Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 9 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer 9 Verschiedenes Der Preußische Landesverband weist in einem Rundschreiben auf die Kurse hin, die die Berliner Gemeinde für Erwachsene und Jugendliche eingerichtet hat. In diesen Kursen sollen die Teilnehmer mit dem Wesen der Öebate und Bräuche an den hohen Feiertagen vertraut gemacht werden. . Wie in so manchen andern Dingen geht auch hier die Berliner Gemeinde mit gutem Beispiel voran, und es wäre wünschenswert, wenn recht viele Gemeinden im Reiche diesem 'Beispiel folgten. Wir zweifeln nicht daran, daß sich die Lehrer und Rabbiner, gern in den Dienst der guten Sache stellen werden. Wir bitten zum wiederholten Male darum, alle Anmeldungen und Zuschriften für unser Heim nur an Herrn J. B. L e vy, Frankfurt a. M., Freiherr v. Stein-Straße 9. zu richten. Die Verwaltung des Erholungs- und Altersheims für jüdische Lehrer und Kantoren Bad Ems. Der preußische Kultusminister stellt in einem Runderlaß an die Regierungspräsidenten fest, daß von Ostern 1935 ab in den Fibeln die Antiquaschrift nicht mehr zu verwenden ist. Lehrer Jäckel in Kassel konnte am 1. August auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit in der Gemeinde zurückblicken. Die Geschäftsstelle der „Interessen-Vertretung der höheren und mittleren jüdischen Lehranstalten" teilt uns mit daß durch ihre Vermittlung das ausgezeichnete Werk des Chief •Rabbi Dr. Hertz „A Book of Jewish Thoughts" (367~Seiten in gutem Leinenband) zum besonders billigen Preise von 1 RM bezogen werden kann. Bestellungen werden an den Leiter der Geschäftsstelle, Dir. Dr. Klibansky, Köln, St. Apernstraße 29/31, erbeten. Eingesandt Bemerkungen zu dem Aufsatz von J. B. Levy „Rel/g/onsunterrlcht — Judentumskunde*. Chachamim hishaharu b'diwrechem! Ihr Weisen, achtet auf eure Worte! An dieses Wort aus den Sprüchen der Väter wird man erinnert, wenn man den Artikel unseres hochgeschätzten Amtsbruders in Nr. 8 der „J. Sch." aufmerksam liest. Neben einer Fülle von hochwillkommenen Anregungen, für die wir herzlich danken, gibt er doch in einem Punkte Anlaß zum Widerspruch. Wir lesen: „Wir wollen nicht ungerecht sein . . . Wir dürfen für sie (die vergangenen Lehrergeschlechter) und uns in Anspruch nehmen . . . „religiös-sittliche Persönlichkeiten" erzogen zu haben," „Was er (der Religionsunterricht) aber nicht erreicht hat, das ist das überzeugte, innerliche und das laute, vernehmliche Ja unsers Geschlechtes zu dernatürlichen und geschichtlichen Gegebenheit des Judeseins, aus der heraus er sein gesamtes Leben gestaltet, trotz — oder neben — der deutschen Bildung ..." Und dann wieder: „Wir müssen erkennen und bekennen, daß diese Trauer und Schmerz erregenden Gestalten die Objekte des nach der Emanzipation entstandenen und betriebenen mangelhaften Unterrichtes und der verkehrten Erziehung . . . auch Lehrergeschlechter sind, die sich damit begnügt haben ... Einige Zeilen vorher: „Der deutsche Jude, das Produkt dieses Unterrichts . . ." Also einmal Objekt, das andere Mal Produkt! Zuerst will man nicht ungerecht sein und hebt lobend gewisse positive Leistungen der jüdischen Schule in der Vergangenheit hervor, und wenn man dann einige Zeilen weiter die Lauge schärfsten Tadels über uns und unsere Amtsvorgänger ausgießt, ist man dann noch immer gerecht? Der Verfasser .sollte doch bedenken, wie gering der Aktionsradius des Lehrers bemessen war und auch noch heute meist ist. Wir haben — und auch unsere Amtsvorgänger haben das bestimmt getan — unsere Ziele weit gesteckt und haben sie nicht erreicht. Das bekennt auch der Verfasser. Warum? Wir konnten sie nicht erreichen. Das Leben stand' gegen uns. Unsere Schüler sind allerdings Objekte unserer Erziehung, aber sie waren und sind niemals deren Produkte gewesen. Die Schule ist ja nur e i n Faktor im Erziehungsvorgang. Wenn das Leben gegen die Schule wirkt, dann wird ihre Erfolgsmöglichkeit noch mehr verringert. Das 19. Jahrhundert hat planmäßig an der Eindeutschung der Jugend gearbeitet und dadurch den Typ des Juden produziert, den der Verfasser wahrhaftig nicht zu scharf gekennzeichnet hat. Das war aber nicht etwa Schuld oder gar Alleinschuld der Lehrergeneration! Eine geschichtliche Schuld trifft keinen Einzelnen,, auch nicht einen Stand, sondern die Gesamtheit trägt sie. Heute wird eine Zurückführung unserer Jugend zu den Quellen verlangt, und dieselben Kräfte, die einst gegen uns wirkten, stellen sich in den Dienst der großen Idee, für die wir — und seien wir gerecht — auch unsere Amtsvorgänger redlich gewirkt haben. So wird unsere Notzeit einen Typ des deutschen Judenhervorbringen, um dessen Formung wir uns vergeblich mühten, weil uns die Umwelt nicht zur Seite stand. Capeil, Wiesbaden. Literarisches „Der Morgenw, Philo-Verlag, Berlin W 15, Jahrgang \0r Heft 5. Jahresabonnement 12 RM. Einzelheft 1 RM. Nach dem mehr soziologisch gehaltenen Juli-Heft schlägt das Augustheft des „Morgen" die literarische Note stärker an. Trotzdem fehlt es auch hier nicht an Beiträgen zu der immer aktuellen deutsch-jüdischen Gegenwartsfrage. Das kommt in dem Leitartikel „Grenzen der Normalisierung" zum Ausdruck, der sich mit den Berufsrichtlinien des Zentralausschusses kritisch beschäftigt. „Die geschichtliche Aufgabe-des deutschen Judentums" sieht Ignaz Maybatim in dessen entwicklungsmäßigem Vorsprung vor dem jüngeren palästinensischen Judentum, der dem deutschen auch und gerade jetzt eine Führerstellung zuweist. Maybaum erwächst die Erkenntnis, daß es dem deutschen Judentum aufgegeben ist, heute eine geschichtliche Epoche zu gestalten, die sich dem Palästina-Aufbau in ihrer jüdischen Bedeutung ebenbürtig an die Seite stellen läßt. Unter den literarischen Beiträgen sei Alfred Wolfensteins gedankentiefer Essay „Von der Dichtung des Juden'* hervorgehoben. Elias Hurwicz stellt an einer Fülle altjüdischer Legenden den Geist der jüdischen Legende dar. Ein Nachruf von Emanuel bin Gorion auf Bialik, Jüdische Sprichwörter und Manfred Sturmanns Novelle „Die Sendung des Heils" beschließen diesen Hauptteil des Heftes. Der Glossenteil ist mit einer sorgfältigen Arbeit Hilde Ottenheimers „Struktur und Bedeutung jüdischer Erziehungsfürsorge", der Presseschau „Deutsche Juden in Palästina"