Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Jüdische Schul zeitung Nummer-1 „vielleicht wirklich einen unbewußten Rückfall in den. „jiddischen" Jargon der Jugendjahre darstellt?" Mir scheint Brod hier daneben zu greifen. Ich möchte glauben, die Zeilen seien durchaus einwandfrei, und der Leser habe sich nach dem „Ich weiß nicht" einen Doppelpunkt zu denken, dem die direkte Rede folgen müsse. — Möchte das Buch, das reich bebildert ist, bald in einer zweiten fehlerloseren Auflage erscheinen dürfen. dn. Philo-Lexikon. Handbuch des jüdischen Wissens- Philo Verlag, Berlin. Gebunden 4,80 RM.. Das Buch hat, wie bekannt geworden ist, einen großen Absatz zu verzeichnen. Das zeugt für seine Notwendigkeit und für die Richtigkeit der Grundsätze, nach denen es abgefaßt worden ist. Es bietet sich in schönem äußern Gewände dar. und drucktechnisch ist es eine bedeutende Leistung. Namentlich das Bildmaterial, insbesondere die Tafeln, Uebersichten und Karten, sind von bester Klarheit. Seinen besondern Wert erhält das. Lexikon durch die Berücksichtigung der allerneuesten Ereignisse, sowie durch Aufnahme von Sammelbetrachtungen über bestimmte Gebiete des jüdischen Lebens. Es wäre im einzelnen viel zu dem Inhalt und zu der sprachlichen Formung zu sagen. Doch das" übersteigt den zur Verfügung stehenden Raum. Hingewiesen aber sei auf die Möglichkeiten, das Werkchen in der Schule zu verwenden. Es empfiehlt sich, das Lexikon in den obern Klassen ständig auszulegen und die Schüler anzuhalten, selbst die Stellen aufzusuchen, die im Unterricht verwertet werden können. Dieses Verfahren belebt die Stunde, und die Kinder gewöhnen sich daran, selbständig nach bestimmten Sachverhalten zu suchen. d. n- „Der Morgen". Philo-Verlag, Berlin. Jahrgang 10, Heft 9. Dem Dezember-Heft des „Morgen" gibt ein großer aus dem Englischen übertragener Vortrag von T r a v e r s Herford „Antike Bollwerke der Kultur" sein Gepräge. Alexander Altmanns Arbeit über „Die religiöse Welt des Mittelalters" setzt Herfords Gedankengaug fort, indem er die „U n mittelalterlichkeit" des mittelalterlichen Judentums nachweist. Manfred Swarsensky unterstreicht in einer Chanukkabetrachtung den paradoxen Charakter des Judentums als einer Verbindung der Wenigen, die ihre Kräfte nicht aus der Macht, sondern aus der Ohnmacht ziehen- Um diesen Kern des Heftes gruppiert sich ein bunter Kreis weiterer Arbeiten. LotharBauer faßt die Ergebnisse und Lehren der neuen Bevölkerungsstatistik als „Schicksal in Zahlen" zusammen. Werner Cahnmann setzt sich mit Nadlers Auffassungen von der Rolle der Juden in der deutschen Literatur auseinander. Otto Neuburger plaudert klug und amüsant von den Leiden und Freuden einer Lexikonredaktion. Daß neben die Presseschau und die Buchbesprechungen des letzten Teiles der Zeitschrift in immer stärkerem Maße interessante Glossen treten, ist nur zu begrüßen: hier wird eine Tradition früherer Zeitschriften in neuem, verantwortungsvollerem Geiste wieder aufgenommen. * C. G. Jung: Wirklichkeit der Seele. Anwendungen und Fortschritte der neueren Psychologie mit Beiträgen von Hugo Rosenthal, Emma Jung und W. M. Kranefeldt. Rascher & Cie. Verlag. Zürich. 1934. Eine geschlossene Darstellung der Jungschen Psychologie liegt in diesem Bande nicht vor, so daß bei der Reichhaltigkeit der behandelten Themen ein erschöpfendes Referat nicht möglich ist. Jung behandelt den Ausgangspunkt der modernen Psychologie, die philosophischen Hintergründe, aus der sie erwuchs. Freud ist der Vertreter des wissenschaftlichen Rationalismus, Aufklärer, besessen von dem Drang herauszufinden, was hinter den Idealen,"Religionen stecke. Freud ist der große Zerstörer der Illusionen, Heucheleien. Idealismen seiner viktorianischen Zeit- Dieses fruchtbare Zerstörertum war Freuds Leistung und Aufgabe — „Aufgabe genug für ein ganzes ruhmreiches Lebenswerk." Jedoch ist Freud nur nach rückwärts in die Ver-, gangenheit gerichtet. In die „tiefere Schicht des allgemein Menschlichen" ist Freud nicht vorgedrungen. Die abweichende Stellung Jung ist bekannt: Das Unbewußte ist bei Jung nicht nur Raum für Verdrängungen, sondern der Ort großer Kräfte. In den Träumen findet Jung nicht.-nur Wunscherfüllungen, sondern die Fülle aller menschlichen Strebungen des Individuums und seiner Geschichte, aber auch Traumbilder, die dem kollektiven Unbewußten entstammen. Anregende Traumdeutungen und ihre Verwertbarkeit sind in einem besonderen Aufsatz gegeben. Den Pädagogen werden die skeptischen Bemerkungen interessieren, mit denen Jung moderne pädagogische Bestrebungen deutet Vielfach geben die Eltern in ihrer Erziehungsbemühung den Kindern Aufgaben und Strebungen weiter, die sie selbst nicht haben erfüllen können. Der Erwachsene möchte die an ihn gestellte Aufgabe der Erziehung zur Persönlichkeit gerne an das Kind weitergeben. Der beste Aufsatz ist die Abhandlung über das Buch von James Joyce „Ulysses". Reichhaltigkeit, witzige Einfälle, Beweglichkeit der Annäherung an das schwierige Thema, zeigen hier Jung auf seiner höchsten Darstellungsstufe und auf einer magischen Fülle seiner Sprache, die bewundernswert ist. In weiteren Aufsätzen findet man in Andeutungen alles, was d'e Jungsche Psychologie von anderen Lehrmeinungen .unterscheidet. Den Typengegensatz in der jüdischen Religionsgeschichte behandelt Hugo Rosenthal. Man kennt die Jungsche Unterscheidung des extravertierten und introvertierten Typus. Rosenthal findet im jüdischen Volke diese Typengegensätze besonders deutlich und behandelt diese Gegensatzspannung an den Gestalten Kain-Abel, Saul-David, Jakob-Esau, an den alten Gegensätzen des Propheten und Priesters. Leider sind die klugen Ausführungen über Mythos in den Einzelheiten referierend nicht darstellbar. Dr. J. Mannheim, Nervenarzt, Köln. Zur Besprechung liegen vor: Stefan Zweig: Erasmus von Rotterdam. Herbert Reicher Verlag, Wien. WMle und Weg. Vortrupp Verlag, Berlin. Kriegsbriefe gefallener deutscher Juden. Herausgegeben vom RJF. Vortrupp Verlag, Berlin. Germania Judaica. Herausgegeben von Elbogen, Freimann und Tykocinski. Verlag M. & H. Marcus, Breslau. Simon Schwab: Heimkehr ins Judentum. Hermon- Verlag, Frankfurt a. M. Jacob Rosenheim: Das Bildungsideal S. R. Hirschs und d?e Gegenwart. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. Dr. G r ü n t h a 1, G. Kutsc-huk: 613 Fragen und Antworten. Varia-Verlagsauslieferung Berlin- Marta Wert heimer: Alle Tage Deines Lebens.... J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Jüdische Lesehefte, unter Mitwirkung der Reichsvertretung der deutschen Juden. Herausgegeben von Studienrat Dr. Leschnitzer, Berlin. Heft 1 2 und 3 Aus Midrasch und Agada. Heft 4 Der Freiheitskampf der Makkabäer. Schocken Verlag, Berlin. Än unsere Leserl Wir bitten uns Vakanzen jeder Ärt mitzuteilen, damit ihre Veröffentlichung in der Schulzeitung erfolgen kann. Die Schriftleitung. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Siegfried Braun, Köln; Lützowstraße 39. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D'.-A. IV. Vj. 726 Exemplare.