Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2825247-2825355-2825358--0955-2826605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer 3 Rückverweisungen zu verwickelt ist, und daß sie nicht genügend das unbedingt Nötige von dem übrigen scheidet. Der Hinweis Goldmanns, daß mit der Bezeichnung der Konsonanten des ehemals allgemeinen Musterwortes ^ys auch irgendwelche beliebigen Konsonanten gemeint seien, z. B. x, y, z, ist für „gebildete" Menschen ganz gut und reicht auch hin. Ueberflüssig aber und verwirrend (mehr nur eine Spielerei) ist es, später neben die Formen seines Musterwortes nps auch solche mit x, y, z tätsächlich zu setzen. Die Texte bis zur 26. Uebung sind Einzelsätze, die sich aber je um ein Thema gruppieren, wie z. B. „Die Farben", „Der Garten", „Der Wald", „Der Bauer", „Der Handwerker".. „Die Kleidungsstücke". Von da ab bilden zumeist recht nette und humorvolle oder witzige Erzählungen und einige Midraschim den Ausgangspunkt. Das Jüdisch-Religiöse ist — ich sage leider — nur durch 5 Stücke aus der Bibel vertreten- „Palästinensisches" kommt nur einige wenige Male zu Wort. Auch das bekundet, was der Verfasser selbst in seiner Vorrede betont, daß das Buch zwar jetzt erst erschienen, aber unabhängig von den gegenwärtigen Zeitläuften entstanden ist. Ein zusammenfassendes Vokabularium besitzt das Buch leider nicht, dafür aber am Schlüsse grammatische Tabellen in einer Anzahl, Uebersichtlichkeit und Vollständigkeit der Formen, wie ich ihresgleichen noch nirgends sonst gefunden habe. (Diese Tabellen sind auch besonders zum Preise von 1.50 RM zu haben.) Das Neue und für dieses Buch Charakteristische ist die Umschreibung der hebräischen Texte, Vokabeln, grammatischen Beispiele und Formenreihen in lateinischer Schrift (natürlich in s'phardischer Aussprache). Der Verfasser legt mit Recht großen Wert auf korrektes Lesen und eine gute Aussprache. Durch die Umschreibung, die ja im wesentlichen nur der Kontrolle beim Lesen dienen kann, sollte, wie Dr. Goldmann sagt, dem unkundigen Anfänger das sinnlose Silbenklauben erspart bleiben. Der Verfasser muß aber wohl dem Lernenden außerordentlich wenig zutrauen, da er die Umschreibung erstaunlich weit fortsetzt und erst auf Seite 188 (!) ganz damit aufhört. Das ist entschieden des Guten zu reichlich. Ein Aehnliches zeigt sich bei der immer erneuten. Wiedergabe gleicher Bildungen, z. B. des Partizipiums in Einzahl und Mehrzahl und beiden Geschlechtern. Er begnügt sich micht mit einigen Beispielen der fraglichen Art und fordert dann etwa die mündliche oder schriftliche Nachbildung an anderen Stämmen, sondern er gibt alle Formen immer wieder in hebräischer und in Umschrift. Ich glaube, aus pädagogischen Gründen hätte er sparsamer verfahren sollen, aber auch aus ökonomischen. Entweder konnte dann das Buch billiger zu stehen kommen (es kostet 7.50 RM), oder es hätten noch mehr Texte und auch mehr deutsche Uebersetzungen Platz finden können, denn diese müssen so zahlreich wie möglich sein, wenn das Ziel verfolgt wird und erreicht werden soll, die hebräische Sprache auch gebrauchen zu können. Ein bedauerlicher Uebelstand an diesem im ganzen vortrefflichen Buche darf nicht unerwähnt bleiben: das ist die seltsame Anordnung in vielen Vokabelstücken. Es ist unfaßbar, nach welchen Gesichtspunkten sie getroffen worden ist; als zwei Beispiele seien angegeben: Uebung 23 Seite 70 und Uebung 87 Seite 177- Die Heraushebung von gewissem Gleichartigem, etwa der Verben oder bestimmter Verbformen, soll nicht beanstandet werden, wiewohl auch dies das Zurechtfinden in den Vokabeln erschwert. In Wirklichkeit gibt es aber doch nur eine brauchbare Anordnung: das ist diejenige, die dem Wortlaut des Textes folgt. Die Freude an dem schönen Buche wird eine ungetrübte sein, wenn in einer gewiß zu erwartenden Neuauflage dieses Manko beseitigt sein wird. Die Art der Umschreibung überhaupt ist ein Kapitel für sich. Desgleichen ist Dr. Goldmanns Versuch zur Vereinfachung der hebräischen Punktierung wichtig genug, um gesondert betrachtet und erwogen zu werden. Dies soll in einem Artikel geschehen, der aus der Prüfung der neueren Lehrbücher Erkenntnisse und Folgerungen ziehen will. 9. Ein wertvolles Büchlein ist B a r u c ti K r u p it i k s „H e b r ä i s c h e P h r a s e o 1 o g i e", enthaltend 3000 Redewendungen deutsch-hebräisch und hebräisch-deutsch. (Verlag Rubin Maß, Berlin, 1932, 1.50 RM.) Wir haben in ihm einen pi aktischen Ratgeber in einer stattlichen Zahl von Fällen für korrekten, wirklich hebräischen Ausdruck. Beim Studium dieses Werkchens merkt man so recht, wie schwer es ist, deutsch gedachte Gedanken, deutsch gesehene Bilder sinngemäß und doch auch der fremden, hier der'hebräischen Sprache geistgemäß wiederzugeben und umgekehrt. Einige Beispiele mögen es zeigen. Wie heißt: „Er ist im Nachteil" ( nainnnnSyrp ). „Um Haupteslänge" ( ntyoi ic^tro. )...Darüber und über einige tausend andere Fälle gibt die „Phraseologie" Auskunft, sagt auch z. B.: wie deutsch zu übersetzen ist: waS ms . nämlich: „Er hat sein Testament gemacht"W?2 wsSs oder vvnSj „Meine Geduld ist zu Ende." Leider findet man aber nicht oder habe ich wenigstens nicht gefunden, wie ich diese beiden letzten Phrasen hebräisch auszudrücken hätte, wenn ich es nicht wüßte oder ganz zufällig im hebräischdeutschen Teil fände, wo ich es natürlich gar nicht suchen würde, das soll heißen: daß der Verfasser wohl in den meisten Fällen, aber nicht immer dieselbe Phrase sowohl im hebräischen wie auch im deutschen Teil verzeichnet hat. Ich möchte meinen: es wäre besser gewesen, den hebräisch-deutschen Teil ganz wegzulassen, weil in dieser Hinsicht die Lehr- und Wörterbücher schon genügend helfen, dafür aber die Redewendungen deutsch-hebräisch zu verdoppeln, wofür ein starkes Bedürfnis vorhanden ist. Das hätte eine sehr verdienstliche Arbeit noch nützlicher gestaltet. Leicht zu handhaben ist sie und bietet eine schnelle Hilfe. Sie ist aber und will natürlich auch kein Ersatz sein für das ungleich umfassendere und kompliziertere, dem im Hebräischen nicht total Sicheren ganz unentbehrliche „Deutsch-hebräische Wörterbuch von Laser und Torczyner, das jetzt zu dem eher erschwinglichen Preise von 7.50 RM zu erlangen ist (gegen 11.25 RM früher). 10. Ein vollständiges Unterrichtswerk, das in einzelnen Teilen auch uns Lehrern hier in Deutschland wohl zu nützen vermag, baut Lewi Wiener in Warschau auf. Folgende Bücher liegen bereits vor: inhi nan Teil 1 und 2, pnpw rvtrx-i ferner — und davon soll hier die Rede sein — w-ixi2^ nnn? Teil 1 und 2 und hs^n n^iy vis A. o'tna'? nhay (88 Seiten, 1.65 RM) also: Hebräisch für Reife. Soll es bedeuten: für reifere Schüler, etwa vom 5. Schuljahr an? Teil I ist in konsequnter Weise ohne Sprünge langsam ansteigend aufgebaut. Von Uebung 9 an steht schon eine Erzählung im Mittelpunkt. Wo es nötig schien, wurden unbekannte Worte durch bekannte leichtere in Klammern verständlich gemacht. Die Grammatik wird auf sinnvolle Art in außerordentlich vielfachen Wendungen, auch in Form von Fragen und Antworten, zur Erkenntnis gebracht und eingeprägt. Die gut gewählten oder erdachten Erzählungen haben, zumeist, was ja so sehr wünschenswert ist, jüdisches Gepräge. Das für uns besonders Wertvolle an dem Buche ist die große Fülle von Fragen, die jede Uebung beschließen und meist auch schon durchziehen. An diesem Buche kann der noch tastende und unsichere Lehrer lernen, Fragen zu bilden und Fragen zu stellen- Wiener beweist an mehreren Geschichten, die man sonst vielleicht für diese Stufe als zu hoch ansehen würde, die Kunst, in kindertümlicher und einfachster Diktion zu erzählen; als Beispiele seien angeführt: Rabbi Akiba, Hanna und ihre sieben Söhne. Angeschlossen an die Lektionen sind häufig schöne Sprichwörter und Aussprüche, die allerdings an dieser Stelle ihren Platz nicht deswegen gefunden haben, weil ihr Inhalt in einer Beziehung zum Texte steht, sondern weil sie nun keine grammatische Schwierigkeit mehr bieten.