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Jüdische Schulzeitung · 1935-01-02 · 1 (2.1.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
1 (2.1.1935)
Date
1935-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite ö jüdische Schulzeitung Nummer 1 derne Schule sollte ja soviel als möglich an die kindlichen Eigentümlichkeiten anknüpfen, namentlich auch an die den Kindern natürliche Aufmerksamkeit auf die sinnliche Welt. Indem sie die Denkleistung immer mit der Anschauung verknüpft und dabei zugleich dem Betätigungsdrang Rechnung trägt, arbeitet sie der sonst so leicht einsetzenden Schulpassivität und Herabstimmung der geistigen Regsamkeit entgegen. Ausführlichkeit, Detailfülle, lebensvolle Anschaulichkeit sind die hervorstechendsten Merkmale der Eidetikeraufsätze. Auch im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht spielen solche Phänomene eine flieht zu unterschätzende Rolle. Eines müssen wir jedoch im Auge behalten und das soll uns zu der pädagogischen Auswertung dieser aussage- 'psychologischen Untersuchungen führen: Die integrierte Entwicklungsphase des Kindesgeistes und besonders dieses Kohärenzverhältnis zwischen Subjekt und Objekt darf nicht Endglied sondern nur Durch gangsphase sein. Die Erziehungsabsicht darf nicht dahin gehen, das Kind auf dieser Stufe festzuhalten. Dieses Durchgangsstadium, welches von der älteren Pädagogik viel zu wenig berücksichtigt worden ist, welches aber, wie wir gesehen haben, für die Entwicklung des Menschen von so weittragender Bedeutung ist, muß von der heutigen Pädagogik unter allen Umständen ausgenützt werden. Die empirisch vorgehende Jugendpsychologie legt durchaus den Gedanken nahe, daß die Erziehung den einzelnen Entwicklungsstufen p h a s e n s p e z i f i s c h angepaßt sein müsse. Wenn wir die modernen Erziehungsgrundsätze verfolgen, so werden wir immer und immer wieder betont finden, dem Unterricht im frühen Kindes- und Jugendalter einen konkret-anschaulichen und besonders einen künstlerischen Inhalt zu verleihen. Man ist gewöhnt, in der Konkretheit des Vorstellens Jugendlicher überall eine der wichtigsten psychologischen Grundlagen unterrichtlicher Maßnahmen zu sehen. Diese Konkretheit gewinnt durch die Untersuchung solcher Erscheinungen, also z. B. des buchstäblich Sichtbarwerdens von Vorstellungen eine besondere Note, die ja, wie wir gesehen haben, die Aussagen des Jugendlichen mit formen. Das Vorstellen des Erwachsenen, also auch des Lehrers, unterscheidet sich in vielen Punkten grundlegend von dem Vorstellen vieler unserer Schüler, bei denen also die sichtbare Vorstellung im Währnehmungsraum vorhanden ist und ihre Aussage über das Vorgestellte wesentlich beeinflußt. Fassen wir kurz zusammen: Wir sehen, daß das Kind und auch der Jugendliche von der Natur ganz und gar gedacht ist als triebhaftes Wesen, erfüllt mit einem ungestümen Trieb zu körperlichen und geistigen Eigenbewegungen. Die Erziehung versündigt sich, wenn sie diesen Tätigkeitsdrang des Kindes und Jugendlichen unterdrückt und nicht pflegt. Der Vorgang des Lehrens, vor allem in den unteren Klassen, ist der naturgemäßen Art des Kindes unter allen Umständen anzupassen. Diese Forderung ist erfüllt, wenn die Schularbeitsvorgänge gepflegt werden, die vor allem beachten, daß kindliches Wesen auf den verschiedenen Altersstufen nicht veirjungte und sich allmählich nur ausweitende Bilder von der seelischen Verfassung des Erwachsenen bietet, sondern ganz eigenartige innere Strukturen d a'rsteilt. Daher Anpassung an diese eigenartigen- Strukturen! Dadurch gewinnt auch der Unterricht die Vorzüge.der Lebensnähe. Die auf die Anschauung gerichtete naturgemäße lebensnahe Erziehung des Jugendlichen findet nun Wiederhall bei unseren Schülern. Werden also Kräfte auf einem Gebiete frei gemacht, das ganz zur eigentlichen Welt des jugendlichen Menschen gehört, dann ist der Bann der Schulpassivität in einem Punkte gebrochen, dann pflegt überhaupt eine innere Befreiung des Jugendlichen und die damit verknüpfte besondere Form seiner Aussage, alles in allem also das Erwachen einer erhöhten Regsamkeit, einzusetzen. Und das müssen wir ja auch von der heutigen jüdischen Schule fordern. Neuere Lehrbücher des Hebräischen Von M. Abraham-Berlin Das Unglück, das über die deutschen Juden hereingebrochen ist, hat in ansehnlichem Grade bewirkt, was bessere Zeiten nicht vermocht hatten. Durch die grundstürzenden Ereignisse, die auf sie einstürmten,. wurden sie von außen her nachdrücklichst auf ihr charakteristisches Selbst verwiesen, was ein Neuaufleben ihres jüdischen Fühlens mit sich brachte. Dadurch und durch die Tatsache, daß für viele unserer Glaubensgenossen Palästina mit seiner immer mehr zur Herrschaft gelangenden hebräischen Umgangssprache das hauptsächliche, vielleicht einzige Land der Rettung, zum mindesten der Hoffnung wurde, ist ein starkes, hoffentlich nicht zu schnell verflackerndes Interesse für das Hebräische wachgerufen worden. Viele, die nie ein Verhältnis zur hebräischen Sprache gehabt hatten, es sei denn ein geradezu feindliches, haben sich nun verlangend auf sie gestürzt. Aber sie läßt sich nicht in plötzlicher, einmaliger, rasch vorübergehender Wallung gewinnen. Es muß um sie geworben werden. Spröde von Natur, erschließt - sie ihre Schönheit nur der stillen, unablässigen, hingebenden , Liebe- Schon ihr Aeußeres, ihre Gewandung, ihre Buchstabenform erscheint seltsam und befremdend. Bis zu ihrer tiefen, reichen, wundervollen Seele, ihrem Inneren, ihrem Geist und ihrer Ausdrucksform vorzudringen, erfordert Bemühen und Ausdauer. Ja, die hebräische Sprache bietet ihren Jüngern, die sie nicht mitten aus dem Leben heraus, hörend und sprechend, sondern an der Hand eines Lehrbuches erlernen wollen, so manche Schwierigkeiten. Dem Verlangen zu genügen, sind in rascher Folge mehrere neue Lehrbücher des Hebräischen entstanden, einige ausgesprochen zu dem Zwecke, das Drängeh der Stunde zu befriedigen, andere mit höherer Absicht und weiter, ja weit gestecktem Ziele. Gemeinsam ist allen, daß sie nur an die s'phardische Aussprache des Hebräischen denken. Sie sind entweder ausdrücklich oder doch vornehmlich für Erwachsene bestimmt. Die wenigen, welche Kinder im Auge haben, werden in ihrer vorliegenden Form für den Unterricht in unsern Schulen kaum als geeignet befunden werden. Dennoch wollen wir sie alle in ihren wesentlichen. Zügen an uns vorüberziehen lassen. Auf jeden Fall können sie uns selbst, die wie wir keine oder nur . geringe Kenntnisse und Uebung im Hebräisch des Alltags haben und auf der Suche sind, dienlich und nützlich sein. Wir wollen auch feststellen, was uns an ihnen gut und brauchbar erscheint und uns fragen, ob und wie wir dies nicht nur für unsere eigene Fortbildung, sondern auch für die Vervollkommnung der hebräischen Unterrichtsmethode und ihrer Lehrmittel verwerten können. 1. Als erstes von ihnen dürfte „Sch'aleni Frage mich!" von Isak Herzberg in Wien auf dem Plan erschienen sein. (76 Seiten Kleinformat, Preis 0-95 RM. Verlag Josef Belf, Wien.) Das Werkchen will in Form von Konversationen 800 hebräische Worte aus dem täglichen Leben, die nach Meinung des Verfassers und wahrscheinlich auch wirklich die notwen^ digsten sind, vermitteln. * Vorangestellt sind einige sehr allgemeine grammatische Belehrungen, erstaunlich knapp in Umfang und Ausdruck, auf zwei der kleinen, bequem bedruckten Seiten, wozu dann noch immerhin — als 14. Lektion — das Kai von :n: nebst ein paar beispielsweiser Formen einiger anderer in den Lektionen mehrfach gebrauchter Verben kommen und eine Tabelle der Zahlwörter. Lektionen und dazu gehörige Vokabeln sind getrennt. Im Text werden, was ich geschickt finde, anfangs die neu auftretenden Wörter gewissermaßen erst vorgestellt, bevor sie in Sätzen verwendet werden; Die Gespräche, drehen sich je um ein bestimmtes der sich aufdrängenden Themen. Die Sätze: Fragen* Antworten, Bemerkungen sind (besonders in den. ersten 9 Lektionen), sehr kürz, sehr schlicht, daher leicht faßlich; Schon von der 4. Lektion an wird ah bereits bekannten Worten

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