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Jüdische Schulzeitung · 1935-02-01 · 2 (1.2.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
2 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nuitmfer'2 j üdisehe Schul zeitung Seite 3 „Die jüdische Lehrerschaft hat & Zt. mit tiefem Bedauern feststellen müssen, daß sie bei der Bildung des Beirats der Reichsvertretung der deutschen Juden übergangen 1 wurde. Obwohl in einer späteren Aussprache eine führende Persönlichkeit der Reichsvertretung dem Vorsitzenden des Lehrerverbandes gegenüber diese Ignorierung als ein Versehen bedauert hat, zeigt die neuerliche Ergänzung des „Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" auf achtzehn Persönlichkeiten dasselbe „Versehen" zum zweiten Male, obgleich ausdrücklich eine „stärkere zentrale Einflußnahme auf die jüdische Schulentwicklung" durch den Ausschuß in Aussicht genommen ist. Der Reichsverband der jüdischen Lehrervereine protestiert gegen diese Beiseiteschiebung durch die repräsentative Vertretung der deutschen Juden und fordert die selbstverständliche Beachtung, die der Lehrerschaft in Ansehung ihrer Stellung in der deutschen Judenheit und im Hinblick auf die Bedeutung der Schul- und Er- . Ziehungsfragen gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt und im Arbeitsbereich der Reichsvertretung zukommt." Kollege Reschke - Berlin, der seit dem 1. Februar vertretungsweise die Geschäfte des Verbandes und der Hilfskasse führt, erstattet den Kassenbericht- Es wird ihm Ent-. lastung erteilt. Die Hilfskasse, so legt Reschke dar, hat in den sieben Jahren ihres Bestehens 11 000 RM an Beihilfen gewährt, abgesehen von den Darlehen. Die Vereinsvorsitzenden müssen sorgfältige Mitgliederlisten mit genauer Angabe der voll-, halb- und nichtzahlenden Kollegen einsenden, die Beitragsleistung muß pünktlicher erfolgen. Schlesien hat einen Antrag auf Herabsetzung der Beiträge eingereicht. Nach einer eingehenden Aussprache über die Leistungen der Kasse und über die Schwierigkeiten bei der Einziehung der Beiträge, an der sich die Kollegen J. B. Levy, Dr. Stern, Steinhardt, Jaffe, Abraham, Silberberg, Adler und Falkenstein beteiligen, wird folgender Beschluß gefaßt: „Die bisherige Beitragshöhe bleibt bestehen. Die Vereine sind ermächtigt, Ausnahmen bei der Festsetzung der Beiträge für pensionierte und nicht vollbeschäftigte Lehrer nach bestimmten Grundsätzen zu machen." Nach einer Mittagspause werden die Verhandlungen mit einem Referat des Kollegen Dr. Braun über die Jüdische Schulzeitung und über allgemeine Pressefragen wieder aufgenommen. Er führt etwa aus: Das Verhältnis zwischen Schriftleitung und Verlag ist gut. Trotz wiederholter Ermahnung beziehen viele Kollegen das Blatt nicht. Es wird versucht, die Schillzeitung auch über den Kreis der Volks- und Religionslehrerschäft hinaus zu verbreiten. Erforderlich ist es, daß die Lehrerschaft sich eifriger mitbemüht; das Blatt gediegen auszubauen. Da das Blatt nur einmal im Monat erscheint, ist die Schriftleitung dazu verurteilt, den sich rasch vollziehenden Ereignissen der Zeit nachzuhinken. Es muß versucht werden, die Schulzeitung zu einer 12- oder löseitigen Halbmonatsschrift umzugestalten- — Guttmann- Potsdam bringt folgenden Antrag ein: „Die Verbandsleitung muß Mittel und Wege suchen, damit die Stimme der Beamten wieder in der Oeffentlichkeit gehört werde." Steinhardt schlägt die Bildung einer Pressekommission vor, die in Frage kommendes Material bearbeiten und die allgemeine jüdische Presse aller Richtungen damit versorgen soll. J. B. L e v y regt an, die Schulzeitung regelmäßig an die Gemeindevorstände und -bibliotheken zu schicken. Nach weiteren Darlegungen, die das Für und Wider gegeneinander abwägen, wird folgender Beschluß gefaßt: „Der Verband übernimmt es, an ungefähr dreißig Groß- und Mittelgemeinden die Schulzeitung regelmäßig zu senden. Kollege Braun übernimmt es, die allgemeine Presse mit Material schulpolitischen und berufspolitischen Inhalts zu versehen." Steinhardt spricht nunmehr über die Frage der Lehrerbildung. Er gibt kurz die wesentlichen Punkte eines Memorandums "des erkrankten Kollegen K ü c h 1 e r - Berlin wieder: Viele Schulen sind neu gegründet worden, die Schülerzahl ist sehr angewachsen. Infolgedessen macht man sich falsche Vorstellungen über den Bedarf an Lehrernachwuchs. Durch die Auflösung vieler Schulen und durch den Abbau vieler Akademiker ist der Bedarf z. Zt. gedeckt. In wenigen Jahren werden die jüdischen Schulen durch Geburtenrückgang und Abwanderung stark entvölkert sein. Deshalb ist es nicht tunlich, Lehrer in großer Zahl auszubilden. Steinhardt meint, auch für Kultusbeamte liege demnächst kein Bedürfnis mehr in den Kleingemeinden vor; auch seien kaum noch Mittel vorhanden. Köln unterhalte eine Religionslehrerakademie, und viele Gemeinden seien dazu übergegangen, nicht vorgebildete Religionslehrer und Kantoren zu beschäftigen. Die Akademie in Berlin sei aus parteipolitischen Gründen ins Leben gerufen worden. Dr- Stern weist darauf hin, daß gegenwärtig tatsächlich ein Mangel an qualifizierten Lehrern herrsche. Dr. Bamberger -Nürnberg weist auf den günstigen Eindruck hin, den eine Kommission der Reichsvertretung bei einem Besuch des Würzburger Seminars erhalten habe. In dem prächtigen neuen Gebäude herrsche, so urteilte sie, ein durchaus moderner Geist, doch sei für die Art norddeutscher junger Menschen die Weise der Erziehung nicht annehmbar. In Würzburg werden alljährlich etwa 15 Schüler entlassen; indes lichteten sich die Reihen ganz von selbst, weil in Bayern die Ausbildung um ein Jahr verlängert werde. Dr. Gutmann - Berlin gibt einen Ueberblick über die augenblickliche Lage auf dem Gebiet der Lehrerbildung. Es sei gegenwärtig kaum ein Bedürfnis nach Lehrern vorhanden; die Erweiterung des jüdischen Schulwesens sei im großen und ganzen abgeschlossen; die Zukunft der Höheren jüdischen Schulen sei ungewiß. Er lege Wert auf eine religiös-liberale Erziehung innerhalb der Kreise, in denen sie den Auffassungen der Eltern entspreche. Es wird einstimmig die von Steinhardt eingebracht Entschließung angenommen : „Für die Gesamtbeurteilung der Frage der Ausbildung von Lehrern ist in Betracht zu ziehen: 1. Wenn auch z. Zt. durch das Wachstum und die Neuerrichtung vieler jüdischer Schulen ein gewisser Bedarf an Lehrern vorhanden ist, so kann dieser Bedarf doch zum großen Teil durch den Abbau vieler Volksschullehrer und Akademiker, sowie auch durch Junglehrer, gedeckt werden. 2. Innerhalb weniger Jahre wird unbestritten eine rapide Abnahme der Schülerzahl eintreten, wodurch eine Katastrophe innerhalb des Lehrerstandes zu befürchten ist, die nicht nur im Interesse des Standes, sondern auch in dem der Gemeinden und Gemeindeverbände vermieden werden muß. Der Reichsverband der jüdischen Lehrervereine fordert infolgedessen, daß die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen bis auf weiteres auf ein Mindestmaß beschränkt werde." Steinhardt verbreitet sich weiterhin über die Frage der Anstellungs- und Besoldung sverhäj 1tnisse- Es gebe viele Gemeinden, die sich das Ueberangebot an Lehrern zunutze machten und geringe Gehälter zahlten, auch wenn sie sehr wohl in der Lage seien, die Beamten besser zu besolden. Die Einforderung von Paßbildern und Gehaltsangaben bei Vakanzen sei des Lehrerstandes unwürdig. Berlin stelle gegenwärtig keine Lehrer, sondern nur Beamte an. Dr. Stern wendet sich ebenfalls gegen die vermeidbaren Mißstände bei Anstellung und Besoldung der Lehrer. Stiebe 1 - Berlin gibt ein Bild der Berliner Verhältnisse und teilt mit, daß zum 1. April eine größere Anzahl von Lehrern angestellt werden solle. Mannheim - Osterode bezeichnet es als bedenklich, daß unverheiratete und pensionierte Lehrer bei der Bewerbung um eine Stelle bevorzugt würden. J. B. L e v y - Frankfurt fordert, daß Lehrer in eine Pensionskasse eingekauft werden. Strauß- Offenbach warnt vor einer Ueberspannung des Prinzips, pensionierte Lehrer nicht mehr

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