Umständen und Verhältnissen, nicht geweckt, entfaltet und gefördert werden kann, wo, wie in solchen Fällen Willens- und Gemütlebens verkümmern müssen, werden weder sittliche Gesinnung noch sittliches Wollen erzeugt. Aller Unterricht soll aber erziehender Unterricht, soll ethisch orientiert sein, im Dienste ethischer Ziele stehen den „Wertwillen ausbilden" und „Bildungswerte erzeugen". Wenn wir uns aber gerade in der heutigen Zeit solchen Forderungen nicht verschließen dürfen, dann gilt den Eltern und Erziehern doppelt die Mahnung, einer verfrühten Einschulung entgegenzutreten, sie zu verhindern, um so am wirksamsten ihre Gefahren zu bannen. Die erzieherischen Aufgaben des Zeichenunterrichtes in der jüdischen Schule Bei der Erziehung der jüdischen Jugend fällt auch dem Zeichenlehrer eine wichtige Aufgabe zu. Denn vielfach ist im Zeichenunterricht Gelegenheit gegeben, den Unterricht in der Judentumskunde zu unterstützen, und die Schüler, die ursprünglich nur notgedrungen die jüdische Schule als Zufluchtsort aufgesucht haben, zu bewußten Juden zu erziehen, sie mit der jüdischen Geschichte und den religiösen Gebräuchen bekannt zu machen; dadurch lernen sie das Judentum kennen und lieben, ohne daß ihre Erziehung zu deutschen Menschen vernachlässigt wird. Es wird hier die Kenntnis des Lehrstoffes und der vielseitigen Aufgaben, die dem Zeichenunterricht gestellt sind, vorausgesetzt, und es soll bloß untersucht werden, wie die besonderen Aufgaben, die dem Zeichenunterricht in der jüdischen Schule zufallen, in den allgemeinen Lehrstoff einzufügen sind. Schon das Zeichnen aus dem Gedächtnis ergibt eine Menge Möglichkeiten für die Unterstufe. Da kann man Schabbatleuchter, Schabbatlampen, Barches, Barchesdecke, Kiduschbecher, Hafdalahkerze zeichnen lassen, und je nach der Jahreszeit: Chamikahleuchter, Lulaf und Esrog, Schofar und dergleichen mehr, oder Gegenstände, die die Kinder im Tempel gesehen haben, wie Toravorhang, Brustschild, Jad, Torah, Krone, Waschbecken der Kohanim usw- Für das Zeichnen aus der Phantasie, das ja meist auch nur in der Unter- und Mittelstufe geübt wird, eignen sich: Erlebnisse "im Tempel oder bei religiösen Anlässen im Haus, z. B. Torah Verlesung, und je nach der Jahreszeit: Priester segen, Simchath-Torah-Umzug, Anzünden der Chanukah-Lichter, Sederabend, Kiduschhalvanah, Kidusch, Hafdalah, jüdische Hochzeit (an Lag beomer), Bäumepflanzen am 15. Schewat in Erez Israel, an der Kotel hamaaravit (Tischah beav) am Grabstein der Rahel (an Rosch Chodesch), Verkehr in der Rechov-David in Jerusalem, Ausboten in Jaffa, liafenverkehr in Haifa, Straßen- und Feldarbeiter im Emek, Markt in Meah Schearim. Zu Illustrationen*) kann der gerade in der Religionsstunde behandelte Stoff als Vorwurf dienen, dann Illustrationen zur Hagadah schel Pesach, z. B. die Weisen von Bne Brak, ferner zur Megillat Esther (auf keinen Fall aber das Hängen des Haman). Im Zeichnen nach der Natur kann man *) Es sei auf mein Buch: „Bilder-Bibel", Verlag R. Maß, und auf meine „Hagadah schel Pesach", Verlag Jalkut als Anleitung hingewiesen. die oben zuerst genannten Gegenstände, später Teile des Tempels und seiner Einrichtung, als Stilleben zusammengestellte Ritualgegenstände, wie: Tallis, Gebetbuch, Brilie, Leuchter und Tefillin zeichnen lassen. Beim Ueben von Kunstschriften muß auf die hebräische Quadratschrift großer Wert gelegt werden. Als Schreibmaterial eignet sich die .,Ato"- Feder Nr.. 625 und 626. Man schreibt auf kariertes Papier. Dabei sollen die Buchstaben möglichst modern gehalten werden, maii kann dick — dünn oder (mit der „gedrehten Feder") gleichdick schreiben, schmal und hoch, breit und kurz, und den Buchstaben ähnliche Randverzierungen (nur senkrecht— wagrecht) entwerfen lassen. Es gibt viele Anlässe, die gelernte Schrift in Plakaten zu verwerten z. B. bei Purim- und Chanukah-Feiern, Rauchverbot (Isur Laaschon), wobei für den bildnerischen Schmuck der Phantasie viel Stoff zur Verfügung steht. Der ewig wiederkehrende „Magen David" sollte nur beiläufig verwendet werden, etwa um einen Raum zu füllen, nicht afoer als Hauptdarstelhmg. Dasselbe gilt vom Chanukah-Leuchter. Dieser braucht nicht gerade platt von vorn als Hauptgegenstand gezeichnet zu werden, wenigstens nicht in der bekannten Form mit den vier Halbkreisen (oder derselbe eckig), sondern man muß die Schüler ermuntern, selbst eine Form zu finden, ja es braucht nur ein Teil des Leuchters, ja nur die Lichter, oder gar nur die Flammen, oder selbst der Schatten des Leuchters angedeutet zu sein, oder er wird perspektivisch gesehen, es gibt unendlich viele Möglichkeiten, ebenso kann das „Trenderle" als Motiv dienen. Eine dankbare Aufgabe im Plakatzeichnen bildet auch das „Misrach" sowie Ankündigungstafeln für den Tempel. Als Aufgabe im Entwerfen von Mustern: Torahvorhang, Barchesdecke, Synagogenfenster. Das letztgenannte kann als Transparent geklebt werden, wobei jeder Schüler auf seinem Fenster das Symbol eines anderen Festtages anbringt. Auch das Misrach kann als Transparent gefertigt werden. Eine schöne Gelegenheit zur Betätigung bietet das Pesachfest, indem gewöhnliche große Porzellan- oder Fayence- Teller als Seder-Platten gemalt werden. Der gereinigte Teller wird mit Schellack- oder Kolophoniumlösung (sehr dünn) bestrichen, getrocknet, dann vorgezeichnet und mit gewöhnlichen Wasser- oder Deckfarben bemalt: eine geeignete Darstellung zum Inhalt der Hagadah; der Rand wird mit dem Bilde entsprechender großer Schrift bemalt. Nach dem Trocknen wird mit Bernsteinlack lackiert. Meiner Ansicht nach sind diese Dinge alle absolut noa f>? iwa und der Teller kann ohne Bedenken verwendet werden. Das Gesagte gilt auch für den Hafdaloh-Teller. Auch ein Sedergestell kann aus Sperrholz gefertigt, und ein Vorhang dazu bemalt werden (Auszug und Verfolgung). Die oberste Platte mag mit Kupferfolie (im Radiogeschäft), welche vorher von der Rückseite aus die Verzierung erhalten hatte, belegt werden. Das Programm zur Chanukah- oder Purim-Feier, das außer schöner Kunst- und Quadratschrift eine bildliche Darstellung in schwarz-weiß enthält, wird auf L i n o 1 e u m verkehrt aufgepaust und eingeschnitten (mit Tif-Federn) und dann mit der Hand abgezogen. Nun noch zwei wichtige Dinge: Simchat-Torah- Fahne. Rand mit geeignetem Spruch aus dem Gebetbuch. In der Mitte: Darstellung des Umzuges, oder des Mannes, der die Torah hochhält, oder die Gesetzgebung am Sinai usw., je mit entsprechender Umschrift. Der Roschhaschanahb r i e f enthält auf der 1. Seite eine Rand Verzierung und irgendeine Darstellung vom Roschhaschanahfest. Als Beispiele sollen genannt sein: Schofarbläser, Tempeleingang mit zuströmenden Frommen, Gottesdienstend, Begrüßung und Glückwunsch, Segnen der Kinder im Hause usw. Auf der 3. Seite wird in Kunstschrift ein ganz kurzer, selbstverfaßter Brief geschrieben, evtl. hebräisch in Quadratschrift, auf keinen Fall darf ein Gedicht abgeschrieben werden. Ton steht überall zur Verfügung; da kann man eine Besomimbüchse kneten lassen. Nach dem Trocknen kann man

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