Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Sphulzeitung Nummer 3 setzesschreiber und Schriftsteller, den Uebersetzer und, Erklärer, als den Lebendigmächer und Bewahrer, der es verstand, Israel zu erhalten ohne eigenes Land, ohne Zentralheiligtum, lediglich durch das Buch der Weisung, gegeben der Gemeinschaft und dem Einzelnen. — Handelte es sich bei den klaren und lebendigen Darstellungen Rabb. Dr. Hahns um die wissenschaftliche Forderung in der Lehrerfortbildung, so führte Dir. Klibanskys Arbeitsgemeinschaft über „Synoptischen Aufbau des Geschichtsunterrichts in der Schule" in die methodisch-pädagogische Sphäre. Seine Hauptforderungen bestanden darin, in der Volksschule Geschichte des Altertums zu geben, vor allem aber jüdische Geschichte in den Kreis aller Weltgeschichte einzubeziehen, ihr keinen gesonderten Platz mehr einzuräumen. Er stellte einen vollkommenen Lehrplan auf mit prägnantem Beispiel und Vergleich. Die Diskussion, sehr lebhaft, erging sich in Für und Wider, erwog die technischen und zeitlichen Möglichkeiten für einen derartigen Unterricht, die Frage der Wertung, des etwaigen Zerfallens des jüdischen Geschichtsbildes beim Einbau in historische Vorgänge, deren Zentrum ein anderes ist als das jüdisch-historische. Besonderen Anklang fand das Thema Frau Prof. Dr. Selma Meyer-Düsseldorf, „Besonderheiten der geistigen, seelischen und körperlichen Veranlagung unserer Kinder". Sie behandelte sehr erschöpfend das Beobachtungsmaterial und die Erziehungsarbeit: Erbgut, Umgebungseinflüsse, Phantasieleben, Verhalten in gesunden und kranken Tagen, Pubertätszeit, Einfluß der Bünde — Begriffe, die durch Beispiele belegt, sich zum Ganzen verknüpften; viel Praktisches in bezug auf körperliche und psychische Erziehung und Beeinflussung würde gegeben, Fehler der Pädagogen in Elternhaus und Schule wurden aufgezeigt-— Ueber die „Methodik des hebräischen Unterrichts" sprach Dr. Kurt Lewy-Köln. Seine Ausführungen beschäftigten sich mit allgemeinen Fragen der Methodik und Didaktik und mit dem Bildungsziel und gipfelten in dem Gedanken, daß das immer wiederkehrende Erlebnis der Sprache Neugeburt der Kultur sei. So motiviert er den Unterschied im Unterricht des * Hebräischen und moderner Sprachen. Unter größtmöglicher Zurückstellung der Grammatik will er die Sprache aus ihrem Geist, aus alter und neuer Literatur heraus an den Schüler heranbringen, die Interpretation soll möglichst in hebräischer Sprache gegeben werden, wenn auch das Ziel nicht unbedingt vollkommenes hebräisches Sprechen heißt. Optisches und akustisches Erfassen sind eine Notwendigkeit. Auch Dr. Lew3's Ausführungen riefen lebhafte Diskussion hervor, die sich vor allem mit noch nicht zu übersehenden Problemen beschäftigte: Hebräischer Unterricht der Schüler in nichtjüdischen Schulen — zu kleine Stundenzahl in den öffentlichen Volksschulen — Verständnis beim Gottesdienst. In die Praxis des Hebräischen führte Dir. Klibanskys Arbeitsgemeinschaft über Bialiks Gedicht „Segen des Volkes". Sie läßt sich im kurzen Bericht nicht wiedergeben. Alle Belege aus der Bibel wurden gemeinsam gesucht, zuletzt die Uebersetzung gegeben. Ob diese Art der Besprechung schon an die jungen Volksschüler herangetragen werden kann, ist zu erwägen, doch kam es Dir. KHbansky wohl in erster Linie darauf an, in Bialiks Gedanken- und Geisteswelt einzuführen und das dürfte gelungen sein. — Stud.-Dir. Dr. Fritz Steinthal behandelte das Thema „Jüdischer Stoff im Deutsch-Unterricht der Volksschule"- Einleitend betonte er, daß die Aufgabe des Deutsch-Unterrichtes immer noch das Deutsche sei, daß aber weitgehend der Willigkeit und größeren Aufnahmefähigkeit der Schüler für jüdische Stoffe Rechnung getragen werden müsse. Die. Frage Lesebuch-Lesebogen wurde erörtert, ferner jüdische Märchen- und Legendensammlungen, Psalmübertragung, jüdischer Stoff in der allgemeinen Literatur, Sprechchor. Zu diesem Referat nahm auch Dr. Leschnitzer, der Schulreferent der Reichsvertretung, der zum 3. Tag der Veranstaltung gekommen war, das Wort, auch allgemeine pädagogische Forderungen der Zeit betonend. Einen der Höhepunkte der Tagung büdete das Referat Dr. Fritz Bambergers über Maimonides, das der Vortragende weniger auf die Schularbeit als auf die Erwachsenenbildung hin« zielend durch den Lehrer gewertet wissen wollte. Sehr klar, herausgearbeitet wurde der-Versuch des Rambam, den Gehalt des Judentums darzustellen mit Mitteln, die dem Judentum bis dahin fremd waren, — den Versuch der Anwendung aristotelischen Gedankengutes als Beweis für jüdische Inhalte — die Abgrenzung jüdischer gegen andere Philosophie — die Bedeutung der Mischne Torah als Kodification des halachischen Systems — in kurzen Worten: ein prägnantes Bild des Philosophen und eigene Wege gehenden Gesetzauslegers Maimonides — Bild, das besser und eingehender wiederzugeben die:" Kürze eines Zeitungsberichtes. leider nicht zuläßt In seinen Schlußworten sprach Rektor Buchheim über das Ergebnis der Tagung. Vieles sei gelernt worden, manches aber auch nicht anwendbar auf die Volksschule; es sei daher wohl für die Zukunft eine berechtigte Forderung, auch die Stimme des Volksschullehrers zu hören, der am besten die Nöte und Wünsche der Volksschule kenne, auch Referenten zu wählen, die aus der Arbeit dieser Schulgattung kommen, für deren Fortkommen der Lehrerverein immer gearbeitet habe. Dennoch* führte er weiter aus, haben alle Teilnehmer der Tagung, Akademiker und Seminariker gegeben und empfangen, der Zusammenschluß aller Lehrenden ist heute notwendiger als je, Weiterarbeit an den hier aufgegebenen Problemen in kleinen Arbeitsgemeinschaften Selbstverständlichkeit. Er dankt dem Landesverband, der Gemeinde Essen für ihre Großzügigkeit im Bereitstellen der schönen Räume des Jugendheims, in Unberbringungsmöglichkeit und Verpflegung der Teilnehmer, dankt vor allem Dr. Bamberger, dem geschickten, alle Diskussionsschwierigkeiten überbrückenden Leiter. Dr. Hahn erklärt, viel auf der Tagung gelernt zu haben und verspricht sein Eintreten für Zusammenarbeit der Rabbiner und der Lehrerschaft Dr. Bamberger dankte den Teilnehmern und will veranlassen, daß in Zukunft den Wünschen der Lehrerschaft Rechnung getragen werde. Rückblickend darf wohl gesagt werden, daß diese von andern sich unterscheidende Tagung im ganzen geglückt ist daß vieles mit heimgenommen wurde, Wurzel zu schlagen und Früchte zu tragen- Cilli Marx. * Jahresbericht der Wissenschaftl. Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin Die Arbeit der W.V. stand im letzten Jahre ganz im Zeichen der Zeit mit ihren neuen Problemen und ihren, neuen Aufgaben. So traten im Gegensatz zu früher innerhalb der Referate die rein wissenschaftlichen Fragen und die des. Religionsunterrichtes zurück hinter die, die die neue jüdische Schule und die neue Lehrerschaft, die sich zur Mitarbeit bereitfindet, aufgeworfen haben. Mit einem Referat von Frau Schiratzki über die von der Reichsvertretung herausgegebenen Richtlinien begann die diesjährige Arbeit. Ihr folgten: Dr. Fritz Friedländer über den „Geschichtsunterricht in der jüdischen Schule", Frl. Dr. Rosenthal über „Die biologischen Grundlagen der Rassentheorie", Herr Michael Abraham über „Neuere Lehrbücher des Hebräischen". Neben die Auseinandersetzung mit den einzelnen Fachgebieten der jüdischen Schule traten die Standesfragen der jüdischen Lehrerschaft. Herr Rektor Reschke referierte über die „Besoldungs- und Anstellungsverhältnisse der jüdischen Lehrerschaft Berlins". Auch hier sind durch die neuen Verhältnisse, durch die Uebernahme eines großen Teils der Lehrerschaft von den allgemeinen Schulen in den jüdischen Schuldienst ganz neue Arbeitsgebiete für die W.V. erstanden. Last notdeast befaßten wir uns mit rein psychologischen Fragen, die wiederum durch die neue jüdische Schule in den Vordergrund des Interesses gerückt sind. Ein Abend war der Frage von „Schule und Bund" gewidmet, und an einem andern referierte Herr Dr. Bein über „Das schwer erziehbare Kind." Von den Kommissionen trat nur die sogen. „Schwer-Kommission" — für Schulpolitik, Wirtschafts- und Rechtsfragen — in Aktion. In Gemeinschaft mit dem Vorstand wurde ein Me-: