Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2825247-2825355-2825356--0940-2826588- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer 1 Jüdische Schulzeitung Seite 15 an, bis zu seiner Pensionierung. Was er für beide Vereinigungen getan, können nur diejenigen ermessen, welche mit ihm gearbeitet haben. Kein Opfer war ihm zu groß. Auch als Mensch und Freund schätzen wir unsern Jubilar, wohl mit allen, die ihn kennen, sehr hoch. Mit seinem ruhigen, stillen Gemüte verstand er es, alle Gegensätze und Unebenheiten würdevoll auszugleichen. Deshalb verdanken wir schlesischen Lehrer ihm recht viel und bringen ihm an seinem 70. Geburtstage unsern besten und tiefgefühltesten Dank entgegen. Möge Gott unsern lieben Moops hoch viele Jahre frisch und gesund erhalten und möchte er die Früchte seiner segensreichen Wirksamkeit genießen. Ad meä w'esrim schanaü Falkenstein, Landeshut. Das Schulreferat der Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Auf Seite 7 der letzten Nummer der „Jüdischen Schulzeitung" unter „Randbemerkungen" ist KlQge darüber geführt worden, daß die öffentlichen jüdischen Volksschulen im ehemaligen Kurhessen von der Reichsvertretung ungenügend oder gar nicht betreut werden. Der Verfasser irrt sich, wenn er annimmt, daß die Reichsvertretung keinen Wert auf die Erhaltung dieser Schulen legt. Es mußte seinerzeit eine sorgfältige Abgrenzung der Kompetenzen geschaffen werden. Dabei ist bestimmt worden, daß die Schulabteilung der Reichsvertretung lediglich mehrklassige Schulen betreuen soll, daß dagegen die Sorge für die Erhaltung der einklassigen Volksschulen, deren Lehrer fast immer zugleich die Kultusbeamten der betreffenden Gemeinden sind, so wie bisher den in Betracht kommenden jüdischen Landesverbänden obliegt- Die Reichsyertretung hat gerade auch für diesen Zweck den notleidenden Landesverbänden im Rahmen des finanziell Möglichen gewisse Mittel zur Verfügung gestellt. Die Reichsvertretung verkennt keineswegs die außerordentlich schwierige kulturelle Situation der Kleingemeinden und fördert jede Unterstützung, die ihnen zuteil werden soll. Infolge der oben erwähnten Kompetenzenteilling ist sie jedoch nicht in der Lage, zu Einzelfällen Stellung zu nehmen, und besitzt keine Handhabe zu unmittelbarem Eingreifen. Ausbildung konservativer Religonslehrer Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, einen besonderen Kursus zur Erlangung der Befähigung, jüdischen Religionsunterricht zu erteilen, für konservative Bewerber einzurichten, falls eine genügend große Zahl von Anmeldungen erfolgt. Zur Teilnahme sind, ebenso wie an dem bereits bestehenden Kursus, nur solche Herren und Damen berechtigt, die eine staatliche Lehrerprüfung abgelegt haben. Der Kursus soll gegebenenfalls, ebenso wie der bereits laufende, in Berlin an zwei Nachmittagen pro Woche im Umfange von je zwei Doppelstunden stattfinden und zwei Jahre dauern. Anmeldungen konservativer Bewerber werden an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden erbeten. Elternschaft und Schule Der neue Erlaß des Reichserziehungsministers Durch Erlaß des Reichserziehungsministers wird die bisherige Einrichtung der Elternbeiräte an den öffentlichen Schulen beseitigt und durch die sog. Schulgemeinde, die gemeinschaftliche Zusammenfassung von Lehrern, Eltern und staatlicher Jugendbewegung unter autoritativer Führung des Schulleiters ersetzt. Während bisher aus der Mitte der Elternschaft durch Wahl die Mitglieder des Elternrates zu einer mit amtlichen Befugnissen ausgestatteten Körperschaft zusammengefaßt waren, wird nunmehr die „S c h u 1 g e m e i n d e" eingeführt. Ihr Führer ist der jeweilige Schulleiter. Er beruft zu seiner Unterstützung in der Schulgemeinde — je nach der Größe der Anstalt — 2 bis 5 „Jugendwalter" aus den Kreisen der Eltern und. Lehrer. - Begründet wird diese Maßnahme wie folgt: Wenngleich Elternhaus, Schule und Hitlerjugend, jede für sich, auch besondere Erziehungsaufgaben in eigener Verantwortlichkeit haben, so tragen doch alle gemeinsam die Verantwortung für das Gelingen des Gesamtwerkes der Erziehung, also auch für die Einrichtungen erziehlicher Art, an denen sie nicht unmittelbar beteiligt sind. Alles Mühen um das erieherische Wollen in den verschiedenen Gruppen der Erzieher erfüllt seinen Sinn doch nur dann, wenn es sich bewußt wird, daß es nur Teilschaffen im Gesamtjugenderziehungsplan des Staates ist. Wir werden auf diese Angelegenheit noch zurückkommen. Gründung der „Freien Vereinigung der Kölner jüdischen Lehrer und Lehrerinnen" In einer Arbeitsgemeinschaft mit Ernst Simon war jüngst der Wunsch nach Wiederzusammenschluß aller Kölner jüdischen Lehrenden laut geworden. Dieser Wunsch wurde in einer Versammlung verwirklicht, zu der Siegfried Braun auf Anregung der Religionsschulkommission der Gemeinde eingeladen hatte. In einem kurzen Referat versuchte der Einberufer die Gründe darzulegen, die einer dauerhaften Vereinigung der Kölner Lehrerschaft in früheren Zeiten entgegenstanden. Heute seien die Aussichten weit günstiger und so dürfe man zuversichtlich ans Werk gehen. Das Hauptgewicht müsse auf das Arbeiten und „Lernen" in der Gruppe gelegt werden-. Das sei deshalb möglich, weil geeignete Dozenten in hinreichender Anzahl zur Verfügung stünden. Nach eingehender Aussprache wurde die „Freie Verein'gung" gegründet und Direktor Dr. KHbansky zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Literarisches Max Brod: Heinrich Heine. E. P. Tai öl Co. Verlag, Wien. Es ist nicht überraschend, wenn jüdische Dichter heute ihre Blicke in die Vergangenheit zurückwenden und aus der Ueberfülle von Eindrücken heraus ihre Schau dessen noch einmal überprüfen, was einst gewesen- Heinrich Heine lebte in einem Zeitalter, da revolutionäre Bewegungen der europäischen Menschheit ein verändertes Gesicht gaben. Er lebte nicht passiv dahin, sondern er hat mit Leidenschaft in das Geschehen eingegriffen.. Er tat es aus dem Fundus seiner deutschen und jüdischen Herkunft heraus. Diesen Sachverhalt noch einmal gründlich herauszustellen, das oft von Vorurteilen verzerrte Bild Heines sine ira et studio vor den Leser hinzuzaubern, hat Max Brod in diesem fast 500 Seiten umfassenden Werk unternommen. Bei der Lektüre wird dem Heineverehrer — und es gibt deren viele — manch vertrautes Wort des Dichters in Erinnerung zurückgerufen. Aber so dünkt es, alles gewinnt jetzt einen besondern Inhalt, einen neuartigen Klang. Des Dichters Verhältnis zu Deutschland — leidenschaftliche Liebe, seine Stellung zur Revolution — aristokratische Ablehnung eines öden Gleichheitsideals, seine jüdische Seele und sein jüdisches Erbe-Leben und Werk entscheidend mitformend, so breitet Brod die Dokumente eines reichen Daseins vor uns aus. Und wenn es noch einmal an uns vorübergezogen ist wie das eines uns innig vertrauten Menschen, so schließen wir das Buch mit dem trostvollen Empfinden, daß Goethe recht habe, wenn er meint: „Dem tätigen Menschen kommt es darauf an, daß er das Rechte tue; ob das Rechte geschehe, soll ihn nicht kümmern." Die Heineliteratur ist ungeheuer groß; eine neue Biographie ein Wagnis, weil es schwer ist, Aspekte auszuspannen, unter denen die Gestalt des vielumkämpften Mannes noch nicht betrachtet wurde. Der Wert des Brodschen Buches liegt darin, daß es, unter der Wucht der Zeitbegebnisse geworden, Einsichten vermittelt, die früher nicht in dieser Farbigkeit und Schwere an die Leser herangekommen wären. Nicht alles mag . richtig von Brod gesehen sein. Trifft es beispielsweise zu, daß „die peinliche Inversion in der ersten Zeile" (der Loreley)