Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (2.1.1935)
- Date
- 1935-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■t <—- -z. e *-.<;•' ..■vrfi'xr^^a.-^m Seite 4 Wandlung geschaffen werden. Herr J. B. Levy verliest zum Schluß seines Reserates folgende Resolution: . „Die in Frankfurt a. M. zur „Pädagogischen Woche des Philanthropin" erschienenen jüdischen Lehrer und Lehrerinnen danken der Leitung des Philanthropin für diese Veranstaltung und die dadurch gegebene Gelegenheit zur Aussprache und zur pädagogischen Fortbildung. Sie haben in ihrer von der „Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Frankfurt a. M." am 25. November 1934 veranstalteten Zusammenkunft nach einem Referat des Kollegen J. JB. Levy über das Thema „Jüdische Schule — jüdischer Lehrer verband — jüdischer Lehrerstand" folgende Entschließung gefaßt: 1. Die Zeitverhältnisse drängen zur Erhaltung der bestehenden und zur Schaffung neuer jüdischer Schulen. 2. Zur Heranbildung geeigneter Lehrkräfte sind Bildungs¬ und Fortbildungsmöglichkeiten nicht hur in Berlin, sondern in allen Landesteilen, insbesondere an den dafür geeigneten jüdischen Zentren, zu schaffen. Im Anschluß an bestehende Schulen und andere Lehrgelegenheiten sind Fortbildungskollegien zu empfehlen. Ausdrücklich gefordert wird ein Fortbildungskursus in Frankfurt a. M. 3. Bei der Erhaltung und Errichtung von Lehrerbildungs- Anstalten sind die zeitgemäßen Anforderungen an die Volksschullehrerbildung zu erfüllen. Die voraussichtlich fallende Bevölkerungszahl der Juden ist bei der Heranbildung neuer Lehrkräfte wohl zu beachten- 4. Die maßgebenden jüdischen Gesamtorganisationen müssen ihr Augenmerk auf die allgemeinen — und speziell jüdischwissenschaftliche Eignung der in jüdischen Schulen anzustellenden Lehrkräfte richten. Ganz besonders ist auf die Qualifikation zum jüdischen Religionslehrer zu achten. 5. Die jüdischen Lehrervereine und der sie zusammenfassende „Reichsverband" müssen eine zeitgemäße Umgestaltung ihrer Arbeitsgebiete, Arbeitsweise und ihrer Leitungen . ins Auge fassen, dabei insbesondere die Interessen der jetzt in der jüdischen Lehrerschaft stärker als früher vertretenen akademischen Lehrkräfte wahrnehmen. Auch das Verbandsorgan muß seinen Inhalt nach diesen Gesichtspunkten erweitern. 6. Die Bestrebungen der Verbandsleitung und des Verbandsorgans um eine der Bedeutung des Lehrerstandes entsprechende Heranziehung der jüdischen Lehrerschaft zur Betreuung des jüdischen Schulwesens und der Volksbildung durch die Gesamtorganisationen werden von der anwesenden jüdischen Lehrerschaft aufs wärmste begrüßt und aufs entschiedenste unterstützt." An der lebhaften Diskussion beteiligten sich neben dem freudig begrüßten L Verbands Vorsitzenden Dr. Stern-Berlin zahlreiche Kollegen und Gäste. Es wurde beschlossen, die Resolution von J. B. Levy zur weitern Veranlassung dem Verbandsvorstand zuzuleiten. Fm. An unsere Postabonnenten! Wir machen diejenigen Leser, die unser Blatt durch die Post zugestellt bekommen, darauf aufmerksam, daß Unregelmäßigkeiten in der Zustellung dem Briefträger zu melden sind, der verpflichtet ist, etwa fehlende Nummern nachzuliefern. Werden Meldungen über unregelmäßige Zustellung an uns weilergegeben, so muß, sich der Verlag doch wieder an die Pos'zeitungsstelle wenden, weil der Verlag die Gesamtauflage bei der Post aufliefert und daher allein die Post für die regelmäßige Zustellung zuständig ist. Nur in den Fällen, in welchen Anlaß zu wiederholten Beschwerden über unregelmäßige Zustellung vorliegt, bitten wir, sich an den Verlag zu wenden, damit dann von hier aus das Notwendige in die Wege geleitet wird. Der Verlag. Nummer 1 Der Sinn der Pädagogischen Woche Eröffnungsansprache, gehalten am Sonntag, den 25. November 1934, von Oberstudiendirektor Dr. Driesen, Frankfurt a. M. I. Zwischen Traum und Wirklichkeit - ziehen unsere Tage. Noch leuchtet die Sonne! Aber wir sind darauf gefaßt, daß sie. ganz plötzlich,- verschwindet. So traumhaft ist unser Dasein geworden, inmitten all dem greifbarsten Alltag. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, wir vermögen sie nicht mehr zu erkennen! Was uns gestern fantastisch anmutete, ist heute Selbstverständlichkeit. Und was heute selbstverständlich ist, wird morgen als Fantasie und Hirngespinst verlacht. Sollen wir mitlachen, oder sollen wir mitweinen? Wir dürfen beides nicht. Denn wir tragen eine große Veranwortung. Das Schicksal hat uns eine schwere Pflicht auferlegt: Inmitten eines seelischen Erdbebens, dessen Stöße durch die ganze Welt zittern, sollen wir „führen". Täglich sind die Augen von 1200 Kindern auf uns geöffnet wie nur Kinderaugen offen sein können, abgrundtief in unerbittlichem Vertrauen. Täglich trösten sich über tausend Eltern, durch die Not des Tages hindurch, mit dem Glauben an unsere Führerschaft. Täglich beruhigt eine ganze Gemeinde ihre unheimliche Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz durch den Gedanken an unsere seelische Arbeit für die Zukunft ihrer Mitglieder. *' Täglich besinnt sich die große, schrill aus ihrer Ruhe aufgescheuchte gesamte deutsch-jüdische Gemeinschaft auf die jüdische Schule und verlangt, mit Recht, von ihr Führung und Leistung. Täglich lesen wir, in der jüdischen Presse, die eindringliche Schlagzeile: „Die jüdische Schule". So erlebten wir das Jahr 1934- Mit ihm vollendet unsere Anstalt, die allerälteste und größte aller deutsch-jüdischen Schulen, ihr 130. Lebensjahr. Mit seinem Beginn haben wir, im Januar 1934, einen kurzen Rechenschaftsbericht unserer Haltung in dieser schwersten aller Krisen herausgegeben: Das „Merkblatt 193 4" zeigt das Ph'Ianthropin, wie es heute lebt und arbeitet. Es lautet: „Geistige Grundlagen des Philanthropins" und besteht aus zehn Leitsätzen, von denen ich die drei ersten und die beiden letzten hier wiederhole: I. Das Philanthropin gibt durch Führen und Verstehen seinen Schülern die Kraft, in Pflicht, Arbeit und Leistung . von Leib und Seele sich die Freude am Dasein in der Gemeinschaft zu erhalten, die Grundlage,jedes würdigen Lebens. II. Das Philanthropin erzieht seine Schüler und Schülerinnen zu bewußten und selbstbewußten Juden deutscher Kultur. III. Das Philanthropin wird,, ohne jeden Gewissenszwang, als Schule innerer Einheit erlebt. IX. Auch heute — und morgen — soll unsere Schülerschaft, als lernende, wissende und könnende Erbin eines Jahrtausende alten, einzigartigen, zu Charakter, Haltung und Vorbild verpflichtenden Stammbaumes und eines in der Schule täglich erlebten r e I i g i ö s - g e i s t i g e n Gutes, ohne jede Tarnung, aber auch ohne Ueberbetonung, natürlich, frei,.stark an Körper und Seele, der heimatlichen Gegebenheiten in Ehre, "Würde und Ruhe sich bewüßt bleiben.'. Die im Unterricht dargebotenen Gegebenheiten Palästinas dürfen ihr jedoch nicht verblassen, etwa als ältere Geschichte und neuere Wirtschaft: Sie müssen, und zwar jeweils in ihrer neuesten Gestaltung, als Realität wie als: Idealität, ihr ganz bewußt und ' klar sein. •" :y i '■' -:; Jüdische Schulzeitun'g