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Jüdische Schulzeitung · 1934-08-31 · 9 (31.8.1934) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
9 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 9 .1 ü cl i s c he Schulzeitung, Seite 5 wi.iien die. Zustände im hebräischen Schulwerk Palästi-. iiiis Interesse, über die jüngst ein Haifaer Lehrer berichtet hat. Die .lugend ist nicht bereit sich das hebräische Schrifttum sitiäiieiKtiuti, weil dem Felitfiü.sc-u fiesslrk entstammt, dem die .lugend fernsteht. Die jüdische Literatur aus Osteuropa findet kein Interesse, weil der palästinensischen Jugend das Leben des Städtel unbekannt ist. Das gesprochene Hebräisch unserer Zeit ist anders als das geschriebene der Vergangenheit, und so greift die Jugen'd lieber nach Üebersetzungen. Das Bestreben der Lehrer, ihren Schülern den Talmud oder die Poesie des Mittelalters näherzubringen, ist zum Scheitern verurteilt. Der Unterricht in der modernen hebräischen Literatur aber verwandelt sich, da die Kinder die Quellen-nicht lesen wollen, zu einem Auswendiglernen von Namen und Daten. (Nach der Jüdischen Rundschau.) — Hier tritt es ganz deutlich hervor, daß die „Religionsmüdigkeit" keine Erscheinung der Diaspora allein ist, daß sie selbst in der geschlossenen Siedelung ein Hemmnis in der Erziehung darstellt, und dazu noch in dem Lande, dessen Luft nach einem alten Wort weise, und das heißt zugleich fromm macht. Es ist nicht die Absicht dieser Betrachtung, Wege aufzuweisen, die zu einer Aenderung der Dinge führen könnten; das mag ein andermal versucht werden. Hier kam es nur darauf an, die Grenzen erkennen zu lassen, die der Forderung auch einer jüdischen Wesensschule gesteckt sind, damit es von vornherein vermieden werde, falsche Hoffnungen zu erwekken und Ambitionen zu nähren, die eine schädliche Belastung sind auf den Schultern« der Lehrerschaft, die mehr zu tragen haben als in vergangenen Tagen. d. n. Vor den Selichoth Eine Studie von J. Popper, Leer (Ostfriesland) Aus früheren Jugendtagen noch steht mir ein Bild in der Erinnerung: Wenn der Herbst seinen Einzug hielt und noch tiefes Nachtdunkel auf der Erde lagerte, da wurde es hell in den jüdischen Häusern meiner Heimatgemeinde. Wir Kin'der. die wir noch tief im Schlaf lagen, wurden geweckt; schnell kleideten wir uns an, und ohne Zögern standen wir an dem mit Kuchen und Kaffee reich gedeckten Tisch. Dann traten wir hinaus in das kühle Dunkel. Noch blinkten zahllose Sterne vom nächtlichen Himmel, als wunderten sie sich über diese ungewohnte Ruhestörung, noch herrschte tiefe Stille in den schlafenden Straßen, und nur aus den jüdischen Häusern Kisten sich die Gestalten, die mit dem Gebetbuche in der Hand mit uns dem kleinen Gotteshause zustrebten. „Ich will den Morgen wecken, nicht soll der Morgen mich wecken!" Es galt ja, die Selichothtage zu begehen, die Vorboten der Jomim nauroim. Sogar Frauen stellten sich ein. Wir Schulknaben aber richteten unsern ganzen Stolz darauf, bei diesem Früligottesdienst vollzählig zu erscheinen. Nun bin ich ergraut und noch immer finden die Selichothtage und ihre Gebete mein reges Interesse. Es sei mir heute gestattet, auf diese Selichoth-Gebete näher einzugehen. Da fällt uns zunächst die Ueberschrift auf, die den meinen Selichoth vorangesetzt ist. Es sind dies die Bezeichnunsen: Pethichah, Schnijah, Schlischijah, Akedah, Selichah, Sdialuionith, Pismon. Techinah. Sie beziehen sich teils auf das Versmaß, teils auf die Stellung in der Reihe der Selichoth <:der auf den Inhalt derselben. In der Pethichah haben wir ein Eink'itungsgebet zu erblicken, sie tritt nur in den zehn Bußtogen auf. Die Schnijah baut ihre Sätze aus zwei Teilen, die Schlischijah aus drei Teilen, die übrigen! aus vier Teilen auf. Die Akedah weist in ihrem Inhalt mehr oder weniger auf die |)pferbindung Isaaks hin (1. B. M. 22). Die Ueberschriften Selichah und Techinah bezeichnen Büß- und Bittgebete. Lange richte ich nach der Erklärung der Ueberschrift Schalmonith. fcli fand, daß jede Selichah mit diesem Titel, der im ganzen fünfmal auftritt, als Verfasser den Namen Schlomoh trägt. Hierüber später. Es ist anzunehmen, daß die betreffende Selichoh darum diese Bezeichnung führt. Eine besondere Stellung nehmen die mit dem Worte Hlsmon (d. i. Gedieht oder verwandt mit dem französischen psaume Psalm?) bezeichneten Stücke in der Liturgie ein. Sie stehen gegen Ende der Tages- Selichoth, werden bei geöffneter Heiligen Lade nach einer besonderen Melodie laut vorgetragen und satzweise von der Gemeinde wiederholt. Allen Selichoth, die nicht mit einem Gottesnamen beginnen, werden die Worte: „Unser Gott und der Gott unserer Väter" vorangesetzt. Wann werden die Selichoth gebetet? Vom ersten (bzw. zweiten) Sonntag vor Rosch Haschonoh bis Jörn Kippur, den eigentlichen Selichoth-Tagen, an den Fasttagen (mit Ausnahme des neunten Aw) — sie behandeln dann zumeist die auf den Fasttag bezüglichen geschichtlichen Ereignisse. — Ferner an Jörn Kippur koton, an einem Mondtag, Donnerstag und Montag in den Monaten Cheschwan und Ijar, nachdem am vorhergehenden Sabbat beim Gottesdienst auf diese drei Tage aufmerksam gemacht worder.' war. Für diese letztere Einrichtung gibt der Talmund drei Gründe an: 1. die Voraussetzung. daß in der Freude der vorangegangenen Feste Sukkoth und Pessach leicht .gesündigt werden konnte (Ijob I. 5), 2. wegen der durch den Witterungsumschlag in den fraglichen Monaten hervorgerufenen Gesundheits-Schädigung, 3. als Bitte wegen der durch zu vielen Regen oder durch trockenen Wind im heil. Lande zu befürchtenden ackerbaulichen Verluste. Außerdem haben in einigen Gemeinden religiöse Vereinigungen (Chcwroth) nach alter Tradition regelmäßig wiederkehrende freiwillige Fasttage eingesetzt, an welchen ebenfalls bestimmte Selichoth gebetet werden. (So in Frankfurt am Main am Taanith Vinz.) Jede Selicho ist begleitet von den sog. Schlausch esre middaus, die einst dem Mose gelehrt worden sind, damit Israel durch sie Verzeihung seiner Sünden und Hilfe in der Not finden solle. (II. B. M., Kap. 34, Vers 5 bis 7 teilweise.) Ueber-das Alier der "Selichoth läßt sich nur wenig genaues sagen-, da wir nicht alle Verfasser kennen. Einzelne von ihnen, wie Tiher und ihre Fortsetzung Hajaum kamoh vom Nachmittage des Versöhnungstages scheinen nach ihrem Inhalte und der Lebendigkeit ihrer Diktion bereits auf ein Alter von ca. 1800 Jahren blicken zu können; der Verfasser Jehuda Mitteilung! Bitte geben Sie dieses Blatt an diejenigen Interessenten weiter, die ebenfalls für den Bezug der Jüdischen Schulzeitung in Frage kommen. 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