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Jüdische Schulzeitung · 1935-07-01 · 7 (1.7.1935) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
7 (1.7.1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7 ' Jüdische Schulzeitung Seite 3 sung ins Feld geführt werden könnten, so irrelevant wäre in dem Kampf der Meinungen um das, was in der jüdischen Schule zu geschehen habe, das Ergebnis weltanschaulicher Auseinandersetzungen. Es liegt m. E. eine eindeutig feststellbare Konstellation im Auf und Ab der Entwicklung jüdischen Schicksals vor, der es durch bestimmte Maßnahmen in der Schule zu begegnen gilt. Wäre die jüdische Jugend gezwungen, etwa nach Latein-Amerika auszuwandern, dann hätte die Lehrerschaft die Pflicht, ausgiebig „Amerikakunde" zu treiben, wobei man, absehend von jeglicher parteimäßigen Haltung, bemerken dürfte, daß allerdings noch andere Saiten mitschwingen, wenn das Land unserer Väter als Gegenstand der Unterweisung vor uns steht. Es hat jüngst ein aus Erez heimgekehrter Rabbiner in einem Reisebericht im Ueberschwang der Gefühle erklärt, kein Lehrer könne in der Schule Palästina ertragreich behandeln, der es nicht aus eigener Anschauung kenne. Das war die überspitzte Formulierung einer im tiefsten wahren Einsicht, der ja der Plan entsprang, demnächst eine Lehrersonderfahrt ins Land zu unternehmen. Sie hat indes nur soweit Geltung, als es sich darum handelt, Lie- * bes- und Verbundenheitsemotionen zu erzeugen. Davon ist in diesem Zusammenhang nicht die Rede. Was hier verlangt wird, gehört in den Bereich ganz nüchterner Sachkunde. Wenn junge Menschen auf fremdem Boden sich zurechtfinden, in neuartige soziologische Verhältnisse sich einfügen sollen, dann muß ihnen der Weg so "weit geebnet werden wie es nur irgend1wie geht. Das gilt namentlich dann, wenn ihrer ein Lebensstil harrt; dessen Charakteristisches das Nichtzeithaben, die Turbulenz ist. Auch die Tatsache, daß es eine liachschara gibt, macht es nicht überflüssig, die Jungens und Mädchen gründlich in die geographischen, ethnographischen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten Palästinas einzuführen. Vom Lande her gesehen ist die Wissensfülle aus beiden Institutionen, aus der Schule und aus der Hachschara, reichlich Theorie, der gegenüber die Wirklichkeit drüben sich ganz anders ausnimmt. Und dennoch schafft die fortgesetzte Beschäftigung mit den Dingen eine gewisse Vertrautheit aus der Ferne und die Befähigung, rascher und zweckdienlicher mit ihnen fertig zu werden als derjenige, der das Land als eine terra incognita in jedem Sinne betritt. Um mannigfache Hilfsmittel zum Unterricht in Palästinakunde sind wir nicht verlegen. Mit dem rapide angewachsenen Interesse am Lande und an den Existenzmöglichkeiten in ihm ging Hand in Hand die Produktion einer ausgezeichneten Spezialliteratur, über die jeweils in diesen Blättern berichtet worden ist. Nehmen wir hinzu die Ausstellungen, die Bildberichte im Film und in der Presse, die Vorträge über Reisen nach Erez, die, nebenher bemerkt, in allzu üppiger Fülle und nicht selten in menschlicher, allzumenschlicher Unzulänglichkeit auf die Daheimgebliebenen niederregnen, und nicht zuletzt die jüdische Presse aller Richtungen, die in hervorragender Weise geeignet ist, einen der Schule angemessenen Wechsel in den Objekten der Betrachtung und in der Art der Behandlung zu gewährleisten, so halben wir Lehrer ein Rüstzeug in der Hand, wie es reichhaltiger ausgestattet kaum einem andern Unterrichtszweig zur Verfügung steht. * Die vorstehenden Darlegungen haben sich mit Absicht nicht mit jenem Fragenkomplex beschäftigt, der um den Begriff „Judentumskunde" kreist und der seinen Ort in der „jüdischen Wesensschule" schlechthin hat. Hier sollte lediglich aufgewiesen werden, welcher' Art ein Abschnitt der Schularbe:t sein müsse, der einer ehernen Forderung ihr Recht zuteil werden lassen möchte. Es ist das Schicksal der jüdischen Schule im Galuth, daß ihr in vielen Ländern Freiheit zu eigen ist. soweit das ihr Wesensgemäße, das Jüdische, in Frage steht. Das hat sein Gutes, weil der Schaffensfreude des Einzelnen unbeengter Entfaltungsraum gegeben ist. Es ist sein Gefährliches, daß die wohlbegründete Norm in ihrem werbenden Andringen oft auf Widerstand stößt, der nicht von der Kraft der Einsicht gespeist wird, sondern von der des Indifferentismus und des Schlendrians. Es fehlt weithin die Zentralinstanz, aus deren Bereich nicht nur „Richtlinien" über die Gemeinden in die Lehrstätten hinein entsandt werden, sondern zugleich auch Anweisungen mit verbindlichem Charakter, deren Befolgung durch eine im Hintergrund wachende reale Macht sichergestellt wäre. Bei aller Selbstachtung und bei allem Verantwortungsbewußtsein der dem Erziehungswerk dienenden Menschen muß doch zugegeben werden, daß die eigene Einsicht in das, was not tut, eines festen Halts von oben her bedarf, einer zielsicheren Führung, ohne deren Vorhandensein das Ganze im luftleeren Raum schwebt und in der Gefahr, einem unzuträglichen Weiterwursteln anheimzufallen. Ich möchte wünschen, es werde die Zeit nicht mehr fern sein, da dieses Desiderat Erfüllung finden könne. jüdische Motive in der neueren französischen Literatur Eine literarisch-pädagogische Studie von Dr. Max Salomon. Frankfurt a. JV. (Von der Julius Höxter - Stiftung zur Veröffentlichung empfohlen.) (Fortsetzung) Nun wieder zu „Pourquoi je suis juif". Führte das I. Kapitel den charakteristischen Titel: »Israel perdu«, so trägt das zweite die bezeichnende Ueberschrift: »Israel retrouvö«. Die Entwicklung vom Verneinen zum Bejahen schreitet weiter und wird in erster Linie durch die Dreyfuß-Afräre entscheidend beeinflußt. Stand er ihr anfangs fast teilnahmslos gegenüber und sah er in Dreyfuß zunächst nichts anderes als einen mit den Gesetzen in Konflikt geratenen Bürger, so mußte ihn der Verlauf des Prozesses von der Irrigke't dieser seiner allzu naiven Auffassung überzeugen; er wurde durch ihn immer mehr in die Frage nach dem letzten und höchsten Sinne des Judentums überhaupt hineingetrieben — eine Entwicklung, die sich* auch in einem vertieften Studium der hebräischen Sprache äußerlich dokumentierte. Lassen wir Fleg selbst reden: „Diese Worte, deren Silben ich so oft in meiner Kindheit hatte sprechen hören, diese Worte, deren Sinn mir verschlossen gebl'eben war, erschlossen sich jetzt plötzlich . . Nicht nur ihre Bedeutung wurde mir klar, sondern auch das Seelische, das sich von ihnen löste." Die ganze Struktur der hebräischen Sprache wurde ihm klar, ihr letztes Geheimnis ging ihm auf. In ihr und aus ihr heraus entstand für ihn eine ganz neue Welt, die seines Vaters, die seinige, in dem durchsichtigen Gewebe der Ableitungen, in dem durch keine starren Regeln gehemmten Aufbau des Satzes, in der unlogischen Zitsammenhanglosigkeit der Bilder, in der Unfähigkeit, reine Abstraktion zum Ausdruck zu bringen, in den ungenauen Konturen des Verbs, das kaum Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheidet und in der Ewigkeit, zu wandeln scheint. Sein Judentum ist gefestigt, sein Bestand für ihn und in ihm gesichert. So führt der dritte Teil von Pourquoi je suis juif den berechtigten Titel »T«rael perpetue« Neben dem-Wissenschaftlichen, dem Philosophischen regte sich das Dichterische. Es drängte zur Gestaltung, sein Erlebnis verlangte stürmisch dichterischen Ausdruck. Dem Dichter schwebt eine „Legende des Siecles" vor, die von den ältesten bis zur gegenwärtigen Zeit reichen und die lyrische Geschichte des hebräischen Volkes werden sollte. Das gesamte, sieben Bücher umfassende Werk trägt den Titel »Ecoute Israel«! Es wird sich aus Gedichten in Versen und in Prosa, aus Erzählungen, Fabeln, Romanen, Dialogen und Dramen zusammensetzen, „sous l'invocation des sept grandes fetes juives." Bisher erschienen zwei Bücher, le Livre de la Päque (von Abraham bis Mose) und le Livre des Semaines (von Josua bis Nebukadnezar). Geplant sind: Le Livre de I'An Nouveau, le Livre du Grand Jeüne, le Livre des Cabanes, le Livre des Sorts, 1" Livre du Sabbat. Mit den beiden zuerst erschienenen Bänden hat Fleg sein dichterisches Können unter Beweis gestellt. Ob das Epische, das Lyrische überwiegt: seine Gedichte sind voll religiöser Kraft, Werk eines religiösen Künders und Er-

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