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Jüdische Schulzeitung · 1934-12-01 · 12 (1.12.1934) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
12 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 12 J üdisehe Schulzeitung Seite 5 die glänzende Beweisführung im Kommentar auf, daß Jahve und El Schaddai nur' zwei verschiedene Seiten eines und desselben Gottes zum Ausdruck bringen. El Schaddai ist der Gott Israels, so lange es wandern muß, da steht es unter dem Schutz des Allerhöchsten; ist Israel aber im eigenen Lande, ist es aus einzelnen Personen zu einem Volk geworden, da erscheint ihm Gott von einer anderen Seite, nicht mehr als El Schaddai, sondern als Jahve. Das allein will das Wort Gottes an Mose besagen und nichts anderes. Die Behauptung also, daß die religiösen Erkenntnisse der Patriarchenzeit auf einer niedrigeren Stufe gestanden hätten als die der folgenden Perioden, beruht auf einer falschen Exegese. Einen Begriff von der Reichhaltigkeit des Kommentars zu geben, ist in einer solchen Besprechung gar nicht möglich. Oft .genug knüpft sich an ein Wort oder terminus eine seitenlange Ausführung, die in kurzen, knappen Strichen die verschiedenen Meinungen, die bisher dazu geäußert worden sind, zusammenfaßt, um unter kritischer Darlegung die eigene Ansicht herauszuheben. Man darf sagen, daß kein Problem von Bedeutung, sofern es auf die Genesis Bezug hat, unberührt geblieben ist. Völker- und Religionsgeschichtliches, Grammatisches und Aesthetisches, Philosophisches und Theologisches, Anthropologisches und Soziologisches, alles kommt zur Geltung, dabei vor allem die falsche, niedere Bewertung des Judentums, wie sie häufig auch in wissenschaftlichen Werken sich eingeschlichen hat, mit triftigen Gründen, nicht selten auch mit überlegenem Sarkasmus und mit Ironie zurückweisend. Um nur einige Beispiele anzuführen: die religionsgeschichtlichen Parallelen zu der Schöpfungs- und Paradieseserzählung der Bibel stehen in ihrer Auffassung über die Gottheit und das Wesen des Menschen so tief, sind auch in Einzelheiten so verschieden, daß von einer irgendwie gearteten Abhängigkeit nicht die Rede sein kann, höchstens könne die Beziehung nur polemischer Natur sein, und selbst die Gleichsetzung des hebräischen Wortes tehom mit der im babylonischen Schöpfungsmythus vorkommenden Bezeichnung tiamat, die allgemein angenommen wird, wird entschieden bestritten. Und was die Gottcsauffassung der Bibel betrifft, so setze sie selbstverständlich immer die Allwissenheit und Allgegenwart Gottes voraus, irod wenn sie auch in menschlicher Weise von Gott rede, "so wäre es falsch, derartige Ausdrücke wörtlich aufzufassen. Alles Körperliche und aller Anthropomorphismus müsse entsprechend der stets' im Judentum geltenden Auffassung von Gott ferngehalten werden. Nicht minder wird auch die abfällige Kritik, welche vielfach die Handlungsweise der Stammväter findet, in die richtige Beleuchtung gerückt. Wenn z. Bbeim Kauf der Höhle Machpela durch Abraham vom Charakter des Judentums geredet wird, das versteht, höchst ehrerbietig gegen den Heiden zu sein, den man doch im letzten Grunde verachtet; oder wenn das löbliche Anerbieten Josephs, die Seinigen in Aegypten unterzubringen, dazu benutzt wird, um von jüdischer Vetternwirtschaft, von Begünstigung der Juden durch den Juden zu reden, so wird mit treffenden Gründen die Unsinnigkeit solcher Behauptungen nachgewiesen. Genug, ein, Kommentar liegt hier vor, der nicht nur an sich eine sehr beachtenswerte Leistung darstellt, sondern auch vom jüdischen Standpunkte besonders begrüßt werden muß, denn leider müssen wir zu unserer Schande gestehen, daß auf dem Gebiet der Bibelexegese wir das Feld fast ganz. christlichen Forschern überlassen haben, deren unbestreitbare Verdienste zu schmälern uns vollständig fernliegt, die aber von ganz anderen, dem Gegenstände fernliegenden Voraussetzungen an die Sache herangingen und dadurch schon unbewußt der notwendigen Objektivität ermangelten. Gewiß, Geschmack und Urteil der Menschen sind verschieden, und so wird niemals volle Einmütigkeit in der Exegese zu erreichen sein, aber als Ganzes genommen, muß dieser Kommentar als Exponent.jüdischen Forschergeistes bezeichnet werden, denn ein Mann hat ihn geschrieben, der ausgestattet ist mit dem ganzen Rüstzeug jüdischen Wissens und aus dieser Kenntnis, aus dem Leben im Judentum heraus urteilt. Damit ist ein unentbehrliches Handbuch für Lehrer und Rabbiner geschaffen, ein Standardwerk, voller Anregungen für Unterricht und Predigt, das auch jedem interessierten Laien zum Studium sehr empfohlen werden kann-. Rabbiner Dr. Caro, Köln. Dr. Meier Spanier zum 7o. Geburtstag Dr. Spanier 70 Jahre alt? Keiner, der nicht weiß, daß er nach unwidersprechbarer Urkunde am 1. November 1864 geboren ist, wird das glauben- Noch ist sein Haar fast jugendlich voll und ungebleicht, noch ziehen sich nur wenige weiße Fäden durch seinem Bart, noch blickt sein Auge heiter in die Welt, die ihm ihre Schönheiten wie nur selten einem erschließt, noch kann sein Mund heiter und unbefangen lachen, noch kann er sich auch männlich entrüsten, wenn er Unanständigkeit der Gesinnung erfährt, und doch ist es wahr, und wer es nicht glauben will, sehe sich die Fülle dessen! an, was er als Schulleiter, Lehrer und Schriftsteller geleistet hat, um sich davon zu überzeugen, daß er nicht von gestern und vorgestern sein kann. Geboren ist er in Wunstorf, einer kleinen Stadt der Provinz Hannover, von deren Hauptstadt es in einer knappen Schnellzugshalbenstunde zu erreichen ist. Wunstorf ist für denjenigen, der dort wicht geboren ist, ein unansehnlicher Ort. Nur das ehemalige Seminargebäude, das man sieht, wenn man an Wunstorf vorüberfährt, macht einen imponierenden Eindruck. Aber für unsern Spanier war und ist es bis auf den heutigen Tag die Heimat, zu der er sich immer wieder hingezogen fühlt Das schlichte, fromme Elternhaus, der meistens ernste Vater, die kluge, feinfühlende Mutter, die jüdische Schule mit ihrem tüchtigen Lehrer Jonas Goldschmidt halfen seinen Charakter bilden. Wie gern erzählt er seinen Freunden, was ihm hier für das Leben an sittlichen Werten und wissenschaftlicher Grundlage mitgegeben wurde. Das Vorbild seines Lehrers und wohl auch das Beispiel seines um mehr als 11 Jahre älteren Bruders riefen in ihm den Wunsch wach, Lehrer zu werden. Er trat in das Seminar in Hannover ein, wo er ein Lieblingsschüler des damaligen Di- Mitteilung! Bitte geben Sie dieses Blatt, wenn Sie es gelesen haben, an diejenigen Interessenten weiter, die ebenfalls für den Bezug der Jüdischen Schulzeitung in Frage kommen. Die Bestellung kann durch Einschicken des untenstehenden Bestellscheines bewirkt werden. M't bestem Dank! Der Verlag. An den Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich Imal erscheinende (Datum) Jüdische Schulleitung Verlagsort: Mannheim 2 Das Bezucsgeld von vierteljährlich 45 Pfg. zuzüglich 6 Pfg. PostzusteU gebühren bitte ich durch den Postboten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders Vor« u. Zuname;________......................................................................._______________________ Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich. Ort:______________________________________________________________._______________________________________________________ Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Firma Wolf Straße- Topilowsky G.m.b.H., Köln a.Rh., Benessistraße 49, bei.

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