Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung Seite 13 5 die Burschen; V, Kap. 6, 8 zur Marke; II, Kap. 23, 32 keinen Pakt u. a. m. Nicht immer wird die Kritik einverstanden sein mit der sachlichen Wiedergabe .des Urtextes, so gleich in Bereschit, Kap. 1, 3: es werde hell! Wie blaß ist diese Wendung gegenüber dem das Aufblitzen malenden „Es werde Licht!" Weiter Kap. 4, 1 „Ich habe einen Mann geschaffen" (kaniti). Abgesehen davon, daß kaniti vom Menschen gebraucht, gar nicht geschaffen heißt, sollte dieses Verb dem hebräischen bara vorbehalten bleiben. II, Kap- 25, 17 findet sich „ein Kapporet" (Verhüllung). Es handelt sich um den Deckel der Lade aus Gold. Das Wort Verhüllung zielt nicht auf eine eindimensionale Decke fester Konsistenz hin, sondern auf weiches Gewebe, das wirklich etwas dem Blick verbirgt, es also umhüllt. Buber übersetzt Verdeck, Zunz ganz sachlich Deckel, Luther dagegen Gnadenstuhl. Im V, Kap. 6, 5 steht „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit Deiner ganzen Kraft." Warum ist das „Deiner" bei den beiden vorhergehenden Wörtern fortgelassen? Es sei den Besitzern des Werkes überlassen, den Text kritisch durchzusehen und Aenderungsvorschläge an maßgeblicher Stelle zu unterbreiten. Torczyner weist in der Einleitung darauf hin, daß diese Bibelübertragung mit der Buber-Rosenzweigs in Wettbewerb zu treten habe. Und es ist sehr aufschlußreich, die beiden Texte miteinander zu vergleichen. Ohne Zweifel ist Büber durchweg der genauere Uebersetzer; se'ne Uebertragung ist zugleich Kommentar. Aber es finden sich auch Stellen, an denen die Uehertragung Schreibers dem Urtext besser entspricht. Es sei dafür auf die Stelle in I, Kap. 38, 12 hingewiesen wo es he;ßt: „. . ging er (Jehuda) zu seinen Schafscherern hinauf". Dafür sagt Buber: .Zur Schur semer Schafe". Im Hebräischen heißt das „el gosese zono". — Drucktechnisch ist das Fünfbuch klar und übersichtlich. Am Kopf der Seiten findet der Lesende die Angabe des Kapitels und der Verse. Diese selbst sind durch Randziffern gezählt und durch Sternchen voneinander geschieden. Leider enthält die Uebertragung eine Anzahl Druckfehler. — Zusammenfassend sei gesagt, daß das Werk in gutem Sinne volkstümlich werden kann, wenn auch die Folgebände von gleicher Qualität sein werden. Siegfried Braun. Biblische Geschichte - neu zu erzählen Von Lehrer i. R. Hermann Wallach, Aachen Die Beilage „Schule und Haus" des Hamburger Israelit. Familienblattes vom 20. September brachte uns Pädagogen für Lektüre und Nachdenken reichlichen Stoff. Es wird dort ausgeführt, wie es mit unserer Gegenwartsaufgabe bestellt sein müsse: a) die jüdische Erziehungsarbeit neu zu gestalten, b) den Sabbat neu zu beleben und c) die biblische Geschichte — neu zu erzählen. Hier bleibe ich stehn. Wir Lehrer haben nach Meinung des Herrn Einsenders (Ernst Jakob in Augsburg)* gestützt auf den neuartigen Kommentar von Rabbiner B. Jakob, die Bibel, und zwar zunächst das 1. B. M. nicht richtig gelehrt, haben den hebräischen Urtext nicht richtig verstanden oder doch stellenweise falsch übersetzt. Der Religionsunterricht der Kleinen — weil auf falschem Verständnis des hebräischen Textes beruhend — muß daher ein anderer,!ein neuer werden. Der Herr Einsender berichtet über die hervorstechendsten Beispiele aus dem reichen Schatze des neuen Kommentars- U. a. erhält darin auch „Jakobs Kampf mit dem Engel" ein neues Gesicht und einen neuen Sinn. Bei dem (ungleichen) gigantischem Ringen eines Menschen mit dem Engel muß Jakob sich die Hüfte verrenken; denn der klägliche Anblick des Hinkenden — so urteilt der Verfasser — ist es, der den sentimentalen Esau entwaffnet und versöhnlich stimmt. „Gott hilft hier dem' Schwachen, indem er ihn noch schwächer macht." Einen derartigen Sinn kann ich, der ich den Pentatbuch zu kennen glaube, mit dem besten Willen hier nicht herausbekommen.. Es liegt zunächst die Frage nahe: Wenn Gott ein Wunder tut — und der Gbtteskampf an sich ist ein solches — braucht er da dem geängstigten Jakob erst noch einen körperlichen Schaden zuzufügen, zumal doch einwandfrei feststeht, daß er alle erdenklichen Vorbereitungen zur Versöhnung seines Bruders getroffen hat und — was von besonderer Wichtigkeit erscheint — sich sogar beim Herankommen desselben siebenmal zur Erde bückt? Siebenmal bückt Jakob sich vor seinem Bruder. Man überlege einmal: Mußte wicht gerade diese für Esau so gänzlich ungewohnte Ehrenbezeugung ausreichen, ihn umzustimmen und zu versöhnen? Bedurfte es da noch einer Körperverletzung Jakobs? Da es uns Menschen aber nicht zusteht, der Gottheit eine bessere statt einer guten Absicht vorzuschreiben, kann die von dem Verfasser beliebte Sinngebung an dieser Stelle auch nicht anders denn falsch erscheinen. Hier kann m. E. nur die eine Ueberlegung helfen: Der Kampf mit dem Engel und die Hüftverrenkung Jakobs haben mit dem Wiedersehen und der Wiederversöhnung der feindlichen Brüder nichts zu tun. Diese biblische Szene von dem Gottesstreiter „Israel" ist vielmehr als eine der Visionen oder Traumgesichte zu deuten, wie sie uns in der Geschichte des Erzvaters Jakob wiederholt begegnen: sie ist als ein Kapitel für sich zu betrachten und braucht mit dem Wiedersehn der feindlichen Brüder nicht schicksalliaft-notwend:g in einen inneren Zusammenhang gebracht zu werden. Und nun zur Urgeschichte: Der Einsender sagt selbst, daß es nicht die Meinung der Bibel sei, daß Gott nach dem „Sündenfall" seine Pläne geändert habe, daß er z. B. die Schlange i'.mscluif, dam't sie fortan auf dem Bauche krieche. Die Bibel berichtet ja schon gleich in ihrem 1- Kapitel . . . (und Gott machte) „alles Gewürm und Getier ,r.ach seiner Art, und Gott sah, daß es gut w a r". Wie also nicht anzunehmen ist. daß der Schöpfer nachträglich die Natur des Kriechtieres ändern mußte, so ist — entgegen der Ansicht des Herrn Verfassers -- auch nicht anzunehmen, daß er zur Schlange gesagt haben kann: „Krieche nur immer auf dem Bauche und friß Staub!" Die Schlange frißt keinen Staub, sie frißt lebendige Tiere. Dies war dem Bibelschreiber nicht bekannt. Der Bibelschreiber — und auf ihn kommt es hier an, hat dies irrtümlich angenommen, sonst würde er seine religiöse Phantasie wohl mehr gezügelt haben. Unzutreffend erscheint mir auch die im Dr. Jakobschen Kommentar vertretene Ansicht, wonach nicht die Brüder es waren, die Josef verkauft haben, sondern die vorübergehenden midjanitischen (?) Händler. So kann die betreffende Pentateuchstelle auf keinen Fall gedeutet werden. Und warum die Handlungsweise der Brüder beschönigen wollen, gerade an dieser Stelle, die den Vorzug der Bibel widerspiegelt, bestimmte Eir-zelheiten ungeschminkt und unnachsichtig vorzutragen. Jehuda hat seinen Brüdern ausdrücklich angeraten, Josef zu verkaufen, „und seine Brüder hörten auf ihn". „Sie verkauften ihn den Ismaeliten." Wajimkeru eht Josef lajischmeeliem. — Wenn es im übrigen zutreffen sollte, daß zufällig eine zweite Karawane — die Midjaniter, wie es im selben Verse heißt — vorüberkam, so ist vielleicht anzunehmen, daß die Ismaeliten Josef alsbald wieder an die Midjaniter weiterverkauften, die 'hn dann (durch die Medanim?) nach Aegypten brachten. Josef, der mithin (wie Raschi meint), mehrmals in andere Hände überging, ist erstmalig von seinen Brüdern — die ihm nach dem Leben trachteten — verkauft worden. An dieser Feststellung, die gerade die göttliche Fügung im Schicksal des armen israelitischen Sklaven so wunderbar erkennen läßt, ist m. E. nichts zu ändern, und wir sollten, daran auch nichts zu ändern suchen- Dem Herrn Einsender des Berichtes über den neuen Jakobschen Kommentar aber gebührt unser Dank für die vortreffliche Anregung, die er manchem damit schon im voraus ga'b. ' Ich habe die betreffenden Kapitel der Genesis selten mit einer solchen Spannung nachgelesen, als nach seinem Artikel in „Schule und Haus".