Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 8 (1.8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 Jüdische 'Schulze itung Seite 5 sätzliche Forderung, dann außer Acht gelassen, . wenn der Schüler allmählich mit der Vielfalt der Formen vertraut gemacht werden soll Denn um die zahlreichen „Unregelmäßigkeiten" zu erlernen, müssen Paradigmentafeln und Regeln herhalten, die vorzugsweise auf den Gesichtssinn wirken. (. . . steht ein Dagesch . . . wird mit Chatef geschrieben . . . u. ä-) Die Unregelmäßigkeitspsychose, die das Erlernen der Sprache so sehr erschwert, könnte aber geheilt werden, wenn man die Struktur der Sprache nicht nach ihrer äußeren Schrifterscheinung sondern vor allem in ihrer inneren Gesetzlichkeit von Klang und Rhythmus sowie in ihrer Einfachheit bei der Anwendung der Sprachelemente, die den unbegrenzten Sprachbegriff in die gewollte Form setzen, erkennen und dem Schüler vermitteln würde. Man mache sich doch einmal klar, in welch' unerhörter Einfachheit dieselbe Sprachsilbe bei den verschiedensten Wortarten die Beziehung zur sprechenden (l.), der angesprochenen (2.) oder zur besprochenen (3.) Person ausdrückt. So bedeutet zum Beispiel die Silbe?f dein Licht spa, dirrf?, dir gegenüber *pjM3, wie du?p'a3. ich behütete dich *prn»tf. Man beachte ferner, daß bei allen Verben dieselben Sprachelemente den Verbbegriff nach Zeit und Person abgrenzen. Für die erste Person Einz. der Vergangenheit gibt es immer dieselbe Endung "»fl, während wir etwa im Französischen mehr als acht verschiedene Endungen haben, wenn wir von den zusammengesetzten Zeiten ganz absehen. Die Mannigfaltigkeit der hebräischen Formen wird demnach n:cht verursacht durch eine Fülle von Sprachelementen, sondern sie wird hervorgerufen durch vokalische Abweichungen, die durch Veränderung der Silbenform, durch Verschiebung des Worttons oder durch die immer wiederkehrende Eigenart bestimmter Konsonanten lautgesetzlich bedingt sind. Man wird kaum eine zweite Sprache finden, in der die Gesetze lautlicher Schönheit so sehr die Form des Wortes bestimmen und mit beispielloser Konsequenz zu den gesetzmäßigen Formveränderungen führen, als das Hebräische. Was als Unregelmäßigkeit zuerst erscheint, erklärt sich, weil es bedingt ist durch Gesetze, die ihre natürliche. Begründung im Sprechvorgang selbst finden. Aus drei Grunderscheinungen erklären sich die Aenderungen des Vokalbestandfes: 1. Aenderung der Silbenform, 2. Verschiebung des Worttons, 3. Auflösung von Doppelkonsonanzen- Die Einführung des Schülers in das Verständnis für diese lautgesetzlichen Zusammenhänge soll nicht am Einzelbeispiel erfolgen. Das Lautgesetz kann erst entwickelt werden, wenn dem Schüler aus dem ihm bekannten Wortschatz genügend Beispiele gebracht werden können. Es kann im Anfangsunterricht deshalb nötig sein, eine grammatikalische Form zunächst einfach lernen zu lassen, um erst später, wenn ähnliche lautgesetzlichen Erscheinungen auftreten, die Veränderung des Vokalbestandes lautgesetzlich zu begründen. Hierzu zwei Beispiele: (Ich benutze im Anfangsunterricht „Schaare zedek", von J. B. Levi). In Stück 15 sind die Segolatformen durchzunehmen. Dem Schüler sind die Endungen für die Possessivpronomen bereits bekannt. Er spricht die endungslosen Formen 15p» ünb u. a. Diese Formen lassen sich nicht gut sprechen. Den Grund findet der Schüler selber darin, daß die .beiden Mitlaute am Schluß schwer aussprechbar sind. Der Schüler findet die Möglichkeit, das Wort besser auszusprechen, wenn man einen Selbstlaut zwischen die beiden Mitlaute einschiebt. Diesen Selbstlaut nennt der Lehrer nun (Segol) und weist gleichzeitig darauf-hin, daß sich der ursprüngliche Selbstlaut (hier Patach oder Chirek) dem Segol angleicht. Es sollen hierbei folgende Erkenntnisse erworben werden: 1- Eine Doppelkonsonanz am Schluß eines Wortes wird des Wohlklangs wegen durch Einschieben des Vokals Segol aufgelöst; dieser Vokal gleicht den ursprünglichen Vokal an. 2. Die Betonung bleibt auf der ursprünglichen Tonsilbe liegen, die jetzt zur vorletzten Silbe geworden ist. Dem Schüler bekannte Beispiele bieten sich jetzt bei. der Wiederholung der Gegenwartsformen (Stück 6, 7). Wir bilden die weibliche Einzahlform durch Hinzufügen der Endung n an die Gegenwartsform. Hierbei entsteht eine Doppelkonsonanz, die in derselben Weise wie bei den Substantiven aufgelöst wird. "i30*-*i3p«-i30;DnV+-än?«-orrV rnaitf *■ rnaitf«- maitf *■ naitf Erst später wird auf die Besonderheiten aufmerksam gemacht, die die Konsonanten n und '$ bei der Vokalisation verursachen. Ebenso werden die Formen der Wortgruppen rra und vfip erst in einem späteren Stad um des Unterrichts besprochen. 2. Beispiel: Die Verschiedenheit von Vergangenheitsformen wie K&3 ,nfrV im Gegensatz zu tfxs TT T IT TT T, T (Stück 11) wird zum Anlaß genommen um zunächst den Begriff der offenen und geschlossenen Silbe zu klären. Der Schüler bildet beliebige offene und geschlossene Silben und erkennt, daß der Selbstlaut der offenen Silbe länger sein kann als derjenige der geschlossenen. (Natürlicher Sprechvorgang!) Die offene Silbe erfordert den langen Vokal Kamez im Gegensatz zu Patach in der geschlossenen SÜbe. Jetzt kann auch der Unterschied zwischen der Form n md n des Artikels klar gemacht werden (Stück 4) und die Bedeutung des Dagesch nach rt besprochen werden. An einigen Beispielen möge hier die Allgemeingültigkeit solcher phonetischen Erscheinungen dargelegt werden: 1. Beispiel: Veränderung des Worttons bedingt Abschwächung eines Vortonkamez zu Sch'wa. D^i"tt*-Vi-ra : t ■ni33*-ni23 : t onn»tf*-*i»Bi Gegenbeispiel zu 1. »rnatf+-*w5tf : - t - t 2. Beispiel: Tritt bei Verschiebung des Worttons gleichzeitig eine Veränderung der Form der bisherigen Tonsilbe ein, so trifft dieses Gesetz für alle Vokale der Tonsilbe zu: rhaitf +• *5sW rn?na *• nan» t: t: - : - : riatf«-natf rnai^-iTT : t -t t : " natf n *■ -lätffi *• "öl? Gegenbeispiel zu 2. 'alpr)*-Äp5 Bestellschein An den Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich lmal erscheinende (Datum) Verlagsort: Mannheim 2 Das Bezucrsgeld von vierteljährlich 45 Plg zuzüglich 6 Pfg. Postzustell gebühren bitte ich du^ch den Postboten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders Vor* u. 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