Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung Seite Ii dopplungspunkt in dem z. Z. gleichfalls als Fernunterricht in der »Jüdischen Rundschau" erscheinenden Lehrgang B angewendet wird. Einzig die s'phardische Aussprache im Auge (oder besser: im Ohr), läßt der Verfasser bei dem Buchstaben Fl auch das Härtungs-Dagesch fort. Alan muß doch wohl scheiden zwischen Unterrichtsbriefen in der Zeitung, die ■natürlich mehr im Plauderton und mit behaglicher Unterhaltungsbreite abgefaßt werden können und sollen, und einem Lehrbuch. Und da könnte man finden, daß nicht die rechte Oekonomie gewaltet hat, da den grammatischen Belehrungen und Erläuterungen in dem kleinen Buche unverhältnismäßig viel Platz eingeräumt wird (50 von 84 Seiten Text, wobei auf den 34 Seiten auch die Vokabelstücke stehen). Das scheint mir um so eher zu viel, als die vier sporadischen „Dikduk-Blätter" das vorher breit Dargelegte in knapper Weise recht gut zusammenfassen. Wenn ferner die grammatischen Regeln nur „jeweils bei der sich ergebenden Notwendigkeit behandelt werden" sollen, dann muß die Frage gestattet sein, warum ganze Formenreihen und Konjugationstabellen (vergl. Seite 33, 35, 54) geboten werden, wenn sie vielfach weder vorher noch unmittelbar nachher, ja sogar auch .später im Text gar nicht verwendet werden und zur Anschauung kommen- Die Texte sind zunächst lose Sätze, später kurze Erzählungen, M^draschim, Anekdoten, Dialoge. Gut und praktisch ist das ca. 1500 Begriffe umfassende hebräisch-deutsche Wörterverzeichnis, desgl. der Grammatik- Index, beachtenswert die 10 Lernanweisungen. Ganz sicher hat das. was jetzt als Buch vorliegt, in seiner Eigenschaft und Form als zwangloser Zeitungs-Fernunterricht anregend und anspornend auf viele Leser gewirkt, die sich schwerer dazu entschließen, ein abgeschlossenes, straff gehaltenes Lehrbuch durchzuarbeiten. (Fortsetzung folgt!) Einiges über Bibelübersetzangen Zugleich ein Wort zur neuen Uebertragung unter H. Torczyners Leitung Im Jahre 1534, vor 400 Jahren also, hat Martin L u t h e r die erste Ausgabe seiner vollständigen deutschen Bibelübersetzung erscheinen lassen. Es unterbleibe hier eine Würdigung der Bedeutung dieses Faktums, sofern es seinen Ort im deutschen Kulturbereich hat. Dagegen mag die Rückschau auf Luthers Tat uns Anlaß zu einem Ueberblick über die mannigfachen Versuche geben, das Buch der Bücher /in andre Sprachen zu übertragen. Der Heiligen Schrift Ursprache ist das Hebräische. Schon in früher Zeit wurde es vom israelitischen Volk nicht mehr verstanden, weil vom Norden und Osten her die aramäisch e'Sprache in Palästina eingedrungen und zur Umgangssprache geworden war. So lag es nahe, den biblischen Text ins Aramäische zu übertragen. Indes sind keine Zeugnisse vorhanden, die uns Kunde zu geben vermöchten von der Beschaffenheit dieser ersten Uebersetzungsversuche. Was heute als schriftlicher Besitz in Aramäisch vorliegt, das stammt aus späterer Zeit, so der volkstümlich gewordene T a r g u m O nk e 1 o s zur Tora. Er enthält Bestandteile aus vorchristlicher Zeit und ist vermutlich im 3. nachchristlichen Jahrhundert redigiert worden. Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst pflegte man gerade diese Uebersetzung dem hebräischen Original beizugeben. Ja, es wurde geradezu die Pflicht statuiert, neben dem Urtext auch den Targum allsabbatlich zu lesen. Dunkler Herkunft ist der Name Onkelos. Man hat in ihm eine Nachbildung des Namens Akylas erblickt, dessen Träger ein zum Judentum übergetretener Grieche gewesen ist. Akylas übersetzte die Bibel im 2. Jahrhundert n. Chr. in die gri ec^hi sch e Sprache und zwar in äußerst genauer Wörtlichkeit. Es war seine Absicht, eine ältere Uebersetzung, die 5eptuaginta, zu verdrängen, weil sie sich in ihrer Wirkung als dem Judentum abträglich erwies- Sagenumwoben ist die Entstehung der Septuaginta. Es wird berichtet (im Anschluß an die Erzählung im Aristeasbrief), der ägyptische König Ptolemäus II. Philadeiphus habe 70 jüdische Gelehrte aus Palästina nach Aegypten befohlen und ihnen aufgegeben, unabhängig voneinander den Urtext der Heiligen Schrift ins Griechische zu übertragen. Es habe sich dann das Wunder ergeben, daß sämtliche 70 Arbeiten Wort für Wort übereingestimmt hätten. Wahrscheinlich verdankt die Septuaginta ihre Entstehung einer rein praktischen Erwägung. Alexandria in Aegypten war eine ungemein volkreiche Kolonie der gräzisierten Juden. Sie bedurften zum kultischen und privaten Gebrauch einer griechisch geschriebenen Bibel, deshalb und zum Zweck der Heidenmission wurde die Septuaginta geschaffen (im 3. Jahrhundert v. Chr.). Das Buch hat bald eine weitreichende Bedeutung für die Ausbreitung des Christentums gewonnen; es hat aber auch Wesentliches dazu beigetragen, daß die Heilige Schrift ihren Weg über die ganze Erde hin antreten konnte. Das gleiche gilt von der lateinischen Uebersetzung des heiligen Hieronymus um das Jahr 400 n. Chr-, die man die V u 1 g a t a nennt. Sie schloß sich eng an den hebräischen Urtext an und ist die allein gültige Bibel der katholischen Kirche geworden. Uns deutsche Juden interessiert in diesem Zusammenhang besonders die nicht viel früher entstandene erste Bibelübersetzung in eine germanische Sprache: «die Bibel des Gotenbischofs UI f i 1 a s, umfassend das Alte und Neue Testament. Fduard Fngel rühmt von der Sprache der Goten, sie sei e'ne der schönsten, die je von Menschenlippen erklungen. Und da Ulfila sie bei seiner Uebersetzungsarbeit meisterhaft handhabte, so gehört das Werk zu den literarischen Erzeugnissen, die in der Wirkung auf d:e sprachliche Entwicklung des deutschen Volkes sehr wohl mit der Lutherschen Bibel verglichen werden dürfen. Leider enthalten die Handschriften, unter denen der Silberne Kort e x in Upsala die schönste ist, nur ganz geringe Reste aus dem Alten Testament. Wir übergehen in diesem gedrängten Exkurs die Uebersetzung in weitere europäische und orientalische Sprachen während des Mittelalters und beschränken uns auf die Darstellung der Versuche deutscher Herkunft. Es ist eine weitverbreitete irrige Auffassung, Martin Luther sei der erste gewesen, der die Bibel ins Deutsche übertragen habe. Vor ihm haben sowohl christliche als auch jüdische Gelehrte versucht, deutsche Uebersetzungen herzustellen. Es sind nicht nur Handschriften sondern auch eine ganze Reihe von Druckwerken bekannt, die älter sind als die Lutherbibel. Sie alle aber wurden völlig in den Hintergrund gedrängt durch das sprachgewaltige Werk MartinLuthers, das er in der Abgeschiedenheit auf der Wartburg mit unendlicher Hingabe und mit einer Meisterschaft sondergleichen schuf. Das Neue Testament entstand 1522, der Pentateuch ein Jahr später, und fertig wurde die Gesamtübersetzung 1534. Luther benützte als Vorlagen sowohl den Urtext als auch die Septuaginta und die Vulgata. Gute Hilfe bei der Textgestaltung leistete ihm die Bibelerklärung eines Mönches namens Nikolaus von Lyra, der selber den Raschikommentar ausg:ebig benutzt hat. So darf gesagt werden, daß es R a s c h i gewesen ist, der indirekt zum Helfer Luthers geworden ist. Die heute gebräuchliche Lutherbibel stimmt mit dem Original nicht mehr überein. Die Entwicklung des Neuhochdeutschen, zu der Luther den Anstoß gab-, sowie die fortschreitende wissenschaftliche Erkenntnis haben die Sprache seiner Uebersetzung immer wieder von neuem modifiziert. So ist sie auch heute noch unübertroffen an Frische und Kraft. Unter den Uebertragungen der Bibel in die deutsche Sprache, die von jüdischen Autoren herrühren, ragt eine Psalmenübersetzung angeblich von Elia Levita v. J. 1534 hervor, ebenso eine Uebertragung der Tora, der Haftorah und der Megilloth. Das Deutsch dieser Bücher war das Judendeutsch, das unter der Bezeichnung Jargon bekannt ist, und das — wie übrigens alle von Juden herrührenden Uebersetzungen bis ins 19. Jahrhundert hinein — in hebräischen Lettern gedruckt wurde. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts