Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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11. Jahrgang Jüdische Schulzeitung Seite 7 tion: „Ich sehe den Baum wieder, er ist grünlich, es ist kein richtiger Baum, es ist. mehr ein senkrechter Strich, er bewegt sich von links oben nach rechts unten. Er zieht sich in die Länge, wird runder und schimmert bläulich. Jetzt sehe ich dort, wo das Dach des Häuschens war, einen wagerechten Strich mit Fortsätzen. Es ist ein Dreieck, die Figur kommt an mich heran, die Fortsätze nähern sich einander, das Ganze ist ein Stern, welcher sich bewegt. Das Dreieck teilt sich in einen Fortsatz und ein paar Punkte. Der wagrechte Strich wird nun zur Tangente an den Kreis. Jetzt auf einmal erscheint mir das Bild als Seestern". (Der Schüler war direkt im Anschluß an seine Mathematikaufgabenzu mir in das Psychologische Institut gekommen.) Oder ein anderes Protokoll: Eine Schülerin fixiert ein Studentenbild. (Drei Studenten und ein Hund stehen in Richtung rechts nach links.) „Ich sehe das Bild jetzt anders wie auf der Vorlage. Der mittlere dritte Student hat sich herum gedreht und schaut nach links auf den Hund, welcher bellt. Der Hund springt jetzt an den Dicken heran, er will ihn beißen. Der mittlere schlägt den Hund, er hat gerade wieder einen Stock erhoben und will losschlagen, da hat ihn der Hund ins rechte Hosenbein gebissen, oh ist das spassig, so was hab ich noch nicht gesehen, die Strümpfe schauen aus der zerrissenen Hose heraus. Der mittlere Student steckt sich nun seine Hose, mit einer Nadel zu, er schimpft, droht dem Hund mit dem Finger — alles ist weg; wie im Kino, etwas ganz Neues: eine Bank, darauf sitzt der dicke Student. An der Bank hängt ein Schild — ich kann es lesen, fr ... isch ge ■.. stri... chen. Ein zweiter Student kommt hinzu, lacht über die beschmutzte Hose des ersteren. Mädchen kommen jetzt quer über die Straße, am Ende der Straße steht wieder der Dicke, er kommt jetzt näher, der Hund ist auch wieder da, die ganze Gruppe erscheint, wie ich sie auf der Vorlage gesehen habe." Wir sehen aus diesen Aussageprotokollen der Jugendlichen einmal die starke Labilität dieser eidetischen Erscheinungen, ferner die starke Kohärenz, dieses Hingegebensein an die dingliche Welt und schließlich die Tendenz zur Selektion, und zwar 1. zur ontotropen Selektion, womit gesagt sein soll, daß das Bewußtsein des Jugendlichen schon in den elementaren Schichten des Sinnesseelenlebens die intentionale Richtung auf Gegenständlichkeit zeigt. 2. Zur philotropen Selektion, die bei Jugendlichen dadurch zum Ausdruck kommt, als die Darstellung bestimmter Bildvorlagen eine innere Gefühlsbetontheit der entsprechenden Vorstellungsgebiete hervorruft und begünstigt. Noch stärker kommt die Integration des Jugendlichen in seiner Aussage zur Geltung, wenn sogenannte synästhetische Erscheinungen eine Rolle spielen, wenn z. B. gleichzeitig bei der Betrachtung eines Bildes, also bei Hervorrufung eines optischen Reizes Musik ertönt, also ein akustischer Reiz erfolgt und sich die A u s s a g e über das gesehene Bild wandelt, je nachdem rasch oder langsam, tief oder hoch, Dur oder Moll, angeschlagen wird. Auch bei einfachen Wahrnehmungsschätzungen (Müller-Lyersche Täuschungsfigur) erlebt man eigenartige Zusammenhänge zwischen den einzelnen Funktionsschichten der Jugendlichen und man ist frappiert über eine Aussage: „Der Pfeil, den Sie mir hinlegen, dehnt sich, wenn ich meine Arme ausstrecke und verkürzt sich, wenn ich sie fest an den Körper presse." Eine besondere Beachtung verdienen die Aussagen des Jugendlichen auf Grund der Farbtestversuche- Es handelt sich hierbei um das Deuten wahllos durcheinander gemischter Farbenkleckse, welche dem Jugendlichen dargeboten werden, und die man kurz auch als Test für Phantasieuntersuchungen bei Jugendlichen bezeichnen könnte. Solche Untersuchungen gewinnen eine große Bedeutung für die Aussagen Jugendlicher vor Gericht, bei der Vernehmung von Jugendlichen in Sittlichkeitsprozessen. Vorstellungen, die den Jugendlichen augenblicklich besonders beschäftigen, werden in die Kleckszeichnung einfach hineinprojiziert und dann gesehen. Zu beobachten ist ferner die Sprache, deren sie sich bei der Aussage über diese Erscheinungen bedienen (Schallplattenaufnahme). Bei der Aussage über eine solche Kleckszeichnung kommt mitunter das innerste Sein des jungen Menschen zum Ausdruck und seine Motorik verrät oft seine Seele. Ein kleines Protokoll zur Illustration. Dargeboten ist eine Kleckszeichnung ohne besonders erkennbare Gestalten. „Ich sehe, wie eine Frau daher kommt mit einem Kind auf dem Arm. Sie stellt das Kind auf die Erde. Jetzt läuft es nebenher. Beide stehen auf einmal still. Die Frau geht weg, das Kind steht noch. Jetzt sind sie alle beide fort. — Plötzlich wird alles anders. Ich sehe eine Landschaft im Vordergrunde. Da steht ein Haus, da sind Tiere, eine Gans tritt aus der Haustür, jetzt kommt eine Katze, jetzt verschwinden sie hinter der Tür.*' Untersucht man diese bis jetzt beschriebenen Phänomene unter besonderen Versuchsbedingungen z- B. unter Intermittenz (Oeffnen und Schließen des Gesichtsfeldes mit Hilfe eines besonders dafür konstruierten Apparates, durch dessen Okulare der Jugendliche die Bilder betrachtet), dann treten uns diese Erscheinungen in viel verstärkterem Maße vor Augen. Ein weiterer Schritt zur Untersuchung der jugendlichen Aussage sind die eigentlichen „aussagepsychologischen Untersuchungen" (nach William Stern). Ueber ein einmal gesehenes Bild wird vom Jugendlichen eine Aussage verlangt und zwar a) unmittelbar nach vollendeter Betrachtung (primäre Aussage), b) nach einiger Zeit später (sekundäre Aussage). Diese Untersuchungen über Umfang, Treue, Sicherheit und Farbtüchtigkeit der Aussage, besonders über die Suggestibilität des Jugendlichen auf Grund vorsichtig eingestreuter, graduell verschieden stark dosierter Suggestivfragen (gewöhnliche Suggestivfragen oder Suggestivfragen unter falscher Voraussetzung) gehören mit zu dem Interessantesten der experimentellen Psychologie und führen uns tief in die Erforschung des jugendlichen Seelenlebens hinein. Auch bei diesen Untersuchungen bricht sich der Bauplan der Integration des ■Jugendlichen durch. Seine Aussagen auf Grund der Betrachtung von Bildern sind Ausdruck dieser seiner integrierten Struktur. Daß die aufgezeigte starke Integration auch im Unterricht des Alltags oft auftritt und in den Aussagen des Jugendlichen zur Geltung kommt, ist von der Pädagogik vielfach noch nicht gewürdigt worden. Wir wissen ferner, daß ein konkreter Unterricht diese Fähigkeit steigert, eine rationalistische, abstrakte, an der Denkform des Erwachsenen orientierte Unterrichtsweise die eidetische Fähigkeit zurückdrängt. Die mo- II St. Georgen ■ Als Wintersportplatz genießt St. Georgen einen hervorragenden Ruf. Diesen Ruf verdankt es nebenbei seiner Höhenlage von 870-1000 m dem einzigartig schönen Gelände, das den Ansprüchen des geübten Wintersportlers ebenso gerecht wird, wie jenen des Fortgeschrittenen oder Anfängers. Der Aufenthalt in St. Georgen zur Winterszeit gestaltpt sich zu einem wunderbaren Erlebnis, wenn vm stahlblauen Himmel die Sonne auf die weiten Schrieeflächen scheint, während unten in den Tälern die Nebel brauen. Hotel Adler Neues mod. Haus. Volle Südlage. Fließ. Wasser. Liegeterrasse, Olasveranda, Oar. Prosp. Pernspr. 114. Pension ab 4.60 RM. Otto Braun, Küchenchef. St. Georgen 1. Schwarzwald. 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