Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Jüdische Schulzeitung Nummer I voran, die ich in 30jähriger Lehrtätigkeit erprobt habe, und die in ihrer Einfachheit es auch dem völlig unbeschriebenen Anfänger ermöglicht, alsbald mit dem Sprechen zu beginnen und aufbauend die weitere Grammatik in diese Kontur hineinzuarbeiten." Diese „Sprachkontur" umfaßt, immer nur in Beispielen mit Uebersetzung: Artikel, Substantiv in Verbindung mit Adjektiv, persönliches Pronomen, Mehrzahl, Geschlecht, das Wort m c mit Suffixen in Einzahl und Mehrzahl, die Verbindungsform und me1 im Perfektum und Futurum. Das ist ungefähr die berühmte Methode, die Rabbi Hillel dem bewußten Heiden gegenüber einschlug. „Hier hast du die ganze Lehre, die du auf einem Fuße stehend fassen kannst. Nun aber geh hin und lerne, lerne vieles und lerne viel." Diese „Sprachkontur" im Verein mit den sog. „Vergleichsschemata", (d. h. Nebeneinanderstellung der regelmäßigen Form des starken Verbums und der entsprechenden Form des schwachen Verbums) und den „Vokalfolgen" (d. h. Angabe der charakteristischen Vokale der verschiedenen Konjugationen), bewertet Dr. Cohn hoch, sehr hoch; er nennt sie im Vorwort zum zweiten Teil seines Buches „grundstürzend 'neue Wege der Sprachpädagogik". Ganz so schlimm ist es nicht. Diese Dinge sind weder so neu, noch so unerhört; jeder vernünftige Lehrer dürfte sie schon längst in seinem Unterricht angewendet haben. Die Stücke des Buches, d^s ja ein Sprachführer sein soll, berühren die wichtigsten Gebiete des öffentlichen und privaten Lebens; sie sollen als Dialoge den Mut zum Sprechen erwekken. Ich nenne einige Gebiete: Seefahrt. Landung, Post, Eisenbahn, Friseur, Raucher, Arzt, Kolonie. Ein deutsch-hebräisches Wörterverzeichnis von 19 Seiten, vom Verfasser „Kleines Lexikon der wichtigsten Begriffe" genannt, umfaßt 2 000 Wörter des praktischen Lebens. Es sollte ein griffiges, nicht allzu dürftiges, aber auch nicht mit Spezialbegriffen der Wissenschaft oder Identitäts- und Schattierungsbegriffen belastetes kurzes Wörterbuch sein, und ist es auch. Eingeleitet wird das Buch durch eine zweiseitige Fibel, die in 31 Reihen das erste Lesen vermitteln will und in den folgenden Auflagen wohl ersetzt werden wird durch die im wesentlichen gleiche „Anfängerfibel", die jetzt dem 2. Teil des Buches beigelegt istchiyb nmyliegt bereits in 3. Auflage vor; es war gewiß der treue Begleiter und wohl auch nützliche Führer so manches Intellektuellen bei seiner Umsiedlung auf den Boden von Erez Jisrael. 3a). Teil II. 6J Seiten, 1.90 RM. Dieser vor kurzem erschienene 2. Teil soll nach dem Vorwort „eine Ergänzung sein in dem Sinne, als hierdurch methodische Anleitung zum unpunktierten Lesen einerseits und andrerseits durch die Einführung in die für das Neuhebräische besonders typischen Gesetze der Sprach- und Wortbildung der Lernende weiter gebracht werden soll". Der Text will „diesmal nicht auf Kon- Bestellschein Hn den Porto 3 Pfg. Falls keine Marke zur Hand, unfrankiert In den Postkasten werfen! Porto trägt dann Empfänger. Verlag der Jüdischen Schulzeitung Gebrüder Neubauer Ludwigshafen a, Rh, Schulstraße 14. versation, sondern auf Lektüre hinaus". Bevorzugt wird dabei die Zeitungslektüre, „weil sie in die Begriffswelt des praktischen und öffentlichen Lebens (Politik, Wirtschaft, Kultur, Handel, Gewerbe, Industrie, Ackerbau, Gerichtswesen, Parlamentarismus usw.) am besten einzuführen' geeignet i>st." „Schließlich wird", das sind des Verfassers eigene Worte, „der erstmalige,, vielleicht anfangs eigenartig anmutende, sicher aber höchst instruktive Versuch gemacht, einige allbekannte Heinesche Lieder und Romanzen in nüchterner hebräischer Prosa darzubieten. Die bekannten Texte im Kopf und die hebräische Uebersetzung vor dem Auge wird der Lernende im Handumdrehen diese hebräischen Texte ebenfalls auswendig wissen und in Hinsicht auf Sprachschatz wie au| Satzbildung einen Ueberraschungserfolg erleben". Es handelt sich um folgende Dichtungen: Du bist wie eine Blume — Leise zieht durch mein Gemüt — Der Asra — Die Loreley — Die beiden Grenadiere — und Belsazar. Dr. Cohn mag recht haben mit der Wirkung, die er sich und uns von seiner Prosaübertragung verspricht. Der Schreiber dieser Zeilen hat darüber kein zutreffendes Urteil; ein solches kann nur ein Lernender mit jungem, frischem, nicht so beschriebenem Gedächtnis abgeben. Eine Prosaübertragung Heinescher Dichtungen (136) liegt übrigens bereits aus dem Jahre 1929 von A. L. Müntz vor, allerdings nicht zum Zwecke hebräischen Unterrichts- Gut ist das 20 Seiten umfassende deutsch-hebräische Wörterverzeichnis. Mich interessierte am meisten der Abschnitt, der die Sprachbildung und Sprachneubildung an gruppenweisen Beispielen zeigt. Ich wünschte, daß diese um vieles ausführlicher wären. Ich will einige — als Muster für Gruppen .— anführen: 1. Elohim Gott — Elohuth Gottheit. 2. Bari gesund — B'riuth Gesundheit. 3. K'lal Gesamtheit — k'lali allgemein, generell. 4. Ruacb Geist — ruchani geistig. 5. Ech wie beschaffen — Echurh Qualität — echuthi qualitativ. 6. L'om Nation — l'ummi national — L'ummijjuth Nationalismus. 7. Schemesch Sonne — Schimschah Fensterscheibe — Schimschijjah Sonnenschirm. Ich selbst stelle noch folgendes zusammen: Kabbez sammeln — Kibbuz Sammlung, Versammlung — K'wuzah Ansammlung, Gruppe — Kowez Sammelschrift, Chrestomatie — Kabb'zan gewerbsmäßiger Sammler Bettler — Kabb'zanuth Bettelei. 4. Andere Wege geht W> wa? Hebräisch für Jedermann von Dr- S. K a 1 e k o , Verlag Jüdische Rundschau. Berlin, 88 Seiten Text und 12 Seiten deutsch-hebräisches Wörterverzeichnis, 2,40 RM. Das Buch stellt sich als eine verbesserte und erweiterte Zusammenfassung der in der „Jüdischen Rundschau" erschienenen Lektionen des „Hebräischen Fernunterricht", Lehrgang A, vor. Es will „durch Vermittlung eines Wortschatzes von etwa 1 000 Vokabeln und der wichtigsten Grammatik-Regeln in die hebräische Sprache einführen." Jede der 25 Lektionen (außer der ersten) hat 2 Abschnitte. Jeder Abschnitt besteht aus: Vokabeln, Text, grammatischen Erläuterungen unter der Ueberschrift „Merke". Einzelne Lektionen stellen Aufgaben zu Formenbildungen oder Uebersetzungen ins Hebräische, wozu dann einige Lektionen später die Auflösung kommt. . In dem Bestreben, „die Schwierigkeiten beim Erlernen des Hebräischen soweit wie möglich aus dem Wege zu räumen", ist der Verfasser m. E. zu weit gegangen. Behauptend, daß die Verdopplung der Konsonanten, angezeigt durch den Verdopplungspunkt, das starke Dagesch, in der heutigen Aussprache des Hebräischen nicht zutage tritt, hat er sie im ganzen Lehrgang unberücksichtigt gelassen und nur im Anhang kurz darauf hingewiesen, wann der Verdopplungspunkt eigentlich gesetzt werden m ü ß*t e. Dadurch muß ein in einem "wesentlichen Charakterzug unzutreffendes Bild der hebräischen Sprache in dem Lernenden entstehen, ein Bedenken, das auch dadurch nicht völlig beseitigt werden kann, daß nun der Ver-