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Jüdische Schulzeitung · 1935-05-02 · 5 (2.5.1935) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
5 (2.5.1935)
Date
1935-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 5 sicher im' schwersten Existenzkampf stehen werden, brauchen Zähigkeit und Energie, um sich selbst erhalten zu können. Die Schule hat die Pflicht, sie darauf vorzubereiten, und welches Fach könnte das besser als der Turnunterricht? Hier bekommt das Kind diese Eigenschaften nicht gepredigt, sondern es muß selbst beweisen, daß es sie besitzt. Nicht vergessen sei weiter, daß die Uebungen, die wir unter dem Namen Körperschule kennen, insofern wertvoll sind, als sie dem Schüler vor Augen führen, wie falsche Kulturgewohnheiten, z. B. schlechtes Gehen und Sitzen, abgestellt werden. Besonders die Kinder, die in einer Gegend wohnen, die arm an Sonne, aber reich an Staub ist, und die den ganzen Nachmittag gebückt über ihren Büchern im Cheder sitzen, sie werden selbst erkennen, wie richtige Atmung und vorschriftsmäßige Gymnastik die Lebenskraft des ganzen Körpers erhöhen. Nicht vergessen sei zu erwähnen, daß Leistungsturnen und Körperschule nur dann vollen Erfolg haben können, wenn sie eines voraussetzen: straffe Disziplin. Dies zu erreichen, ist wohl ein hohes Ziel der Erziehung. Eine weitere und vielleicht die wichtigste Aufgabe des Turnunterrichts ist die Erziehung zum Gemeinschaftssinn. Diese Aufgabe ist dem Spiel vorbehalten. Leistung und Uebung für den Einzelnen, das Spiel für die Gesamtheit. Hier im Spiel Wird ein Grundstein fürs Leben gelegt. Hier, wo sich jeder dem Ganzen unterzuordnen hat, um nicht die Harmonie zu stören, lernt der junge Mensch das Einordnen in die Gemeinschaft. So mancher Trotz und Eigensinn wird hier gebrochen. Wieder ist es gerade die jüdische Schule, die diese Vorbereitungen ihrer Schutzbefohlenen fürs Leben dankbar aufgreifen muß. Gerade heute, wo wir Juden uns eng zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen haben, muß dem jungen Menschen klar gemacht werden, daß diese Gemeinschaft durch keinerlei Eigenbröteleien und keinerlei Egoismus zerstört werden darf- Es wäre natürlich übertrieben, wenn man das Verhalten des Knaben-im Spiel zum Maßstab für einen späteren Gemeinschäftsinn machen wollte. Aber das Spiel, insbesondere das Parteispiel, ist eine gute Vorbereitung hierzu und nirgends liegen Freude und Erziehungsgedanke so nahe beisammen dls gerade hier. Man könnte die Beweise, daß der Turnunterricht ein Erziehungsfach bildet, noch um beliebig viele vermehren. Es mögen jedoch diese kurzen Beispiele genügen. Erwähnen möchte ich noch, daß eben deshalb, weil das Turnen ein zweifaches Ziel im Auge hat, kein fester Plan für die Gestaltung einer Turnstunde aufgestellt werden kann. Wenn auch der äußere Rahmen festliegt, so bleibt doch der schöpferischen Arbeit des Lehrers überlassen, das Bild einer Stunde nach seinem Gutdünken zu gestalten. Gewarnt sei nur, genau wie in der Schularbeit, vor dem Vielerlei. Das Vielerlei mag wohl körperliche Vorteile haben, allein zu sicherem Können und zu Leistungen, die auch seelisch-geistige Wirkungen ausüben, führt es nicht und damit wäre eine Hauptaufgabe des Turnunterrichts unerfüllt. Grau, teurer Freund, ist alle Theorie____ Ein Kollege aus einer Großstadt schreibt: Ssiddur-Stunde. Mit-etwa 60 zwölfjährigen Knaben. Ich lasse die Bücher vornehmen und aufschlagen. Ein Blick durch die Klasse: kaum die Hälfte der Schüler hat einen Ssiddun vor sich liegen. Ich frage nach den Gründen. Eine Anzahl der Knaben erklärt mir, in ihrem Hause gäbe es keinen Ssiddur. Andere behaupten, der Vater besitze zwar einen, aber, er wolle ihn nicht mitgeben, weil er fürchtet, er könne beschädigt werden. Ich veranlasse, daß sich zwei oder gar drei Knaben zusammentun und in einem Buch mitarbeiten. Dann will ich beginnen lassen. Doch da recken sich die Finger hoch, und mir wird zugerufen: Wir finden nicht; wo wir halten. Ich nenne die Seitenzahl. Es hilft .nichts, weil die Schüler das Buch in mannigfachen Ausgaben besitzen. So eile ich von Bank zu Bank und helfe aufschlagen. Mittlerweile ist eine ge¬ Seite 5 räume Zeit der Stunde vergangen. Endlich wird begonnen. Ernst Sch. lies vor! Es gelingt ihm nicht, die Buchstaben zu Wörtern zusammenzufügen. Er ist erst vor wenigen Wochen aus einer andern Schule zu uns gekommen und hat bisher kein Hebräisch gelernt. Also ein anderer; Felix L. Ein kleiner fixer Kerl, der täglich zum Cheder geht und schon Chumesch mit Raschi gelernt hat. Ihm fließen die Sätze leicht von den Lippen, und auch die Uebertragung des Textes in die deutsche Sprache macht keine besondern Schwierigkeiten. Weiter Max G.! Max sucht mühselig die Stelle auf, an der wir halten; indes bringt ers nicht über ein holpriges Lesen von Wörtern hinaus, weil er, das Kind einer Mischehe, zu Hause nie angehalten wurde, Hebräisch zu lernen, weil die Eltern und so auch er diesem Unterrichtsfach geradezu feindselig gegenüberstehen. Ich lasse seinen Nachbarn weiterlesen. Auch er kann nicht fließend lesen- Er ist einer derjenigen Schüler, die schon öfter zurückversetzt worden sind, weil seine allgemeinen Leistungen nicht ausreichten. Auch fürs Hebräische fehlt ihm das Interesse, und so nehme ich einen andern Knaben dran. Fritz B. liest zufriedenstellend, aber das Uebersetzen ist unzureichend. Der Junge ist willlig und eifrig, aber es will noch nicht so recht. Er wirds schon scharfen. Neben ihm sitzt ein Adventist, der nicht mitzuarbeiten braucht. Er wird schriftlich beschäftigt, läßt aber keine Gelegenheit vorübergehen, ohne mit den Nachbarn zu schwatzen. Eine Anzahl der Knaben gehört einem Bunde an, in dem sich das Hebräische keines Ansehens erfreut, und deutlich merke ich die Abneigung gegen den Unterricht. Ich habe es nicht vermocht, sie durch Zureden und andre Beeinflussungsversuche zu beseitigen. Eine qualvolle Stunde läuft vorüber, ausgefüllt durch nervöse' Unruhe einer höchst ungleichartig durchgebildeten Klasse, durch Versuche, technischer Unzulänglichkeiten Herr zu werden und durch ein, ach, schmales Quantum positiv fördernder Arbeit. Bedrückt und unmutig schließe ich die Stunde. Ich erwäge die Möglichkeiten, Mängel abzustellen. Es gibt einige, aber nicht genug, aller Widerstände Herr zu werden. Daheim finde ich eine Zeitung und darin eine große Abhandlung über Ziel und Methode des hebräischen Unterrichts. Was wird gefordert? Tenach, Ssiddur, leichtere Kommentare, etwas Grammatik und noch manch andres. Ich sehe die Klasse vor mir: die Hälfte der Kinder hat nicht das Geld, die erforderlichen Bücher zu kaufen, die Hälfte nicht den Wunsch, Hebräisch zu lernen und gar viele haben nicht die Kraft, "eine Stunde in innrer und äußrer Sammlung mitzuarbeiten. Tenach, Ssiddur und Kommentare! . . . Mitteilung! Bitte geben Sie dieses Blatt, wenn Sie es gelesen haben, an diejenigen Interessenten weiter, die ebenfalls für den Bezug der Jüdischen Schulzeitung in Frage kommen. Die Bestellung kann durch Einschicken des untenstehenden Bestellscheines bewirkt werden. Mit bestem Dank! Der Verlag. An den Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich Imal erscheinende (Datum) Verlagsort: Mannheim 2 Das Bezuesgeld von vierteljährlich 45 Pfg zuzüglich 6 Pfg. Postzusteil gebühren bitte ich du»-ch den Postboten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders Vor« u. 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