Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1934-08-01 · 8 (1.8.1934) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2825247-2825342-2825350--0873-2826516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 14 Jüdische Schulzeitung Nummer 8 bels oder auch Auerbachs Schatzkästlein bis zum „Faust" und „Westöstlichen Divan", mittelalterliche Mathematiker und Naturwissenschaftler oder Philon in Originalsprache auf der Oberstufe usw. Hebräisch wäre leichter zu lernen, wenn .., Vor etlichen Jahren war in der Rundschau ein Artikel überschrieben: Hamered hagermani. Erst das Wörterbuch mußte mir diesen Ausdruck deuten, obwohl ich den Vers der Bibel, in welchem die Wurzel des Wortes Mered vorkommt, auswendig herunterplappern konnte. So haben wir eben gelernt. Nach der Qualität der Chedermethöde, aber ohne deren Quantität. Nun, diese Zeiten sind fast überall überwunden und moderne Methoden werden als selbstverständlich empfuniden. Aber wir dürfen nicht ruhen und rasten und wo wir eine Einzelverbesserung ins Werk setzen können, sollen wir es tun. Auf einige Teilmöglichkeiten methodischer Verfeinerung soll hier hingewiesen werden. In jeder Sprache spielen die Wortfamilien (Wortsippen) eine große Rolle. Die Trennung zwischen Vokalschreibung und Konsonantenschreibung im Hebräischen und besonders die Entstehung fast aller Wortformen aus einem dreibuchstabigen Stamm, machen es uns außerordentlich leicht, einerseits aus vielen Wörtern den gleichen Wortstamm herauszufinden, andrerseits aus einem Wortstamm (Wurzel) viel© Wörter verwandter Bedeutung erstehen zu lassen. Wir brauchen — um vom zweiten Fall zu sprechen — niur die bekannten Bedienungsbuchstaben, nach gewissen Regeln anzusetzen. Hier steckt m. E. eine einzigartige Chance des Hebräischlernens und Hebräischlehrens. Und sobald das Schulkind einigermaßen die Buchstaben beherrscht, müssen ihm diese Grundtatsachen, eingeprägt werden, natürlich auf möglichst untheoretischem Wege. Man wird dann — das sei hier mehr nebenbei gesagt — sehr rasch zum Leserl unvokalisierter Texte schreiten können, was wiederum beweist, daß sich schon früh gefühlsmäßig eine große grammatische Sicherheit anbahnt. Man lernt dann mit Wurzelbuchstaben und Bedienungsbuchstaben gewissermaßen wie ein Spraichschöpfer Wörter bauen. (Beispiele: Rab, Ribith, Tharbith, Marbith, Rob, Ribbui usw.) Aber — und jetzt kommt für den Lehrer das eigentliche Problem, das durch allergrößte Willigkeit nicht ausgeglichen werden kann — es gibt Wortfamilien, welche sich auf Stämme aufbauen, die nur gruindgleiches bedeuten, aber nicht grundgleich geschriebeirv werden. (Beispiel: nechirajim mit c h e t h und kawereth, das man mit c h a f schreibt.) Es ist unmöglich zu verlangen, daß jeder Lehrer diese Zusammenhänge kennen und vor allem gegenwärtig haben soll. Dazu brauchen wir eben ein Sip.penwörterbuch. Vor Jahren habe ich schon zur Schaffung eines solchen Hilfswerkes zum Lernen und Lehren aufgefordert und ich erneuere heute diesen Aufruf. Wir haben Gelehrte, die zu solchem Werk durchaus fähig sind. Ich bin überzeugt, daß für einen normalbegabterr Menschen die Lernzeit für das Hebräische dadurch auf ein Viertel zusammenschrumpft. Solange dieses Werk noch nicht vollendet ist, sollten die jüdischen Wochenzeitungen in jeder Nummer wenigstens von zwei bis drei wichtigen. Wortstämmen — in unterhaltsamer Form — berichten. Gleichzeitig würde dann ersichtlich werden, was es mit dem mysteriösen „Neuhebräisch" auf sich hat. Und weil schon einmal hier an die Zeitungen appelliert wird, noch eine andre Bitte: Wir übersetzen ttöch zuviel bei unserem Hebräischsprechen. Wir wissen noch zu wenig, daß der Weg vom Deutschen ins Hebräische nicht nur daL Eintauschen eines anderen. Vokabulars, sondern der Gang in eine ganz andere Gedankenwelt ist. Beispiel: Lasar Torcziner übersetzen für den Ausdruck: „Wie die Katze um den heißen Brei ..."== „Wie der Nasir um den Weinberg herum." Solche Beispiele, welche .Notwendigkeiten sind für den, der ein wirkliches tiefes, historisch und volkhaft fundiertes Hebräisch erstrebt, gibt es viele. Woher aber sollen wir Durchschnittslehrer sie kennen? Darum müssen die jüdischen Zeitungen dauernd Sachkenner zu uns sprechen lassen, in einer Rubrik, welche heißt: „Man sagt nicht . . sondern . . . Und die jüdischen Zeitungen müssen noch einen Schritt weiter gehen und in jeder Nummer wenigstens einen kurzen Artikel zweisprachig bringen. Dieses Unternehmen dürfte nicht kostspielig sein. Allerdings muß dieses Hebräisch dann wirklich musterhaft sein. Endlich: das Hebräische würde auch leichter werden wenn man die Kursivschrift in Pflege nähme. Man sieht zuweilen, daß wirklich geübte und erfahrene Hebraisten an einem hebräischen Brief förmlich herumstudieren, selbst wenn die Schrift garnicht verschnörkelt ist. Es schreibt eben jeder noch seine Privatschrift. Dieser Zustand kann doch unmöglich so weitergehen. Und wie eine normierte Druckschrift gelang — und man möchte unsere Quadratschrift vorbildlich schön nennen — so muß auch eine Kursivschrift entstehen, die schon einen Wert an sich bedeutet, die schön und praktisch ist. Auch auf dieses Problem habe ich längst hingewiesen, aber keinerlei Echo gefunden. Es handelt sich hier nicht nur um eine schulische, sondern um eine allgemeinwichtige jüdische Angelegenheit. Denn es muß die Judenheit als Ganzes berühren, wenn ihre Einzelmenschen wohl die gemeinsame „Ursprache" beherrschen, aber keine gemeinverständliche, allen verständliche und leicht lesbar durchkonstruierte' Schreibschrift besitzen. Seit zehn Jahren benütze ich eine normierte Schrift. Aber deren Wert ist* begrenzt, wenn sie nicht zur allgemeinen! Anwendung kommt. Es ist übrigens nicht mein Ehrgeiz „meiner" Schrift zur allgemeinen Anwendung zu verhelfen. Ich glaube sogar, daß die Entscheidung über die hebräische Schreibschrift nicht bei uns fallen kann, sondern in Palästina und Polen, in denjenigen Ländern, in welchen hebräische Schrift und hebräische Sprache am meisten! gehandhabt werden. Für die Arbeit der Vereinheitlichung möchte ich einige Gesichtspunkte angeben. Die Kursivschrift soll sich schnell schreiben und bequem lesen lassen. Darum muß vor allem das Bedürfnis des menschlichen Auges nach Abwechslung des Schriftbildes beachtet werden, ohne daß eine „bunte" Vielfalt entstehe, welche verhindert, daß ein Schriftbild gegliedert werden kann. Mein Vorschlag geht dahin, mit Ausnahme des Jod, nur drei Grundtypen zu schaffen, nämlich den mittleren^ (mem), den hohen (Iamed) und den tiefen (Kof) Buchstaben. Damit die Buchstaben ihre Namen noch zu Recht tragen, soll die Anlehnung an Urform beachtet werden, soferne die Rücksicht auf die nun einmal fixierte Druckschrift dies zuläßt. Verwechslungen muß vorgebeugt werden. Ehemalige Schnörkel dürfen nicht die Grundform des Buchstaben überwuchern. Jedenfalls darf die Schrift kein Zufallsprodukt bleibeni, sondern wir müssen eine Kursivschrift schaffen, die sich historisch, logisch und praktisch begründen läßt und einen nationalen Wer.t repräsentiert. Hebräisch wäre leichter zu lernen und zu lehren, wenn wir derartigen Einzelfragen mehr Aufmerksamkeit schenken würden. Issi Bayer, Bingen. Aus dem Lehrer-Verband Adolf Peritz zum Abschied Herr Waisenhausdirektor i. R. Peritz, der lange Jahre hindurch dem Hilfsausschuß des Preußenverbandes vorgestanden hat, wird demnächst nach Palästina übersiedeln. Den Vorsitz des Hilfsausschusses wird vorläufig Kollege M. Abraham übernehmen. (Anschrift: Berlin W 50, Spichernstr. 19). In diesen Tagen verläßt der ehemalige langjährige Direktor des jüdischen Waisenhauses in Königsberg Deutschland, um zu seinen Kindern nach Palästina überzusiedeln. Mit Wehmut,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.