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Jüdische Schulzeitung · 1935-01-02 · 1 (2.1.1935) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
1 (2.1.1935)
Date
1935-01-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Jüdische Schulzeitung Nummer 1 Randbemerkungen zum ersten Stück der „Geschichten der Bibel" von Joachim Prinz Im Anschluß an die Besprechung von Joachim Prinz' Geschichten der Bibel in der letzten Nummer der J. Sch. gestatte ich mir im folgenden einige Hinweise auf die erste Geschichte vom Paradiese, Adam und Eva. 1. Da wird (S. 10) von vier Flüssen im Paradies erzählt und berichtet: „Dort, wo der eine Fluß das Land berührte, wuchs Gold aus dem Lande, wo der andere in ihn hineinfloß, wuchsen Edelsteine, und der dritte warf Steine, viele Steine an das Ufer. Es waren schon hohe Steinberge an seinem Ufer entstanden. Der vierte Fluß aber floß wie ein wunderschöner klarer, großer Bach." Nach dem biblischen Bericht (Gen. 2, 10) „geht e i n Strom * aus Eden, der den Garten bewässert, und von da teilt er sich in vier Hauptströme". Im Land, das der erste von ihnen umkreist, gibt es feines Gold und Edelsteine. — Das ist doch klarer, sachgemäßer und vorstellbarer als vier Ströme in einem Garten und „wachsendes" Gold und eben solche Edelsteine und gar die „hohen Steinberge" am Ufer des dritten Flusses, die keine Schönheit für das Paradies bedeuten. 2. „Von diesem Tage an gab es keinen Frieden mehr im Paradiese. Daran merkte Gott, daß Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen hatten". (S. 12.) Das ist eine ernstere Angelegenheit. Also Gott muß erst am Zank zwischen Adam' und Eva merken, was sie getan haben. Sollen die Kinder am allwissenden Gott irre werden, für den sie eine so ursprüngliche Ahnung haben? Und warum ist ihnen der nach seinem Ungehorsam mit seiner Frau sich versteckende Mensch vorenthalten und ebenso der erschütternde Anruf: „Adam, wo bist du?"; und warum ist anstatt des rufenden Gottes einer hingestellt, der Adam und Eva „ansieht" — ist damit nicht die kindliche Sprache preisgegeben, die gerade hier die Bibel zum kindlichen Gewissen redet? 3. „Hier (im Paradies) wuchs alles und ihr brauchtet nicht zu arbeiten", sagt Gott zum ersten Menschenpaar, als er sie zur Strafe für ihren Fehltritt aus dem Paradies verweist. (S. 12.) Mit der allerersten Erwähnung des Menschen im zweiten Schöpfungsbericht verbindet die Bibel den Begriff der Arbeit („ein Mensch war noch nicht da, den Boden zu bebauen" Gen. 2, 5); und ebenso wird die Erschließung des Paradieses für den Menschen "ausdrücklich an die Pflicht der Arbeit geknüpft („Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu hüten" Gen. 2, 15). Auch andere Gründe lassen es wenig angebracht erscheinen, den Müßiggang als paradiesische Wonne hinzustellen. 4. „Am Tor des Paradieses standen rechts und links große Engel, sie hatten Schwerter, die aus Flammen waren. Durch dieses Flammentor wanderten Adam und Eva beschämt aus dem Paradiese". (S. 13.) Der biblische Abschluß der Erzählung: „Gott vertrieb den Menschen und bestellte im Osten des Eden-Gartens die Cherubim und die Flamme des kreisenden Schwertes, den Zugang zum Baume des Lebens zu hüten" (Gen. 3, 24) — ist so sinn- und kraftvoll, daß man ihn nicht in diese willkürliche, das Vor und Nach verschiebende Form umzubiegen braucht. Die hier an den ersten vier Seiten des Buches geübte Kritik, die dazu den Anspruch der Vollständigkeit auch für diesen kleinen Ausschnitt nicht erhebt, kann auf seinen ganzen Umfang ausgedehnt, werden. Ich hege starke Zweifel, ob dabei für eine ernste und unvoreingenommene Betrachtung noch^viel von der „Ehrfurcht vor dem Tex t" der Bibel bestehen bleibt, von der der Verfasser selber, in seinem Nachwort für den Erzieher, bekennt, daß die eigene Phantasie daran die Grenzen finden müsse. Auch abgesehen z. B. von der Josef- Geschichte, deren Wiedergabe, von Kuriositäten wie bei der Potiphar-Episode ganz zu schweigen, durch Häufung des Phantastischen, Grellen, Aufdringlichen dem kindlich großen Stil der Bibel schnurstracks zuwiderläuft; oder der neuartigen Fassung der Zehn Gebote, deren Willkür die größten Bedenken auslösen muß, wird man im ganzen Buche nach „Ehrfurcht" vor dem Bibelwort vergeblich suchen. Die Lehrer des Midrasch, auf den sich Prinz als Richtlinie für die „Ausschmückungen" der biblischen Erzählungen beruft, besaßen diese Ehrfurcht im höchsten Maße: Ehrfurcht vor jedem einzelnen Buchstaben, vor jedem Krönchen und Häkchen; und daran knüpften sie ihre Auslegung und Erweiterung des durch alle Deutung in seiner Unberührbarkeit hindurchschimmernden Gotteswortes. Sie haben ferner für die Erwachsenen gelehrt und geschrieben, denen das biblische Wort in Fleisch und Blut übergegangen war, und nicht für die Kinder. Der Lehrer des jüdischen Kindes hat ihm die biblische Erzählung in Treue und Wahrheit zu überliefern. Es kommt auf ihn an, alles Große und Gute herauszuformen, das im Bibelwort beschlossen liegt; und es so zu formen, daß der kindliche Sinn und das kindliche Herz sich ihm öffnen. Sicher hat das Buch von Prinz nach dieser letzten Richtung seine Vorzüge. Sie wiegen aber seinen Hauptmangel nicht auf — und der ist gerade der zu geringe Respekt vor dem Bericht und Wortlaut der Glaubensurkunde des Judentums. Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln. Aus dem Lehrer-Verband Es gibt im Reich eine erhebliche Anzahl von Fachlehrern, sowohl an jüdischen als auch an allgemeinen Schulen, die vor dem politischen Umschwung den Fachverbänden angehörten. Ihr Platz ist heute im Reichsverband der jüdischen Lehrervereine. Die Leser unserer Schulzeitung, die Fachlehrer und -lehrerimlnen kennen, sollten, nicht versäumen, sie zum Beitritt in den Verband zu veranlassen. Die Anmeldung geschieht zweckmäßig bei den Vorsitzenden der Vereine. * Zu Steinhardts Geburtstag hatten sich eine Reihe von Freunden in Ems eingefunden- Kollege J. B. Levy überreichte dem Freunde im Auftrage des. Verbandes als Angebinde den Genesiskommentar von Benno Jacob. In einem besonders herzlichen Glückwunschbrief teilte der Preußenverband mit, daß Steinhardt wegen seiner großen Verdienste um die jüdische Lehrerschaft und um die jüdische Schule zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden sei. Kollege Steinhardt bittet um Aufnahme folgender Zeilen: Es sind mir zur Feier meines 70. Geburtstages Glückwünsche in so übergroßer Zahl zugegangen, daß es mir zu meinem großen Bedauern unmöglich ist, sie einzeln zu beantworten. Ich bitte daher die Freunde, es mir nicht zu verübeln, wenn ich ihnen nur auf diesem Wege meinen innigsten Dank ausspreche. Die warmherzige Anerkennung, die mir aus weiten Kreisen der deutschen Judenheit, insbesondre von den Organisationen aller Richtungen im Judentum, zuteil geworden ist, soll mir ein Ansporn sein, auch weiterhin meine Kräfte, soweit ich vermag, in den Dienst der Gesamtinteressen unserer jüdischen Gemeinschaft zu stellen. Bad Ems, Dezember 1934. M. Steinhardt. * Hauptlehrer a. D. H. M o o p s, Breslau, Goethestraße 17 II, I. Vorsitzender des Vereins israelit. Lehrer in Schlesien, feiert am 31. Dezember seinen 70- Geburtstag. Er bekleidete viele Jahre das Amt eines Lehrers an der Industrieschule zu Breslau, zuletzt als deren Leiter. Seit 1902 gehörte er dem Vorstande des Lehrervereins an, seit 1928 als I. Vorsitzender. Ebenso gehörte er dem Vorstande der Schlesischen Unterstützungskasse

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