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Jüdische Schulzeitung · 1934-08-01 · 8 (1.8.1934) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nummer 8 aber zugleich auch mit tiefster Dankbarkeit im Herzen, sieht die jüdische Lehrerschaft diesen wackeren Kollegen, der zu den verdienstvollsten Persönlichkeiten im Lehrerverbande gehört, aus ihrer Mitte scheiden. Etwa zur Zeitder Begründung des Lehrerverbandes (in den letzten Dezeiribertagen 1895) rief Peritz den Verein jüdischer Lehrer Ostpreußens ins Leben, dessen Vorsitzender er bis vor wenigen Jahren gewesen und den er in mustergültiger Weise organisiert miid geleitet hat. Als dessen Vertreter nahm er als Delegierter und später als Ausschuß- und Vorstandsmitglied an allen Tagungen und Arbeiten des Verbandes als eines seiner rührigsten und. tätigsten Mitglieder^teil. Peritz' Bedeutung lag besonders auf dem Gebiete des Versorgungs- und Kassenwesens, auf dem er sich eine außerordentliche Sachkenntnis angeeignet hatte. Die Versorgung und Sicherstellung der Zukunft aller Kollegen und ihre»- etwaigem Hinterbliebenen lag ihm besonders am Herzen, und was auf diesem Gebiet erreicht worden ist, ist hauptsächlich seiner unermüdlichen, immer wieder sich durchsetzenden Energie zu verdanken. Die Arbeiten für die Interessen des Standes sind ihm besonders auch darum hoch anzurechnen, weil Peritz als Direktor des Waisenhauses zu Königsberg sich in unabhängiger gesicherter Stellung befand und er in reinstem Idealismus und edelster Selbstlosigkeit sich für das Wohl seiner Berufsgenossen eingesetzt hat. Darum innigsten Dank dem scheidenden Kollegen; möge ihm im Lande der Väter ein heiterer Lebensabend, verklärt durch die Erinnerung an das, was er für uns gewollt und erreicht hat, beschieden sein. m der Junisitzung der Wissenschaftlichen Vereinigung für jüdische Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin gedachte der Vorsitzende Rektor Dr. Stern des nach Palästina übersiedelnden Kollegen Waisenhausdirektor Peritz. Er sprach ihm für seine großen Verdienste um die Vereinigung und um die gesamte jüdische Lehrerschaft Deutschlands herzlichen Dank aus und wünschte ihm eine glückliche Zukunft in Erez Israel. Versammlungen Im Verein der jüdischen Lehrer in den Bezirken Emden- Oldenburg-Bremen sprach Kollege Grünfeld aus Papenburg über die Minhagim und Landrabbiner Dr. B1 u m - Emden über Jugend und Gemeinde. Kollege G i n s b e r g aus Dierdorf sprach in Neuwied im Bezirk Oberrhein des Vereins isr. Lehrer und Lehrerinnen der Rheinprovinz und Westfalens über die Richtlinie.n und den Religionsunterricht. Im Bezirk Saar-Mosel des gleichen Vereins sprach Kollege Simon-Trier über „Jüdische Schule — Jüdische Erziehung". Der Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover hielt am 10. Mai seine 60. Jahresversammlung ab. Der an Stelle des heimgegangenen Vorsitzenden Lehrer Katz-Nienburg gewählte Kollege Löwenstein-Scharmbeck referierte über: Neue Anforderungen an Inhalt und Methode des hebräischen Unterrichts. Literarisches Thomas Mann: Der junge Joseph. S. Fischer Verlag, Berlin. Urewig und nie endend, ganz das stets bleibende Menschliche verkörpernd, erscheinen die Figuren in den „Geschichten Jaakobs", die Thomas Mann seinem „Jungen Joseph" voraussagte, so Joseph einfügend in die Kette jener Gestalten, die im rein Geistigen sich hinausheben über die Menge der Sterblichen, der Realmenschen, die dem Boden und Beruf verwachsen, sich nicht zu jener. Höheren Sphäre hinaufrekken können, die sie wohl ahnen, deren Bedeutung sie aber nicht so erfassen, wie Abraham, wie Jakob, wie Joseph. Naturhaft sind die Menschen auch im neuen Werk, in ihrem Handeln, ihrem Sprechern, und doch auch wieder so ganz Menschen unserer Tage. Wir verstehen sie, wir denken und fühlen oft wie sie, nur sind wir meistens vorsichtiger* gehemmter, scheinen wir das Triebhafte überwunden zu Seite 15 haben, überwinden zu wollen, geben wir nicht allen Regungen nach. — Was hier eine schöpferische Hand herausholt aus morgenländischer Geschichte, Legende und Sage, aus Mythologie und Mystik, aus den; kurzen knappen Berichten des Buches der Bücher, — allerdings gibt es wohl kaum Dramatischeres, Bewegteres, dem Gemüt Nähergehendes als diese Josephsgeschiehte — wie da der Psychologe und Menschenformer in diese teils komplizierten, teils urwüchsigen Köpfe und Herzen hineinsieht, als seien sie gläsern, kann man schlecht wiedergeben, in diesen Reichtum muß jeder selbst hineingreifen. Plastisch die Einzelgestalt und doch auch wieder Typ; das dargestellt, was Josef Kastein in seiner „Geschichte der Juden" zusammenfaßt in den Worten: „Aus Gruppen, Horden. Sippen, aus Einzelheiten, die nur an sich selber denken, erwachsen eines Tages Verbundenheiten, Gemeinsamkeiten der Art und des Schicksals, bekommen Geburt und Tod, Glückseligkeit und Verhängnis einen veränderten Sinn, entstehen neue Gefühle und neue Denkarten, die der Erde ein neues Angesicht aufdrücken." Da ist dieser schöne und „über die Maßen" kluge Joseph, Diplomat und Schmeichler, imir von Jaakob geliebt, von Benjamin fast angeschwärmt, Träumer und Seher, v e r kannt und weil doch auch erkannt, gehaßt von den Brüdern, beneidet um der von einer verschwenderischen Natur verliehenen Vorzüge, mehr um des Verziehens willen, das ihm vom Vater wird, der in ihm nur Rahel, die Geliebte, früh Verlorene sieht. Da sind diese Jaakobssöhne, so kraftvoll und doch mit sich selbst schon unzufrieden, einer Unkultur nachtrauernd, die ihnen Kraft — sie lieben das Lamechlied — dünkt und die ein vergeistigenderes göttlicheres Gesetz, das Gericht zu Babel, ihnen nahm. Da ist Dan, der spitzfindige Advokat — „Dan wird richten sein Volk . . .", heißt es in Genesis 49, 16 — der seine Worte so wohl zu setzen weiß, der so genau die Stelle kennt, wo der Hebel anzusetzen, wo die Schuld liegt, die das eigne Verhalten rechtfertigen, den Rückfall der Brüder ini fast tierische Art bei der Mißhandlung Josephs, entschulden soll;, da sind Schimeon und Levi, die wilden, unbändigen Zwillinge — Bluttat von Schekem auf ihrem Gewissen — von denen das Buch sagt: „. . . in ihren Kreis komme nicht meine Seele, an ihre Versammlung schließe sich nicht mein Geist". Da ist Rüben, der menschliche, nachdenkliche, die Brüder verstehend umd doch ihr Handeln unerträglich findend; und noch einmal Joseph in der Grube, tausend Bilder vor Augen, angesichts des bitteren Todes seine Ueberheblichkeit erkennend, die Qualen und Leiden, die er den Brüdern angetan, und doch auch wieder ahnend, daß er nur Rädchen in einem großen Schicksalsgefüge ist, das noch bevorsteht. Da sind diese Ismaeliter, die so klug zu reden und so zäh zu feilschen wissen um Joseph, den sie selbst aus dem Brunnen zogen, den „Niemandssohn", der allem Verhandeln in Demut zuhört. Von einer ungeheuren Wucht und Lebendigkeit die Szene der Mißhandlung und' des Verkaufs, es bedarf keiner Phantasie mehr, dies Land um Dotan zu sehen mit diesen Stieren von Brüdern, diesen feilschenden Alten, deren Reden dennoch von einer gewissen verfeinerten Lebensart zeugen, mit diesem verzweifelnden Rüben, der nicht gegenwärtig beim Verkauf. Und Jaaköb? Erst verfällt er dem Zustand der Starre, dann aber ergibt er sich und bewahrt das Bild des Geliebten, „bewahrt ihn, besser und holder als die Leute des üblen Aegyptenlandes den Körper bewahren . . . unverbrüchlich, ungefährdet und unveränderlich, nicht bedürftig der Sorge und immer siebzehnjährig." — Vielleicht sind "die „Geschichten Jaakobs" großartiger, gewaltiger, vielleicht gibt die Gestalt Jaakobs und seine Zeit mehr Anlaß zu der philosophischen Grundlage, aus der in diesem ersten Buch der Dichter die Charaktere sich herauskristallisieren läßt, hier aber sind die Gestalten menschlich, urmenschlich und doch auch heutig, sehen wir sie so plastisch, so aufwühlend in Wort und Handlung, daß keine sich verwischt, daß nicht eine von ihnen an Schärfe verliert. Cllli Marx. Jüdische Schulzeitung

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