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Jüdische Schulzeitung · 1935-06-01 · 6 (1.6.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
6 (1.6.1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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w^W^WWWW^y^^^^^^Vf^^^^^ J ü'd i s c h e S c h u 1 z e i t u n g * \ Nummer6 Literarisches Hawa naschira! (Auf! Laßt uns singen!) Liederbuch für Unterricht, Bund und Haus.-Herausgegeben von Dr. Jos. Jacobsen und Erwin J o s p e. 1935. Anton J. Benjamin AG., Leipzig-Hamburg. 256 Seiten, kartoniert 3 RM. Im Verlag Anton J. Benjamin AG., Leipzig-Hamburg, ist soeben unter dem Titel „Hawa naschira! Auf! Laßt uns singen!" ein Liederbuch für Unterricht, Bund und Haus, von Dr. J. Jacobsen- Hamburg und E- J o s p e - Berlin, err schienen. Das Buch füllt eine seit langem fühlbare Lücke- Für den Unterricht an jüdischen Schulen waren einerseits die z.T. vorzüglichen deutschen Sing- und Musikbücher nicht ausreichend, weil sie den jüdischen Menschen unberücksichtigt lassen, anderseits die von verschiedenen jüdischen Bünden und Vereinigungen herausgegebenen Liedersammlungen in ihrer Tendenz und daher oft in ihrer Liederwahl einseitig. Demgegenüber wendet sich dies neue Liederbuch mit keiner anderen als p ä d a g o g i s c h e r Zielsetzung an den ganzen jüdischen Menschen, mit einer strengen musikalischen Maßstäben entsprechenden Auswahl, in der man kein Gebiet vermißt, in dem jüdisches Menschentum zum gesanglichen Ausdruck kommt. Daher stehen in diesem Liederbuch hebräische, jiddische und deutsche Lieder nebeneinander oder besser gesagt ineinander, da sie als Ausdruck des Weltempfindens jüdischer Menschen hierzulande im Zusammenhang zu einer Einheit gehören. Das Buch ist in Anlehnung an Franz Rosenzweig in drei Gruppen gegliedert: Mensch, Natur, Gott. Spiel- und Singlieder für Kinder, Lieder, die in froher Gemeinschaft zu singen sind; Schnurren, Scherz- und Spottlieder, Tanzweisen, Horramelodien, Niggunim bilden den ersten Teil der Gruppe „Mensch". Darauf folgen Lieder „in ernster Stunde", „zur Beherzigung", über Liebe, Arbeit, Erez Israel, unsere Hoffnung und unsere Sehnsucht. Diese kurze Inhaltsübersicht gibt schon ein Bild von der Reichhaltigkeit und der Fülle des Materials, das hier verarbeitet wurde. Das musikantische Element im Lied ist vorherrschend, Rhythmus und Melodie sind die Träger der in Gesang sich steigernden Begeisterung, bis im Nigun und in vielen Tanzweisen der Text daneben verschwindet oder als Singsilbe nur noch zur Unterlage für den Gesang dient In Wiederholung, Steigerung des Tempos, Aenderung der Singsilbe, im kanonartigen Zusammensang äußert sich die im Tanz sich steigernde Hingabe. An den ebenfalls in besten Beispielen vertretenen Liedern in Menuettform läßt sich'zeigen; wie der Tanz zu ähnlicher und doch grundlegend verschiedener Sangesweise und Rhythmik führen kann. Freude am kontrapunktischen Musizieren zeigen die vielen Kanons. Marschlieder, Wanderlieder, Rundgesänge, Spiellieder, kurz alles, was zum Musikanten macht, sind bestens vertreten. Jugendgemeinschaft, die so singt, ist gesund und bleibt jung. Wo Jugend und Frohmut herrschen,- f'nden Schnurren und Scherzlieder' den rechten Boden. Bestellschein Än den Porto 3 Pfg. ■ Falls keine •Marke zur Hand, unfrankiert In ■ den Postkasten werfen! Porto : trägt dann j Empfänger. Verlag der Jüdischen Schulzeitung Gebrüder Neubauer Ludwigshafen a. Rh. Schulstraße 14. Trotz der Mischung von Liedern aus drei Kulturkreisen spricht aus dem Buche aus allen Teilen, daß es von echter, innerer Jüdischkeit geformt ist. Es ist daher wohl kein Zufall, daß die Gruppen für „Ernste Stunden" und „Zur Beherzigung" nur Lieder jüdischen Ursprungs enthalten. Psalmverse, Verse aus den Prophetenbüchem, Gebetstücke aus der Tefilla, Aussprüche unserer Weisen aus Talmud und Midrasch liegen diesen Liedern zu Grunde, echtes jüdisches Gedankengut. Insbesondere gilt dies für den dritten 'Hauptteil, der die Ueberschrift „Gott" trägt Schabbatlieder sollen von der Schule aus ihren Eingang ins Haus finden, dort die Freude erhöhen (oder wenn nötig'Freude schaffen), sollen in Bünden gesungen werden, wenn sie sich zur S'uda sch'lischit, zum Oneg Schabbat versammeln. Daß es keine Semirot-Sammlung sein kann, verstellt sich von selbst, aber von fast allen S'mirot findet man wenigstens eine Melodie, meist im allgemeinen unbekannte Weisen. Ein sehr guter Gedanke war es auch, die typischen Melodien des jüdischen Jahres zusammenzustellen, die in der Synagoge und im Haus immer wiederkehren. (Der Süddeut-" sehe wird allerdings manche ihm unbekannte Melodien finden und einige ihm vertraute vermissen. Auch den Text zum Pessachlied S. 166 wird er in seinem Abendgebet zum 7. Tag Pessach nicht finden!) Es folgen Lieder aus der Tefilla, Lieder, die in der Gemeinschaft und von der Gemeinschaft gesungen werden. Das eigentliche Chasanut hat berechtigterweise in dem Liederbuch keinen Raum gefunden. Der Anhang enthält mehrstimmige Lieder, zu einem großen Teil von E. J o s p e in feiner Musikalität gesetzt. Besonders das letzte Lied „Beherzigung" von Reichardt (Worte von Goethe) in der Bearbeitung von Jospe ist ein kleines Kabinettstück chorischer Kunst. Des weiteren findet sich als Anhang ein kurzer, aber sehr geschickt das Wesentliche herausstellender Abriß der Musikkunde, die Neginot (d;e Tonzeichen sind dabei nicht alle an dem richtigen Platz über oder unter dem Wort) und schließlich eine in dieser Form erstmalige Uebersichtstabelle zur Geschichte der Musik bei den Juden. Es ist besonders zu begrüßen, daß fast sämtliche Liedtexte vollständig abgedruckt und mit einer genauen deutschen Uebersetzung versehen sind. Im Gesangunterricht soll gesungen werden, da sollen die Texte ohne viel Mühe verständlich sein. Trotzdem die- Uebersetzungen sich streng an das Original anlehnen, sind sie doch recht geschickt so frei gehalten, daß sie rhythmisch den Liedcharakter wahren und so die Poesie nicht prosaisch stören. Die äußere Ausstattung des Buches ist bis auf den Einband gut. Einige Druckfehler, die bei einem so umfangreichen Buch leicht stehen bleiben, müssen in einer notwendig werdenden 2- Auflage ausgebessert werden. Zu wünschen wäre auch ein Inhaltsverzeichnis, das die Gruppierung der Lieder kenntlich macht und das Auffinden der Gruppen erleichtert. (Es ist nur ein alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Liedanfänge und ein solches der hebräischen Lieder nach Textanfängen und Ueberschriften vorhanden.) Sehr fraglich ist auch, ob der flexible Einband für ein Schulbuch, das doch während der ganzen Schulzeit und auch nach der Schulentlassung gebraucht wird, stark genug ist. Gerade im Gesangunterricht stört die unästhetische Form eines evtl. zerrissenen Buches. Der Verlag sollte in Erwägung ziehen, ob nicht doch dem Buch mit einem etwas stärkeren Band gedient ist. Die jüdische Lehrerschaft darf den beiden Verfassern dankbar sein, daß sie ihr ein Lehrmittel bereitstellen, das ebenso notwendig war, wie es unentbehrlich sein wird, und daß dieses Lehrmittel den sehr hohen Maßstäben, die man an Schulbücher anlegen muß, durchaus gerecht wird. Es ist zu wünschen, daß recht viele Kinder hier ihre Sangeslust gewinnen und befriedigen. Auch sangesfrohe Erwachsene werden das Buch lieben und nutzen'lernen. Dr. Hugo Mandelbaum. Das jüdische ABC. Herausgegeben von Emil Bernhard Cohn- Verlag Erwin Löwe, Berlin. Der Verfasser des Büchleins „Neuhebräisch — schnell gelernt" kommt auch in diesem seinem neuesten Opus dem Hang vieler Menschen zur Bequemlichkeit entgegen. Glaubt er wirk-

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