Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10 (1.10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitun g Nummer 10 ..die Wissenseiiaft ihm darbietet? (D ese- Abschweifung scheint im Interesse feiner gesunden Schularbeit zu liegen.) - Die Verteilung des Lehrstoffes in der Erdkunde hat die allgemeinen staatlichen Richtlinien und die besonderen der 'Reichsvertretung zur Grundlage zu nehmen. (Für Berliner .Verhältnisse gilt der Grundlehrplan für die Volksschulen der Stadt Berlin.) Im folgenden wird eine Stoffverteilung, die den geforderten Bedingungen entspricht, für das achte Schuljahr vorgeschlagen. Bemerkt sei, daß Palästina im siebenten Schuljahre behandelt wird, wohin es nach den Richtlinien gehöri. So ist das letzte Schuljahr für eine mehr vergleichende und vertiefende Betrachtung frei. (Die entsprechenden Anweisungen der staatlichen Richtlinien sind in Klammern gesetzt.) 1. (Die natürlichen Landschaften Deutschlands.) a) Durch die in verschiedenen Richtungen verlaufenden Gebirgszüge wird Deutschland in viele natürliche Landschaften aufgete.'lt. Die einzelnen Gebiete sind Sammelräume verschiedener Volksstämme, die sich wohl durch Mundarten und andere Eigentümlichkeiten unterscheiden, aber ein gemeinsames deutsches Wesen zeigen. b) Welche Wirkungen hat dieser Boden auf die jüdischen Bewohner ausgeübt? Gibt es landschaftlich bedingte Typen deutscher Juden? Natürliche Assimilation und falsche-Anpassung an die Umgebung. 2. Bodengestaltung und natürliche Landschaften in Palästina. Vertiefende Wiederholung des Stoffes der vorigen Klasse nach folgender Einteilung: Der Küstenrand (meist Sanddünen). Die Küstenebene. Das Bergland Westpalästinas. Die Jerdandepression. Welche Verhältnisse haben die neu einwandernden Juden vorgefunden? Wie haben sie der Landesniatur geantwortet? 3. (Lage und Ursprung Berlins.) a) Vom Fischerdorf zur Großstadt. Die Talenge zwischen dem Barnim im Norden und dem Teltow im Süden als Treffpunkt vieler Verkehrswege. Der kriegerische Vorstoß mit der Besetzung heereswichtiger Stützpunkte, die kirchlichen und bäuerlichen (Fischer-) Siedlungen, der Handelsverkehr. b) Jüdenhof und Jüdenstraße als urkundlich bezeugte Judensiedlungen kurz nach der Stadtgründung.- Ihre Schicksale bis zur Errichtung der heutigen Gemeinde unter dem Großen Kurfürsten am 21. Mai 1671. 4. Juden in ihrem Verhältnis zur „Stadt" bei den wiederholten Besiedlungen Palästinas. 5. (Das deutsche Wirtschaftsleben unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Stellung Berlins und seine Beziehungen zur Weltwirtschaft, zum Weltverkehr.) a) Die deutschen Kornkammern, die Viehweiden, Obstiind Weingebiete, der deutsche Wald, die Bergwerke und Stätten der Industrie, der Verkehr. b) Der. deutsche Jude wird zum Stadtbewohner. Er beschreitet den Weg, der vom Ghettohändler zum Wirtschaftsführer weist. Aufstieg und Untergang der Bankiers Rothschild, Mendelssohn, Bleichröder. Der Abenteurer Bethel Henry Strousberg schafft als Fortführer der Ideen Friedrich Lists das Rückgrat .des heutigen deutschen Verkehrssystems. Albert Ballin und. Wilhelm Kunstmann als Gründer der größten deutschen Sctiiffahrtsgesellschaften. Emil Rathenau, Julius Valentin, Isidor Loewe als Wegbereiter des elektrischen Zeitalters. Der Wafferiabrikant Ludwig Loewe. Benno O renstein und Artur Koppel bauen Feld- und Kleinbahnlokomotiven für die ganze-Welt. J. Berger erschließt den eisenbahnarmen Osten dem Verkehr. Die Begründer der deutschen Kaliindustrie: Adolf Frank und Nicodem Caro, der ein Nachkomme des Josef Garo, Verfassers des Schulchan aruch ist. 6. Die Aufgabe des durch den europäischen Kulturkreis ge? gangenen.Juden beim Neubau. Palästinas. Urproduktion, Industrie, Gewerbe und Handel, Verkehrswesen in Palästina. 7. (Das Deutschtum im Auslande.) a) Die Begriffe Nation und Volk im nationalsozialistischen Sinne. Die Bedeutung der Auslanddeutschen als Kulrurpioniere und als Stützen des Handelsverkehrs. b) Die Juden in der Welt und ihre Anteile an der Bevölkerung. Die Sprachverhältnisse der Juden. Der Einfluß der Lebensweise der verschiedenen Völker auf die unter ihnen wohnenden Juden. 8. Der jüdische Mensch in Palästina. '> Bevölkerungsbewegung. Die aktuellen Probleme der zionistischen Kolonisation, 9. (Einfluß der erdkundlichen Verhältnisse auf die Völker und ihre Geschichte.) a) Erzwingung der Staatenbildung durch die Natur. Der geopolitische Einfluß der Gebirge, der Wasserstraßen, des Klimas, des Verkehrs. Einflüsse der Natur auf den Charakter der Staatsbürger. b) Jüdisches zur Rassenfrage. c) Das Mandatssystem. 10. (Die Kräfte, die die Erde gestalten.) a) Uebersicht über-den geologischen Aufbau- Deutschlands. Erdbeben, heiße Quellen, Vulkane u. ä. . b) Etwas von der Geologie Palästinas. Geologie und Bodennutzung. Weiche Fingerzeige gibt die Geologie für ..den .-landwirtschaftlichen Aufbau? 11. (Die Stellung der Erde im Weltall. Sonnensystem und Sternenhimmel.) . a) Beobachtungen am heimatlichen Himmel. b) Das astronomische Weltbild der Bibel. c) Der gestirnte Himmel über Palästina. Zur Frage der erdkundlichen Hilfsmittel kann auf die bezügliche in großem Umfange vorhandene Literatur verwiesen werden. Bei den unverantwortlich großen Klassen wird man sich auf die einfachsten und am leichtesten zu übersehenden erdkundlichen Techniken zu beschränken haben. D'e Tafelzeichnung ist immer noch ein wichtiges Aüsdrucksmittel. Sie darf kein zeitraubendes, nahezu künstlerisch ausgeführtes Wandtafelbild sein und das Lichtbild des Epidiaskops nicht ersetzen wollen, sondern muß in ein paar charakteristischen Linien das Wesentliche der Landschaft in sich zu vereinigen suchen. Eins der wertvollsten Werke für die Hand des Lehrers sei hier genannt: Arno Gürtler, Das Zeichnen im erdkundlichen Erdkundeunterr.icht, Verlag Ernst Wunderlich, Leipzig 1934. Drei Hefte bilden eine wahre Fundgrube einfacher und wesentlicher Zeichnungen aller für die Volksschule in Betracht kommenden Landschaften. Wo es die Verhältnisse gestatten, sollte das Formen in Ton und Plastilin gepflegt werden. Eine gute Anleitung hierzu bietet das Buch: Silber , und Hils, Erdkundliche Werkarbeit, Verlag Schreiber, Eßlingen, 1928. Es enthält außer der Einführung in das Formen m't Ton bzw. Plast'lin anschauliche Beschreibungen der Herstellung von Geländeaufnahmen bei Klassenausflügen, von Linoleum- und Scherenschnitten, die sich auf Landschaften, Volkstrachten und Hausformen beziehen. , Aufstellung lebendiger Statistiken, Anknüpfung eines Briefwechsels zwischen Schülern und ihren ausgewanderten Freunden sind ebenso geeignet, dem Erdkundeunterrichte Lebensnähe zu verleihen. Eine Vollständigkeit in der erdkundlichen Betrachtung ist unmöglich zu errelen. Was zu fordern ist und* unverrückbar festgehalten werden muß, ist die Arbeit auch der Erdkunde an der Schaffung des jüdischen Menschen, ist die Erziehung zur Ueberzeugung, daß wir als Staatsbürger, als Menschen nichts sind ohne unser Judesein.