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Jüdische Schulzeitung · 1935-03-01 · 3 (1.3.1935) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
3 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Sc hui zeit ung Nummer» 3 ren bewährt hat; wir vertrauen auch auf unsere Führung trotz der Mängel, die zuweilen dort zutage treten, wo es sich um die Zusammenarbeit mit uns Lehrern handelt, und über die auf unserer Verbandstagung mit aller Offenheit gesprochen wurde. * Einen erfreulichen Aspekt bietet die Arbeit an und in der jüdischen Schule dar. Nicht nur in den engeren Fachkreisen hat man nach einer dem Zeitcharakter angemessenen Bestimmung des Bildungsziels gesucht, sondern auch in dem weiteren Bereich all derer, die das geistige Leben unserer Gemeinschaft zu verwalten und zu fördern berufen sind. Die jüdische Presse aller Richtungen hat entweder in Sonderbeilagen oder innerhalb des üblichen redaktionellen Raumes Fachleuten und Laien das Wort zu pädagogischen Erörterungen gegeben, und es darf gerade in unserem Blatt festgestellt werden, daß die jüdische Schule zu einem Lieblingskind geworden ist, um dessen Gedeihen sich die besten Kräfte mühen. Nehmen wir hinzu die emsige Arbeit, die in Fortbildungskursen der Lehrerschaft selber geleistet worden ist, so ergibt sich ein überaus lebendiges Streben, die Erziehungs bemühungen in neuartiger Weise zu fundieren. Dabei verschlägt es nichts, wenn eine Einigung im Theoretischen bisher nicht erzielt wurde. Obgleich es, wie überall und in jeder spannungsreichen Zeit, nicht an Ueberspitzungen gefehlt hat, erwiesen sich die, Auseinandersetzungen dennoch ah' fruchtbar. Sie brachten es zuwege, der Schularbeit neue kräftige Impulse zu geben. Daß die Bäume unentwegter Verfechter einseitiger Zielsetzungen nicht in den Himmel wuchsen, dafür sorgte der unerbittliche Ausgleicher, die tägliche Kleinarbeit in der Schulstube. Wer etwa eine hundertprozentige „Judaisierung" der Kinder und damit die Bewältigung eines erheblichen hebräischen Schrifttums forderte, der sah seine Träume verfliegen, wenn er vor die Klasse hintrat und auf die Widerstände stieß, die ihm in eiserner Härte entgegenstarrten. Und wer sich einer Erziehungs- und Unterrichtsmethode verschrieb, die das Gegenbild erstrebte, den lehrte die politische Entwicklung und der Gestaltwandel im innerjüdischen Bezirk sehr rasch, auf die immer noch goldene Mittellinie hinzutreten und das zu tun, was der Tag erfordert. So ist die Lehrerschaft allmählich in einen Aufgabenbereich hineingewachsen, wie er unkomplizierter, klarer und durchschaubarer nie gewesen ist. Das gilt ungeachtet der Problematik, in die hinein die Beziehungen jüdischer Menschen zu deutscher Kultur und zur Gegenwart des deutschen Volkes gestellt wurden. Wie labil auch immer die Haltung sein mag, die den Einzelnen hier besehwert, so treffsicher ist dennoch der Instinkt, die Stimme des Herzens, das Gefühl für die rechte Form, für das Schickliche, die uns schließlich entscheiden lassen, auf welche Weise wir die Lösung des Zwiespaltes finden können. So wird des Tages Arbeit Schüler und Lehrer am Ende ganz von selbst ins rechte Geleise bringen, dorthin, wohin die Richtlinien der Reichsvertretung in ihrem besonnenen Maßhalten sie zu führen beabsichtigten. *' Nach wie vor ungelöst ist die drängende Frage der Schulbücher. Sowohl die für den spezifisch jüdischen als auch die für den allgemeinen Unterricht bedürfen der Neugestaltung. Es bleibe einer späteren Betrachtung vorbehalten, über die Notwendigkeit der Umgestaltung jüdischer Lernmittel zu sprechen. Heute möchten wir uns darauf beschränken, ein Wort zur Schaffung neuer Bücher für den außerjüdischen Unterricht zu sagen. Wir haben uns schon mehrfach der Ansicht unserer Verbandsleiüung angeschlossen, es müsse in dieser Zeit jede Kraftzersplitterung vermieden werden. Das ist deshalb notwendig, weil einfach die verlegerischen Voraussetzungen zu einer Vielfalt des Lernmaterials fehlen. Wenn Hunderttausende von Schülern aufnahmebereit hinter den Herausgebern und Verlegern von Büchern stehen, '■also im großen Ganzen der deutschen Schule, da dürfen die schaffensbeflissenen Autoren in freien Wettbewerb treten, namentlich dann, wenn die Behörde ihre absatzsichernde Hand über sie hält- Wenn aber, wie im jüdischen Schulwerk, der Abnehmerkreis in seinem genau abmeßbaren Umfang beschränkt ist, da ist es unsinnig und unökonomisch, dem Trieb zur Bearbeitung bestimmter Werke nachzugeben, wenn nicht feststeht, daß sie auch den erwünschten Absatz finden. Keinem geistig schaffenden Menschen sei das Recht bestritten, ein ihm Höhendes Gebiet zu bearbeiten. Wir wünschen nicht, daß irgendeine Instanz das Monopol für Schulbücher besitze, und daß unter Umständen wertvolle Arbeiten nicht zur Wirkung kommen. Wohl aber empfehlen wir nachdrücklich, einem Modus zuzustreben, der wirklich das Gute an den ihm gebührenden Platz bringt. Der Lehrerverband hat in klarer Erkenntnis der Sachlage auf seiner Tagung Ausschüsse zur Prüfung von Lesewerken gebildet. Er allein, so scheint es uns, ist in der Lage, all das in die Wege zu leiten, was zur Sicherung des Absatzes von Schulbüchern erforderlich ist. Er wird es können, wenn alle Disziplin wahren und sich mit ihm ins Benehmen setzen, bevor sie ein Manuskript zum. Druck geben. Mit Hilfe der Reichsvertretung ist ja nun versucht worden, geeignete Lesebogen herauszubringen. Es sind bisher im Schocken-.Verlag vier Hefte erschienen, drei mit ausgewählten Geschichten aus den Sammlungen Micha Josef bin G o r i o n s und eines „Der Freiheitskampf der Makkabäer" aus dem 1. Makkabäerbuch, übertragen von Felix Grajew. Als Herausgeber aller Hefte zeichnete Studienrat Dr. Adolf Lesehnitzer. Neu hinzukommen wird in diesen Wochen ein Heft über Rambams Leben, eingeleitet von Ismar El bogen. So wertvoll auch diese Sammlung ist, so trifft sie, darauf hat Dr. Stern auf der Verbandstagung hingewiesen, doch nicht das, was der Schule nottut. Man lese die Richtlinien an anderer Stelle dieser Nummer unseres Blattes, und man wird sehen, wie auch nach unserer Auffassung jüdische Lesehefte bearbeitet sein müßten. Es genügt keineswegs, der Volksschule, und auf sie kommt es im wesentlichen an, Ganzschriften zu geben, sie bedarf weit mehr einer Sammlung charakteristischer Stücke aus Werken jüdischer und nichtjüdischer Autoren, mit jüdischem und nichtjüdischem Inhalt. Es ist uns bekannt, daß die Wissenschaftliche Lehrervereinigung in Berlin eine derartige Sammlung vorbereitet. Wer das alte, aber namentlich das moderne Schrifttum kennt, möge nicht versäumen, geeignetes Material , dort vorzulegen. Das geplante Werk kann dadurch nur gefördert werden- Die Frage, ob ein Stück Prosa, ein Gedicht, der Aufzug eines Schauspiels geeignet sind, entscheidet am sichersten — die Klassengemeinschaft, also der Lehrer und die Schüler, für die ein Stoff bestimmt ist. Das Votum für oder gegen die Aufnahme ins Schulbuch ist überraschend einhellig, wenn ein Stück vom Lehrer in der Klasse vorgelesen wird. Der Grad der innern Anteilnahme läßt sich ausgezeichnet ablesen, wenn der Lehrer während der Lektüre mehrfach flüchtig die Gesichter der Schüler betrachtet, und kein Urteil verhindert die Aufnahme ungeeigneter Stücke so sicher wie das Unausgesprochene einer lauschend zugewandten oder gelangweilt abgescheuchten Schülergemeinschaft. Es darf in diesem Zusammenhang auf die Notiz verwiesen werden, die. die Leser weiter unten finden und die eine Gedichtsammlung betrifft, die demnächst erscheinen wird. Die Bearbeiter sind seit Jahren literarisch erfolgreich tätig; ihr Werk ist auch fürs Haus bestimmt, und es fällt deshalb aus dem Rahmen dessen heraus, was wir hier zum Gegenstand längerer Ausführungen gemacht haben. Die Frage Lesehefte oder ein umfassendes Lesebuch für jüdische Schulen kann hier nur kurz gestreift werden— sie bedarf noch einer weiteren gründlichen Prüfung. Immerhin darf der Meinung Ausdruck gegeben werden, daß das vollkommenere Lernmittel ein sorgfältig durchgearbeitetes,, gediegen ausgestattetes Lesebuch wäre, trotz der Unmöglichkeit, ihm den pädagogisch wichtigen Charakter eines aus der engsten Heimat Herausgewachsenen Buches zu verleihen. Wir möchten anregen, auch hier vom Verbände aus einen Ausschuß zu bestimmen, der die erforderlichen Vorarbeiten zit leisten hätte.

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